FrauenquoteViviane Reding unterzeichnet Quoten-Forderung

EU-Kommissarin Reding unterstützt den Ruf nach einer Frauenquote für die Wirtschaft. In Berlin deutete sie an, dass die Kommission notfalls aktiv werden müsse. von 

Eu-Kommissarin Viviane Reding, Archivbild aus dem Jahr 2011

Eu-Kommissarin Viviane Reding, Archivbild aus dem Jahr 2011  |  © Attila Kisbendendek/AFP/Getty Images

Seit zehn Jahren existiert die freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Gebracht hat das Papier wenig: Der Frauenanteil stagniert in Aufsichtsräten bei zwölf Prozent, in Vorständen liegt die Quote sogar nur bei drei Prozent. Im Oktober verpflichteten sich die Dax-Konzerne zwar, den Frauenanteil bis 2020 spürbar zu erhöhen – allerdings war hier nur von den unteren und mittleren Führungsebenen die Rede. Eine konkrete Zielvorgabe gibt es dabei nicht, die Unternehmen können selbst entschieden, wie stark der Anteil steigen soll.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen – die wohl bekannteste Befürworterin der Frauenquote – ist das nicht genug. Sie ist damit nicht allein. Frauenverbände und Politikerinnen aus allen Parteien machen Druck und fordern die Quote.

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Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

Fehlt ein Argument? Kontaktieren Sie uns: @zeitonline_kar

Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Unterstützung kommt aus Brüssel : EU-Kommissarin Viviane Reding hat das Thema bereits vor einem Jahr zu ihrer Chefinnensache erklärt – und zwar europaweit. Denn Deutschland liegt mit seinem Frauenanteil in Führungspositionen im guten Mittelfeld. Ungarn , Zypern und Luxemburg unterbieten den Wert mit gerade einmal fünf Prozent Frauen in Aufsichtsräten. Für Reding ein nicht haltbarer Zustand. Sie führte Gespräche mit den Vorstandsvorsitzenden der börsennotierten Unternehmen und gab den Konzernen bis März Zeit, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen.

Bei einer Veranstaltung der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) in Berlin am Freitag hat sie nun die Berliner Erklärung unterzeichnet, eine überparteiliche Forderung von Politikerinnen und Politikern nach einer Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen. "Wir müssen uns europaweit verbünden. Diese Erklärung wird kein Papier bleiben", sagt Reding.

Am 8. März – dem 101. Weltfrauentag – will die EU-Kommissarin die Ergebnisse aus den Unternehmen vorstellen. Bereits am Freitag hat sie angedeutet, dass die Zahlen ihre Erwartungen nicht erfüllen werden. Wenn nicht deutlich mehr Frauen in den Aufsichtsräten und Vorständen sitzen, will Reding eine gesetzliche Quote bis 2020 für ganz Europa auf den Weg bringen. Dabei argumentiert sie mit dem Wettbewerb auf dem europäischen Binnenmarkt: Weil Länder wie Norwegen und Frankreich eine gesetzliche Quote bereits haben, herrschen in den europäischen Ländern ungleiche Bedingungen. Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen, sagt Reding.

Unternehmen mit Frauen an der Spitze erzielen höhere Renditen, machen 12 bis 18 Prozent mehr Gewinn als Unternehmen, in denen nur Männer in den Kontrollgremien sitzen, und auch der Aktienkurs entwickelt sich besser. Das bestätigen Studien der Unternehmensberatungen McKinsey und Ernst&Young . "Das sind keine Zufallsergebnisse", sagt Reding. Auch zeigen die Beispiele aus den Ländern, die bereits eine Quote haben, dass die Unternehmen eher besser dastehen als vorher.

In Zeiten des Fachkräftemangels könne Europa nicht mehr auf die gut ausgebildeten Frauen verzichten, argumentiert die EU-Kommissarin. 60 Prozent der Universitätsabsolventen in der EU sind Frauen. Sie haben bessere MBA-Abschlüsse als Männer. Das Argument, es gebe keine qualifizierten Frauen für Führungspositionen, könne man nicht mehr länger gelten lassen. Natürlich sei eine EU-weite Frauenquote ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. "Mir wäre lieber, wir müssten es nicht tun – aber im Interesse des Wettbewerbs auf dem Binnenmarkt muss Politik hier eingreifen", sagt Reding.

Doch warum sind die Aufsichtsräte eigentlich so wichtig – und warum ist auf einmal solche Eile geboten? "Wir haben lange genug gewartet. 2013 werden in vielen Unternehmen die Aufsichtsräte neu bestimmt. Und in den Aufsichtsräten fallen die Entscheidungen für die Vorstände", sagt Maria Böhmer , Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Vorsitzende der Frauenunion der CDU . Auch sie hat die Berliner Erklärung unterzeichnet und sieht keine Alternative zur Frauenquote. "Wenn wir bis 2013 keine gesetzliche Vorgabe haben, wird sich wieder fast nichts tun – und die Frauen müssen erneut Jahre warten."

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Leserkommentare
  1. Aber bitte Konsequent für alle Berufe und alle Bevölkerungsunterteilungen. Frauen in Handwerksbetrieben, auf dem Bau, in der ersten Reihe an der Front. Behinderte in die Vorstände und Männer auch als Klo-Frauen ähm Klo-Männer.

  2. sich zwei verschiedene Fragen. Das eine ist die Quotenfrage - zu der denke ich mir nur noch: Schafft endlich die vierhundert zusätzlichen Vorstandsposten, dass mal Ruhe ist mit dem Quotengequäke und auch die ZEIT dazu kommt, sich wieder um andere als um Oberschichtsprobleme zu kümmern. Es gibt Menschen in diesem Land, die keine Wohnung haben, Kinder hungern und die aktuellen Ereignisse in Syrien - nein, dazu hören wir hier SEHR WENIG.

    Zum anderen finde ich aber wirklich bedenklich, welche Macht die EU-Kommisson mittlerweile beanspricht. Heute ist es die Frauenquote, morgen ist es eine EU-Steuer, übermorgen eine Verordnung über erlaubte Gedanken und dann fehlt nur noch die ArbeitsPFLICHT für alle nicht gequoteten Männlein und Weiblein - am besten unter solchen Bedingungen, dass WIR dafür arbeiten müssen, denen ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, als ob sie nicht selbst für sich malochen könnten.

    In meinem nächsten Leben werde ich auch Politiker(in) und lasse mich aushalten und bestimme denen da unten ihr Leben.

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    Obwohl wir in Deutschland geschätzte 10 Millionen Arbeitslose haben, und in anderen EU Ländern ähnliche Verhältnisse herrschen, hat sich die EU entschlossen, Doppelverdienerfamilien zu schaffen, anstatt vorrangig jeder Familie eine/einen ErnähreIn zu geben. Die Doppelverdiener taugen gut als "Reiche" und "Besserverdienende", die einen steigenden Anteil ihres Einkommens und ihrer Sozialversicherung abgeben müssen. Die Mehrheit der arbeitslosen Familien bestimmt die politische Richtung durch die Wahl "sozialer" Parteien, die sich redlich darum bemühen, dass es genug arme Wähler gibt.

    Durch Diskriminierung und Geringschätzung der Hausfrauen und Mütter, durch Frauenquoten und durch eine kollektive Gesamterziehung der Kinder soll diese Situation mit aller Macht erzwungen werden.

    In der Welt gibt es echte Probleme zu lösen, und dazu werden Köpfe benötigt. In der EU sorgt man sich aber offensichtlich darüber, dass sich Penisse und Vaginen in gleichem Verhältnis an die Chefsessel schmiegen.

  3. Jedes Gesetz, das den Unternehmen eine starre oder flexible Frauenquote ist nicht nur wegen der damit verbundenen Diskriminierung männlicher Bewerber menschenrechtswidrig, sondern verletzt auch die Privatautonomie der Unternehmen: In einem marktwirtschaftlichen System ist es einzig und allein Sache der Unternehmen selbst, welche Personen sie mit Führungs- oder Aufsichtsverantwortung betrauen. Schließlich tragen sie ja auch die wirtschaftlichen Folgen ihres Tuns - bis hin zur Insolvenz. Unternehmen sind weder Teil der Staatsverwaltung noch stehen sie im Eigentum des Staates. Nur weil die gesellschaftliche Entwicklung nicht das Ergebnis bringt, das die ideologisch motivierten Gutmenschen-Politiker in ihrer überlegenen Weisheit gerne hätten, heißt das noch lange nicht, dass die Politik - sei es die nationale oder die der EU - hier den Unternehmen reinzupfuschen hätte.

    Es erschüttert, mit welcher Selbstverständlichkeit die Politik derzeit die Privatautonomie aushöhlt. Und wie bereitwillig-liebesdienerisch ihr die gleichgeschalteten Systemmedien Schützenhilfe leisten. Wer mehr Frauen in den Aufsichtsräten haben will, soll Aktien von dem Unternehmen kaufen, dann kann er bei der Hauptversammlung "seines" Unternehmens entsprechende Vorschläge unterbreiten.

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    Redaktion

    Lieber Herr Eckert,

    dass Sie aus einer Frauenquote von 30 Prozent eine allgemeine Männerdiskriminierung ableiten, ist schon erstaunlich. Zum einen gibt es nur sehr wenige Aufsichtsrats- und Vorstandsposten allgemein. Derzeit haben wir 97 Prozent Männer in den Vorständen und 88 Prozent Männer in den Aufsichtsräten. Wenn für beide Gremien eine 30-Prozent-Frauenquote eingeführt würde, wären immer noch 70 Prozent der Posten für Männer vorbehalten (oder Transmenschen). Wo genau leiten Sie jetzt eine Diskriminierung ab?

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

  4. Ich lese zwei Sätze

    "Dabei argumentiert sie mit dem Wettbewerb auf dem europäischen Binnenmarkt: Weil Länder wie Norwegen und Frankreich eine gesetzliche Quote bereits haben, herrschen in den europäischen Ländern ungleiche Bedingungen. Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen, sagt Reding."

    "Unternehmen mit Frauen an der Spitze erzielen höhere Renditen, machen 12 bis 18 Prozent mehr Gewinn als Unternehmen, in denen nur Männer in den Kontrollgremien sitzen, und auch der Aktienkurs entwickelt sich besser."

    und schließe daraus:

    Die übrigen Länder brauchen eine gesetzliche Frauenquote damit die dort ansässigen Firmen nicht von den in Finnland und Frankreich ansässigen Firmen in die Defensive gedrängt werden, denn die Betrieb in diesen beiden Länder sind derzeit per gesetzlicher Quote besser aufgestellt als im Rest Europas?

    Ist unter diesen Umständen eine gesetzliche Regelung überhaupt erforderlich? Bzw. werden die Unternehmen im Rest Europas nicht mit der Zeit selbst merken, dass sie ein Problem haben?

  5. Die Dame wird schon wissen, was gut für uns ist. Hat mit den Quoten im Kommunismus auch so gut geklappt.

  6. Redaktion

    Lieber Herr Eckert,

    dass Sie aus einer Frauenquote von 30 Prozent eine allgemeine Männerdiskriminierung ableiten, ist schon erstaunlich. Zum einen gibt es nur sehr wenige Aufsichtsrats- und Vorstandsposten allgemein. Derzeit haben wir 97 Prozent Männer in den Vorständen und 88 Prozent Männer in den Aufsichtsräten. Wenn für beide Gremien eine 30-Prozent-Frauenquote eingeführt würde, wären immer noch 70 Prozent der Posten für Männer vorbehalten (oder Transmenschen). Wo genau leiten Sie jetzt eine Diskriminierung ab?

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

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    zum einem ist eine Frauenquote nicht mit dem Grundgesetzt vereinbar, welches eine Bevorzugung aufgrund äußerer Merkmale, wie Geschlecht und Rasse aber auch innerer wie Religion rundweg ablehnt.

    Wie Sie das mit der Frauenquote in Einklang bringen wollen ist mir schleierhaft. Es sei denn das Recht ist schon wieder zweierlei.

    Zum anderen haben sich das unsere Großmütter sicherlich anders vorgestellt als sie für Gleichstellung, Wahlrecht auf die Straße gingen. Die würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie mit ansehen müssten, wie sie diese Idee der Gleichheit ad absurdum führen.

    Schwimmbäder am Mi nur für Frauen, diverse Clubs gewähren nur den Zugang für Frauen und nun die Frauenqoute.

    Schade das Sie nicht einmal ansatzweise erkennen können, wie Sie das zu bekämpfende links überholen.

    liegt darin, dass es zumindest theoretisch möglich wäre, dass 80% der Aufsichtsratspositionen mit Frauen besetzt würden, nicht jedoch 80% mit Männern. Ersteres könnte in dem Fall, dass <a href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/psychologin-susan-pi... Pinker<a/>, welche die These vertritt, dass sich Frauen genetisch bedingt weniger aus Führungspositionen machen, Unrecht hätte und man gegen die <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,574193,00.html">Diskriminierung von Jungen in der Schule<a/> weiter nichts unternimmt, ja durchaus passieren.

    In Spanien hat man auch beispielsweise in der Politik Quoten bei den Kandidaten verordnet, allerdings wurde da immerhin die sexistische Komponente insoweit entfernt, dass man nur gesagt hat, beide Geschlechter müssten zu mindestens 30% vertreten sein.

    Ansonsten: sollte Pinker doch Recht mit ihren Ergebnissen haben, so wäre dies ebenfalls ein Argument gegen die Quote - dann entstünden nämlich, weil Menschen wider Willen zu bestimmten Berufen gezwungen oder aus ihnen verbannt würden, auf beiden Seiten erhebliche Wohlfahrtsverluste.

    • Crest
    • 10. Februar 2012 18:49 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit inhaltlichen Beiträgen an der Diskussion und verzichten Sie auf Äußerungen, die als respektlos verstanden werden. danke, die Redaktion/jz

    • albino
    • 10. Februar 2012 19:32 Uhr

    "Derzeit haben wir 97 Prozent Männer in den Vorständen und 88 Prozent Männer in den Aufsichtsräten. Wenn für beide Gremien eine 30-Prozent-Frauenquote eingeführt würde, wären immer noch 70 Prozent der Posten für Männer vorbehalten(...). Wo genau leiten Sie jetzt eine Diskriminierung ab?"

    Sie scheinen offenbar davon auszugehen, dass sich jede Menge Frauen um die begehrten Posten bewerben. Sagen wir mal: 50 Prozent aller Bewerber sind Frauen (was sehr unrealistisch ist). Wenn dann wirklich nur 12 oder vielleicht 20 Prozent aller Posten in den Aufsichtsräten an Frauen vergeben würden, wäre das auf den ersten Blick eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. (Es könnten aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen, z.B. allgemein ein Mangel an Kompetenz).
    Oft genug haben die Firmen jedoch zwar den Wunsch, die Führungsposten mit Frauen zu besetzen, aber sie finden nicht genügend qualifizierte oder willige Kandidatinnen, so dass sie dann doch einen Mann nehmen müssen, obwohl sie dann damit rechnen müssen, in der "Zeit" einen übergebraten zu bekommen.
    Eine Diskriminierung ergibt sich mittelbar daraus, dass sich qualifizierte Männer um die maximal 70 Prozent Männerposten balgen müssen und einige sehr gut (besser als Frauen) qualifizierte Männer außen vor bleiben müssen, weil ja die Quote erfüllt werden muss. Frauen hingegen werden händeringend gesucht und müssen weit geringere Anforderungen erfüllen, um die gleichen Posten zu ergattern. Das ist für mich diskriminierend.

    Wenn für ein Unternehmen eine 30%-Frauenquote gilt, dann haben männliche Bewerber - solange sie nicht erfüllt ist - KEINERLEI Chance, in die Führungsgremien aufzusteigen. Weil bis dahin bei jeder Besetzungsentscheidung die weibliche Kandidatin vorzuziehen wäre, auch wenn sie fachlich weniger geeignet sein sollte. Das ist ein Schlag ins Gesicht eines im konkreten Fall besser qualifizierten männliches Bewerbers. Er kann sich anstrengen und weiterbilden, wie er mag - es nützt ihm nichts, weil er ganz einfach das falsche Geschlecht hat. Das ist demotivierend und ungerecht. Es lässt sich auch nicht mit etwaiger Frauendiskriminierung in der Vergangenheit rechtfertigen - ganz einfach weil der heutige konkrete männliche Bewerber dafür nichts kann. Und umgekehrt die heutige Frauenbevorzugung den früher diskriminierten Geschlechtsgenossinennen nichts mehr nützt.

    Ich bin sehr wohl für Chancengleichheit. Wer sich um einen Posten bewirbt, sollte ausschließlich nach seiner Befähigung beurteilt werden. Und wenn 10 Posten zu vergeben sind und die 10 besten Kandidaten zufällig alles Frauen sind, dann werden die 10 Posten eben ausschließlich mit Frauen besetzt.

    Abzulehnen ist aber formale Ergebnisgleichheit, da sie zumindest vorübergehend die Gefahr birgt, dass Geschlecht vor Leistung geht. Im Übrigen hat auch von einer 97%-Männermehrheit in einem Aufsichtsrat keine konkrete Frau einen Nachteil - solange über ihre eigene Bewerbung nach sachgerechten Kriterien entschieden wird.

    Das Grundproblem ist die Annahme, dass es genauso viele Frauen gibt, die diesen Job machen können und wollen.
    Es geht um Qualifikation und um die Bereitschaft sich jahrelang keine 40 Stunden Woche zu gönnen. Das ist keine Durchschnittsvita die man da braucht. Ich (Mann) würde es nicht machen wollen und anderen (auch Frauen) geht es genauso.

    Nach einem Artikel (http://pyfc.gu.ma/) studieren Frauen z.B. überdurchschnittlich viel Germanistik, Medizin und Erziehungswissenschaften und (leicht) unterdurchschnittlich BWL und Maschinenbau, E-Technik und Naturwissenschaften.
    Auch wenn es hochnäsig klingen mag: Als Lehrer oder Arzt (das sind ja keine schlechten Jobs) wird man in der Regel nicht Aufsichtsratchef.
    Das sind alles Faktoren die in dieses Rechnung mit hereinspielen.
    Man kann nicht einfach sagen: Weniger als 50% Frauen -> Männerverein.

    Man könnte es doch auch so umformulieren: Die Aufsichtsratjobs machen nur 0,1% aus. Da haben Frauen noch 99,9% der anderen Jobs übrig. Wo genau leiten Sie jetzt eine Diskriminierung ab?

    Sehr geehrte Frau Groll,

    Sie schreiben:

    "Wenn für beide Gremien eine 30-Prozent-Frauenquote eingeführt würde, wären immer noch 70 Prozent der Posten für Männer vorbehalten [...]. Wo genau leiten Sie jetzt eine Diskriminierung ab?"

    Entschuldigen Sie bitte, aber das Verständnis von Gerechtigkeit und Diskriminierung, das aus einer solchen Argumentation folgt, bereitet mir gelinde gesagt Unbehagen.

    Eine Diskriminierung (die Ausgrenzung einer Person aufgrund von Ethnie, Geschlecht usw.) lässt sich nicht mit dem Verweis auf "genug verbleibende Plätze" vom Tisch wischen. Sie ist in jedem Einzelfall Unrecht.

    Dass niemand Krokodilstränen um die "fat cats" in Aufsichtsräten weinen wird, ist klar. Aber stellen Sie sich bitte vor, eine Friseursinnung würde entscheiden, dass 30 % aller Salons in jeder Stadt von Blondinen geleitet werden müssen, u.a. weil sich gezeigt habe, dass blondinengeleitete Salons besser gehen. Absurd? Selbstverständlich, und jede(r) Rothaarige dürfte subito klagen, wenn die Konkurrentin aufgrund eines angeborenen Merkmals den Vorzug erhält.

    Es reicht *ein* Kind, das im Kindergarten wegen dunkler Haut abgelehnt wird ("Erst die Quote für Nordeuropäer erfüllen!").

    Der Staat (bzw. der Moloch EU) hat oft genug seine Finger in der Privatwirtschaft. Wenn er sich nun auch noch zur Durchsetzung der Interessen der Vorständlerinnen in spe hergibt, ist das Diskrimierung pur.

    Man kann nicht die Diskriminierung von Gruppe A mit den Interessen von Gruppe B rechtfertigen.

    wenn man/frau mit einer solchen Ideologie und solchen Argumentationsmustern in die Redaktion gelangt. Was ist nur aus der ZEIT geworden, als diese noch liberale Werte vertreten hat? Es ist beschämend, dass eine ZEIT Redakteurin für die Diskriminierung von Menschen eintritt.

    sie finden es also gerecht das menschen etwas bekommen nur weil sie einem bestimmten geschlecht angehören??? das kann nicht ihr ernst sein (?). warum gründen frauen keine eigenen firmen und setzen dort frauen in den vorstand? warum wird sich mit aller selbstverständlichkeit in positionen reingeklagt die andere aufgebaut haben?

    Wenn z.B. für die Besetzung von 20 Stellen von 100 qualifizierten Kandidaten 20 Frauen und und 80 Männer sind, was z.B. im technischen Bereich oft noch konservativ geschätzt ist, wenn man bedenkt, wie krass vor 15 Jahren noch die Geschlechterverterteilung von Berufseinsteigern war, dann ist eine 30%-Quote durchaus diskriminierend (woran zugegebermaßen auch die damalige Diskrimimierung durch LehrerInnen schuld ist stellen einen Verstoß gegen die Gleichberechtigung dar.
    Zudem hilft eine Quote für die Posten der oberen zehntausend nicht im Geringsten den Frauen im beruflichen Mittelfeld, die unter Umständen unter einer verhältnismäßig viel stärkeren Diskriminierung leiden als die Karrieremädels, die den Flaschenhals am oberen Ende mit einer gläsernen Decke verwechseln.
    Wenn wir mit gesetzlichen Quoten für Frauen anfangen, dann will ich aber auch Quoten für Schwarze, Kleinwüchsige, Rothaarige, Singles, Homosexuelle, Ausländer, Buddhisten, Nichtraucher Haskell-Programmierer, Linux-user, Hundehalter, Brillenträger, Kriegsveteranen und Bratschenspieler.

  7. zum einem ist eine Frauenquote nicht mit dem Grundgesetzt vereinbar, welches eine Bevorzugung aufgrund äußerer Merkmale, wie Geschlecht und Rasse aber auch innerer wie Religion rundweg ablehnt.

    Wie Sie das mit der Frauenquote in Einklang bringen wollen ist mir schleierhaft. Es sei denn das Recht ist schon wieder zweierlei.

    Zum anderen haben sich das unsere Großmütter sicherlich anders vorgestellt als sie für Gleichstellung, Wahlrecht auf die Straße gingen. Die würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie mit ansehen müssten, wie sie diese Idee der Gleichheit ad absurdum führen.

    Schwimmbäder am Mi nur für Frauen, diverse Clubs gewähren nur den Zugang für Frauen und nun die Frauenqoute.

    Schade das Sie nicht einmal ansatzweise erkennen können, wie Sie das zu bekämpfende links überholen.

    Antwort auf "Männerdiskriminierung"
  8. 8. Ok...

    Und wieder will ausgerechnet jemand, der nie etwas mit der freien Wirtschaft am Hut gehabt hat, besser als die Unternehmen selbst wissen, was gut für diese sei.

    Selbstverständlich beruhen flachere Frauenkarrieren auch per se auf Diskriminierung, keine verlässlichen Daten gibt. Um diese zu beheben, lautet der Plan, selbst auf Diskriminierung zurückzugreifen, die sich bereits anhand simpelster Mathematik ablesen lässt.

    Um diese wirtschaftlich zu rechfertigen, greift man auf Studien von McKinsey und Ernst&Young zurück, die zwar oft zitiert sind, jedoch wertlos, da sie nur Korrelation ausdrücken. Hingegen konnte beispielsweise für Norwegen klar gezeigt werden, dass dort die Quote zu unerfahrenerem Führungspersonal und damit zu einem erheblichen Leistungsabfall der betroffenen Firmen geführt hat (http://webuser.bus.umich.edu/adittmar/Research/NBD.SSRN.2011.05.20.pdf), die nicht, wie viele, bewusst die Rechtsform änderten (http://epn.dk/samfund/arbmarked/article2214140.ece ). Der dort festgestellte Mangel an geeigneten Kandidatinnen ist auch auf Deutschland übertragbar.

    Es wird Zeit, im Sinne demokratischer Mitbestimmung, der Vertragsfreiheit und der Gleichberechtigung (Die eben nicht nur dann gegeben ist, wenn alle statistisch ausgeglichen von ihrem Recht Gebrauch machen!) zu zeigen, dass wir in der Lage sind, Lobbygruppen, die am Volk vorbei sexistische Gesetze durchdrücken wollen, ganz egal ob sie im Bundestag oder der EU-Kommission sitzen, notfalls zum Teufel zu jagen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Viviane Reding | CDU | Ursula von der Leyen | McKinsey | Arbeitsminister | Binnenmarkt
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