Arbeitszeit-Initiative : 30-Stunden-Woche soll Vollbeschäftigung sichern

Gäbe es Arbeit für alle, wenn jeder etwas weniger machte? Linke Ökonomen fordern allgemeine Arbeitszeitverkürzung; selbst vollen Lohnausgleich halten sie für realistisch.

30 Stunden Wochenarbeitszeit für alle – das fordert eine Gruppe von alternativen Ökonomen, Vertretern von Gewerkschaften und Frauenverbänden sowie Aktivisten von Attac . Sie haben sich zur "Initiative Arbeitszeitverkürzung" zusammengeschlossen und wollen eine kürzere Normalarbeitszeit – bei vollem Lohn- und Personalausgleich.

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Zwar waren noch nie so viele Menschen in Deutschland erwerbstätig wie derzeit. Dennoch gibt es fast drei Millionen Arbeitslose – viele von ihnen sind langzeitarbeitslos. "Faktisch liegt die Arbeitslosigkeit sogar bei etwa sechs Millionen", sagt die Bremer Soziologin Margareta Steinrücke. Ein-Euro-Jobber, jugendliche und ältere Arbeitslose, Minijobber und jene, die sich auch ohne Job nicht arbeitslos melden, müssten dazu gerechnet werden. Und während die einen keine Arbeit finden, arbeiten sich andere krankenhausreif: Die Zahl der Burn-out-Erkrankungen ist so hoch wie nie .

Eine generelle Arbeitszeitverkürzung sei das wirksame Mittel gegen Arbeitslosigkeit und würde die moderne Arbeitsgesellschaft menschenfreundlicher machen, sagt Steinrücke, die Mitglied der Initiative ist. Eine kürzere Normalarbeitszeit ohne Gehaltseinbußen komme zudem vielen Beschäftigten entgegen. Besonders junge Mütter und Väter würden davon profitieren, weil sich Familie und Beruf leichter miteinander vereinbaren ließen . Auch Berufstätigen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern , kommt dieses Modell entgegen. Ältere Arbeitnehmer könnten auf diese Weise länger und gesünder im Beruf bleiben. Zugleich hätten Berufstätige mehr Zeit für Ehrenamt und politisches Engagement.

Allerdings muss das Vorhaben finanziert werden – und es darf nicht zu einer weiteren Arbeitsverdichtung führen. Deshalb fordert die Initiative, dass die Unternehmensgewinne massiv umverteilt und gleichzeitig mehr Arbeitnehmer eingestellt werden. "In den letzten Jahren ist die Lohnquote gesunken, aber die Gewinne sind gestiegen. Rein rechnerisch ist ein voller Lohnausgleich realisierbar", sagt Steinrücke. Zudem könne bei einer kürzeren Normalarbeitszeit von 30 Stunden in der Woche mit einer Leistungssteigerung gerechnet werden, weil Mitarbeiter ausgeruhter und leistungsbereiter seien.

Ökonomisch sinnvoll und machbar

Nach Berechnungen der Initiative lässt sich die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich innerhalb von fünf Jahren erreichen. Ökonomisch sei die Arbeitszeitverkürzung für alle Einkommensgruppen machbar, wenn dazu zwei Prozent Produktivitätsfortschritt und drei Prozent Gewinnumverteilung herangezogen würden, sagt der Attac nahestehende Polit-Ökonom Mohssen Massarrat.

Aber warum ausgerechnet 30 Stunden in der Woche? Es habe sich gezeigt, dass eine Reduzierung auf durchschnittlich 30 Stunden in der Woche ökonomisch sinnvoll sei und von vielen Berufstätigen gewünscht werde, sagt Steinrücke. "Natürlich gibt es Lebens- und Arbeitsphasen, in denen Menschen mehr arbeiten wollen – allerdings sollte der Zeitausgleich dafür verbindlich geregelt werden." In der zurückliegenden Finanz- und Wirtschaftskrise hätten die meisten Unternehmen mit Kurzarbeit die Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden reduziert und damit positive Erfahrungen gemacht, sagt die Soziologin. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge gaben die meisten Beschäftigten sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit diese Stundenzahl als Wunscharbeitszeit an.

Die Ökonomen der Initiative sind sich einig, dass sich eine Verkürzung insgesamt lohnen könnte. Zwar werde es immer eine geringe Sockelarbeitslosigkeit geben, jedoch sei der Zuwachs an Beschäftigung nicht zu unterschätzen. Auf diese Weise könnten die Kosten für die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Sie betragen derzeit nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) jährlich etwa 58 Milliarden Euro.

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Kommentare

278 Kommentare Seite 1 von 26 Kommentieren

Ich geben Ihnen mal einen kleinen Tipp

Was glauben Sie, um wie viel produktiver ein einzelner Mensch heutzutage durch den Einsatz von Maschinen und Computer geworden ist?

http://de.wikipedia.org/w...

Achja:
"Eine langfristig sinkende Kapitalproduktivität ist problematisch, da dieses bedeutet, dass langfristig die gesamtwirtschaftliche Kapitalrentabilität (Kapitaleinkommen im Verhältnis zum Kapitalstock) nur gehalten werden kann, wenn der Anteil der Arbeitseinkommen am BIP verkleinert wird, wobei dieses natürlich spätestens dann ein Ende hätte, wenn diese Lohnquote den Wert null erreicht hätte."

Bitte!

Bitte, endlich aufwachen und umsetzen. Seit geraumer Zeit gibt es diesen Trend, Gewinnüberschüsse nicht mehr an die Arbeitnehmer auszuzahlen. Gleichzeitig wurde die einst begonne Arbeitszeitverkürzung mit dem Ziel der Vollbeschäftigung schrittweise rückgängig gemacht. Wenn man behauptet wir arbeiten heute nicht für uns, sondern fürs Kapital, liegt man demnach nicht ganz falsch!

Zusätzlich spüre ich (zumindest in meinem Umfeld), dass sich die jetzige Generation der Arbeitswelteinsteiger von der Generation Wirtschaftswunder/Nachkriegszeit eindeutig unterscheiden indem sie einen viel höheren Wert auf Freizeit als auf einen hohes Gehalt legt.

Warum soll ich als junger Familienvater mehr verdienen als notwendig, dafür meine Familie (mit Pendeln) fast nicht mehr sehen? Damit ich in der Rente glücklich bin?

Sehr guter Ansatz, der in Zeiten der Finanzmarktdiktatur...

unter die Räder gekommen ist.

Zwischenbemerkung: Menschen die für Fortschritt, für soziale Gerechtigkeit sind, nennt man (die ZEIT) Linke.
Die Linke sollte sich vielleicht in "Die Gerechtigkeit" umtaufen...

Zu dem sehr zu begrüßenden Modell der 30-Stundn-Woche muss als Rahmenbedingung auch das Arbeitszeitgesetz verändert werden.

Denn nach diesem kann man ganz regulär 48 Std./Woche arbeiten, oder als Krankenpfleger, oder Arzt auch 60 Std.!

Auch die Gewerkschaften haben Gummi-Tarifverträge abgeschlossen.
37,5 oder 35 Std./Woche - mit Verteilzeiträumen bis zu zwei Jahren - und am Ende wird die Mehrarbeit dann nicht abgefeiert, sondern ausgezahlt. Auch das - natürlich als Ausnahme - möglich.

Hier müssen sich die Gewerkschaften wieder was trauen und nicht mehr auf Kuschel-Kurs gehen!

Noch ein ganz tolles Arbeitszeitmodell: Vertrauensarbeitszeit.
Das bekommen bei uns alle AT-Angestellten aufgedrückt. Die werden dann auch so richtig ins Hamsterrad eingespannt.

Dann werden auch mal 200, oder 300 Std. im Jahr gekappt. Denn es waren ja keine Überstunden angeordnet. Und was kann der Arbeitgeber dafür, dass der MA so langsam ist?

Wenn mir meine Lebenserfahrung was gelernt hat, dann das von Arbeitgeberseite jede Lücke und jeder Gummiparagraph bis zum erbrechen ausgenutzt wird.

Umgekehrt, wenn ich als Arbeitgeber mein Rechte nutze, werde ich schief angesehen.

Als ich mal Bildungsurlaub machen wollte, hat mich mein damaliger Chef gefragt, ob ich Kommunist sei...

einfach mal

das kapital lesen.
dann finden sie heraus, warum ein ersatzheer von arbeitslosen gewollt, gewünscht und erzwungen wird.

der traum von vollbeschäftigung wird nur benutzt, wenn es darum geht, löhne zu kürzen, alg1-2 zu kürzen und die arbeitsbedingungen zu verschlechtern. mit dem ersatzheer kann man die arbeitslosen gegen niedriglohnarbeiter ausspielen.

wie kann man qualifizierte fachkräfte aus dem ausland fordern, wenn man vollbeschäftigung anstrebt, sie hat und gleichzeitig noch selbst ausbildet?

Dann habe ich noch weniger Ahnung vom Geldverdienen,

da bei mir die 30 Stunden oft schon Dienstag Nacht erreicht sind. Ihr Fehler ist es anzunehmen, dass Menschen nur soviel arbeiten wie sie benötigen um über die Runden zu kommen. Übrigens würde unser Staat ohne die Menschen, die bereit sind mehr zu arbeiten, nicht funktionieren. Diese subventionieren mit hohen Steuerzahlungen nämlich diejenigen, die auch mit Halbtagsarbeit ihr Leben finanziert bekommen – über Umverteilung.

Andersherum wird ein Schuh draus!

Jemand der glaubt, dass man mit 30 Stunden im Durchschnitt etwas bewegen kann, lebt in der Vollkaskowelt der gewerkschaftlich geschützten Arbeitnehmer eines westlichen Landes. Und die leben bekanntlich - anders als es hier immer wieder behauptet wird - relativ gesehen auf recht großem Fuß, selbst, wenn sie im Niedriglohnsektor arbeiten. Sicher geht es einigen schlechter und anderen besser, aber verglichen mit den Ländern außerhalb des so genannten Kerneuropas geht es selbst den Arbeitslosen und den allein erziehenden Müttern relativ gut.
Ein Unternehmer arbeitet immer mehr als die anderen und kann nicht sicher sein, dass er am Monatsende selbst einen passenden Gewinn hat. Selbstverständlich müssen bei ihm die Zahlungen für die Waren, die Räume, die Angestellten, deren Sozialversicherungen, die Steuern und alles andere vorgehen. Dann erst kommt der alltägliche Bedarf für ihn und seine Familie, am Ende erst seine Altersvorsorge.
In den Köpfen spukt immer der Großindustrielle, der in einer seiner vielen Villen weilt und dort Party macht. Aber selbst die Großindustriellen führen dieses Leben nicht. Erst recht nicht die kleinen und mittleren Unternehmer, die den Großteil der Arbeitgeber ausmachen. Die müssen solche spinnerten Ideen von Leuten, die nur ihren fremdbezahlten (meistens aus Steuergeldern) Job am Schreibtisch kennen, ausbaden. Und alle Jubilierenden wissen offensichtlich auch nicht, wie viel Arbeit es kostet, auch nur einen Arbeitsplatz im Mittelstand zu schaffen!

Sie haben sicherlich recht, aber....

Ich kenne selber genügend Mittelständler und Sie haben sicher recht das es nicht immer einfach ist (eher im Gegenteil), aber das es so Problematisch und teuer ist Arbeitsplätze zu schaffen liegt doch nicht an den Arbeitnehmern.

In diesem Punkt sitzen doch letztlich beide Seiten in einem Boot. Solange diese Reduzierung der Arbeitszeit und die Schaffung von neuen Stellen sich auch auf Sozialbeiträge auswirken WÜRDE.

Re: 30 Stunden?

Schön, dass immer die von weniger arbeiten und mehr Geld reden, die selber gar nicht wissen wie man Geld verdient...

Das primäre Ziel der Menschen ist Leben und sich um Nachkommen kümmern, nicht Geldverdienen. Schön, dass ausgerechnet immer diejenigen von mehr Arbeit und weniger Geld reden, die selbst gar nicht wissen wie man lebt und wohlmöglich gar keine Zeit für Nachkommen haben.

ein weitere Denkfehler...

Zitat

Übrigens würde unser Staat ohne die Menschen, die bereit sind mehr zu arbeiten, nicht funktionieren. Diese subventionieren mit hohen Steuerzahlungen nämlich diejenigen, die auch mit Halbtagsarbeit ihr Leben finanziert bekommen – über Umverteilung.

Zitatende

Da es leider nicht anders ausprobiert wurde ist das eine ganz starke und heikle These. Auch über die Richtung der Umverteilung sollten Sie sich Gedanken machen. Nur weil noch-mehr-Verdienende es über Ihre jeweilige Lobby es geschafft haben prozentual noch weniger an Steuern zu zahlen ohne das die "Allimentierung" nach unten bergab geht sind daran Schuld. Im Sinne des gleichen Rechts für alle ist sowas nicht tragbar.

Apropos gleiches recht für Alle. Sie wissen garnicht wie die Maerkte aussehen wuerden taete jeder Arbeit haben bzw arbeiten duerfen. Auch Sie machen die Allimentierung erst moeglich und noetig da auch Sie sich an das Grundgesetzt halten muessen. Und nur so lernt die Gesellschaft.

Wer sagt Ihnen das die Abgabe gewisser Arbeitstunden nicht dazu fuehrt das Sie das dabei liegengelassene Geld nicht durch die fehlende Allimentierung wieder drin haben. Und ausserdem gaebe es ein Mehr an Kaeufern an denen Sie dann auch wieder verdienen... Huch...

Ihr Satz

da bei mir die 30 Stunden oft schon Dienstag Nacht erreicht sind. Ihr Fehler ist es anzunehmen, dass Menschen nur soviel arbeiten wie sie benötigen um über die Runden zu kommen.

Kann so auch nicht stimmen. Denn unter benötigen muss auch eingerechnet werden wieviel er an mehr verdienen also auf dem Konto horten moechte.

Wenn jemand zur Einsicht kommt das er nur soviel will wird er auch nur soviel arbeiten, dazu sind wir alle zusehr gemuetlichkeitsMenschen.

Wenn dem nicht so ist sollte ein Arzt mal etwas diagnostizieren denke ich.

Die Sucht nach Geld ist leider auch nicht so anerkannt doch verhaelt sie sich wie eine. Denn dabei geht die koerperliche Grundlage in Form des Planeten durch zB Waldrodung etc. zu Grunde...

@20 vom geldverdienen ja, vom arbeiten nein

ich glaube, Sie haben in Ihrem leben noch nie buckeln müssen.
vermutlich müssen Sie nicht um 04.00 uhr aufstehen damit Sie um 6 auf der arbeit sind und mit sicherheit haben Sie keine muskeln vom körperlichen einsatz.
machen Sie doch mal praktikum auf dem bau oder in einer fabrik damit Sie einen einblick bekommen was hart arbeiten wirklich bedeutet. mal sehen ob Sie diese leute dann immer noch arbeitsfaul nennen.

[...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/mo.

haben Sie das schon mal durchgerechnet.

Erstens ist Ihre These sehr daneben. Es wurde noch nie ausprobiert solche Moeglichkeiten die Sie schon davor abschreiben und mit einem Gewissen halbwissen verbreiten das es so passieren wird. Ich denke mal das Sie atheist sind und kann Ihn sagen das Sie hier so ziemlich metaphorisch daher kommen und sozusagen etwas religioeses an sich haben.

Verdienen alle sparen die neuverdienenden ihr Geld ja nicht. Sie geben es aus und der markt dieser gekauften Dinge steigt. Die benoetigten produkte und Produktionsmittel auch. Damit der Bedarf an Arbeit.

merken Sie etwas???

Ihre groesste Frage sollte sein ob der Markt den wir kennen wirklich schon ordentlich austariert wurde. Wurde er nicht solange nicht jeder Vollzugriff hat...

Aufopferung

Dann habe ich noch weniger Ahnung vom Geldverdienen, da bei mir die 30 Stunden oft schon Dienstag Nacht erreicht sind.

Ahnung vom Geldverdienen, ja, aber von allem anderen was das Leben so ausmacht vermutlich nicht. Wenn Sie tatsächlich 15h pro Tag arbeiten und dann noch 6h Schlafen, dann bleiben ihnen noch ganze drei Stunden für Körperhygiene, Fahrtwege, Haushaltsführung, Kinder, Freizeitaktivitäten. Das finde ich ziemlich knapp bemessen. Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen oder sich irgendwie weitergebildet? Ein Leben mit 15h Arbeit pro Tag halte ich aus meiner Sicht für nicht lebenswert. Mit 50 haben Sie dann den ersten Kreislaufzusammenbruch, mit 55 den ersten Herzinfarkt und mit 60 ist dann Schluss.

Übrigens würde unser Staat ohne die Menschen, die bereit sind mehr zu arbeiten, nicht funktionieren. Diese subventionieren mit hohen Steuerzahlungen nämlich diejenigen, die auch mit Halbtagsarbeit ihr Leben finanziert bekommen – über Umverteilung.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufopferung zum Wohle der Gesellschaft. Ohne Menschen wie Sie könnten viele andere Menschen kein normales Leben führen.

Ich arbeite nur 15 Tage im Monat

für Offshore Windkraft und verdiene überdurchschnittlich gut.
Trotz dessen würde ich es absolut begrüßen, wenn dieses 30 Std. Programm umgesetzt werden sollte.

Man sollte die Arbeit sinnvoll verteilen.
Es gibt immernoch zu viele Menschen, die gerne arbeiten würden, aber nicht auf den Arbeitsmarkt gelangen.
Andere die arbeiten, stehen vermehrt vor dem Burn-Out.
Das ist ne absurde Situation.

Und Geld ist definitiv für alle genügend da, es wird nur konsequent falsch verteilt.

Fragen Sie mal einen Arbeiter.....

...., der körperlich anstrengende Arbeit zwei Tage hintereinander jeweils 15 Stunden am Tag absolviert, was dieser an dem Mittwoch und den darauf folgenden Tag macht.

Zum Artikel:

Muss das sein, dass ständig das Wort links in solchen Vorschlägen auftauchen muss? Kann so etwas nicht unparteiisch besprochen werden? Dieses Stigmatisieren eines Vorschlags in Richtung links oder rechts macht ihn oft geschichtlich gesehen nicht diskutierbar, obwohl er wenig damit zu tun hat.

Außerdem muss ich mir hier linke Gedanken anheften lassen, weil ich diesen Vorschlag nachvollziehbar, ob er funktioniert oder nicht sei dahingestellt, finde?

Darum geht es alles?

"Die selber gar nicht wissen wie man Geld verdient..."

Eigentlich sollte es ja darum gehen, wie man etwas herstellt, von Qualität, möglichst ressourcenschonend und günstig zugleich (allerdings für den Konsumenten). Das ist Effizienz.

Wie man Geld verdient ist leicht. Betrug, Drogenhandel, Waffenschieberei, Korruption, usw.

Damit verdient man gut Geld. Und selbst vieles, was hierzulande noch "legal" ist, fällt schon unter Betrug und Korruption, eben legalisierter Betrug und Korruption.

Frage mich, was Sie genau tun

Sechs Stunden sind viel Zeit. In der Zeit schaffen Sie nichts, aber in den letzten zwei?

Ich kenne so gut wie keine Firma, die intern wirklich gut läuft und hier ist der entscheidende Knackpunkt. Die guten Mitarbeiter sollen den ganzen Mist ausbügeln, der an anderer Stelle verbockt wird und da reichen dann nichtmal 8h pro Tag.

Ihre eigentlichen Aufgaben schaffen diese Leute meist in unter 4h und würde jeder mit entsprechender Zuverlässigkeit arbeiten, wäre das bei allen so.

Stattdessen wird gepfuscht, dann läuft es nicht, dann muss es nochmal gemacht werden und alles von neuem kontrolliert, usw.

Und natürlich gibt es viele kleine Unternehmen, zu viele, die sich gegenseitig fertig machen, die Preise ruinieren und eben oft genug nunmal nicht gegen die mögliche Effizienz eines großen Unternehmens ankommt, dass schlichtweg einfach mehr herstellt, was nunmal einfacher ist, als an 1000 verschiedenen Stellen wenig.

Da ist ein Punkt erreicht, bei dem man den Wandel der Zeit akzeptieren und nicht krampfhaft dagegen ankämpfen sollte.

Wenn jemand gerne bäckt, kann er das ja auch immer noch abseits machen und soll sich halt mit anderen zusammentun und ein schönes Cafe aufmachen mit selbstgemachten Torten und Kuchen. Sowas hält sich als Nische.

Aber man kann es nicht auf die Arbeitnehmer abwälzen oder auf sich selbst. Selbstaufopferung bewirkt so gut wie nie etwas.

Stimmt, ...

...andersherum wird ein Schuh draus!
Ich bin niemand, dem ein Unternehmer, der tatsächlich einen Sinn für sozialverträgliches Wirtschaften erkennen lässt, nicht den nötigen Respekt abringt. Aber man muss ganz klar sagen: es gibt auch die anderen und die sind eben keine so verschwindend geringe Minderheit. Ich kenne aus meinem Umfeld beispielsweise Fälle, wo Arbeitnehmer dazu gedrängt werden, bis zu 60 Stunden in der Woche zu arbeiten (und dabei wesentlich weniger verdienen als der Eigentümer zu Ende des Monats in der Tasche hat), oder 5,70€ (wohlgemerkt als Akkordlohn) dafür bekommen, dass sie sich nachts in den Supermarkt stellen und Regale einräumen. Nun könnte man behaupten, das seinen Einzelfälle, aber Fakt ist, dass die Einkommensschere in Deutschland in den letzten 20-30 Jahren erheblich auseinander gegangen ist (auch wenn sie in letzter Zeit begonnen hat, sich marginal zu schließen). Verstehen Sie mich nicht falsch, man kann weder auf der einen, noch auf der anderen Seite pauschalisieren. Aber vor dem Hintergrund der bloßen Existenz solcher Fälle, fällt es mir schwer, die Argumentation der "Neidkultur"-Fraktion ernst zu nehmen.

Außerdem

Und noch ein weiterer Punkt stört mich an Ihrer Argumentation: es wird immer wieder ins Feld geführt, wie gut es dem deutschen "Prekariat" doch im Vergleich zu den wirklich Armen geht. Nun ist aber doch die Frage, wo diese Armut herrührt und da spielen sowohl die westlichen Staaten, als auch Unternehmen eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Sei es durch von Marktmacht geprägter Einkaufpolitik, Verweigern von dringend notwendigen Schuldenerlässen, europäischem Agrarprotektionismus oder Inkaufnahme von Menschenrechtsverletzungen in Zulieferbetrieben durch Global Players, die Entwicklungsländer werden so gut es geht klein gehalten. Die Pointe ist also, dass im Endeffekt mit einer Armut argumentiert wird, die nicht etwa vom Himmel gefallen ist, sondern den (großen) Unternehmen auch noch in ihrem Streben nach Gewinnmaximierung zuträglich ist. Auch hier gilt natürlich: Pauschalisierungen sind unzulässig, aber die Fälle und auch ihre immense Anzahl dürften ja bekannt sein.

Arbeit vs. Freizeit

Ich sehe das nicht so, dass eine immens hohe Arbeitszeit ein Grund zum Angeben ist. Manche Zeitgenossen scheinen das ja anders zu sehen.
Es ist schon traurig, wenn man vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, was man in seiner Freizeit anstellen soll. Wofür leben Sie eigentlich?

Und dann noch pauschal diejenigen abwerten, die sich für eine größere Humanität in der Wirtschaft einsetzen. Was lässt das für Schlüsse über den Kommentator zu?

Geld und Kinder

@Userin0815
Aber Geld verdienen ist unwichtig? Klar, so lange der Staat einspringt, wenn man sich die Kinder nicht leisten kann! Meine Lebensplanung sieht da etwas anders aus.
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Geld ist ein Tauschmittel.
Kinder sind Menschen (Bedingungsloses Recht auf menschenwürdige Existens!).

Die Gegenüberstellung als "Leistungsfaktoren" zeigt, wie krank unsere Werte inzwischen schon geworden sind.

Bedingungsloses Recht auf menschenwürdige Existenz?

Moment mal,
ich glaube, Sie sehen da etwas aus dem falschen Blickwinkel.

Es gibt sicherlich ein Recht auf Menschenwürde. Bzw. die Formel "die Würde des Menschen ist unantastbar" als Formel im Grundgesetz.

Sie ist aber nicht "bedingungslos", denn das Grundgesetz erläutert in seiner Gesamtheit nicht nur die Bürgerrechte, sondern auch die Bürgerpflichten.

Zuvorderst haben nämlich die Eltern für die Würde ihrer Kinder zu sorgen: Artikel 6, §2:
"(2) 1Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern (R) und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
2Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (1) (R)"

Nicht die Gesellschaft hat für die Kinder zu sorgen, sondern zuallererst einmal die Eltern.

In der Regel passiert das durch Liebe, gewaltfreie Erziehung, viel Geduld und Erwerbsarbeit.

menschenwürdige Existenz

Offenbar haben Sie hier etwas bezüglich humanistischer Werte grundsätzlich Mißverstanden.

Selbstverständlich hat nach den Menschenrechen der Mensch ein "Bedingungsloses Recht auf menschenwürdige Existenz". Dies gilt absolut(!) ist im GG Art.1 bereits aufgehoben.

Die Reihenfolge der Hierarchie, wer im einzelnen dafür zu Sorgen hat, ist eine andere (organisatorische/juristische) Frage, relativiert aber die Sache selbst natürlich nicht.

Das solche Dinge offenbar bereits wieder als "diskutabel" erscheinen, ist höchst alarmierend.

Sie können nicht

Ein höchststehendes Gesetz durch ein Detailgesetz relativieren.

Artikel 1 und 20 des GG stehen über allen anderen und kein anderes Gesetz darf diesen widersprechen. Ansonsten wären sie auch nicht das Papier wert, auf das sie geschrieben sind.

Bei Artikel 6 geht es um den besonderen Schutz der Familie, daraus eine Relativierung der Menschernrechte herzuleiten, indem man das Kind quasi aus der Gesellschaft ausgrenzt und allein der Familie zuschreibt, ist schlichtweg absurd.

Ihre Hineindeuten der Erwerbsarbeit für das Kind ist dabei auch unzulässig. Damit hat Artikel 6 einfach nichts zu tun.

Das Leben sollte der Mittelpunkt sein

und nicht die Arbeit.

Definieren sie sich etwa über ihre Arbeit ? Das wäre sehr traurig...denn sie reduzieren sich ja selbst dabei zu einem Arbeitssklaven.

Im Übrigen spielt die Zeit bei einer Arbeit überhaupt keine Rolle, im Zusammenhang mit dem Verdienst.

Ich kenne einen Immobilenmakler der 3-4 mal im Jahr ein Objekt vermittelt und dafür eine sehr hohe Provision bekommt.

Tja, wie gesagt, wer sich kaputt arbeiten will solls gerne machen, aber als Workaholic stolz auf sich zu sein ist ein Widerspruch...als würde eine Drogenkonsument stolz auf sein Handeln sein...einfach nur lächerlich.

Es gibt Leute, die 70-80 Stunden arbeiten...

...sehr viel verdienen und sehr viel Steuern zahlen. Sozialneid ist insofern unberechtigt. Die vielen Steuern zahlt er allerdings, damit er denjenigen, der keine Arbeit findet (u.a. weil es eben solche Extremjobber gibt), mit "durchfüttern" kann.

Die Entwicklung dahin, dass die Top-Absolventen immer höhere Gehälter bekommen, immer mehr arbeiten (bis zur Selbstaufgabe) und die anderen auf der Strecke bleiben, ist gesamtgesellschaftlich aber auch alles andere als glücklich. Die Arbeitszeitgesetze müssten viel rigider überwacht werden, dass keiner mehr als 50 Stunden / Woche arbeitet. 30-Stunden-Woche ist natürlich utopisch, das fördert nur die Schwarzarbeit.

Mal eine bescheidene Frage?

Welche Gewinne meinen sie denn? Wer es falsch macht, nimmt den Unternehmen die Möglichkeit zur Finanzierung von Investitionen und damit die Möglichkeit, auf Marktveränderungen auf der Absatz- und Beschaffungsseite insbesondere von Investitionsgütern zu reagieren. Nein das Thema Arbeitszeitverkürzung kennen wir schon. Es hat letztlich nur zu Arbeitslosen und einem Niedriglohnsektor geführt. Diese Fehler müssen wir nicht immer wieder machen.

Sie machen Ihrem Namen alle Ehre.

Schon mal darüber nachgedacht, wo die, das wollen Sie doch wohl nicht negieren, Gewinne heuzutage bleiben??? Sicher soll der Unternehmer Geld zu weiteren Investitionen zur Verfügung haben. Das will ihm beszimmt niemand nehmen, nur die zweite Villa, das Ferienhaus was weiß ich wo, die dritte Luxuskarosse u.s.w., das muß "nicht" sein!!!! Darum gehts und nicht darum, den Ast abzusägen, auf dem wir "alle" sitzen

Mehr Gewinn und noch mehr Gewinn

Schon mal darüber nachgedacht, wo die, das wollen Sie doch wohl nicht negieren, Gewinne heuzutage bleiben??? Sicher soll der Unternehmer Geld zu weiteren Investitionen zur Verfügung haben. [...]

Das wäre schön, aber die Praxis sieht es leider anders aus. Bei großen Unternehmen dient der Gewinn ausschließlich dazu, den Kredit samt Zinsen zu tilgen, den man aufgenommen hat, um Investitionen zu bezahlen. Wenn der Gewinn geringer als bei Konkurrenten ist, dann bekommt man kein Geld und kann keine Investitionen tätigen. Große Gewinne sind quasi das Lockmittel für Geldgeber. Die Unternehmensgewinne allein reichen schon längst nicht mehr aus, um die heutzutage enormen Investitionen zu tätigen.

Wenn man das verinnerlicht hat, dann versteht man auch vielleicht weswegen große Unternehmen nach immer größeren Gewinnen streben und längst nicht mehr das ausreicht, womit sich einige Individuen eine Villa, ein paar schicke Autos und ein sorgenfreies Leben bescheren können.

Dann sind die Villen...

in den "besseren" Wohngegenden, die Jachten in den Häfen, die Luxuskarossen, u.s.w., alle auf Kredit ??? Und von dem Geld, was diese Leute nicht haben??? Bei eingen mag dies so sein, aber bestimmt nicht bei allen!!! Nur Sie haben meinen Kommentar, entweder nicht richtig verstanden, oder wollen es nicht. Mir geht es darum, daß das Geld, welches ja wohl unbestritten, verdient wird, gerechter verteilt wird und so verteilt wird, daß wir "alle" was davon haben und nicht nur, so wie es heute der Fall ist, einige wenige!!!

Unternehmensgewinne

in den "besseren" Wohngegenden, die Jachten in den Häfen, die Luxuskarossen, u.s.w., alle auf Kredit ??? Und von dem Geld, was diese Leute nicht haben??? Bei eingen mag dies so sein, aber bestimmt nicht bei allen!!! Nur Sie haben meinen Kommentar, entweder nicht richtig verstanden, oder wollen es nicht. Mir geht es darum, daß das Geld, welches ja wohl unbestritten, verdient wird, gerechter verteilt wird und so verteilt wird, daß wir "alle" was davon haben und nicht nur, so wie es heute der Fall ist, einige wenige!!!

Nein, nein. Ich möchte Ihnen nicht grundsätzlich widersprechen. Ich wollte lediglich sagen, dass Unternehmensgewinne nicht dafür verwendet werden, Investitionen zu bezahlen, sondern um das Geld zu bezahlen, womit Investitionen bezahlt werden.