InnovationsmanagementDer Mitarbeiter als Ideenlieferant

Innovationen sind für Unternehmen wichtig. Die besten Ideengeber sind oft die eigenen Mitarbeiter – aber wie holt man kreative Einfälle aus ihnen heraus? von 

Die Wirtschaftskrise 2008 hat bei der Alba Wertstoffmanagement GmbH für ein Umdenken gesorgt. "Wir haben damals gemerkt: Der Markt wird immer unberechenbarer. Allein über den Preis zu gehen, reicht heute nicht mehr. Das macht uns austauschbar", sagt die Prokuristin Cindy Habecker. Sie ist zuständig für das Innovationsmanagement des Berliner Unternehmens, das Sekundärrohstoffe wie Altglas oder -papier vermarktet. Mehr denn je stehe heute der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund. "Die Vertriebsmitarbeiter sind angehalten, den Wünschen der Kunden mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie weiterzuentwickeln", sagt Habecker. Zudem seien seither Arbeitsprozesse, bei denen es hakte, ausfindig gemacht und verbessert worden.

Innovationsmanagement ist also schon länger ein Thema bei dem Wertstoffmanagement-Betrieb. Jüngst holte sich das Unternehmen Unterstützung von der Humboldt-Universität . Dort läuft aktuell ein Forschungsprojekt mit dem sperrigen Titel Grundlagen nachhaltiger Innovationsfähigkeit: Vertrauenskultur & Evolutionäre Wissensproduktion , kurz: GI:VE. 60 kleine und mittelständische Unternehmen haben sich in diesem Rahmen bereits beraten lassen. Hintergrund des Projekts ist der Gedanke, dass Innovationen nur dann entstehen kann, wenn eine Firma eine bestimmte Unternehmenskultur pflegt. Eine, die Veränderungen überhaupt zulässt. "Wir gehen davon aus, dass den meisten Mitarbeitern eines Unternehmens ständig Ideen im Kopf herumschwirren – seien es ganz neue Produkte oder auch nur kleine Verbesserungen im Arbeitsablauf", sagt der Psychologe Sebastian Kunert von GI:VE. "Ob sie diese aber äußern, hängt von der Unternehmenskultur ab. Die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben: Es lohnt sich, hier Veränderungen anzustoßen."

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Der Schlüssel für Innovationskultur ist Vertrauen. Wenn Mitarbeiter sich untereinander nicht trauen, wenn sie kein Vertrauen zu ihrem Vorgesetzten und zum Arbeitgeber insgesamt haben, werden sie gute Ideen auch nicht kundtun. Aber selbst wenn ein Grundvertrauen vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass die Firma auch innovativ ist. Denn Veränderungen brauchen Mut. Sie sind von Natur aus beängstigend, man muss sich auf sie einlassen. Das fordert den Führungskräften einiges ab. Denn sie müssen nicht nur ein Klima herstellen, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen, kreativ sein können und vertrauen – sie müssen ihren Teams auch selbst vertrauen.

Vertrauen ist der Schlüssel für Kreativität

Übermäßige Anwesenheitskontrollen etwa führen dazu, dass sich Mitarbeiter gegängelt fühlen. Stattdessen ist Mitarbeiterorientierung wichtig: Arbeitgeber müssen ihren Angestellten zeigen, dass sie sie wertschätzen. "Viele Chefs glauben zwar, ausreichend zu loben. Aber oft kommt das bei den Mitarbeitern nicht an", sagt Kunert. Zudem müssten die Mitarbeiter auf Veränderungsbereitschaft eingeschworen werden und überhaupt erst einmal die Ziele und Werte des Unternehmens kennen . "Da werden oft wochenlang auf oberster Ebene Leitbilder ausgearbeitet, diese aber am Ende nicht kommuniziert. Woher sollen die Mitarbeiter denn dann wissen, wohin die Reise geht?"

Kunert rät Geschäftsführern, sich zu öffnen und die Mitarbeiter einzubeziehen. "Im Grunde sind die Voraussetzungen für mehr Innovationen gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen super", sagt er. Dort herrschten kurze Wege, jeder kenne jeden. Nur gehe das Thema Innovationsmanagement gerade dort oft im Tagesgeschäft unter, weil jede Person mit vielen Aufgabengebieten betraut ist. Große Konzerne leisten sich in der Regel eigene Innovationsabteilungen.

Das Alba-Wertstoffmanagment hat mit Cindy Habecker immerhin eine Person mit dem Thema beauftragt. Auch die Berliner Firma Advo-Service, ein EDV-Dienstleister für Kanzleien, nimmt an GI:VE teil. "Wir haben oft zu viele Ideen auf einmal", sagt die dortige Innovationsmanagerin Elke Grönke. Schuld daran ist ein Ideenformular, das Mitarbeiter einreichen können. Auf dem Blatt werden dann auch schon konkrete Fragen gestellt. So soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter viele unausgegorene Ideen einreichen. Stattdessen sollen sie einen Vorschlag schon richtig durchdacht haben. Die Geschäftsführung entscheidet dann, welche der Ideen verwirklicht werden soll. Grönke: "Ideen, die nicht ausgewählt werden, weil sie vielleicht gerade aus Kapazitätsgründen nicht umgesetzt werden können, kommen in einen Ideenspeicher, sie sind also nicht verloren."

Aber ist es nicht anstrengend für die Mitarbeiter, immer neue Ideen anbringen zu müssen? "Ein Innovationsmanager darf auf gar keinen Fall Druck ausüben", sagt Grönke. "Es gibt immer Leute, die mehr Vorschläge bringen als andere. Das Wichtige ist doch, Vorschläge zu sammeln und wirklich gute auch zu realisieren."

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Leserkommentare
    • DrNI
    • 30. März 2012 18:41 Uhr

    "Wir gehen davon aus, dass den meisten Mitarbeitern eines Unternehmens ständig Ideen im Kopf herumschwirren [...]"

    Ist das wirklich so? Wie entstehen Ideen denn überhaupt? Neue Ideen entstehen aus Kreativität und meinem persönlichen Empfinden wird Kreativität vor allem durch Druck und Stress gekillt. Das kennt doch jeder, das liegt in der alten Weisheit, mal eine Nacht über die Dinge zu schlafen. Wenn also immer alle unter Volldampf rödeln, entstehen dann überhaupt noch gute Ideen?

    Wenn die Quelle nicht sprudeln kann, dann braucht es auch keine Verwaltung für neue Ideen.

    • dmtude
    • 30. März 2012 19:15 Uhr

    die ich bis Ende der 90iger in der Hand hatte, hatten diese Problematik schon voll abgedeckt.
    Lass sich immer so, alle Entwicklungen ob als Auftrag oder unbeabsichtig durch die Arbeit (bin Ing, waren aber keine Entwicklungsingenieurstellen) gehören der dem Unternehmen, eine möglich Vergütung kann ausgehandelt werden, es besteht jedoch kein Anspruch drauf. Dabei sollte sich am Verteilungsschlüssel 30% (AN) 70% (AG) orientiert werden.

    Da war klar, dass es keine Entwicklungen gab, denn man müsste ja gepudert sein, dem AG für lau Sachen zu überlassen.

    Also liebe Mitforisten, wenn ihr Ideen habt,, behaltet sie für euch, seht ob ihr sie patentiert bekommmt oder in Eigenregie vermarkten könnt und lasst euch nicht von den AGs in D übers Ohr hauen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ideen behalten, pflegen und wenn sich die Gelegenheit ergibt selber versilbern. Vorsicht, bedenken dass Firmen ggf auch nach Wechsel oder Entlassung auf IP klagen.
    Alles andere bedeutet nur den Leuten die nichts lieber als hire & fire haben, die eigene Reissleine UND den eigenen Fallschirm in die Hand zu drücken.

    • grrzt
    • 30. März 2012 19:45 Uhr

    Warum sollte ich meinem Betrieb, der die Arbeit immer mehr verdichtet, Ideen liefern, die ihm noch mehr Möglichkeiten liefern den Arbeitsdruck zu erhöhen? Innovationsmanager, nööö danke.

  1. 4. genau

    Ideen behalten, pflegen und wenn sich die Gelegenheit ergibt selber versilbern. Vorsicht, bedenken dass Firmen ggf auch nach Wechsel oder Entlassung auf IP klagen.
    Alles andere bedeutet nur den Leuten die nichts lieber als hire & fire haben, die eigene Reissleine UND den eigenen Fallschirm in die Hand zu drücken.

  2. an unfähigen vorgesetzten.

    • klamah
    • 30. März 2012 21:54 Uhr

    Gute Ideen NIEMALS ausplaudern!
    Weder dem Chef, Kollegen, dem Professor oder sonstwem!

    Ruhe bewahren!
    Nachdenken und überlegen, wie man für sich (und niemand anders) das Beste aus der Idee herausholt. Im Zweifelsfall schweigen.

    Es gibt kaum eine schlimmere und demütigendere Erfahrung als eine geklaute Idee.

  3. ...von Leiharbeitern mit Niedriglöhnen statt Stamm, dürfte das es für Innovationen seitens der Mitarbeiter immer weniger Spielraum geben: Denn erstens braucht der Kollege noch einen guten Zweitjob, um seine Familie über die Runden zu bringen und muß deshalb mit seiner Energie haushalten, d.h. umgekehrt rational denken wie sein Arbeitgeber. Und zweitens ist es ihm auch egal, ob die Bude in sechs Monaten noch exestiert - dann geht man eben zur Nächsten :)

  4. So, genau so muss es aussehen! Toll gemacht!

    Wenn ich dieses Lob an einem der Tage bekomme, an denen ich mir den Popo aufreiße auf der Arbeit, dann kann ich gerne drauf verzichten.

    Mit bedachtem Lob kann ich mich ja anfreunden, aber ...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Führungskraft | Humboldt-Universität | Unternehmen | Wirtschaftskrise
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