ZEIT ONLINE: Herr Husmann, im Moment reden alle über Burn-out , kaum jemand im Berufsleben scheint nicht an Stress und Überforderung zu leiden. Wird Bernd Stromberg auch eines Tages ausbrennen?

Ralf Husmann : (lacht) Nein, dafür nimmt er seine Arbeit nicht ernst genug. Und er nimmt sich natürlich selbst viel zu wichtig, als dass er ein Gefühl dafür entwickeln könnte, er müsste tatsächlich etwas arbeiten.

ZEIT ONLINE: Stattdessen profitiert Stromberg, stellvertretender Leiter der Abteilung Schadensregulierung bei der fiktiven Capitol Versicherung, von der Burn-out-Erkrankung seines direkten Vorgesetzten. Er nimmt dessen Position ein und lässt seine neue Macht natürlich erst mal alle Untergebenen spüren.

Husmann: Vorbei kommen wir an diesem Phänomen unserer Zeit in der Serie natürlich nicht. Deshalb haben wir in der fünften Staffel die Burn-out-Erkrankung eines Vorgesetzten als Vehikel genommen, um Stromberg nach oben zu bringen. In gewisser Weise profitieren wir von solchen Modeerscheinungen auch. Vor Burn-out war es Mobbing . Das bringt die Serie weiter.

ZEIT ONLINE: Manches bleibt dagegen immer gleich.

Husmann: Ja, die klassischen Betriebsabläufe sind wohl weltweit die gleichen – egal ob man in einer Versicherung arbeitet oder in einer Werbeagentur: Der Großteil des Tages wird mit diesem Intrigen-Denken verbracht: Ich muss gucken, dass ich nach vorne komme und dass der andere möglichst nicht nach vorne kommt. Und was die Leute sonst noch so bewegt, ist auch universell. Wie gut oder wie schlecht ist die Kantine , wo kann ich parken, wieso läuft hier nix und wieso ist mein Chef so doof?

ZEIT ONLINE: Klingt menschlich.

Husmann: Absolut, das ist ja auch der Clou an der Geschichte in Stromberg : dass man sich und bestimmte Abläufe im Berufsalltag so gut wiedererkennt. Das, was ich immer von Zuschauern höre, ist: Ja, so einen Mitarbeiter haben wir auch. Und: Kommen Sie mal zu uns, da ist alles noch viel schlimmer .

ZEIT ONLINE: Bringen die vielen Karriere-Ratgeber in den Buchhandlungen also gar nichts – wenn sich die grundsätzlichen Dinge in der Arbeitswelt doch nie ändern werden?

Husmann: Nein, dieser Rückschluss wäre zu einfach. Schauen Sie sich an, was sich in den vergangenen 20, 30 Jahren in der Berufswelt verändert hat. Angefangen von der Rolle der Frau im Büro, deren Aufgabe vor noch nicht allzu langer Zeit darin bestand, Kaffee zu kochen und Sachen abzutippen, die sich die Männer ausgedacht hatten. Heute gibt es mehr Mitspracherechte, aber auch ganz neue Unternehmertypen. In den modernen Start-Ups kann man heute mit relativ wenigen Mitteln relativ viel Geld machen. Und plötzlich viele Angestellte haben. Damit muss man erst einmal umgehen lernen.