Gründer holen Gründer nach
Deswegen hat die Politik vor einigen Jahren begonnen, Cluster zu fördern. Das Bundesforschungsministerium etwa sponsert in seinem Spitzenclusterwettbewerb seit 2007 insgesamt 15 Cluster mit 600 Millionen Euro. Ende Februar wird das Ministerium in Berlin eine große Cluster-Konferenz ausrichten, auf der die besten Gründerregionen prämiert werden – darunter etwa der BioEconomy-Cluster in Sachsen-Anhalt und der Cluster Elektromobilität Süd-West in Baden-Württemberg. Auch einige Bundesländer haben jüngst zur "Cluster-Offensive" geblasen. Deutschland, so scheint es, ist zum Cluster-Land geworden. Dieser Cluster-Boom hat mehrere Ursachen. Junge innovative Unternehmen können sich heute oft nicht mehr vor der Haustür ihrer Endkunden ansiedeln, denn die leben meist verstreut über die ganze Welt. Also ziehen sie dorthin, wo andere Gründer mit ähnlichen Ideen zu Hause sind.
Dort entsteht mit der Zeit eine Infrastruktur, die den Aufbau neuer Unternehmen erleichtert – zum Beispiel in Inkubatoren, die sich auf eine bestimmte Technologie spezialisiert haben. Seit Mitte der Neunzigerjahre sind deutschlandweit mehr als 70 solcher spezialisierten Gründerzentren entstanden, wie eine Untersuchung des Ökonomen Michael Schwartz vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle zeigt.
Eines der ersten war das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie Martinsried am Rande Münchens, ein Durchlauferhitzer für Biotech-Gründer. 1995 zogen hier die ersten vier Firmen ein, seitdem wuchs das Gebäude zu einem Komplex mit den Ausmaßen eines Fußballstadions heran. Auch in der näheren Umgebung siedelten sich Biotech-Firmen an, der Münchner Biotech Cluster m4 entstand, er umfasst inzwischen 130 Unternehmen mit etwa 2.800 Mitarbeitern.Aus dem Boden gestampft
Zu den jüngsten unter ihnen zählt Ethris. Das Unternehmen hat gerade ein Labor in Martinsried bezogen, in dem zuvor ein anderes Biotech-Unternehmen untergebracht war. Die Gründer Carsten Rudolph und Christian Plank wollen dort innovative Medikamente entwickeln, etwa eine neuartige Tumorimpfung. Bevor die beiden ihr Unternehmen gründeten, arbeiteten sie als Forscher an den beiden Münchner Unikliniken. Das reichte ihnen nicht: "Um den Menschen wirklich helfen zu können", sagt Rudolph, "mussten wir unsere Technologien kommerzialisieren." Sprich: ein Unternehmen gründen.
Wie Ökosysteme, in denen Unternehmen wachsen
Solche Entscheidungen sind es, die den Boom der Cluster zusätzlich begünstigen. Denn Deutschlands innovative Zonen entstehen oft im Umkreis von Forschungseinrichtungen, weil deren Wissenschaftler heute häufiger ausgründen als noch vor 20 Jahren. Manche tun es gleich mehrfach – so wie Karl Leo, Professor am Institut für Angewandte Photophysik der TU Dresden. Wenn man den Physiker fragt, wie viele Unternehmen er mit aufgebaut hat, muss er erst mal überlegen: Fünf Firmen sind es, aus dem Boden gestampft in weniger als zehn Jahren. Sie alle beschäftigen sich mit organischer Elektronik, dem Spezialgebiet Leos.Alle sind in Dresden gestartet – und bildeten die perfekte Keimzelle für einen Cluster, dem inzwischen mehr als 25 Forschungseinrichtungen und Unternehmen angehören. Kürzlich haben sie sich im Verbund Organic Electronics Saxony zusammengetan – um leichter Know-how auszutauschen und global erfolgreich zu sein. Karl Leo hat gewissermaßen ein paar Bäume gepflanzt, aus denen gerade ein dichter Wald entsteht.
Entscheidend ist, dass solche Wälder von selbst wachsen und nicht von übereifrigen Bürgermeistern und Wirtschaftsministern künstlich und über weite Distanzen hinweg angelegt werden. "Politische Initiativen können das Wachstum von Clustern zwar unterstützen", sagt Dirk Fornahl, Ökonom am Zentrum für Regional- und Innovationsökonomik der Uni Bremen, "aber sie können es nicht erzwingen."
In Berlin etwa hat sich die Politik aus der Internet-Gründerszene herausgehalten, dennoch entwickelte sich ein Ökosystem, das auch funktioniert, ohne dass die Senatsverwaltung eine Gießkanne darüber hält. Dank Unternehmern wie Lukasz Gadowski. Der hat sein erstes Startup im Jahr 2002 noch in Leipzig aufgebaut. Fünf Jahre später zog er nach Berlin und gründete den Inkubator Team Europe – eine Brutstätte für Startups, in dem bereits mehr als ein Dutzend Firmen geschlüpft sind. Sie beschäftigen über 1.000 Mitarbeiter.
Auch andere Internet-Unternehmer, die um die Jahrtausendwende mit ihren ersten Projekten zu Millionären wurden, pumpen ihr Geld in solche Startup-Fabriken. Promi Ashton Kutcher, der 2011 Geld in mehrere Berliner Startups investiert hat, verleiht der Szene den nötigen Glamour.
Das spricht sich herum und lockt andere Gründer und Geldgeber aus aller Welt an, hat Sascha Schubert beobachtet. Ihm halfen beim Aufbau seiner Spendenplattform Spendino 16 Privatinvestoren; die meisten von ihnen, natürlich, aus Berlin. Als Mitgründer des Entrepreneurs’ Club erwartet Schubert im März 300 Jungunternehmer aus ganz Europa zum "Startup Camp".






gab es auch schon mal im Großraum Dresden.
Ist mittlerweile heftig geschrumpft dieser cluster.
Solar valley, klingt auch prima, wenn in Deutschland nicht gerade Insolvenz angesagt wäre im Solarbereich.
Jetzt reißen halt die online games auf dem smartphone die deutsche Wirtschaft raus - sicher doch, wenn das Berlin Kreuzberg und Mitte so siehen .....
Ich denke mal, dass in diesem Jahr aufgrund der Konjunkturerwartung gerade das Hartsfiertal einen großen Boom erleben wird.
... fand aber leider nur eine recht zusammenhangslose Sammlung an Städten, Clustern, Initiativen und Veranstaltungen vor. Schade, das Thema hat in Deutschland eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient.
Ich hätte mir gewünscht, dass Sie die verschiedenen Arten der Gründungsförderung (etwa Inkubatoren, Cluster, Finanzierungshilfen) vorstellen und dazu einen Überblick geben, wo sich derzeit in welchem Bereich viel tut. Die hier vorgestellten Beispiele sind ohne entsprechende Erläuterung und Einordnung lediglich nicht-repräsentative Stichproben.
All jene Leute, die es in meiner Region nicht geschafft haben mit der Selbstständigkeit (in den meisten Fällen nicht ansatzweise), sind nach Berlin gegangen. Beste Voraussetzung für eine Stadt ...
Sehe es wie beim Aktienkurs – da ist mir Munich Mountain lieber als Berlin Valley. (Bei fairer Bewertung!)
Berlin ist nicht nur sexy sondern die Gründerstadt in Deutschland... In einigen Jahren wird man das noch stärker als jetzt an den Immobilienpreisen sehen
Ein paar Kreuzberger Sweatshops mehr und schon wieder das Gerede über ein Berliner Silicon Valley. Es ist schon lächerlich, Firmen die sich mit dem Bedrucken von T-Shirts, Klingeltönen, o.ä. beschäftigen, mit High-Tech Unternehmen, die Micro-Chips, Datenbanksysteme oder Rechner samt Betriebssystem entwickeln, zu vergleichen. Hier ein paar Skript-Kiddies, die eine hübsche Web-Site basteln, dort Ingenieure, die technologisches Neuland betreten. Klar ist es toll, dass es einigen Berliner Wunderkindern gelingt, mit irgend etwas einen ordentlichen Lebensunterhalt zu verdienen, aber hört doch bitte auf, das gleich jedesmal mit Silicon Valley zu vergleichen. Die anspruchsvolleren technologischen Entwicklungen in Berlin, die mit denen im Silicon Valley verglichen werden könnten, sind die typischen Berliner Subventionsruinen, im Allgemeinen von Uni-Profs gegründet und in ihrer Agilität vergleichbar mit sozialistischen Staatsbetrieben.
Die Zeit wird es zeigen.
Der Artikel stimmt schon, Berlin wird seit ein paar Jahren als gute und guenstigere Alternative zu S.F. immer oefter erwaehnt. Aber:
>> Ein Gründermärchen in Zeiten, in denen Wagniskapital knapp ist
Das stimmt nicht. Es ist eher so, dass oft schon von einer "Startup-Bubble" geredet wird, weil zu viel Wagniskapital in alle moeglichen Ideen gepumpt wird, hauptsache Internet oder noch besser, "Apps". Aber das ist ja gut so.
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