Frauenquote"Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei"

Deutschland kann auf gut ausgebildete Frauen nicht verzichten, sagt Ministerin Ursula von der Leyen. Im Video erklärt sie, warum die Wirtschaft eine Frauenquote braucht.

Von rund 200 börsennotierten Unternehmen haben 80 Prozent keine Frauen in Spitzenpositionen – und das, obwohl die Unternehmen bereits vor zehn Jahren versprachen, freiwillig für mehr Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen zu sorgen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Geduld verloren und fordert eine Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in den Spitzengremien der Wirtschaft ab 2018. "Das ist das Minimum. Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei!", sagt sie im Videointerview mit ZEIT ONLINE.

Deutschland könne es sich nicht mehr leisten, auf gut ausgebildete Frauen zu verzichten, sagt die Ministerin. Viel habe sich bereits geändert. Frauen schafften es in Führungspositionen, im Mittelstand seien bereits ein Drittel der Leitungsfunktionen mit Frauen besetzt. Aber knapp unter dem Vorstand gebe es immer noch eine gläserne Decke. Von der Leyen ist überzeugt, dass diese nur durch eine politische Vorgabe gebrochen werden kann – und mit handfesten ökonomischen Argumenten. "Monokulturen schaden dem Unternehmen. Firmen mit Frauen und Männern an der Spitze sind zukunftsorientierter, arbeiten transparenter und motivierender – sie sind in ihrer Unternehmenskultur besser", sagt von der Leyen. Dass gemischte Teams bessere Leistungen zeigen, stellten jüngst Studien der Unternehmensberatungen Ernst & Young und McKinsey fest.

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Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteclubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

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Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Als weiteres Problem nennt die Arbeitsministerin den Gender Pay Gap – den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Besonders in Unternehmen, in denen Gehälter frei ausgehandelt werden und keine Tarifverträge greifen, verdienen Frauen weniger als Männer. Hier müssten die Unternehmen die Transparenz erhöhen, fordert die Ministerin.

Vor allem dürften Frauen nicht mehr vor die Entscheidung zwischen Karriere oder Familie gestellt werden, mahnt von der Leyen. Sie räumt ein, dass die Politik jahrelang versäumt habe, die richtigen Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Und das sei kein reines Frauenthema. "Vereinbarkeit ist auch eine Aufgabe von Männern", stellt die Ministerin klar. Ganztagsschulen, Elterngeld, Krippenplätze oder das Gesetz zur Familienpflegezeit sollen nun bessere Möglichkeiten schaffen.

Außerdem möchte von der Leyen Lebensarbeitszeitkonten einführen. Die Lebensarbeitszeit sollte biografisch verteilt werden – mit Phasen für die Karriere, Zeiten für die Familie oder Pflege von Angehörigen, mit Zeiten für Weiterbildung. Wie die Karrieremöglichkeiten für Frauen verbessert werden können, erklärt die Ministerin im Videointerview.

 
Leserkommentare
  1. .. als Arbeitsministerin.

    Personalleasing ist entgegen der christlichen
    Programmierung und schlecht für die Kinder.
    Beamtenkinder haben da schon besseren
    Familienschutz zu erwarten.

    Lösung:
    Schaffen Sie Personalleasing ab.

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