Equal Pay DayFrauen fordern bundesweit gleiche Bezahlung

Am 23. März ist "Equal Pay Day" in Deutschland. Bundesweit machen Frauen auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Hunderte von Aktionen sind geplant. von 

Wer an diesem Freitag viele Frauen mit roten Handtaschen sieht, hat nicht etwa einen Modetrend verschlafen. Die roten Beutel sind Teil einer Aktion des Equal Pay Day (EPD), an dem sich Frauen auf der ganzen Welt beteiligen. Der Tag soll auf die Lücke beim Gehalt zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen, die Handtaschen symbolisieren die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Denn Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer.

Hierzulande haben Frauen in Vollzeitbeschäftigung 21,6 Prozent weniger Einkommen als Männer, hat die OECD jüngst errechnet . Vergleicht man die Stundenlöhne von Männern und Frauen, kommt man sogar auf einen unbereinigten Unterschied von 23 Prozent.

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Trotzdem ist Deutschland unter den westlichen EU-Staaten mit diesem Wert negativer Spitzenreiter. Die EU untersucht regelmäßig, wie groß die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in den einzelnen Mitgliedstaaten ist. Das Ergebnis ist seit Jahren das gleiche: Frauen müssen sich auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Job mit weniger zufrieden geben. Die Europäische Kommission hat dazu jüngst ein Video veröffentlicht.


Anders als beispielsweise der Weltfrauentag wird der Equal Pay Day aber nicht an einem fixen Datum begangen. Die Initiatorinnen berechnen das Datum nach einer Formel, die den jeweils aktuellen Entgeltunterschied zwischen den Geschlechtern ausdrückt. Darum fällt der EPD in Deutschland in diesem Jahr auf den 23. März.

Bundespolitikerinnen unterstützen die Aktion

Erst seit 2008 wird der Tag auch in Deutschland begangen. In den USA machen Frauen auf Initiative der Organisation Business and Professional Women (BPW) schon seit 1988 auf die ungleiche Bezahlung aufmerksam. Ableger des BPW gibt es auf der ganzen Welt – und so fingen auch Frauen in anderen Ländern an, den "Gleichbezahlungstag" zu veranstalten. Am ersten EPD in Deutschland vor vier Jahren beteiligten sich 6.000 Frauen und Männer in 25 deutschen Städten. 2011 waren es schon 90.000 Aktivistinnen und Aktivisten in 250 Städten und Gemeinden.

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer OECD-Studie aus dem März 2012 zufolge verdienen Vollzeit beschäftigte Frauen in Deutschland durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamt. Die Statistiker stellen eine unbereinigte Lohnlücke von 22 Prozentfest.

ImGlobal-Gender-Gap-Report des Weltwirtschaftsforums  2012 kam Deutschland auf Platz 13, 2006 war die Bundesrepublik noch auf Platz fünf gewesen.

Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und wenig in Führungspositionen. Das erklärt zwei Drittel des Lohnunterschieds. Es bleiben jedoch sieben bis acht Prozent Differenz aufgrund des Geschlechts. Dieser Unterschied wird als bereinigte Lohnlücke bezeichnet.

Gender Pension Gap

Als Gender Pension Gap wird die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Februar 2012 zufolge beträgt sie 59,6 Prozent. Dabei fällt der Gender Pension Gap im Osten mit 36,7 Prozent niedriger aus als im Westen mit 63,4 Prozent.

Maßgeblich für die Rentenlücke sind die weiblichen Erwerbsbiographien: Frauen, die sich für Ehe und Familie entschieden haben, bekommen sogar 69,6 Prozent weniger Rente. Sie haben für die Kindererziehung ihre Erwerbstätigkeit oft lange unterbrochen und in Teilzeit gearbeitet. Dadurch haben die Frauen nur geringe Rentenansprüche erworben.

Die heutige durchschnittliche gesetzliche Rente von Frauen beträgt 645 Euro im Monat, für Männer hingegen 1.595 Euro.

Gefördert werden die Veranstaltungen vom Bundesfamilienministerium . "Damit Chancengerechtigkeit für Frauen und Männer nicht beim Geld aufhört, müssen wir die Ursachen für die Entgeltlücke ins Visier nehmen", sagt Familienministerin Kristina Schröder. "Frauen fehlen in bestimmten Arbeitsgebieten, Berufen und auf höheren Stufen der Karriereleiter, sie unterbrechen oder reduzieren häufiger familienbedingt ihre berufliche Tätigkeit, und typische Frauenberufe werden immer noch schlechter bezahlt."

In diesem Jahr steht der EPD in Deutschland unter dem Thema Lohnfindung. Was bestimmt die Löhne – und wer? Wie kann es selbst bei Tariflöhnen zu einer geschlechtsspezifischen Benachteiligung kommen? "Wir fordern eine Neubewertung typischer Frauenberufe sowie eine Überprüfung von Tarifverträgen auf Geschlechtergerechtigkeit", sagt Simone Denzler, die Pressesprecherin von BPW in Deutschland. "Während das Heben schwerer Lasten etwa bei Müllmännern als Kriterium für die Arbeitsbewertung herangezogen wird und das Entgelt erhöht, ist dies bei Pflegeberufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, nicht der Fall."

Außerdem wird gefordert, dass Lohnfindungsprozesse transparenter werden sollen.  Dafür spricht sich auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen aus. Unternehmen, die ihre Löhne gerecht gestalten wollen, können anlässlich des EPD Informationen dazu beim Arbeitsministerium einholen.

Für den Tag sind bundesweit über 500 Veranstaltungen, Kundgebungen und Podiumsdiskussionen geplant. Es wird aber auch Gehaltsverhandlungsworkshops und Coaching-Events geben. In Berlin werden am Brandenburger Tor bei einer Großdemonstration mit Kundgebung Vertreterinnen des Deutschen Gewerkschaftsbunds ( DGB ) und des Deutschen Frauenrats, Politikerinnen und mehrere Tausend Besucher erwartet. Eine Übersicht über die geplanten Aktionen in deutschen Städten ist auf www.equalpayday.de zu finden. 

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Leserkommentare
    • Crest
    • 20. März 2012 9:44 Uhr

    erinnert mich irritierend an die Art und Weise, wie Quotenregelungen in den DAX-Vorständen gefordert werden.

    Eine Ursachenanalyse, die diesen Namen wirklich verdiente, findet nicht statt, und man skandiert stattdessen "Diskriminierung".

    Bezeichnend hierfür das im Bericht angebotene Video. Es heißt: "Frauen müssen sich auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Job mit weniger zufrieden geben. Die Europäische Kommission hat dazu jüngst ein Video veröffentlicht."

    Ich sehe mir also das Video an, in der Hoffnung, Hinweise auf weniger Bezahlung bei gleicher Qualifikation und gleichen Job zu erhalten. Aber - sehen Sie selbst....

    Herzlichst Crest

  1. Das Video ist ja wohl die reinste Geldverschwendung. Erklärt überhaupt nichts und geht auch nicht darauf ein, dass die 17% der unbereinigte Lohnunterschied sind, d.h. diese Zahl bedeutet keine Benachteiligung von Frauen.
    Übrigens haben teilzeitbeschäftigte Männer einen geringeren Stundenlohn als Frauen. Wo bleibt hier die Gleichberechtigung?

    • ngw16
    • 20. März 2012 9:53 Uhr

    Selbst das Ministerium für alle, außer Männer musste die Aussage von UvL über ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit usw. zurück nehmen.

    Es wird immer nur auf "gleichwertige" Arbeit verwiesen.
    Was das aber effektiv ist, bleibt jedem überlassen.

    Und das statistische Bundesamt hat diese Behauptungen auch längst widerlegt.

    Übrigens gibt es Aussagen von UvL's Vorgängerin Renate Schmidt, welche derartige Behauptungen schon widersprachen.

  2. Entfernt. Verzichten Sie auf unterstellende Kommentare, die als misogyn gelesen werden können. Die Redaktion/mak

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mithilfe aller möglichen Vorurteile ggü Frauen.
    Ich laufe jedenfalls nicht mit Klangschalen durch die Gegend und trinke keinen Buddhatee, sondern arbeite leitend im Finanzbereich eines Industrieunternehmens und bin Familienhauptverdienerin. Und ich empfinde es als massiv ungerecht, wenn ich nur aufgrund meines Geschlechtes weniger verdiene als mein männlicher Kollege. Ich mag meine Arbeit und zeige großen Einsatz, aber ich betreibe sie nicht als Hobby.

    Zu den Statistiken:
    Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt 22% (früher 23%), davon sind etwa 30% (nicht %Punkte) arbeitsplatzunabhängig. Also etwa 7%Punkte.
    70% pay gap sind strukturell arbeitsplatzbedingt, also zurückzuführen wesentlich auf Teilzeitarbeit und schlechtere Positionen(, außerdem Branchenwahl, Ausbildung).

    http://www.destatis.de/je...

    Auch lebenslang "nur" 7% weniger zu verdienen, bei gleicher Leistung, gleichem Job ist ein Skandal.
    Auf ein Arbeitsleben bezogen können das 100.000e € sein.
    Jenseits von Geschlechterressentiments ist das schlicht UNGERECHT.

    kassandra

  3. "Hierzulande haben Frauen in Vollzeitbeschäftigung 21,6 Prozent weniger Einkommen als Männer, hat die OECD jüngst errechnet."

    Wenn schon Zahlen einer Statistik verwendet werden, dann wüsste ich wirklich gerne wie diese zustande kommen. Prozentzahlen haben sehr wenig Aussagekraft. Ich hätte gerne die absoluten Zahlen dazu.

    Weiterhin: Was wird denn da überhaupt verglichen? 21,6 Prozent von was? Das arithmetisches Mittel der Einkommen der Frauen und der Männer. Oder der Meridian?

    Diese eine Prozentzahl sagt mir als Leser gar nichts. Ich finde außerdem das wenn eine Studie zitiert wird, dann sollte man doch auf die Originalstudie verlinken und nicht auf einen mangelhaften Bericht über diese. Das ist schlechter Stil.

  4. "Frauen müssen sich auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Job mit weniger zufrieden geben"

    Laut der von Ihnen angegebenen Studie gilt:
    "Dieser Unterschied wird als unbereinigte Lohnlücke bezeichnet. Die Studie vergleicht hier zwar Vollzeitgehälter, sie klammert aber Beruf und Position aus."

    Weiterhin:
    "Es bleiben jedoch 8 Prozent Unterschied aufgrund des Geschlechts"

    Warum handelt Ihr Artikel nicht von den angegebenen 8%?
    Warum diese Propaganda Frau Groll?

    tL

    • fegalo
    • 20. März 2012 10:10 Uhr

    möchte ich ein paar Alternativen zu diesem doofen Anglizismus „Equal Pay Day“ vorschlagen:

    - Tag der falschen Ausbildung
    - Tag des mangelnden Ehrgeizes
    - Tag der ungeschickten Gehaltsverhandlung
    - Tag der Flucht vor beruflicher Verantwortung

    etc.

  5. Es wurde auch langsam Zeit, daß der Feminismus in Deutschland aufhört, sich mit der Zertrümmerung der deutschen Sprache und den Penetrationsängsten von Alice Schwarzer zu beschäftigen und sich den tatsächlichen Problemen widmet.
    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das ist doch mal eine Forderung, der ich mich als Mann aus vollem Herzen anschließen kann. Als nächstes dann die Forderung nach flächendeckender angemessener Kinderbetreuung, bitte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 20. März 2012 10:50 Uhr

    Und mehr Teilzeitarbeistmöglcihkeiten für Männer.

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