FahrlehrerPauker auf dem Beifahrersitz

Fahrlehrer brauchen starke Nerven und gute Konzentrationsfähigkeit. Die Jobaussichten sind zwar solide, aber der Verdienst ist gering, zeigt der Beruf der Woche. von 

In kaum einem Beruf haben die Mitarbeiter so viel Verschleiß am Dienstfahrzeug wie in diesem: Fahrlehrer brauchen schon nach wenigen Jahren ein neues Auto.

Geduld, Konzentrationsvermögen, Organisationstalent und Gelassenheit sind Grundvoraussetzung für den Job als Fahrlehrer. Und natürlich Spaß am Autofahren. Den Großteil ihres Arbeitstags verbringen sie auf dem Beifahrersitz bei den praktischen Fahrstunden, erklären ihren Schülern, wie der Wagen und die Schaltung funktionieren, sie dozieren die Vorfahrtsregeln und üben mit den Schülern den Spurwechsel, das Anfahren am Hang oder das Einparken. Land- und Autobahnfahrten sowie Nacht- und andere Sonderfahrten gehören ebenso zum Joballtag wie der Theorieunterricht, der oft am Abend stattfindet. Hier lehren sie die Verkehrsregeln rauf und runter: Welche Verkehrszeichen gibt es und was bedeuten sie? Wie fahre ich bei welchem Wetter? Wie schnell darf ich wann fahren? Wie lang ist der Bremsweg?

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"Viele Fahrlehrer richten ihre Arbeitszeiten nach den Terminkalendern ihrer Fahrschüler", sagt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. . Oft beginnt der Arbeitstag schon am frühen Morgen mit praktischen Unterrichtseinheiten für den Pkw,- Lkw,- Motorrad-, Traktor- oder Busführerschein.

© Tim Boyle/Getty Images

Um in diesem Job arbeiten zu können ist ein Mindestalter von 22 Jahren, eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Lehrberuf sowie der Besitz der Fahrerlaubnisklassen A, B/BE und C/CE vorgeschrieben. "Zudem dürfen angehende Fahrlehrer nicht wegen Drogendelikten oder Alkoholdelikten in Erscheinung getreten sein", sagt von Bressensdorf.

Die Ausbildung ist kostenpflichtig und erfolgt an einer Fahrschule, die auf die Ausbildung von Fahrlehrern spezialisiert ist. Zunächst steht die theoretische Schulung an, in der unter anderem die Verkehrsregeln, aber auch Verkehrspädagogik, Verkehrsverhaltenslehre und umweltbewusstes Fahren auf dem Plan stehen. Sie dauert fünf Monate und wird mit einer schriftlichen und mündlichen Sachkundeprüfung abgeschlossen. Zusätzlich müssen die angehenden Lehrer eine theoretische Unterrichtsstunde leiten. Erst danach dürfen sie in eine Ausbildungsfahrschule wechseln. Hier sind sozusagen die Fahrlehrer Schüler und werden von einem erfahrenen Ausbilder angewiesen. Nach etwa viereinhalb Monaten steht die Abschlussprüfung an: Die angehenden Lehrer werden bei einer Fahrstunde mit einem Fahrschüler geprüft.

Umweltbewusstes Fahren wird wichtiger

Ganz risikolos ist der Job nicht: "Fahrlehrer müssen auf Notsituationen vorbereitet sein. Viele entwickeln mit der Zeit einen Spürsinn für Gefahrensituationen. Das ist wie eine Lebensversicherung für die Arbeit", sagt von Bressendorf. Die Lehrer müssen in brenzligen Situationen auf die Bremse treten und dem Schüler ins Steuer eingreifen können. Dafür braucht man eine schnelle Auffassungsgabe und blitzschnelles Reaktionsvermögen. Und immer Konzentration.

In Deutschland gibt es rund 25.000 Fahrschulen, in denen junge Fahrlehrer als Angestellte arbeiten. Die meisten machen sich aber nach einiger Zeit mit einer eigenen Schule selbstständig. Das ist allerdings mit finanziellen Risiken verbunden: Die Bevölkerungsdichte muss genügend Fahrschüler auf absehbare Zeit sichern. Die Versicherungen, der Unterhalt der Fahrzeuge und der Sprit kosten. Hinzu kommen die Kosten für die Fahrzeuge an sich. Denn in Fahrschulen werden keine gewöhnlichen Autos benutzt, sondern spezielle Fahrschulautos, die auch auf der Beifahrerseite voll funktionsfähige Pedalen haben. Damit können die Lehrer beschleunigen, bremsen und kuppeln.

In den letzten Jahren ist umweltbewusstes Fahren immer wichtiger geworden. Fahrlehrer müssen über die neueste Fahrzeugtechnik Bescheid wissen. Einige Fahrschulen haben Hybridfahrzeuge angeschafft oder setzen auf Autos, die Gas statt Benzin tanken.

Die Berufsaussichten für junge Fahrlehrer variieren sehr stark. In den neuen Bundesländern gibt es ein Überangebot an Fahrschulen, die Jobchancen sind hier schlecht. In anderen Regionen haben neue Fahrschulen hingegen durchaus Chancen auf Erfolg am Markt.

  • Gehalt: variiert, je nach Region und Einsatzgebiet zwischen 1.500 und 2.800 Euro/brutto;
  • Arbeitszeit: ca. 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: spezielle Fahrlehrerausbildung
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    • Serie Beruf der Woche
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Fahrzeug | Lehrer | Schüler
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