Beruf Literaturagent: Spürnasen für Bestseller
Autoren sind auf Literaturagenten angewiesen. Sie führen die komplexen Vertragsverhandlungen. Dafür kassieren sie einen Teil der Einnahmen. Ihr Job im Beruf der Woche
Einmal einen Bestseller schreiben, davon träumen viele Autoren in Deutschland. Allerdings schaffen es nur ganz wenige, sagt Michel Meller. Der Literaturagent aus München bekommt täglich mehrere Dutzend Roman- und Sachbuchmanuskripte geschickt. Sein nüchternes Fazit: Nur ganz wenige Manuskripte haben die erforderliche Qualität.
Die Autoren, die Meller überzeugen, lädt er zum Gespräch in seine Agentur ein. Es geht aber auch anders herum: Wenn der Agent einen interessanten Artikel in einer Zeitung über ein Thema liest, das für ein Sachbuch geeignet ist, kontaktiert er den Autor und fragt, ob der Stoff für ein ganzes Buch reicht.
Mellers Jobs ist es, dem Autoren zu einen guten Vertrag bei einem Verleger zu verhelfen. "Der Agent vertritt die Interessen des Autoren und versucht, die bestmöglichen Konditionen zu verschaffen." Oberstes Maxime im Job: Immer die Vertraulichkeit wahren. "Manche Autoren haben Angst, dass Agenturen ihnen die Idee oder das Projekt klauen. Aber das kommt immer raus. Solche Literaturagenten halten sich nicht lange", sagt Meller.
Aber warum brauchen Autoren überhaupt einen Agenten? Sie könnten doch auch gleich mit den Verlagen verhandeln.
Meller lacht über Fragen wie diese. "Möglich ist das, aber die Branche funktioniert anders. Verhandlungen mit Verlagen sind schwierig, die Verwertungskette ist sehr kompliziert. Hörbücher, Sonderausgaben, E-Books – es gibt viele Möglichkeiten, wie ein Buch verlegt werden kann und alles muss einzeln ausgehandelt werden. Die Inhalte, Bedingungen, Verpflichtungen und Klauseln in Autorenverträgen werden immer komplexer. Viele Autoren können die Rechtslage gar nicht überblicken", sagt Meller. Trotzdem habe der Autor immer das letzte Wort. "Aufgabe von uns Agenten ist, die Autoren zu schützen, sie gut zu beraten und zu führen."
Komplexe Vertragsverhandlungen
Nicht verwechselt werden darf die Arbeit der Literaturagenten mit der Arbeit von Managern. Literaturagenten leisten kein Gesamtmanagement für einen Schriftsteller, sie führen lediglich das Vertragsmanagement.
Und wie wird man Literaturagent? Eine geregelte Ausbildung gibt es nicht, auch die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Viele kommen aus dem Verlagsmanagement, kennen die Literaturbranche gut. Es gibt aber auch Quereinsteiger. Der Nachwuchs kommt über ein Praktikum in den Job, Ältere steigen auch aus der Medienbranche um. Viele sind selbständig, aber es gibt auch festangestellte Literaturagenten, die in einer großen Agentur arbeiten.
Die Arbeit besteht überwiegend aus Organisation am Telefon und persönlichen Gesprächen mit Klienten und Verlagen. Zudem steht viel Buchhaltungsarbeit an. "Zum Lesen der Manuskripte hat man an Werktagen kaum Zeit. Das geschieht fast immer abends und an Wochenenden", sagt Meller.
Literaturagenten müssen kommunikativ sehr stark sein, sie brauchen Verhandlungsgeschick und genaue Kenntnisse des Literaturmarktes. Außerdem müssen sie gut managen und wirtschaftlichen Verstand mitbringen. Wer dann noch den richtigen Riecher für gute Themen hat und sich bei Rückschlägen in den Verhandlungen nicht entmutigen lässt, bringt das Rüstzeug zum Literaturagenten mit. Wichtig ist ein großes Allgemeinwissen – das brauchen die Agenten besonders für Sachbücher, in denen es vor fachspezifischen Begriffen wimmelt.






Der schläfrige Agent döst in seinem Bürosessel, stößt gelangweilt mit der Schuhspitze in die Papierwanderdüne unverlangter Manuskripte. Ein blitzendweißes Kuvert sticht hervor. Der Agent bückt sich, greift interessiert zu. Auf der Rückseite des Kuvert halbseitig der gelungene Coverentwurf eines Buchtitels, daneben in großen Buchstaben: Vorsicht Bestsellergefahr, nicht öffnen!
Der Agent liest gebannt die ersten dreißig Manuskriptseiten.
Vom Anschreiben grinst den Agenten ein jugendlich frecher Typ an. Der angehende Autor versichert, dass dieser Romanentwurf der erste Teil einer Fortsetzungsreihe ist, zwei weitere Teile hätte er bereits in Planung. Außerdem hat er sich eine professionelle und werbewirksame Homepage kreieren lassen, und wie selbstverständlich bei youtube eine Leseprobe platziert, mit einer schon verdammt beachtlichen Resonanz...
Wäre dieser Traum wahr, wozu braucht dieser Autor überhaupt einen Agenten.
... an die man nicht gedacht hat!
denn der Agent bekommt gerade 15% vom Autorenhonorar, ausgereicht vom Verlag, der vermittelt wurde. Und Namen spielen eine Rolle. Viele Agenten fordern von Autoren eine Liste, in der Verlagsverträge genannt sind. Wer z. B. bei Rowohlt untergekommen ist, hat gute Karten. Zuschussverlage zählen nicht. Autoren, die für Texte gezahlt haben, werden kaum respektiert. Ein Agent aus der Pfalz lehnte sogar die Zusammenarbeit ab. Agenten sind oft unnahbar,
Vorzimmerdamen“ patzig, falls der Autor unbekannt ist. So jedenfalls gelangen Zuschussverlage zum Erfolg.
Die Arbeit v. Literaturagenten läuft sehr unterschiedlich ab. In einem bayrischen Blatt v. März steht: „Gerade 5 Manuskripte hat Meller in 24 Jahren (!) aus der Papierflut ziehen können, die am Ende als Bücher gedruckt wurden.“
Wenn M. Meller lt. eigener Info pro Tag 15 Angebote bekommt, sind es in 24 Jahren 131.400. Davon hat er gerade 5 akzeptiert. Meller, der selbst nicht schreibt u. auf Empfehlungen etc. baut, sind so mit Sicherheit marktfähige Texte durch die Lappen gegangen. Bei o. g. Trefferquote ist es für Autoren günstiger, sich bei den übrigen 119 Agenturen in D. zu bewerben oder den Direktkontakt zu Verlagen zu suchen, ratsam vor allem bei Zeitzeugenliteratur.
Mit Ideen und Ausdauer ist Erfolg drin. Es muss ja nicht gleich der Nobelpreis winken.
Eine große Anzahl ausländischer Lizenzen werden vertreten oder durch deutsche Verlage aus Kostengründen angekauft – zum Leidwesen gerade neuer Autoren.
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