GleichberechtigungEU-Kommission befragt Bürger zur Frauenquote

Weil der Frauenanteil in den Führungspositionen weiterhin stockt, droht EU-Kommissarin Reding mit einer gesetzlichen Quote. Vorher sollen die EU-Bürger befragt werden. von AFP, dpa und Reuters

EU-Grundrechtekommissarin Viviane Reding möchte noch in diesem Sommer Gesetzesvorschläge für eine europaweite, verpflichtende Frauenquote für die Führungsgremien von Konzernen machen. Grund sind die nur sehr kleinen Fortschritte auf dem Weg zu mehr Frauen in Top-Positionen großer europäischer Unternehmen.

Derzeit sei nur eines von sieben Vorstandsmitgliedern der führenden Unternehmen weiblich, teilte die EU-Kommission mit. Seit 2010 habe ihr Anteil zwar zugenommen, dennoch würde es bei dieser Geschwindigkeit vier Jahrzehnte dauern, bis ein ungefährer Gleichstand der Geschlechter erreicht wäre. Sie sei daher zu allem bereit, sagte Reding im Interview mit der Tageszeitung Die Welt . "Ich bin kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen". Mit freiwilligen Lösungen würden häufig keine großen Fortschritte erzielt, sagte Reding der Zeitung. "In zwei Dritteln der Mitgliedsländer sehen wir nur Stillstand, das ist völlig ungenügend, ja, lächerlich."

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Um die Diskussion um den Frauenanteil in Unternehmen voranzutreiben und ihre Forderung zu legitimieren, will Reding nun bis Ende Mai die Bevölkerung befragen. 

Bürger sollen befragt werden

Von den Ergebnissen der Befragung wird abhängen, ob die Brüsseler Behörde wirklich einen Gesetzesvorschlag macht oder nur erneut eine Empfehlung ausspricht. Reding will in der Umfrage auch Vorschläge sammeln zur Höhe der Quote, betroffenen Unternehmen, Zeitvorgaben und Sanktionen.

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

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Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Einer aktuellen Umfrage zufolge sprechen sich 75 Prozent der befragten Bürger in einer am Montag in Brüssel veröffentlichten Eurostat-Umfrage für Rechtsvorschriften zum Geschlechtergleichgewicht aus.

Außerdem kündigte Reding eine Initiative großer europäischer Management-Hochschulen an. Diese wollten am Dienstag eine Liste mit 2.500 hochqualifizierten Frauen veröffentlichen, die "vorstandsfähig" seien. "Ich denke, dann wird jeder wissen, dass Talent verfügbar ist", sagte die Europa-Politikerin.

Vor einem Jahr hatte die EU-Kommissarin zu einer glaubwürdigen Selbstregulierung aufgerufen . Dieser blieb jedoch weitgehend folgenlos. Sie bedauere, dass die Selbstverpflichtung bisher keine zufriedenstellenden Ergebnisse gezeigt habe, erklärte Reding. "Das Fehlen der Frauen in den Spitzenpositionen der Geschäftswelt schadet Europas Wettbewerbsfähigkeit und behindert das Wirtschaftswachstum."

Leserkommentare
  1. ...ist offenbar unwichtig genug oder das Ergebnis so sicher, dass man uns (oder eine belibig kleine Teilmenge) befragen kann.

  2. wie sie auf Ihren Posten gekommen ist.
    Durch Leistung oder per Quote?

    Im Übrigen gäbe es sicher auch Listen mit 2500 vorstandsfähigen Männern. Das begründet noch gar nichts.
    Der bessere Bewerber soll den Job bekommen, nicht der männlichere oder die weiblichere.

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    würde mich auch interessieren, beziehungsweise, wie man beschaffen sein muss, um als "vorstandsfähig" zu gelten. Bedeutet dieses Attribut, dass man als Angehörige der Liste, nach den Fähigkeiten beurteilt, in der Lage ist, für die Mitgliedschaft im Vorstand/Aufsichtsrat eines DAX-Unternehmens in die engere Auswahl zu kommen? Oder ist sie vielleicht eher wie eine Empfehlung für die olympischen Spiele - weil man ja 100 Meter weit rennen kann?

    Schließlich hat die Quote in Norwegen ja auch nicht dazu geführt, dass genug qualifizierte Führungsmitarbeiterinnen gefunden werden konnten, um ihr zu entsprechen - obwohl jede Menge Geld in extra Managementkurse hineingepumpt wurde. Im Gegenteil: es belegen sehr wenige Frauen (sogenannte "Goldröcke") doppelt oder dreifach irgendwelche AR-Mandate oder Vorstandposten. Die Performance der Unternehmen hat sich dadurch spürbar verschlechtert (http://webuser.bus.umich....). Auch dass viele betroffene Firmen extra wegen der Quote ihre Rechtsform änderten (http://epn.dk/samfund/arb... ) hat offensichtlich nicht ausgereicht, dass die verbliebenen Aktiengesellschaften genügend Kandidatinnen finden konnten, um ihr nachzukommen. Wenn obige Liste nun halten sollte, was sie verspricht, dürften die in ihr geführten Managerinnen schon von diesem Land aufgesaugt werden, wie das Wasser vom Schwamm.

    • Bastie
    • 05. März 2012 15:52 Uhr

    Wenn es tatsächlich einen Kausalzusammenhang zwischen dem Anteil an weiblichen Führungskräften und dem Firmengewinn gäbe, insbesondere in der angegebenen Höhe, dann hätte sich das Verhältnis längst dahin gewandelt. Es herrscht ja immerhin direkte Konkurrenz zwischen Firmen.

    Es scheint mir aber einfach nur eine Korrelation zwischen den Daten zu geben. Insbesondere kann ich mir nicht vorstellen, daß das einfache Einstellen von Frauen allein zu großem Erfolg führt. Die Frauen, die bis jetzt gute Arbeit leisten, werden durch solche Aussagen zudem total auf ihr Geschlecht reduziert; so als ob ihre individuelle Leistung einzig aus der Tatsache des Frau-seins erwächst. Menschen sind aber Individuen und so kann ein Mann durchaus "weibliche" Qualitäten haben, genauso wie eine Frau "männliche".

    Was hier mit der Quote versucht wird ist einfach plumpe Klientelpolitik, die versucht, eine Reihe von Frauen von sehr gut bezahlten in ausgezeichnet bezahlte Posten zu Rücken. Das ist Lobbyismus pur und für den Rest der Gesellschaft einfach nur schädlich.

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    • Chaled
    • 05. März 2012 17:39 Uhr

    Die McK Studie ist natürlich von der Regierung in auftrag gegeben.

    @Elena93
    Die Wählergruppe der Frauen natürlich. Bald sind Wahlen und von der Leyen und co. benötigen Stimmen !!!

    Die von der Leyen Werbung im Artikel ist unerträglich. Die Frau ist so unsozial dass es nur Kracht. Aufgefallen ist sie mir schon als sie noch in NRW Ministerin war und die Blindenhilfe gestrichen hat. Dankenswerterweise gab es damals so großen Widerstand aus der Bevölkerung dass sie wieder eingeführt wurde (natürlich nur 50%).

    Und die 2500 wie muss ich mir das vorstellen ? Soll ich gleich vorbeugend zum Anwalt gehen wenn ich nicht auf der Liste stehe ? Und wer zahlt wenn ein Unternehmen in die roten Zahlen rutscht weil es die Frauenquote einhalten muss ? (Ach ja, die kleine Arbeiterin bzw. der kleine Arbeiter)

    Reding ist nur an Aufmerksamkeit interessiert. Hätte Sie sachliche Kompetenz wüsste Sie, dass es binnen eines Jahres keine gravierenden Änderungen geben kann, zumal man noch in einer Krise steckt. Ich denke in 20 Jahren hätte sich das Problem erledigt wenn junge Familien durch mehr, bessere und arbeitszeitverträglichere Kikas und Schulen entlasstet werden würden. Ich vorderer Kikas von 7:00 bis 17:00 Uhr und Schulen (alle Arten) von 8:00 bis 16:00 Uhr überall. Zudem sollte eine Familie mit Kindern steuerlich (oder übers Kindergeld) sehr deutlich besser gestellt sein als zwei Singels oder ein Ehepaar ohne Kinder. Elterngeld ist (nicht nur in Bezug auf Frauen im HM) kontraproduktiv.

  3. Mittlerweile stellen Frauen mehr als die Hälfte der Universitätsabsolventen. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sie auch die Hälfte der Führungspositionen innehaben werden. Diese werden derzeit noch von Fünfzig- bis Fünfundsechzigjährigen besetzt, die aus der Zeit stammen, in denen Frauen an den Universitäten in der Minderheit waren und konventionelle, sehr geschlechtsspezifische Rollenmuster allgemein akzeptiert waren. Feste Quoten bis zum Ausgleich des Geschlechterverhältnisses würden zum jetzigen Zeitpunkt Männern auf Jahrzehnte Führungspositionen versperren und wären somit geschlechterdiskriminierend.

    Frauen haben bei gleichen Einsatz und gleichen Fähigkeiten schon seit langen die gleichen beruflichen Chancen, und das ist auch in Ordnung so. Es besteht keine Notwendigkeit, in der Vergangenheit entstandene und von selbst endende Ungleichheiten durch staatliches Handeln "auszugleichen" und so Ungerechtigkeiten zu schaffen, wenn man schon die politisch korrekt und somit fragwürdige Prämisse "Gleichheit=Gerechtigkeit" nicht hinterfragen darf.

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    • pnk
    • 05. März 2012 16:19 Uhr

    wann gibt es auf dem ZO Karriereportal wieder mal ein anderes Thema als Frauenquoten, Frauen-sind-die-besseren-Führungskräfte und Frauen-steigern-den-Unternehmensgewinn? Letzteres war in den letzten Monaten ja furchtbar verpönt - sogar hier konnte man Artikel über den angeblichen Niedergang des Kapitalismus lesen. Aber wenn Frauen an der Wall Street und in den DAX-Vorständen ein Vermögen anhäufen ist das bestimmt etwas anderes. Wen kümmern schon die 99%, solange von den 1% mindestens 0.3% weiblich sind.

    Vielleicht geht es nur mir so, aber mittlerweile langweilt mich dieses Thema.

  4. Ich bin nur für eine Mütterquote.
    (Aber mich wird ja vermutlich wieder keiner fragen.)

    Weshalb es einen Nachteil geben soll, der durch eine Quote ausgeglichen werden müssten, bloss weil die Bewerberin eine Frau ist, ist für mich weder theoretisch noch aus eigener Erfahrung nachvollziehbar.
    Mütter als Berufs-wieder-Einsteigerinnen könnten dagegen eine Förderung wirklich gut gebrauchen.

  5. hat keiner gefragt. Und meine Frau auch nicht. Meine Kinder auch nicht. Überhaupt: Niemand, den ich kenne, wurde befragt.

    Ob es da eine konzertierte Aktion "gelenkte Demokratie" gibt, eine Absprache zwischen Moskau und Brüssel, möglichst zeitnah dem Volk mitzuteilen, was als dessen Meinung beschlossen worden ist?

    ÜBRIGENS: Wenn die Politik sich in DIESEM Punkt durchsetzt - dann sind Tür und Tor geöffnet für weitere quotierende Eingriffe, z.B. nach Parteibuch (wie bereits in den öffentlich-rechtlichen Medien). Es glaubt doch keiner, dass die mehrheitlich männliche Herrscherriege NUR an einer Frauenquote interessiert ist; mit der hätte man aber eine Methode gefunden, in der Privatwirtschaft Vertreter des eigenen Wollens zu implementieren.

    Ich glaube auch nicht, dass es bei den DAX-Vorständen bleiben wird.

    Es geht um eine Veränderung der Eigentumsordnung in Europa - aber nicht zugunsten der Ärmeren, sondern zugunsten der Politik. "Planwirtschaft" nannte man das einst.

    • Bastie
    • 05. März 2012 16:12 Uhr

    "So erzielen beispielsweise laut einem McKinsey-Bericht Unternehmen mit einer ausgewogenen Beteiligung von Männern und Frauen einen 56 Prozent höheren Betriebsgewinn als rein männlich besetzte Unternehmen."

    Wären Sie so nett, diesen Bericht zu verlinken? Ich konnte ihn nämlich nicht finden!

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    auf der Site von McKinsey zu finden.

    Die Studie ist allerdings grob geklittert wie die von Ernst&Young, die kürzlich veröffentlicht wurde.

    Beide STudien basieren auf einfachen und um Länder- und Brancheneffekt nicht bereinigten Kennzahlen.
    Das BMSFJF hat im letzten Jahr in der von zwei Hochschulinstituten durchführten STudie (Frauen in Führungspositionen, etwa Juli 2011) festgestellt, dass Studien dieser Art nicht geeignet sind, um derartige Thesen zu untermauern, dass Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen besser performen.
    Vielmehr stellt die Studie in statistisch brauchbaren Analysen fest, dass ein Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Frauen in der Führung nicht gegeben ist.

    Die ZO Redaktion zitiert hier allerdings auch etwas selektiv, denn heute habe ich der WELT gelesen, dass die o.g. 75% sich auf die Frage beziehen, ob Frauen ggf. bei gleicher EIgnung bevorzugt werden könnten und nicht auf Förderung allenthalben.

    Das was derzeit in Deutschland abläuft ist aber ein Frauenförderungsprogramm auf allern Ebenen von der Hochschule bis in die Vorstände hinein.

    So eine Frau Christine SCheel, Grüne, schafft es dabei als Pädagogin locker auf den Stuhl einer technischen Vorständin der HSE, Darmstadt. Ein Mann hätte eine technisches STudium für die Stelle benötigt, denn der grüne OB hatet einiges mit der Rekommunalisierung und EEG Ausbau vor.

  6. Das ist Diskriminierung. Was ist, wenn der Mann besser qualifiziert ist und den Job bloß aufgrund seines Geschlechts nicht bekommt?

    Und ich stelle mir die dann eingestellte Frau vor: Von "Untergebenen" wohl nicht aufgrund ihrer Kompetenzen respektiert...

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