Eine halbe Million Frauen in Deutschland arbeiten als Sekretärin . Es gibt wohl kaum einen Beruf, in dem die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau so klar geregelt ist. Und es gibt kaum einen, bei dem es so viele Klischees gibt. Dabei hat sich das Berufsbild in den vergangenen 40 Jahren erheblich gewandelt. Sekretärinnen müssen heute oft ein abgeschlossenes Studium haben und mehrere Fremdsprachen können. Sie sollen sich in Controlling, Steuerrecht, Personaladministration und PR-Arbeit genauso auskennen wie in Veranstaltungsmanagement, Marketing, Buchhaltung und Vertrieb. Sie sollen jung sein (oder zumindest jung aussehen), schlank dazu und auch nach einem 12-Stunden-Tag adrett gekleidet. Die Businessetikette sollten sie aus dem Effeff beherrschen. Oder um es mit den Worten der Autorin Katharina Münk zu sagen: "Sie arbeiten wie Lara Croft , bleiben auf dem Papier aber Sekretärin."

Die ehemalige Chefsekretärin Münk fordert in ihrem neuen Buch Denn sie wissen nicht, was wir tun mehr Respekt für ihren Berufsstand. Münk hat über 20 Jahre für DAX-Unternehmen und Großbanken als Sekretärin gearbeitet. 2006 schrieb sie ein Buch darüber. Und morgen bringe ich ihn um wurde ein Bestseller. Denn sie wissen nicht, was wir tun ist ihr viertes Buch. Es soll Anleitung für Fach- und Führungskräfte, erfolgreich mit der Sekretärin zusammenzuarbeiten. Schließlich ist sie die engste Mitarbeiterin. Gibt es Probleme mit der Mitarbeiterführung, könnte das ein Indiz für Führungsschwäche sein, schreibt Münk. Sie will über ihren Berufsstand informieren. Dafür hat sie viel recherchiert.

Zum Beispiel, dass der Anteil der Männer gerade einmal 1,5 Prozent beträgt. Dass nur noch zwei von zehn Sekretärinnen Steno können und nur noch ein Drittel für eine Führungskraft in der klassischen "Zwei-Personen-Kombo" arbeitet. Die anderen 70 Prozent sind sogenannte Teamassistentinnen, die für ganze Abteilungen zuständig sind und zumeist im Großraumbüro statt im Vorzimmer arbeiten. Und trotzdem werden immer noch viele gut ausgebildete Frauen Sekretärin statt selbst Chefin. Der Akademikerinnenanteil beträgt bei den Chefsekretärinnen mittlerweile 20 Prozent. Vor allem Geistes- und Kulturwissenschaftlerinnen "rutschen" ins Büro, "servieren ihren ehemaligen Kommilitonen den Kaffee und führen die Korrespondenz für Männer, die im Studium zwar die schlechteren Noten hatten, aber BWL studierten", schreibt Münk.

Nicht mehr nur dienen und ausführen

Die Autorin beschreibt mit wenigen Sätzen arbeitsgesellschaftliche Zustände. Der flapsige Unterton, angereichert durch das Insiderwissen, macht Spaß beim Lesen. Und das Büchlein ist informativ. Wer hätte gewusst, wie stark die Gehälter von Sekretärinnen variieren? Im Topmanagement verdienen sie schon mal zwischen 60.000 bis 100.000 Euro brutto im Jahr. Der Großteil kann sich mit einem Bruttomonatsgehalt von 3.000 Euro schon als Spitzenverdienerin der Branche fühlen. Im öffentlichen Dienst bekommen Sekretärinnen Gehälter der Tarifstufe 8. Das sind 2.098 Euro brutto im Monat. Weil viele in Teilzeit arbeiten, sinken die Einkommen noch mehr. Münk berichtet von einem Jobangebot als Sekretärin an einer Universität in Teilzeit für 1.000 brutto. Als Verheiratete mit Steuerklasse V bleiben da gerade einmal 500 Euro. Geld, das der Chef schon mal für ein Abendessen ausgibt.

Die Assistentin tut heute das, was das Smartphone des Chefs nicht kann. Viele Führungskräfte wollen nicht mehr, dass die Sekretärin die Emails vorsortiert. Sie buchen ihre Flüge selbst und managen ihre Termine eigenständig. Münk spricht von einer Emanzipation der Führungskräfte. Trotzdem verbrächten die meisten ihrer Kolleginnen rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit damit, die Korrespondenz für den Chef zu erledigen, Berichte zu schreiben, Ablage und Abrechnungen zu machen.

Aber auch die Sekretärinnen hätten sich emanzipiert. "Heute will niemand mehr nur dienen und ausführen", schreibt sie. Immer öfter sind Assistentinnen für Projektarbeit zuständig, arbeiten eigenständig und verstehen sich nicht mehr als Gewissen, Gedächtnis, Kummerkasten und Kalender des Chefs. Aber was sind sie dann?