In keinem anderen europäischen Land ist das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD ) mitteilte, verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Doch diese Zahl ist nicht nur negativ zu sehen: So hatte die aktuellste Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 noch einen durchschnittliche Unterschied von 23 Prozent ergeben – bezüglich des Gehaltsgefälles zwischen den Geschlechtern beim Brutto-Stundenverdienst . Damit hat sich der Wert um immerhin fast eineinhalb Prozentpunkte verbessert.

In puncto berufliche Gleichberechtigung ist Deutschland damit jedoch nach wie vor Schlusslicht in Europa . In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt nur bei 16 Prozent. In Norwegen etwa bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger Gehalt als die Männer.

"Auch was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen", erklärt die OECD. "Auf kaum vier von hundert Vorstandsposten findet sich hierzulande eine Frau." Im Schnitt liege die Frauenquote in Aufsichtsräten bei zehn Prozent. Den höchsten Anteil an Führungspositionen gibt es in Norwegen, das 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt hat.

Deutschland am Pranger

Neben Norwegen versuchen mittlerweile auch viele andere EU-Länder durch gesetzliche Regelungen mehr Frauen in die Vorstandsetagen zu bringen – etwa Spanien , Frankreich , Belgien und Italien . Auch die EU-Kommission droht nun großen Unternehmen mit einer verbindlichen Frauenquote, nachdem die Aufforderung zur freiwilligen Selbstverpflichtung vor einem Jahr keine Wirkung zeigte.

Die OECD stellt Deutschland wegen seiner Familienpolitik regelmäßig an den Pranger. So kritisierte die Organisation im Februar, der Mangel an Kindertagesstätten hindere Mütter daran, in den Beruf zurückzukehren. Nur für 18 Prozent der Kinder bis zwei Jahre steht ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Der OECD-Schnitt liegt etwa doppelt so hoch.

Das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld bezeichnet die OECD als kontraproduktiv. So sollen Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kita schicken, ab 2013 zusätzliche Leistungen vom Staat erhalten. "Die Regierung sollte das Geld stattdessen dafür ausgeben, qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsplätze zu schaffen", raten die Experten. Auch die Betreuungsmöglichkeiten für ältere Kinder und Schüler sei vergleichsweise schlecht und zwinge viele Mütter zur Teilzeitarbeit.