Darf ich den Urlaubswunsch eines Mitarbeiters in seiner sechsmonatigen Probezeit verbieten?, fragt Claudia Magemer.

Sehr geehrte Frau Magemer,

nach dem Bundesurlaubsgesetz (§ 4) hat Ihr Mitarbeiter erst nach einem sechsmonatigen Bestehen des Arbeitsverhältnisses den vollen Urlaubsanspruch.

Nach dieser Wartezeit könnte er also seinen gesamten Jahresurlaub nehmen. Der volle Urlaubsanspruch entsteht nämlich erst dann, wenn die Wartezeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses einmal erfüllt wurde.

In allen Folgejahren muss keine erneute Wartezeit erreicht werden. 

Allerdings kann Ihr Mitarbeiter auch schon während seiner Probezeit einen Teil seines Urlaubs nehmen. Rein rechtlich stehen ihm für jeden Monat des bestehenden Arbeitsverhältnisses 1/12 seines Jahresanspruchs zu. Voraussetzung ist dann nur noch ein Urlaubsantrag und die Genehmigung desselben.

Verweigern können Sie den Teilurlaub nur wegen zwingender betrieblicher Gründe.

Möchten Mitarbeiter während ihrer Probezeit ihren kompletten Jahresurlaub nehmen, sollten Arbeitgeber abwägen:

  • Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer nicht.
  • Es kann aber auch sinnvoll sein, Urlaub über die Zwölftelung hinaus zu gewähren, da dann eventuell in der Haupturlaubszeit nicht die Urlaubswünsche aller Mitarbeiter kollidieren .
  • Es besteht allerdings für Arbeitgeber ein Risiko, wenn der Arbeitnehmer seine Probezeit nicht besteht. Hat der Arbeitgeber ihm dann bereits mehr Urlaub gewährt als ihm eigentlich zustand, kann er das dafür gezahlte Urlaubsentgelt nicht zurückfordern. Und auch die bereits gewährte Freistellung kann nicht ausgeglichen oder zurückgefordert werden.

Ihr Ulf Weigelt