ArbeitsrechtIst ein Urlaubsverbot in der Probezeit erlaubt?

Der neue Mitarbeiter hat ein halbes Jahr Probezeit. Darf der Arbeitgeber ihm in dieser Zeit den Urlaubswunsch verweigern? Antwort gibt die Arbeitsrechtskolumne. von 

Darf ich den Urlaubswunsch eines Mitarbeiters in seiner sechsmonatigen Probezeit verbieten?, fragt Claudia Magemer.

Sehr geehrte Frau Magemer,

nach dem Bundesurlaubsgesetz (§ 4) hat Ihr Mitarbeiter erst nach einem sechsmonatigen Bestehen des Arbeitsverhältnisses den vollen Urlaubsanspruch.

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Nach dieser Wartezeit könnte er also seinen gesamten Jahresurlaub nehmen. Der volle Urlaubsanspruch entsteht nämlich erst dann, wenn die Wartezeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses einmal erfüllt wurde.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

In allen Folgejahren muss keine erneute Wartezeit erreicht werden. 

Allerdings kann Ihr Mitarbeiter auch schon während seiner Probezeit einen Teil seines Urlaubs nehmen. Rein rechtlich stehen ihm für jeden Monat des bestehenden Arbeitsverhältnisses 1/12 seines Jahresanspruchs zu. Voraussetzung ist dann nur noch ein Urlaubsantrag und die Genehmigung desselben.

Verweigern können Sie den Teilurlaub nur wegen zwingender betrieblicher Gründe.

Möchten Mitarbeiter während ihrer Probezeit ihren kompletten Jahresurlaub nehmen, sollten Arbeitgeber abwägen:

  • Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer nicht.
  • Es kann aber auch sinnvoll sein, Urlaub über die Zwölftelung hinaus zu gewähren, da dann eventuell in der Haupturlaubszeit nicht die Urlaubswünsche aller Mitarbeiter kollidieren .
  • Es besteht allerdings für Arbeitgeber ein Risiko, wenn der Arbeitnehmer seine Probezeit nicht besteht. Hat der Arbeitgeber ihm dann bereits mehr Urlaub gewährt als ihm eigentlich zustand, kann er das dafür gezahlte Urlaubsentgelt nicht zurückfordern. Und auch die bereits gewährte Freistellung kann nicht ausgeglichen oder zurückgefordert werden.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Weil durch Gewerkschaften und Politik das Bestimmungsrecht
    eines Arbeitgebers immer mehr beschnitten wurde.
    Nicht einmal Entlassungen von unfähigen Mitarbeitern
    ist noch möglich.
    Oder mit hohen Kosten verbunden.
    Ohne dieses Gewerkschaftshickhack ,hätten und bräuchten
    wir keine Zeitarbeitsfirmen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Probezeit gabs doch früher auch schon, und ein halbes Jahr sollte allemal ausreichen, um festzustellen, ob der Mitarbeiter a. seine Aufgaben tatsächlich erfüllt und b. ob die Chemie stimmt.

    Außerdem waren es nicht die Gewerkschaften, die für die Einführung der Zeitarbeit plädiert haben, sondern die Unternehmen, die sich damit einiger ihrer Pflichten entledigen wollten - u.a. kann ein Zeitarbeiter, selbst wenn er über mehrere Jahre bei der gleichen Firma beschäftigt war, keine Abfindung verlangen.

    ohne Gewerkschaften bräuchten die Arbeitgeber keine Zeitarbeit - Arbeitnehmer hätten dann nämlich gar keine rechte mehr und könnten von heute auf morgen gefeuert werden. So wie es vor 200 Jahren war als es noch keine Gewerkschaften gab.

  2. Die Probezeit gabs doch früher auch schon, und ein halbes Jahr sollte allemal ausreichen, um festzustellen, ob der Mitarbeiter a. seine Aufgaben tatsächlich erfüllt und b. ob die Chemie stimmt.

    Außerdem waren es nicht die Gewerkschaften, die für die Einführung der Zeitarbeit plädiert haben, sondern die Unternehmen, die sich damit einiger ihrer Pflichten entledigen wollten - u.a. kann ein Zeitarbeiter, selbst wenn er über mehrere Jahre bei der gleichen Firma beschäftigt war, keine Abfindung verlangen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So an dieser Stelle muss ich jetzt auch das Wort erheben.
    Zeitarbeit ist nicht so übel, wie sie klingt.
    Desweiteren ist es stark von der Zeitarbeitsfirma abhängig.

    Themabezogen kleiner Hinweis zur Zeitarbeit....
    Ich will vom 1.8-15.8 Urlaub, bin ab dem 25.6 in einer Arbeitnehmerüberlassung, allerdings
    seit 9.1 bei der Zeitarbeitsfirma.
    Ich kann mich entspannt zurücklehnen und meinen Urlaub beantragen, da ich zu demZeitpunkt aus der Probezeit raus bin.
    Desweiteren habe ich 30 Tage Urlaub i.Jahr und ein großes Angebot bezüglich zusätzlicher Leistungen des AG. Von betrbl Altersvorsorge über kostenlose Schulungen bis hin zu günstigen Mietwagen.

    Es gibt nicht nur schwarze Schafe!

  3. Wie soll das im richtigen Leben funktionieren?
    Prekäres Zeitarbeitsverhältnis in der Weiterbildung von 9 Monaten. Kein Urlaubsanspruch in der Probezeit! Bei 30 Urlaubstagen anteilig über 50 = 21 Tage. Bin dann mal vor Abschlus meines Zeiarbeitsvertrages einen Monat weck. Das fördert mit Sicherheit meine Chance auf Verlängerung meines Zeitarbeitsvertrages.

  4. 4. Stimmt

    ohne Gewerkschaften bräuchten die Arbeitgeber keine Zeitarbeit - Arbeitnehmer hätten dann nämlich gar keine rechte mehr und könnten von heute auf morgen gefeuert werden. So wie es vor 200 Jahren war als es noch keine Gewerkschaften gab.

    Eine Leserempfehlung
  5. Ein Chef der seinem Mitarbeiter den Urlaub verbieten will, nur weil er in der Probezeit ist?
    Genau das war die frage, auch wenn erst vom Jahresurlaub geredet wurde.

    Wer einen Chef hat der das überhaupt nur andeutet sollte einen anderen Job suchen - der Chef wird ihn nämlich abmahnen sobald er mal an seinem Arbeitsplatz eine 5minuten Pause einlegt, weil der Mitarbeiter ja nur faulenzt (was nebenbei gesetzlich vorgeschrieben ist).

    Also wirklich, das ein Chef meint nur weil jemand in der Probezeit ist hätte er keinen Grund oder Anspruch Urlaub zu machen. Genauso könnte man bei jedem eingestellten Mitarbeiter sagen: "Du bekommst nur 15 Tage Urlaub, denn du brauchst erst nach 6monaten mal Erholung."

    • Spez
    • 08. Mai 2012 18:33 Uhr

    Es wäre schön, wenn es diese Art von Pragmatismus häufiger gäbe, aber vielleicht versteckt er sich nur hinter komplizierten Anglizismen.

  6. So an dieser Stelle muss ich jetzt auch das Wort erheben.
    Zeitarbeit ist nicht so übel, wie sie klingt.
    Desweiteren ist es stark von der Zeitarbeitsfirma abhängig.

    Themabezogen kleiner Hinweis zur Zeitarbeit....
    Ich will vom 1.8-15.8 Urlaub, bin ab dem 25.6 in einer Arbeitnehmerüberlassung, allerdings
    seit 9.1 bei der Zeitarbeitsfirma.
    Ich kann mich entspannt zurücklehnen und meinen Urlaub beantragen, da ich zu demZeitpunkt aus der Probezeit raus bin.
    Desweiteren habe ich 30 Tage Urlaub i.Jahr und ein großes Angebot bezüglich zusätzlicher Leistungen des AG. Von betrbl Altersvorsorge über kostenlose Schulungen bis hin zu günstigen Mietwagen.

    Es gibt nicht nur schwarze Schafe!

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitgeber | Urlaub
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