Ich möchte gern von meinem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis haben, da ich mich auf eine andere Stelle bewerben möchte. Dies möchte ich ihm natürlich nicht sagen. Kann ich ein Zwischenzeugnis einfordern, weil mein Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, mir eines auszustellen?, fragt Sandra Bogner.

Sehr geehrte Frau Bogner,

für Arbeitgeber macht das Erstellen eines Zwischenzeugnisses viel Arbeit, denn hier ist Sorgfalt bei der Dokumentation der Tätigkeiten und der persönlichen Beurteilung wichtig.

Der Arbeitgeber hat hier eine soziale Mitverantwortung. Stellt Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Zwischenzeugnis aus, kann er im Falle eines späteren Arbeitszeugnisses auch nicht völlig von dem Inhalt und der Bewertung des Zwischenzeugnisses abweichen.

Einige Unternehmen sträuben sich, diese Arbeit zu machen. Und unter Umständen kann auch ein Zwischenzeugnis Auswirkungen in einem etwaig später zu führenden Kündigungsrechtsstreit haben.

Und auch wenn es keine gesetzliche Regelung für einen Anspruch auf die Erteilung eines Zwischenzeugnisses gibt, bei triftigen Gründen müssen Arbeitgeber dennoch ein solches ausstellen. Im Laufe der Zeit haben Gerichte bei folgenden Fällen Arbeitgeber zur Ausstellung eines Zwischenzeugnisses verpflichtet:

  • Findet ein Vorgesetztenwechsel statt, haben Mitarbeiter einen Anspruch, da der neue Chef nicht in der Lage ist, für die Zeit vor seinem Antritt die Arbeitnehmerleistung zu beurteilen.
  • Wird ein Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzt, steht ihm ebenfalls von seinem alten Vorgesetzten ein Zwischenzeugnis zu. Erst recht, wenn ihn in der neuen Abteilung auch neue Aufgaben erwarten.
  • Möchte ein Mitarbeiter eine Weiterbildung absolvieren, erwarten einige Fortbildungsstätten bei der Anmeldung ein (Zwischen-)Zeugnis. Auch dann müssen Arbeitgeber sich die Mühe machen.
  • Verlässt ein Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum das Unternehmen (z.B. Elternzeit), kann er ebenfalls ein Zwischenzeugnis erwarten, da zu diesem Zeitpunkt nicht klar ist, ob er wieder zurückkehrt in den Betrieb bzw. ob der Vorgesetzte nach Rückkehr des Mitarbeiters noch in der Abteilung bzw. dem Unternehmen tätig ist.
  • Und natürlich wenn ein Mitarbeiter auf Arbeitsplatzsuche geht. Auch dann hat er einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Denn nur so sind seine Bewerbungsunterlagen auch vollständig.

In allen Fällen müssen Sie bei einer Weigerung, die Gründe für ein Zeugnisverlangen darlegen, um so das Zeugnis zu erhalten.

Ihr Ulf Weigelt