Arbeitszeugnis : Recht auf ein Zwischenzeugnis?

Die Mitarbeiterin will sich anderswo bewerben. Dafür braucht sie ein Zeugnis. Muss sie dem Chef von der Jobsuche etwas sagen? Antwort gibt die Arbeitsrechtskolumne.

Ich möchte gern von meinem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis haben, da ich mich auf eine andere Stelle bewerben möchte. Dies möchte ich ihm natürlich nicht sagen. Kann ich ein Zwischenzeugnis einfordern, weil mein Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, mir eines auszustellen?, fragt Sandra Bogner.

Sehr geehrte Frau Bogner,

für Arbeitgeber macht das Erstellen eines Zwischenzeugnisses viel Arbeit, denn hier ist Sorgfalt bei der Dokumentation der Tätigkeiten und der persönlichen Beurteilung wichtig.

Der Arbeitgeber hat hier eine soziale Mitverantwortung. Stellt Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Zwischenzeugnis aus, kann er im Falle eines späteren Arbeitszeugnisses auch nicht völlig von dem Inhalt und der Bewertung des Zwischenzeugnisses abweichen.

Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Einige Unternehmen sträuben sich, diese Arbeit zu machen. Und unter Umständen kann auch ein Zwischenzeugnis Auswirkungen in einem etwaig später zu führenden Kündigungsrechtsstreit haben.

Und auch wenn es keine gesetzliche Regelung für einen Anspruch auf die Erteilung eines Zwischenzeugnisses gibt, bei triftigen Gründen müssen Arbeitgeber dennoch ein solches ausstellen. Im Laufe der Zeit haben Gerichte bei folgenden Fällen Arbeitgeber zur Ausstellung eines Zwischenzeugnisses verpflichtet:

  • Findet ein Vorgesetztenwechsel statt, haben Mitarbeiter einen Anspruch, da der neue Chef nicht in der Lage ist, für die Zeit vor seinem Antritt die Arbeitnehmerleistung zu beurteilen.
  • Wird ein Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzt, steht ihm ebenfalls von seinem alten Vorgesetzten ein Zwischenzeugnis zu. Erst recht, wenn ihn in der neuen Abteilung auch neue Aufgaben erwarten.
  • Möchte ein Mitarbeiter eine Weiterbildung absolvieren, erwarten einige Fortbildungsstätten bei der Anmeldung ein (Zwischen-)Zeugnis. Auch dann müssen Arbeitgeber sich die Mühe machen.
  • Verlässt ein Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum das Unternehmen (z.B. Elternzeit), kann er ebenfalls ein Zwischenzeugnis erwarten, da zu diesem Zeitpunkt nicht klar ist, ob er wieder zurückkehrt in den Betrieb bzw. ob der Vorgesetzte nach Rückkehr des Mitarbeiters noch in der Abteilung bzw. dem Unternehmen tätig ist.
  • Und natürlich wenn ein Mitarbeiter auf Arbeitsplatzsuche geht. Auch dann hat er einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Denn nur so sind seine Bewerbungsunterlagen auch vollständig.

In allen Fällen müssen Sie bei einer Weigerung, die Gründe für ein Zeugnisverlangen darlegen, um so das Zeugnis zu erhalten.

Ihr Ulf Weigelt

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Beurteiung der Beurteilung

für Zeugnisse gilt allgemein: "Nett ist der kleine Bruder von Scheisse"
Auf ein Unternehmen dass ein aktuelles Zeugniss vom Arbeitgeber erwarten würde ich die Finger lassen. Denn wie soll ich mir den im Gegenzug ein einigermassen verlässliches Zeugnis des küftigen Arbeitgeber holen? Gibt es nicht.

Juristisch korrekt ins Abseits

Hier haben wir wieder mal ein schönes Beispiel, wie man juristisch richtig handelt kann, aber sich dadurch ein richtiges Problem einhandelt. Es ist die denkbar schlechteste Strategie, seinem aktuellen Arbeitgeber gegenüber Wechselwünsche zu äußern. Denn eines sollte klar sein: Wenn das nicht kurzfristig gelingt, dann hat man sich selbst als Mitarbeiter zum Mobbing-Abschuss freigegeben (welcher Arbeitgeber möchte schon jeden Monat Gehalt bezahlen, mit dem Gefühl nur eine Notlösung oder zweite Wahl zu sein). Und noch dramatischer wird das Szenario durch ein Zwischenzeugnis: Denn das ist unterschrieben und dann ist das für einen Arbeitgeber, bei dem man sich beworben hat, ein leichtes, durch einen Anruf (der zwar nicht erlaubt, aber auch nicht beweisbar ist) näheres zu dem Bewerber zu erfahren. Und noch fataler: Man liefert dem aktuellen Arbeitgeber ein effizientes Instrument, mit dem man Erfolg bei den Bewerbungen verhindert.
Eigentlich erwarte ich von einem erfahrenen Arbeitsrechtler, der sich dazu noch in den Medien publiziert, dass er auf diese Lebenswirklichkeit hinweist. Nein, es ist fahrlässig, dies nicht zu tun! Aber wie sagt man so schön:Pecunia non olet! Die Arbeitsrechtsmanadate sind häufig durch Rechtsschutzversicherungen abgesichert und die hohen Streitwerte im Arbeitsrecht gewährleisten ein gutes Einkommen. Und: Der Anwalt gewinnt immer (sein Honorar), egal welche Folgen das für den Manadanten hat...

weltfremd

Ich teile Ihre Ansicht überhaupt nicht. Sie vergessen schlichtweg, dass ein direkter Vorgesetzter, wie bei uns zum Beispiel im Unternehmen die Abteilungsleiter, wechseln. Und da ist es für mich als Personaler sehr wichtig, dass diese Führungskräfte auch die Mitarbeiter direkt beurteilen. Und nach der Rechtsprechung haben die Mitarbeiter auch ein Recht auf die Erteilung eines solchen Zwischenzeugnisses. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Zwischenzeugnis, zumal es dann oft gut ausfällt, durchaus motivierend wirkt. Es denken eben nicht alle Personaler so verquer, wie von Ihnen unterstellt wird.