FührungsstilKann ich als Chef auch Freund sein?

Führungskräfte sind oft in einem Zwiespalt zwischen zu viel Nähe und zu viel Distanz zu ihren Mitarbeitern. Wie Chefs die Balance finden, erklärt Sabine Hockling. von 

Chef sein ist nicht immer leicht – denn die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern steht in einem Widerspruch zwischen menschlicher Nähe und professioneller Distanz. Da ist nicht nur die persönliche Ebene, wenn man sich einfach mag. Die Position als Führungskraft erfordert es, die Mitarbeiter auch emotional zu binden . Dafür müssen sie ihrem Chef nahe kommen – und der Chef muss seinen Mitarbeitern nahe kommen. Er muss sie einschätzen können. Wer seine Mitarbeiter nicht kennt, kann sie auch nicht fördern.

Gleichzeitig müssen aber beide Seiten auch die Sicherheit haben, sich wieder entfernen zu können. Ohne befürchten zu müssen, keinen Rückweg mehr zu haben. Und ohne dass die Mitarbeiter befürchten müssen, der Chef wolle alles über ihr Privatleben wissen.

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Daniel F. Pinnow, Berater und Coach für Führungskräfte, schreibt in seinem Buch Führen. Worauf es wirklich ankommt zum Zwiespalt Distanz und Nähe: "Unnahbare, coole, beherrschte und neutrale Vorgesetzte, die sich selbst und ihre gesamte Umwelt rein rational und sachlich betrachten, sind nicht dazu geeignet, Menschen zu führen. Extrem weiche, emotionale, übertrieben mitfühlende Chefs haben dagegen nicht das nötige Durchsetzungsvermögen und die notwendige Autorität. Sie setzen sich schnell dem Verdacht der Irrationalität und Entscheidungsschwäche aus."

Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Balance zu finden. Patentrezepte dafür gibt es nicht, schließlich hat jede Branche, jede Firma und auch jedes Team seine eigenen Spielregeln. Aber es gibt gewisse Umgangsregeln, mit denen sich die richtige Mischung aus Nähe und Distanz ausbalancieren lässt.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

So kann das freundschaftliche Du ein Instrument zur Führung sein . In einigen Branchen ist es üblich, dass sich Vorgesetzte und Mitarbeiter duzen. Viele Vorgesetzte befürchten allerdings, dass die vertraute Anrede einen Autoritätsverlust bedeutet, und ihre Mitarbeiter sich so schnell ebenbürtig fühlen. Dabei schafft ein Du nicht nur eine gewisse Nähe , sondern kann auch zu einer produktiveren Zusammenarbeit führen. Besonders in kleinen Teams, in denen sich die Mitarbeiter und Führungskräfte aufeinander verlassen müssen.

Manche Führungskräfte befürchten allerdings, dass Mitarbeiter das vertrauliche Du in Konflikten strategisch ausnutzen könnten.

Doch ist ein distanzierter Umgangston eine Hilfe? Nein. Es kommt auf souveräne Führung an. Ein respektvolles Sie kann angemessen sein, wenn der Chef dennoch nahbar ist. Aber zu viel Distanz wirkt auf Mitarbeiter negativ. Sie fühlen sich schnell zu einer Sache degradiert. Sie wollen aber als Menschen wahrgenommen werden. 

Leserkommentare
    • cicali
    • 13. April 2012 13:23 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  1. Meine Chefin hat am Anfang einen auf gut Freund gemacht: Wir duzen uns und sie redete über persönliche Dinge. Das ging mir zu weit, ich bin schließlich auf der Arbeit und nicht im Freundeskreis, also habe ich mich diesem "Austausch" verweigert. Daraufhin war die Chefin beleidigt, was dazu führte, dass sie immer kritischer und pingeliger wunde, und schließlich darin gipfelte, dass sie sich ungefragt in mein Privatleben einmischte. Eine Aussage lautete, dass sie (O-Ton) "persönlich von mir enttäuscht wäre, weil ich in meiner Freizeit gewisse Dinge nicht tue".
    Ehrlich gesagt ist mir Distanz schon immer viel lieber gewesen, und jetzt erst recht! Denn die Folge davon war, dass ich völlig demotiviert wurde und innerlich gekündigt habe. Und selbstverständlich bin ich schuld, dass sich "unser Verhältnis nicht auf dem Niveau befindet, auf dem es sein könnte"...

  2. Diese Aussage ist richtig:
    "Stabilität und Nähe schaffen Führungskräfte nicht mit der förmlichen Anrede, sondern durch klare Strukturen, Programme und Regeln."

    Diese Aussage ist falsch:
    "Wer als Chef Befehle gibt – selbst wenn diese höflich erteilt werden, wer die Ergebnisse kontrolliert und die Mitarbeiter überwacht, verspielt Vertrauen und Motivation."

    Selbst mit der ausgefeiltesten Personalpolitik schafft es kein Unternehmen ausschließlich Philanthropen und selbst aufopfernde Idealisten einzustellen, die nur die Interessen des Arbeitgebers im Auge behalten. Da die Angestellten nun leider Gottes nicht kostenlos zur Arbeit kommen, muss der Arbeitgeber kontrollieren, dass die Kosten der Arbeit kleiner als der Umsatz sind. Um konkurrenzfähig zu bleiben müssen diese Kosten sogar fortwährend minimiert bzw. optimiert werden. Da Fachkräfte nun mal hierzulande sehr teuer sind, sollten sie auch sehr effizient eingesetzt werden. Der Arbeitgeber muss daher festlegen, wie lange ein Aufgabe maximal bearbeiten werden darf und bis wann sie erledigt sein muss. Die Ergebnisse muss er hinsichtlich der Qualität und der zeitlichen Parameter fortlaufend kontrollieren und gegebenenfalls ein Mitarbeitergespräch führen. Die zeitlichen Parameter dürfen natürlich nicht zu gemütlich festgelegt werden. Gute Leistungen bei Qualität und Zeitvorgaben sollten durch variable Gehaltsanteile belohnt werden. Der Angestellte hat somit klare Regeln, spürt Druck und nimmt am Erfolg des Unternehmens teil.

  3. Es gibt doch sowieso immer Hierarchien, ein Unternehmen ist nie demokratisch. Mir ist es lieber, wenn die Vorgesetzten zugeben, dass diese Hierarchien da sind, und diese klar verteilen, anstatt einen auf lieb Freund zu machen und dann durch die Hintertür umso autoritärere Strukturen herbeizuführen, die dann nur nicht beim Namen genannt werden dürfen. Man wird auch nicht trockener, wenn man leugnet, dass es regnet.

  4. Nähe und Distanz ist sicher ein grundsätzliches Problem für viele Menschen, im Beruf besonders. Denn auch wenn es um Arbeit geht und Hierarchien nicht weg zu diskutieren sind - eine gewisse Nähe braucht jeder Vorgesetzte, einfach um zu sehen und zu verstehen, was bei seinen Mitarbeitern gerade los ist, ob vielleicht etwas aus dem Ruder läuft und dadurch die Arbeit gefährdet ist. Gleichzeitig darf er nicht zu nahe an sie heran, sonst kommt es zu den hier bereits erwähnten Grenzüberschreitungen. Und das ist für beide Seiten nicht gut. Aber das gilt auch für Mitarbeiter untereinander. Es ist also eine Gradwanderung, bei der Anreden wie Du und Sie vielleicht helfen können. Ich finde den Text wieder sehr gelungen und inhaltvoll - ganz im Gegensatz zu einigen Kommentaren hier.

  5. 6. Unsinn

    Über weite Strecken kann ich das nur als Unsinn bezeichnen, was Frau Hockling erzählt. Wenn ich lese, dass die Autorin zuerst im Zeitungs- und Verlagswesen arbeitete und heute als freie Autorin tätig ist, dann kommt mir der arge Verdacht, dass die Grundlage ihrer Argumentation die Probleme mit ihren eigenen Chefs waren. Ein Chef muss befehlen, kontrollieren und überwachen. Die Frage ist, wie er dies macht. Nähe schaffen durch klare Strukturen, Programme und Regeln? Habe noch nie gehört, dass Bürokratie – Strukturen, Programme und Regeln sind Bürokratie – menschliche Nähe schafft.
    Die Kunst des Führens besteht darin, sachliche Ziele durch andere Menschen zu erreichen. Und dies kann nur durch Kommunikation geschehen, wobei (analog zum Eisberg) 6/7 der Kommunikation nicht-verbaler Art ist. Von daher rührt die Bedeutung der Art der Kommunikation in der Führung. Grundsatzdiskussionen über Sie und Du sind unsinnig. Dies ist eine Frage der Kultur. In den USA reicht Vorname plus „you“, wobei offen gelassen wird, ob you nun für Du oder Ihr steht. In Russland werden gerne Vornamen und Vatersnamen gebraucht, aber da gibt es mindestens vier verschiedene Möglichkeiten, die Distanz zum andern auszudrücken. In Berlin kannte ich zwei Abteilungsleiter, die während über zwanzig Jahren zusammenarbeiteten und immer noch per Sie waren. Kommunikation basiert immer auf Kultur – besser gesagt: Kulturen. Denn es gibt viele Kulturen – auch innerhalb eines Landes.

    • F.K.
    • 13. April 2012 16:10 Uhr

    wie die meisten anderen zu diesem Thema, darunter, dass er erklärt, wie man sich als Chef verhalten soll. Vielmehr muss aber mal erklärt werden, welche Sorte Mensch als Chef geeignet ist. Natürlich gibt es nicht den Typ "Chef", der überall erfolgreich führt. Aber gewisse notwendige Eigenschaften gibt es wohl in jeder Branche und jedem Bereich. Andererseits führt natürlich die, wenn auch wohl eher fruchtlose, Schulung ungeeigneter Führungskräfte sicher zu einem spürbaren Beschäftigungseffekt in den Coaching-Firmen. Denn Worte wie "Die Grundlage erfolgreicher Führung ist das Fingerspitzengefühl für Menschen, Situationen und für die Vorgänge zwischen den Zeilen. Führungskräfte brauchen heute Empathie. Sie müssen verstehen, wie Gruppen ticken, welche Dynamiken entstehen können. Sie müssen verstehen, wie ihre eigene Rolle ist und wie ihre Kommunikation verstanden wird." sind so alles - und gleichzeitg nichts sagend wie "Eltern müssen HEUTE ihre Kinder auf das Leben vorbereiten. Sie müssen ihnen bei aller Strenge gute Kameraden sein. Sie müssen ihren Kindern das Gefühl vermitteln, dass diese mit ihren Problemen jederzeit zu ihnen kommen könne, bla bla bla"

  6. Leider wird in dem Artikel überhaupt nich darauf eingegangen, dass es auch unterschiedliche Mitarbeiter gibt...allein diese sind schon nicht gleich zu behandeln und wollen vielleicht selbst mehr oder weniger Nähe zum Chef und bedürfen einer unterschiedlichen Behandlung...Personaler leben zudem leider oft in Ihrer ganz eigenen Welt, die viel in studienbasierten Modellen denkt.

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    bewertet geben, es gibt kein patentrezept.

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