FührungskräfteWenn der Nachwuchs dem Chef Konkurrenz macht

Führungskräfte wünschen sich junge Talente. Doch was tun, wenn der Newcomer am Chefsessel sägt? Der Coach Roland Jäger erklärt, wie Chefs mit der Bedrohung fertig werden.

Der amtierende zweimalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat es vorgemacht: Nicht die Erfahrung, nicht das Alter, allein das Können gibt den Ausschlag darüber, wer in einem professionellen Team das Sagen hat.

Die Saison 2009 ist noch jung, als der damals erst 21-Jährige sich anschickt, den langjährigen Formel-1-Piloten Mark Webber vom Thron zu stürzen und die Hierarchie im Team neu zu ordnen. Für Webber sicher keine schöne Erfahrung. Aber eine, die er mit vielen anderen teilt. 

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Auch in der Wirtschaft wird der bessere Mitarbeiter schneller gefördert und befördert.

Doch wie sieht das aus, wenn der Mitarbeiter ganz offensichtlich mehr Kompetenz hat als der Chef? Darf man den Chef überholen – und was geht in einer Führungskraft vor, wenn sie erlebt, dass ein Jungspund mehr weiß, mehr kann und auch noch engagierter ist?

Roland Jäger
Roland Jäger

Roland Jäger ist Buchautor, Coach und Unternehmensberater. Er war Manager bei einer Privatbank und bei einer Unternehmensberatung tätig. Als Trainer coacht er Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte.

Fakt ist, dass noch nie so viele, gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen. Fakt ist ebenso, dass viele dieser gut ausgebildeten Mitarbeiter engagiert, motiviert und willens sind, exzellente Leistungen zu bringen und damit ihrem Bedürfnis, sich am Arbeitsplatz selbst zu verwirklichen, nahekommen. Solche Mitarbeiter werden allerdings häufig von Kollegen, aber auch Vorgesetzten als Bedrohung wahrgenommen. Denn Konkurrenz gehört zum Arbeitsalltag. Oft ist es ein diffuses Gefühl von Missgunst oder Neid. Es geschieht absichtslos. Es ist auch menschlich, so zu empfinden. Aber diese Emotionen bleiben nicht ohne Wirkung.

Ein souveräner Chef beobachtet engagierten Nachwuchs mit Interesse und Freude. Möglicherweise erkennt er sich in dem Verhalten selbst wieder. Erinnert sich an die Zeit, als er sich mit Energie und großem Engagement in seine neue Aufgabe stürzte. Ein souveräner Vorgesetzter erkennt das Potenzial eines High Potentials an. Und er findet Wege, den Mitarbeiter angemessen in seiner weiteren persönlichen und beruflichen Entwicklung zu begleiten und schließt dabei auch nicht aus, dass er seinen späteren Chef fördert.

Ausbremsen statt fördern

Der junge Kollege wird mit wichtigen Aufgaben und Projekten betraut, darf an interessanten Kongressen teilnehmen, wird durch Seminare und persönlichem Coaching in seiner Entwicklung unterstützt und gezielt weiterentwickelt. Der Chef belohnt ihn – vorausgesetzt die Erwartungen werden erfüllt – mit mehr Gehalt, mehr Verantwortung und einer Beförderung. Möglicherweise macht er ihn zu seinem Nachfolger. Auf jeden Fall ist er Stolz und ohne Missgunst gegenüber dem jungen Talent. So weit die Idealvorstellung.

Viel häufiger kommt es aber vor, dass Führungskräften die nötige Souveränität und das richtige Selbstbewusstsein fehlen, um den Nachwuchs zu fördern. Oft tun sie – meist unbewusst – alles dafür, den als Bedrohung empfundenen Mitarbeiter auszubremsen. Solche Chefs betreuen die eher durchschnittlichen Mitarbeiter mit wichtigen Projekten, Feedback und Beurteilungen fallen schlechter aus. Ein neidischer Chef sucht vor allem nach Fehlverhalten und versucht, Leistung herabzuwerten. Er bauscht Fehler des Mitarbeiters auf und schneidet Karrierewege ab. Alles zielt darauf ab, diesen talentierten Mitarbeiter nur nicht groß werden zu lassen.

Einige Talente lassen sich durch solch inkompetentes Führungsverhalten einschüchtern, die meisten aber werden sich des Einflusses eines solchen Chefs jedoch entziehen. Sie bitten um Versetzung oder verlassen das Unternehmen. Sie fangen an, dem Chef auszuweichen und sie suchen anderswo nach einem kompetenten Förderer. 

Leserkommentare
  1. der Neid und die Frage, warum alles wunderbar bedachte an den Gefühlen und den Ängsten der Führungskräfte scheitern.
    Warum entwickelt man dann nicht ein anderes System, bei dem es keine feste Führung mehr gibt, sondern jeder mehr oder weniger gleichgestellt ist und je nach Kompetenz auch für ein bestimmtes Projekt die Führung übernimmt und junge Mitarbeiter, die zeigen wollen was sie taugen, auch mal ein solches Projekt anführt.

    Aber nein, dann hätten ja bestimmte Leute nicht mehr ihr altbekanntes Gehalt, das sie ja benötigen um noch die 100ertste beerbte Generation nach ihnen reich sind.

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    Weil alle zwar Führung wollen, aber keiner die Verantwortung übernehmen will.

    Ich erlebe oft genug junge, engagierte Mitarbeiter die gerne alles regeln wollen. Aber wehe sie machen einen Fehler, dann heisst es gleich "Ich habe nur gemacht was mir gesagt wurde."
    Und warum tun die das? Weil das zugeben eines Fehlers als Schwäche empfunden wird und mögliche Anmahnungen (Keine Mahnung im rechtlichen Sinne) unter Umständen die Karriere verbauen könnte.

    Das heisst, da wollen Menschen Führungskräfte werden und nach ganz oben, aber die Verantwortung soll gefälligst jemand anders tragen.

    Noch Fragen?
    Egal wie groß ein Team ist. Am Schluss zeigen alle auf Irgendjemanden (meist den Schwächsten) der dann die Verantwortung tragen soll. Die Teamarbeit endet immer, wenn es darum geht für eine Entscheidung gerade zu stehen,

    Dieses Verhalten kennt jeder. Nicht nur aus dem Arbeitsalltag, sondern auch aus der Schule, dem Freundes- oder Familienkreis.

    Weil alle zwar Führung wollen, aber keiner die Verantwortung übernehmen will.

    Ich erlebe oft genug junge, engagierte Mitarbeiter die gerne alles regeln wollen. Aber wehe sie machen einen Fehler, dann heisst es gleich "Ich habe nur gemacht was mir gesagt wurde."
    Und warum tun die das? Weil das zugeben eines Fehlers als Schwäche empfunden wird und mögliche Anmahnungen (Keine Mahnung im rechtlichen Sinne) unter Umständen die Karriere verbauen könnte.

    Das heisst, da wollen Menschen Führungskräfte werden und nach ganz oben, aber die Verantwortung soll gefälligst jemand anders tragen.

    Noch Fragen?
    Egal wie groß ein Team ist. Am Schluss zeigen alle auf Irgendjemanden (meist den Schwächsten) der dann die Verantwortung tragen soll. Die Teamarbeit endet immer, wenn es darum geht für eine Entscheidung gerade zu stehen,

    Dieses Verhalten kennt jeder. Nicht nur aus dem Arbeitsalltag, sondern auch aus der Schule, dem Freundes- oder Familienkreis.

    • wAltz
    • 17.05.2012 um 10:05 Uhr

    Das beste Beispiel dieses Verhaltensparadigmas ist Kanzlerin Merkel.
    Die intrigiert alles weg, was über sie hinausragt und sorgt so für ein möglichst schwaches Kabinett, in dem sie die Stärkste ist, und setzt das fort, bis hinein, in europäische Gremien (s. Installation der Frau Ashton).
    Ginge es nach ihr, wäre wahrscheinlich Pofalla Präsident der USA.
    Erst in der Post-Merkel Ära werden wir feststellen, unter was für einem Mehltau unsere Politik gegenwärtig begraben ist.

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    war dieses verhalten aber auch sichtbar, man denke an geissler, selbst schäuble als gehandelter kanzlerkandidat, blüm, eichel als machtloser finanzminister, ottmar schreiner...usw. vielleicht sieht man bei merckel die frau welche sich gar mamauntypisch verhält. bei der das aussehen und kleidung wichtiger bewertet wurde als bei kohl. sie wäre wahrscheinlich nicht in diese positionen damals gekommen wenn sie nicht auch von den männern abkopiert hätte. ausserdem hat merckel naturwissentschaftliche strukturen die eher nach sachlage und nutzen entscheiden

    war dieses verhalten aber auch sichtbar, man denke an geissler, selbst schäuble als gehandelter kanzlerkandidat, blüm, eichel als machtloser finanzminister, ottmar schreiner...usw. vielleicht sieht man bei merckel die frau welche sich gar mamauntypisch verhält. bei der das aussehen und kleidung wichtiger bewertet wurde als bei kohl. sie wäre wahrscheinlich nicht in diese positionen damals gekommen wenn sie nicht auch von den männern abkopiert hätte. ausserdem hat merckel naturwissentschaftliche strukturen die eher nach sachlage und nutzen entscheiden

  2. Gerade bei größeren Unternehmen herrschen doch eingefahrene Strukturen dafür, dass sich die alten Löwen die "Sahnestückchen" unter den Projekten gegenseitig zuschieben. Die Macht des Kunden darf man an der Stelle auch nicht unterschätzen, der maßgeblichen Einfluss auf die Projektleitung hat. Da haben es Frischlinge per sé schwer. Dann bleiben oft gehasste und auch schwierige Projekte übrig, in denen viele vorverurteilt auf der Strecke bleiben. Auch da lassen sich wunderbare Parallelen zur Formel 1 ziehen, schliesslich gab es reichlich Piloten mit enormen Potenzial, die aber schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

    Man darf aber auch nicht vergessen, dass man neben Verantwortung auch mit Erfahrung und eben gemachten Fehlern wächst, Bildungsstand hin oder her. Das ist essenziell wichtig, wenn es einmal darum geht, Projekte aus dem Dreck zu ziehen. Und da zählt nunmal Erfahrung.

  3. war dieses verhalten aber auch sichtbar, man denke an geissler, selbst schäuble als gehandelter kanzlerkandidat, blüm, eichel als machtloser finanzminister, ottmar schreiner...usw. vielleicht sieht man bei merckel die frau welche sich gar mamauntypisch verhält. bei der das aussehen und kleidung wichtiger bewertet wurde als bei kohl. sie wäre wahrscheinlich nicht in diese positionen damals gekommen wenn sie nicht auch von den männern abkopiert hätte. ausserdem hat merckel naturwissentschaftliche strukturen die eher nach sachlage und nutzen entscheiden

    Antwort auf "Kanzlerin"
  4. Weil alle zwar Führung wollen, aber keiner die Verantwortung übernehmen will.

    Ich erlebe oft genug junge, engagierte Mitarbeiter die gerne alles regeln wollen. Aber wehe sie machen einen Fehler, dann heisst es gleich "Ich habe nur gemacht was mir gesagt wurde."
    Und warum tun die das? Weil das zugeben eines Fehlers als Schwäche empfunden wird und mögliche Anmahnungen (Keine Mahnung im rechtlichen Sinne) unter Umständen die Karriere verbauen könnte.

    Das heisst, da wollen Menschen Führungskräfte werden und nach ganz oben, aber die Verantwortung soll gefälligst jemand anders tragen.

    Noch Fragen?
    Egal wie groß ein Team ist. Am Schluss zeigen alle auf Irgendjemanden (meist den Schwächsten) der dann die Verantwortung tragen soll. Die Teamarbeit endet immer, wenn es darum geht für eine Entscheidung gerade zu stehen,

    Dieses Verhalten kennt jeder. Nicht nur aus dem Arbeitsalltag, sondern auch aus der Schule, dem Freundes- oder Familienkreis.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Jaja, die Gier,"
  5. Die Mitarbeiter von heute sind grundsätzlich besser als der Chef/Chefin. Zumindest in der subjektiven Meinung der Personen, die sich ihre Exzellenz vor allem über die Abschlüsse und gefördertes, aber leider oft übersteigertes Selbstbewußtsein zuschreiben.

    Der schlimme, uneinsichtige Chef ist dann gefordert; seinen Mitarbeitern den Unterschied zwischen subjektiven Empfindungen und objektiv erbrachten Leistungen nahe zu bringen.
    Der Förderung wirklich guter Mitarbeiter steht dem nicht entgegen, die Entscheidung darüber liegt aber oft auf höherer Hierarchieebene.

    @ bergischerjung 20;

    Fachkompetenz ist zwar wichtig für die Realisierungsprozesse, befähigt aber nicht automatisch zur Leitung eines Projektes. Leitungs- oder Managementprozesse setzen vor allem ein integriertes Verständnis und entsprechende Steuerungsfähigkeit voraus.

    In Teams ohne formelle Führungsrolle erleben sie die Führungsrolle informell; was meist zu wachsenden Gruppendruck und Spannungen auf der Beziehungsebene zwischen den Teammitgliedern führt. Z.B. wenn zwei oder mehrere Mitglieder "Leitwölfe" sein wollen, und die Akzeptanz in der Gruppe nicht eindeutig vorhanden ist. Oder bei der Verteilung von unliebsamen Aufgaben/Arbeitspaketen.

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  6. "Fakt ist, dass noch nie so viele, gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen. Fakt ist ebenso, dass viele dieser gut ausgebildeten Mitarbeiter engagiert, motiviert und willens sind, exzellente Leistungen zu bringen und damit ihrem Bedürfnis, sich am Arbeitsplatz selbst zu verwirklichen, nahekommen."

    Alleine hier zeigt sich bereits wie Realitätsfern der Autor den Artikel geschrieben hat, denn meistens ist es beileibe nicht so.
    Diejenigen die motiviert sind machen das nicht aus "Selbstverwirklichung", sondern weil es erstens Geld und zweitens eventuell mal eine sichere Stelle gibt...

    "Dabei belebt Konkurrenz das Geschäft. Unter Mitarbeitern, weil es Wettbewerb herausfordert und zumeist bessere Ergebnisse hervorbringt."

    Tut sie nicht. Sie bremst die Mitarbeiter gegenseitig aus und vergiftet dazu noch das Klima in einer Firma. Es gibt nichts Schlimmeres als Gerüchte und gegenseitigen Neid, die nur darin resultieren, dass die Ergebnisse noch schlimmer werden.

    Einziges worin der Artikel wohl recht hat:
    "Wer sich von kompetenten Mitarbeitern bedroht fühlt, täte gut daran, an seinem eigenen Selbstbewusstsein zu arbeiten – und nicht den Mitarbeiter auszubremsen."

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    Fakt ist, dass noch nie so viele, gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen.

    ... worauf diese Aussage basiert. Mehr Studienabsolventen auf sehr unterschiedlichen Bildungswegen machen nicht notwendigerweise einen Qualifikationssommer.

    Fakt ist, dass noch nie so viele, gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen.

    ... worauf diese Aussage basiert. Mehr Studienabsolventen auf sehr unterschiedlichen Bildungswegen machen nicht notwendigerweise einen Qualifikationssommer.

  7. Fakt ist, dass noch nie so viele, gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen.

    ... worauf diese Aussage basiert. Mehr Studienabsolventen auf sehr unterschiedlichen Bildungswegen machen nicht notwendigerweise einen Qualifikationssommer.

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