Hartz IV: Gesundheitskurse sollen Jobchancen für Arbeitslose verbessern
Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ist so krank, dass er nicht vermittelbar ist. Nun will die Arbeitsagentur Langzeitarbeitslose mit Gesundheitskursen wieder fit machen.
Langzeitarbeitslose mit gesundheitlichen Problemen sollen ihre Jobchancen künftig mit Bewegungskursen und mehr Vorsorge verbessern können. Eine entsprechende Kooperation schlossen jetzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen, wie das für Hartz IV zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Kosten wollen die Krankenkassen ganz oder teilweise übernehmen. Die Angebote sollen aber nicht verpflichtend sein.
"Es gilt, den Teufelskreis Arbeitslosigkeit und Krankheit zu durchbrechen", sagte Alt. "Wer seine Gesundheit bereits soweit eingebüßt hat, dass darunter seine Beschäftigungsfähigkeit leidet, hat kaum eine Chance auf einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt." BA und Krankenkassen wollten darauf hinwirken, dass Jobsucher gesund blieben oder gesund würden, sagte Alt. Es sei nachgewiesen, dass die mentale und physische Verfassung von Arbeitslosen Vermittlungserfolge stärker beeinflussen könne als ihre formale Qualifikation.
Nach seinen Angaben leidet inzwischen jeder dritte arbeitslose Hartz-IV-Empfänger unter einer gesundheitlichen Einschränkung, die seine Vermittlung in einen Job erschwere. Im März waren dies nach Angaben von BA-Sprecherin Anja Huth etwa 400.000 Männer und Frauen. Arbeitslose, die etwa unter Rückenproblemen litten, könnten nur eingeschränkt oder gar nicht auf Baustellen vermittelt werden.
Gesundheitliche Handicaps, die bestimmte Beschäftigungen ausschließen, müssten die Arbeitslosen ihrem Vermittler mit einem ärztlichen Attest nachweisen. Andernfalls überprüfe der Ärztliche Dienst im Jobcenter den Gesundheitszustand des Betroffenen.






Bislang sieht das SGBII eine "freiwillige Teilnahme" an Maßnahmen zur Förderung der Vermittelbarkeit in der Regel nicht vor. Wer eine vorgeschlagene Maßnahme ablehnt oder abbricht, der wird mit 30% des Regelsatzes sanktioniert. Aus freien Stücken etwas begonnen zu haben, heißt auch nicht, etwas aus freien Stücken wieder beenden zu können. Den psychologischen und physiologischen Untersuchungen des Ärztlichen Dienstes ist ebenso unmittelbar Folge zu leisten. Auch hier wird bei Fernbleiben sanktioniert.
Selbstredend ist ein junger, hübscher, beweglicher, gesunder Mensch leichter unterzubringen.Ab 38 gilt eh jeder Arbeitnehmer als schwer vermittelbar. Die "formale Qualifikation" spielt jedoch dabei keine Rolle, denn der Berufsstandsschutz wird per Eingliederungsvereinbarung außer Kraft gesetzt, ob für Akademiker oder gelernte Fachkräfte.
Der langzeitarbeitslose Maurermeister "mit Rücken" muss darum jede Art der Arbeit annehmen und erhält, in der Regel, auch keine weitere Qualifikation. Denn wer bereits hat, dem wird nicht gegeben. Weiterbildung ist für die gedacht, die weder über einen Abschluss noch über eine Ausbildung verfügen.Besagter Maurermeister muss also irgendwie irgendwo unterkommen - und sicherlich: je robuster, je widerstandsfähiger, desto größer die Chance, auch ungelernt in einem fremden Berufsfeld Arbeit zu finden: Konstitution statt Qualifikation. Ich finde, dieser Zusammenhang wurde im Artikel nicht deutlich genug herausgearbeitet.
"Ab 38 gilt eh jeder Arbeitnehmer als schwer vermittelbar."
Da Sie in Ihren Beiträgen auf mich den Eindruck machen, "vom Fach" zu sein, die Frage bezgl. o.g. Zitats, ob es da Statistiken gibt, aus denen hervorgeht, dass ab einem Alter von 38 Jahren die Vermittelbarkeit signifikant sinkt?
Danke für Ihre Antwort (und Ihre fundierten Beiträge)!
"Ab 38 gilt eh jeder Arbeitnehmer als schwer vermittelbar."
Da Sie in Ihren Beiträgen auf mich den Eindruck machen, "vom Fach" zu sein, die Frage bezgl. o.g. Zitats, ob es da Statistiken gibt, aus denen hervorgeht, dass ab einem Alter von 38 Jahren die Vermittelbarkeit signifikant sinkt?
Danke für Ihre Antwort (und Ihre fundierten Beiträge)!
hat man mal die Ursachen untersucht? Warum sind Harzer von Krankheit mehr betroffen, wie andere Gruppen.
zum einen werden im Beitrag Sozialgeldempfänger von Langzeitarbeitslosen nicht sauber getrennt. Chronisch Kranke, die weniger als 3 Stunden arbeiten können, beziehen kein "Hartz 4" sondern Sozialgeld.
Krankheit ist ein Entlassungsgrund geworden, immer öfter von Arbeitgebern wahrgenommen. Genesung nach langer Krankheit führt ebenso in die Arbeitslosigkeit, gerade wenn keine Erwerbsunfähigkeit sondern "nur" eine Berufsunfähigkeit eintritt. Reha-Maßnahmen zur Teilhabe und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, einschließlich Umschulung, sind möglich bei Versicherungsleistung. Viele prekären Arbeitsverhältnisse erfassen die Ausgangsvoraussetzungen für diese Nachsorge nicht mehr. Rentenanträge setzen sehr sehr viel Kraft für eine langen und oft widersprüchlichen Behördenmarathon voraus.
Die Entlassungswellen schoben und schieben mehr und mehr Ältere in die Arbeitslosigkeit,wo diese dann verbleiben, da "der Markt" sie bislang nicht zurücknimmt. Diese Menschen bringen ihre Lebens- und Erwerbsgeschichte bereits mit, ihre Grunderkrankungen und ihre Beruferkrankungen (siehe "Schleckerfrauen").
Arbeitslosigkeit macht arm, und Armut macht krank.Langzeitarbeitslose verfügen über keine ausreichenden Mittel mehr zur Gesundheitspflege oder Vorsorge. Die Praxisgebühr und Zuzahlungen für Medikamente und Krankenhausbesuche werden aus dem Regelsatz entnommen.15,64€ sind dafür vorgesehen. Der Satz für Ernährung wird bei Klinikaufenthalt entsprechend gesenkt.
Sie ist einer der größten Stressfaktoren für den Menschen, gleich nach dem Tod eines Angehörigen und der Trennung vom Partner.Und lange Dauerarbeitslosigkeit kann eben auf Dauer krank machen, das ist bekannt. Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit machen halt ebenso krank wie Armut. Diese Folgen treffen Langzeitarbeitslose wie arbeitende Arme gemeinsam. Um diesen Punkt werden oft negativ aufgeheizte Diskussionen zur Abgrenzung verschiedener Personengruppen geführt, zum Beispiel ob der Regelsatz für Lebensmittel ausreichend ist, besonders bei heranwachsenden männlichen Jugendlichen.
Arbeit als sinnstiftendes und strukturierendes Element entfällt und "Maßnahmen" sind in diesem Sinne keine Arbeit. Die geschaffene Lebensleistung verliert ideell und monetär an Wert. Als ehemals eigenständiger Mensch ist man nun in Abhängigkeit gebunden, aus der es nur schwer einen Ausweg gibt, da eine Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt, vorerst verschlossen bleibt. Die Stigmatisierung (Hartzies sind faul, bildungsfern, suchterkrankt)macht dünnhäutig und isoliert. Dazu kommt ungewohnte Hierarchie und Transparenz. Für Vieles, wie z.B.das zeitweise Verlassen des Wohnortes in persönlichen Angelegenheiten bedarf es immer der persönlichen schriftlichen Erlaubnis.Kontoauszüge legen lückenlos und ungeschwärzt persönliche Verpflichtungen dar, private Beziehungen werden bewertet und verrechnet.Fehler haben Existenzgefährdung zur Folge.All dies sind spezifisch belastende Faktoren im Alg II-Bezug.
Die Bundesagentur sucht nach einer neuen Sau, mittels der man Milliarden an Träger; diesmal für Gesundheitsmaßnahmen verschieben kann. Herr Alt blendet dabei völlig aus, dass selbst ein 100% Gesundenanteil unter seinen Schäfchen, den eigentlichen, und von ihm mit kaputt reformierten Arbeitsmarkt nicht dahingehend beeinflusst, dass mehr Arbeitsplätze zur Verfügung stehen würden.
Es wird operativ einfach weiter so vorgegangen, als hätten wir 500 000 Beschäftigungslose und 5 Millionen freie Stellen. Und nicht umgekehrt.
Mit einer ganzheitlichen Betreuung sollte man daher; mit Verlaub; besser in der BA und dem Ministerium anfangen.
Die von Arbeitsamt und ARGE angebotenen Kurse sind ein gutes Geschäft, die sogenannten Bildungsträger verdienen recht gut damit. Es gibt sicherlich auch ein paar Kurse die durchaus sinnvoll erscheinen, aber die meisten dienen nur dem Zweck zu zeigen, daß die Arbeitslosen nicht nur gefordert sondern auch gefördert werden. Da nehmen an einem Kurs für "Businessenglisch" auch schon ältere Arbeitslose teil die noch nie ein Wort Englisch gelernt haben, weil man den Kurs sonst nicht voll bekäme. Eine arbeitslose Bürokauffrau, die selbst schon COMPUTERKURSE an der VHS gegeben hat, wird verpflichtet an einem Computerkurs für Anfänger teilzunehmen. Andere Bürokaufleute müssen ein Jahr lang eine Ausbildung zur Bürohilfskraft absolvieren. Dabei haben sie auch Unterricht in Elektrotechnik und Physik ("Wie funktioniert eine Kolbenpumpe"). Hat zwar nichts mit der realen Büroarbeit zu tun und es ist schnell wieder vergessen, aber es wird unterrichtet, weil dafür die Dozenten zur Verfügung stehen. Dann werden noch Filme zum Thema: "Wie bewerbe ich mich richtig", gezeigt ("Pünktlich zum Bewerbungsgespräch erscheinen, in sauberer Kleidung und bitte höflich sein!")Sinnvolle Kurse, z.B. die Anwendung neuer Computerprogramme und neuer Technik, Fremdsprachen usw. werden weder von Arbeitsamt noch von der ARGE angeboten. Es gibt zwar noch die Volkshochschule, aber die Kurse kann man vom normalen Regelsatz nicht bezahlen.
Die von Arbeitsamt und ARGE angebotenen Kurse sind ein gutes Geschäft, die sogenannten Bildungsträger verdienen recht gut damit. Es gibt sicherlich auch ein paar Kurse die durchaus sinnvoll erscheinen, aber die meisten dienen nur dem Zweck zu zeigen, daß die Arbeitslosen nicht nur gefordert sondern auch gefördert werden. Da nehmen an einem Kurs für "Businessenglisch" auch schon ältere Arbeitslose teil die noch nie ein Wort Englisch gelernt haben, weil man den Kurs sonst nicht voll bekäme. Eine arbeitslose Bürokauffrau, die selbst schon COMPUTERKURSE an der VHS gegeben hat, wird verpflichtet an einem Computerkurs für Anfänger teilzunehmen. Andere Bürokaufleute müssen ein Jahr lang eine Ausbildung zur Bürohilfskraft absolvieren. Dabei haben sie auch Unterricht in Elektrotechnik und Physik ("Wie funktioniert eine Kolbenpumpe"). Hat zwar nichts mit der realen Büroarbeit zu tun und es ist schnell wieder vergessen, aber es wird unterrichtet, weil dafür die Dozenten zur Verfügung stehen. Dann werden noch Filme zum Thema: "Wie bewerbe ich mich richtig", gezeigt ("Pünktlich zum Bewerbungsgespräch erscheinen, in sauberer Kleidung und bitte höflich sein!")Sinnvolle Kurse, z.B. die Anwendung neuer Computerprogramme und neuer Technik, Fremdsprachen usw. werden weder von Arbeitsamt noch von der ARGE angeboten. Es gibt zwar noch die Volkshochschule, aber die Kurse kann man vom normalen Regelsatz nicht bezahlen.
Die von Arbeitsamt und ARGE angebotenen Kurse sind ein gutes Geschäft, die sogenannten Bildungsträger verdienen recht gut damit. Es gibt sicherlich auch ein paar Kurse die durchaus sinnvoll erscheinen, aber die meisten dienen nur dem Zweck zu zeigen, daß die Arbeitslosen nicht nur gefordert sondern auch gefördert werden. Da nehmen an einem Kurs für "Businessenglisch" auch schon ältere Arbeitslose teil die noch nie ein Wort Englisch gelernt haben, weil man den Kurs sonst nicht voll bekäme. Eine arbeitslose Bürokauffrau, die selbst schon COMPUTERKURSE an der VHS gegeben hat, wird verpflichtet an einem Computerkurs für Anfänger teilzunehmen. Andere Bürokaufleute müssen ein Jahr lang eine Ausbildung zur Bürohilfskraft absolvieren. Dabei haben sie auch Unterricht in Elektrotechnik und Physik ("Wie funktioniert eine Kolbenpumpe"). Hat zwar nichts mit der realen Büroarbeit zu tun und es ist schnell wieder vergessen, aber es wird unterrichtet, weil dafür die Dozenten zur Verfügung stehen. Dann werden noch Filme zum Thema: "Wie bewerbe ich mich richtig", gezeigt ("Pünktlich zum Bewerbungsgespräch erscheinen, in sauberer Kleidung und bitte höflich sein!")Sinnvolle Kurse, z.B. die Anwendung neuer Computerprogramme und neuer Technik, Fremdsprachen usw. werden weder von Arbeitsamt noch von der ARGE angeboten. Es gibt zwar noch die Volkshochschule, aber die Kurse kann man vom normalen Regelsatz nicht bezahlen.
sind in der Regel nicht erlaubt. Sie stehen der vereinbarten ausschließlichen Verfügbarkeit des Langzeitarbeitslosen zur Vermittlung in Arbeit entgegen.Diese ist eine der Ausgangsvoraussetzungen für den Leistungsbezug.
Alle Anstrengungen sollen der direkten Reduktion der monetären Hilfebedürftigkeit gelten, ganz oder teilweise. Geht jemand dieses Risiko dennoch ein und bildet sich privat fort, läuft er Gefahr, nachträglich die während der privaten Weiterbildungen empfangenen Leistungen erstatten zu müssen.
Auch wenn eine Fortbildung aus dem Regelsatz bezahlbar wäre oder jemand seine Rücklage perspektivisch nutzen möchte, ist dies also meistens kein Weg.Es bleiben häufig allein die amtsgeförderte Maßnahmen oder das selbstorganisierte häusliche Lernen ohne Qualifikationsnachweis, IHK-Prüfung oder ähnliches.
Praktika zur Erprobung von Fähigkeiten und Fertigkeiten stehen in der Regel ebenfalls der ausschließlichen Verfügbarkeit für die Vermittlung in Arbeit entgegen.
Praktika sind bis zu einer Dauer von 14 Tagen möglich, unter der Voraussetzung des Probearbeitens bei nachweislicher Übernahmeaussicht der Firma.
Eine gangbare, aber eben auch selten mögliche Lösung des Problems ist, Arbeit in einer Firma zu finden, die A den Quereinstieg/Neueinstieg ermöglicht und B interessiert und in der Lage ist, in diesen neuen Mitarbeiter zu investieren und ihn fort- oder gar auszubilden. Und das, obwohl er älter oder berufsfremd ist.Das ist dann der Jackpot...
Das gerade Langzeitarbeitslose so massiv von zum Teil erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind, hat doch die Politik selbst verschuldet und wohl auch so gewollt.
Perspektivlosigkeit, Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung machen auf Dauer nun mal krank. Das ist eine Weisheit die durch wissenschaftliche Erhebungen schon lange eindeutig bewiesen ist. Doch die Politik tut alles um diese Situation noch weiter zu verschärfen. Wie ist ansonsten solch ein kläglicher Regelsatz des ALG II zu erklären, der kaum für ein menschenwürdiges Leben in einem solch wohlhabenden Land wie Deutschland mit einem Privatvermögen von mehr als 7 Billionen Euro ausreicht.
Wie soll ein Betroffener von lächerlichen 374 Euro sportliche Betätigung in einem Sportverein oder Fitnessstudio damit finanzieren.
In Holland sind sportliche Betätigung in einem Fitnessstudio für Langzeitarbeitslose sogar verpflichtend und werden auch finanziert, während in Deutschland Betroffene nicht wissen, wovon sie Praxisgebühr und nicht verschreibungspflichtige Medikamente bezahlen sollen. Wird eine neue Brille benötigt, weil sich die Sehschärfe ja meist eher verschlechtert, sieht es dann ganz bitter aus. Besteht auch noch Weit und Kurzsichtigkeit, wird eine Gleitsichtbrille benötigt, die nicht einmal beim Billiganbieter gekauft werden kann, weil dafür einfach der Verelendungsregelsatz niemals ausreicht.
All dass wird von der Politik billigend und bewusst in kauf genommen.
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