ZEIT ONLINE: Herr Krüger, Sie werden in diesem Jahr 47 Jahre alt. Das wird das Durchschnittsalter aller Beschäftigten bei BMW im Jahre 2020 sein. Ist ihr Arbeitsplatz altersgerecht?

Harald Krüger (lacht): Durchaus. Mein Schreibtisch und mein Bürostuhl sind ergonomisch optimiert.

ZEIT ONLINE: BMW ist besonders vom demografischen Wandel betroffen. In den achtziger Jahren hat das Unternehmen viele junge Mitarbeiter eingestellt, die nun gemeinsam altern und bald um die 50 Jahre alt sind. Wie gehen Sie damit um?

Krüger:  Wir reagieren bereits seit einigen Jahren aktiv darauf und sehen darin auch eine Chance. In fünf Jahren wird fast die Hälfte unserer Mitarbeiter älter als 50 Jahre sein. Es gibt immer mehr Mitarbeiter, die älter als 60 sind. Wir haben darauf mit einem Demographie- und Gesundheitsmanagement für alle Werke in Deutschland und Österreich reagiert. Wir setzen auf Ergonomie und Prävention. Bis heute haben wir mehr als 4.000 Arbeitsplätze altersgerecht ausgestattet. Rund 20 Millionen Euro haben wir gerade in einem ersten Großprojekt in eine neue Achsmontage investiert, die Jungen wie Älteren gesundes Arbeiten und Älterwerden ermöglichen.

ZEIT ONLINE: Gesundheitsmanagement klingt kryptisch. Was heißt das konkret?

Krüger: Wir haben zum Beispiel Fitnessstudios für die Mitarbeiter eingerichtet. Die Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet, wir haben Physiotherapeuten angestellt, die sich um die Mitarbeiter kümmern. Selbst das Essen in der Kantine haben wir umgestellt, es ist heute gesünder und cholesterinärmer. Manche Sachen sind ganz simpel.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Krüger:  Wir haben etwa Lupen an den Arbeitsplätzen angebracht, an denen zum Beispiel kleine Teilenummern gelesen werden müssen. In einem Pilotprojekt beginnt die Frühschicht am Montag jetzt zwei Stunden später, weil unsere Mitarbeiter dadurch weniger Probleme mit dem Schichtwechsel übers Wochenende haben. Außerdem haben wir eine Rotation eingeführt, damit die Leute nicht acht Stunden bei einer Tätigkeit in gebückter Haltung arbeiten müssen und Schmerzen bekommen. Jetzt wechseln sie am Band an allen Plätzen durch und haben dadurch mehr Ausgleich.

ZEIT ONLINE: Klingt sinnvoll. Warum haben Sie das nicht früher gemacht?

Krüger: Viele Probleme traten erst mit dem zunehmenden Alter der Beschäftigten auf. Wir haben zum Beispiel bemerkt, dass die Beschaffenheit des Bodens wichtig ist. In der Getriebemontage arbeitete man oft auf Gummimatten. Die Mitarbeiter müssen sich dabei aber oft drehen. Der Boden ist dann sehr stumpf, die Drehbewegung geht auf die Knie. Die Mitarbeiter sind dann mal in den Baumarkt gefahren, haben Parkett-Schwingboden mitgebracht und den an einem Arbeitsplatz ausprobiert. Plötzlich hatten sie weniger Kniebeschwerden. Außerdem haben wir eine Sprossenwand in der Halle angebracht und Ruheräume eingerichtet, in denen sich die Mitarbeiter in Pausen hinlegen können.

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ZEIT ONLINE: Die Mitarbeiter turnen freiwillig an der Sprossenwand?

Krüger: Viele waren anfangs skeptisch. Aber als Ärzte und Physiotherapeuten den Mitarbeitern die Übungen gezeigt haben, merkten viele, dass es ihnen gut tut. Einige Angebote sind wirklich sehr angenehm. Für die Mitarbeiter mit einem Bürojob haben wir zum Beispiel Angebot wie den Rückenlunch . Da gibt es eine Rückenschulung in in der Mittagspause, ohne dass sie im Anzug ins Schwitzen kommen. Oft entwickelt sich auch sportlicher Ehrgeiz. Den bekomme ich auch selbst zu spüren: In den Gebäuden haben wir grüne Pfeile angebracht, die unsere Mitarbeiter zu motivieren, häufiger die Treppen statt des Aufzugs zu nehmen. Daneben steht, wie viele Kalorien man dabei verbraucht und welche Muskeln man trainiert. Seither muss man sich schon mal dafür rechtfertigen, wenn man schon wieder lieber mit dem Lift fährt.