Feminismus-Buch : Schröder schreibt ihre eigene Bankrotterklärung

Familienministerin Kristina Schröder rechnet in ihrem Buch mit dem Feminismus ab. Dabei entlarvt sie sich als Fehlbesetzung für ihr Amt, kommentiert Tina Groll.

Kristina Schröder kämpft. Die Frauenministerin will jetzt etwas für die Frauen tun. Sie will sie von Fesseln befreien. Die, so erklärt die Ministerin in ihrem Buch Danke, emanzipiert sind wir selber , hätten ihnen die Feministinnen angelegt. Wer diese Feministinnen – bis auf Alice Schwarzer natürlich – eigentlich sind, kann Frau Schröder nicht so genau sagen. Dafür sind sie in der Welt der Kristina Schröder scheinbar überall. Wie Hubschrauber über der Kampfzone kreisten sie über allen Orten des Zusammentreffens von Mann und Frau und wollen den Frauen die Eigenverantwortung für die Wahl des richtigen Lebensentwurfs  nicht überlassen.

Böse Frauen, die durch den Luftraum schweben? Die Ministerin meint es ernst. So ernst, dass sie mehr als 100 Seiten ihres 240 Seiten langen Buches, das sie mit ihrer Freundin und Mitarbeiterin Caroline Waldeck geschrieben hat, der Abrechnung mit dem Feminismus widmet. Die liest sich wie ein wütender Brief einer pubertierenden Tochter an ihre Mutter.

Schluss soll jetzt sein mit der Bevormundung. Die Frau sei erst durch den Feminismus vom unterdrückten zum beschützten und damit bevormundeten Geschlecht geworden, schreibt Schröder. Feministinnen erhöben die Karrierefrau zum Rollenleitbild – und das, obwohl die allermeisten Frauen gar nicht so leben wollten. Deswegen, so die Logik der Ministerin, gebe es so wenig Frauen in Führungspositionen .

Doch mit den Feministinnen nicht genug, auf der anderen Seite, so Schröders These, stünden Strukturkonservativen wie Eva Herman mit ihrer Mütterideologie. Auch sie versuchten, die Frauen zu bevormunden. Aber zum Glück ist ja die Familienministerin gekommen, sie von diesen Leitbildern zu befreien und die "Rollenleitbildfanatiker" zu kurieren.

Wirrer Kampf gegen "Rollenleitbildfanatikerinnen"

Frauen sollen endlich frei wählen dürfen, wie sie leben wollen. Diese Entscheidung sei privat und habe auch privat zu bleiben. Politik dürfe hier nichts vorgeben. Welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um diese Wahlfreiheit zu garantieren, darum geht es in dem Buch dagegen kaum.

Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Im Gegenteil, Schröder kritisiert diese ökonomische Sichtweise als einen kaltherzigen Feminismus, der auf der Basis kühler Vorteils- und Nachteilskalkulation argumentiere.

Um den Feminismus als Bedrohung darzustellen, bedient sich Schröder wahllos aus feministischer Literatur, Zeitungsartikeln und Romanen. Man muss keine Feministin sein, um zu erkennen, dass es abstrus ist, Schwarzer und Herman auf eine Ebene zu stellen und ihre Werke zu Weltanschauungen zu überhöhen. Man muss auch keine Feministin sein, um zu wissen, dass es den einen Feminismus nicht gibt. Oder dass der Feminismus weder die Karrierefrau als Leitbild vorgibt, noch Frauen die Mutterschaft verbietet.

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Kommentare

571 Kommentare Seite 1 von 53 Kommentieren

Peter Prinzip

Bei aller Freundschaft: Frau Schröder war von Anfang an eine Fehlbesetzung für dieses wichtige Ministeramt. Nichts gegen Jugend, aber für dieses Amt braucht man auch Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen. Außerdem kenne ich keinen weiblichen Vorstand, der einfach einmal in den Mutterschaftsurlaub geht. Das alles ist nicht Frau Schröder vorzuwerfen, sondern der Kanzlerin.

"Jung, loyal und keine Ahnung von Familienpolitik"

Frau Schröder - vormal Köhler - ist doch gerade deswegen Familienministerin geworden, WEIL sie von der Materie keine Ahnung hat. "Familie" kommt in der UNION - und ganz besonders bei der reaktionären Hessen-CDU - nur in drei Fällen zum tragen:

1. beim sonntäglichen Kirchgang
2. bei den anschließend gehaltenen Sonntagsreden
3. in TV-Jammerstunden, in denen man die Faulheit und Verlottertheit der "vierköpfigen Familie" beklagt und begreint, die den "Leistungsträgern" die Haare vom Kopf fressen.

Ansonsten verweise ich auf den hervorragenden Artikel von Herrn Schlieben:

http://www.zeit.de/politi...

Was möchten Sie uns...

...mit Ihrem Beitrag vermitteln ?

1. Sie haben schon vom Peter Prinzip gehört

2. Sie sind mit Frau Schröder befreundet.

3. Frau Schröder ist eine Fehlbesetzung

3. Sie besitzen Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen.

4. Sie kennen weibliche Vorstände.

5. An allem ist Frau Merkel Schuld.

Ein sehr gelungener Kommentar, der es an Qualität durchaus mit dem kommentierten Artikel aufnehmen kann.

Danke !

Irrwitzige Antwort?

"Selbst darauf hat die Ministerin irrwitzige Antworten parat. Feministinnen hätten wenig dazu beigetragen, die Fesseln des traditionellen männlichen Rollenleitbildes zu lösen, behauptet Schröder. Während Frauen die Ehe als alternative oder ergänzende Karriere nutzen könnten, seien Männer quasi festgelegt auf den Beruf und zum Erfolg verdammt. Dabei wollten auch sie heute Familie und Beruf leben, aber die Arbeitswelt erwarte noch immer uneingeschränkte Verfügbarkeit von ihnen. Darum könnten sie sich an der Hausarbeit auch nicht vollumfänglich beteiligen. Ach so."

Abgesehen von der starken Wortwahl "verdammt", die man als Journalistin als Mittel zur Zuspitzung wohl nutzen muss, entspricht diese scheinbar irrwitzige Umschreibung jedoch meiner Lebenserfahrung:

Nach dem Feedback von Nachbarn, Bekannten und Freunden, was ich erhalten habe, wird nicht akzeptiert, etwas anderes zu tun, als 100% die eigene männliche Berufskarriere fortzusetzen, anstelle nach sieben Jahren der hochengagierten Arbeit nun einen Beruf-Familienmix anzustreben (z. B. beide Partner in Teilzeit) und dazu bewusst Geld- und Karriereoptionen verstreichen zu lassen. Stattdessen ist man verwundert, warum meine Frau denn überhaupt noch arbeiten gehen wolle.

Auch wenn ich die Person Schröder als Ministerin ablehne, muss ich ihr in der von Frau Groll gehässig umschriebenen Diagnose Frau Schröders recht geben: es fehlt an männlicher Emanzipation. Den anschließenden Satz mit der Hausarbeit übersehe ich mal.

Tina Groll:

"Dabei entlarvt sie sich als Fehlbesetzung für ihr Amt, kommentiert Tina Groll."

Das ist erst einmal nichts weiter als Ihre Meinung, Frau Groll. [...] Aber wir sollten uns bei der Beurteilung solcher Dinge nicht nach dem Meinungspektrum des politischen Biotops der Redaktionsstuben, sondern der Bevölkerung richten. Da sieht es schon ein klein wenig anders aus. Im Osten ohnehin: Dort waren und sind die Frauen alle ganz ohne erwachsenenpädagogische Anleitung emanzipiert. Das merkt man vor allem daran, daß sie ihre Emanzipiertheit einfach leben, ohne sie wie eine Monstranz vor sich her zu tragen [...] Männer und Frauen können sich aber nicht gegen-, sondern nur miteinander emanzipieren. So weit war man selbst in der [...] DDR schon.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Polemik. Danke, die Redaktion/au.

von welchem planeten sende sie denn???

wo will denn "DER" feminismus, das gegenstück zum patriarchat erbauen?

ich weiß nicht so sehr wovor sie angst haben und warum, aber bei lichte betrachtet droht außer in einigen ehen keine machtübernahme von frauen, um über männer zu herrschen.

sollten sie eigentlich bemerkt haben.

und es gibt hunderte von richtungen die unter dem begriff feminismus zusammgengefasst werden, dessen hauptströmung nichts weiter will, als geschlechtsunabhängige chancengleichheit für individuen.
was politisch gewendet heißt:
gleiche rechte gleiche pflichten.

das ist schon alles.

alles andere ist in ihrem kopf und mit fakten nicht belegbar und argumentativ nicht belastbar.

und ein gegeneinander entsteht nicht dadurch, dass eine benachteiligte partei der bevorzugten partei genau diese ungleichheit vor augen führt.

sie reden einer nivellierung der realen probleme das wort.

das ist traurig.

ich wünsche ihnen angenehme träume, ohne fem-walküren, die ihnen etwas wollen.

mfg

kayob
(feminist, damit seine töchter und enkelinnen von netten menschen[!ungeachtet des geschlechts] umgeben, leben können)

"Und erheben ihre...

dann heben sie die Herzen wie Monstranzen - aus ihrer Brust und segnen sie damit (Gedichtzeile aus einem der vielen Gedichte von R. M. Rilke; Frühe Gedichte)...

Und schöner als das was man hier zu lesen kriegt - und liebe Red. nehmt bitte das Foto von Fr. Schröder von der Titelseite - mit brennen schon die Augen...

"...ist der doch nichts anderes als das Gegenstück zum Patriarchat": Gehe völlig d’accord; aber war das pendent nicht das Matriarchat...

Man(vielleicht ja auch Mann) - oder falsch - ich (weibl. Geschlechts) finde diese Berichterstattung immer mehr verwunderlich und unsäglich kläglich...

Ihnen liebe Grüße

Moment mal,

und sie glauben allen Ernstes, das "Ihre Toechter und sonstige ---innen" nur dann von "netten Menschen umgeben sein werden" wenn die Politik oder der Feminismus dafuer sorgen? Gestatten, von welchem Planeten sind Sie denn? Ihren Wunsch teile ich ohne Einschraenkung, aber ich glaube dass die Erfuellung primaer davon abhaengt wie sorgfaeltig diese "netten Menschen" sich ihre Eltern und ihre Vorbilder " ausgesucht " haben. Leider ist dese Auswahl beschraenkt und kein X-ismus, ganz egal welcher Geschmacksrichtung, kann dies kompensieren.

Der "erwachsenenpädagogikfreie" Osten?

Zu behaupten, dass "die Frauen" im Osten ohne jegliche politische Flankierung von ganz alleine emanzipiert (gewesen) seien, ist einfach nur absurd. Im Osten war die Berufstätigkeit von Frauen explizit erwünscht und notwendig und wurde sowohl strukturell (Krippenversorgung) als auch ideologisch (kein Hausfrauenideal) umgesetzt. Egal, wie man das finden mag: zu behaupten, dass die ehemalige DDR damals wie heute in geschlechterpolitischer Hinsicht politikfrei (gewesen) sei und die Emanzipation den (ehemaligen) DDR-BürgerInnen irgendwie wesenseigen sei, kann nur auf gravierender Unkenntnis basieren.

Der Frau Schröder wird ja nicht vorgeworfen,

dass sie keine feministische Sichtweise teilt. Wie sollte sie auch?

Denn sie macht zunehmend deutlich, dass sie nicht einmal verstanden hat, worum es Feministinnen ging und geht. Das aber ist unverzichtbar für die Leitung ihres Ministeriums.
Wenn sie das dann noch gut machen wollte, dann könnte sie sich zu einer höchst verhaltenen Spielart von Feminismus durchringen, wie es ihre Vorgängerin getan hat.

Herr/Frau Oback_Barama

erklären Sie jetzt nur noch anderen Lesern warum sich die Redaktion "nicht nach dem Meinungspektrum des politischen Biotops der Redaktionsstuben, sondern der Bevölkerung richten" sollte? Das verstehe ich nicht! Dies ist eine (vielleicht vermeintlich) unabhängige Zeitung. Umgekehrt wird vielleicht ein Schuh draus, dass Sie dieses Blatt dann eher nicht mehr lesen sollten, oder?

Und wer sagt eigentlich welche nun DIE Meinung der Bevölkerung ist? Sie etwa?
(Und warum müssen Sie eigentlich in so vielen Ihrer Kommentare immer so bösartig schimpfen und schreiben?)
Fröhliches Ärgern, wünsche ich...

Notiz

Denn sie macht zunehmend deutlich, dass sie nicht einmal verstanden hat, worum es Feministinnen ging und geht. Das aber ist unverzichtbar für die Leitung ihres Ministeriums.

Wechseln wir mal das Ministerium (bleiben aber bei den Frauen). Dann könnte man womöglich feststellen:

"Fr. Schavan macht zunehmend deutlich, dass sie nicht einmal verstanden hat, worum es den Feng Shui Anhängern, den Wünschelrutengängern und "Pendlern" (nein, nicht die Autofahrer sind gemeint) ging und geht. Das aber ist unverzichtbar für die Leitung ihres Ministeriums."

(Natürlich sind beide Statements Mumpitz. :-))

Herzlichst Crest

Wozu das?

"Denn sie macht zunehmend deutlich, dass sie nicht einmal verstanden hat, worum es Feministinnen ging und geht. Das aber ist unverzichtbar für die Leitung ihres Ministeriums"

Darf ich fragen wozu es das ist? Ist esnotwendig die gesammelten Schriften von Alice Schwarzer zu kennen um Für Renter und für Familien richtige Entscheidungen zu treffen?

Das ist ja so als müßte man als Gesundheitsminister in homöpathischer Medizin ausgebildet sein um sich zu Qualifizieren. Außerdem:
Vermutlich ist sie doch ohnehin nur die Quotenfrau, da muß man mit mangelnder Kompetenz halt leben.

Äh, worum geht es Feministinnen?

Mir scheint, Frau Schröder hat recht gut verstanden, um was es ihnen geht. Sie hält es nur nicht für richtig.

Das wiederum ist eine sehr gute Voraussetzung für eine Frauenministerin. Schröder ist der Ansicht, der Feminismus diene in Wahrheit NICHT den Interessen "der" Frauen, sondern nur einer Minderheit von ihnen. Speziell die Interessen von Müttern versucht der Feminismus einfach wegzuargumentieren - mit der Behauptung, diese Interessen würden den Frauen nur von bösen Männern eingeredet, und die Interessen ihrer Kinder und Familien seien in Wahrheit nicht ihre eigenen.

Alice Schwarzer

ist im erzkonservativen Deutschland die einzig anerkannte Feministin seit Jahrzehnten. Darum wird einfach jede Feministin als Spiegelbild von ihr gesehen - oder noch schlimmer als Frauenhasserin wie manche Teile der Frauenbewegung wohl früher mal waren. Sie würde jedem Mann das beste Stück abschneiden, weil sie neidisch darauf sei und hässlich sowieso.

Schwarzer hat sich ja dann an den Boulevard gut verkauft, vielleicht gerade, weil sie dem alten Feindbild und roten Tuch sehr entpricht. Keine Gefahr! Solche sind von gestern... usw. schreibt nicht nur die BILD.

In Frankreich und anderen Ländern gibt es viele charmante und männerliebende ;) Feministinnen, die gesellschaftlich anerkannt sind, z. B. Ségolène Royal.

Kristina Schröder und der Feminismus

Warum schlägt die ganze Welt auf unsere Familienministerin ein? Ganz einfach, weil sie ein gesund und klar denkender Mensch ist [...] Das können sich Feministinnen und Feministen nicht bieten lassen. Wir brauchen keine Frauen, die sich gegen den Feminismus wehren, weil sie bereits emanzipiert ist, und wir brauchen weiterhin Redakteure, die dem Trend folgen und vermeintliche Frauenrechte verteidigen [...]. Ich wünsche Kristina Schröder viel Kraft und weiterhin den Mut, ihre Politik so weiblich und liebenswert zu vertreten und darauf zu hoffen, dass der gesunde Menschenverstand irgendwann auch auf die "gegenderten Bürger" trifft. [...] Weiter so!

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

nicht übertreiben

glücklicherweise dürfte sich nur der deutsche Teil der Welt von Frau Schröder zumindest manchmal angesprochen fühlen. Die ganze Welt ist etwas zuviel der Ehre. Viele kritisieren Frau Schröder weil sie versucht den Frauen einzureden, dass das es doch gar nicht so schlimm ist weniger zu verdienen, Teilzeit zu arbeiten usw.

Als Politikerin wäre es Aufgabe von Frau Schröder die Möglichkeiten hinsichtlich Kinderbetreuung, Arbeitszeiten, Verdienstmöglichkeiten zu schaffen damit Frauen alleine entscheiden können für welchen Weg sie sich entscheiden.

So erweckt es den Eindruck, dass Frau Schröder nicht imstande ist Ihre Arbeit zu machen und deshalb den Frauen einredet es ist doch alles gar nicht so schlimm.......

Traurig aber wahr

"Während Frauen die Ehe als alternative oder ergänzende Karriere nutzen könnten, seien Männer quasi festgelegt auf den Beruf und zum Erfolg verdammt. Dabei wollten auch sie heute Familie und Beruf leben, aber die Arbeitswelt erwarte noch immer uneingeschränkte Verfügbarkeit von ihnen. Darum könnten sie sich an der Hausarbeit auch nicht vollumfänglich beteiligen. Ach so."

Ich kenne keine Frau, die nicht von mir erwarten würde, dass ich den Hauptteil des Geldes ranschaffe, während sie sich die Kinder kümmert :/

Wir kennen uns nicht, aber ich bin eine solche

Frau und habe aufgrund meine Erziehung und Auslandszeiten als Jugendliche bis heute nie den Gedanken gehabt, dass das Taschengeld, das ich als Kind von meinem Vater erhielt einschließlich Versorgung und Krankenkasse von einem Mann aufgebracht werden sollte.

Aus dem Alter war ich irgendwann raus und ich bin weder chronisch erkrankt noch sonstwie daran gehindert, für mich zu sorgen.

Einzelfaelle

Wenn ich mich in meinem Kreis umsehe, so ist das zu 90% der Fall. Natürlich gibt es ein Paar „Powerfrauen“. Spätestens beim 2. Kind wird in die klassische Rolle gewechselt. Im "besten" Fall arbeiten beide Vollzeit während die Kinder mit 4-6 Monaten Vollzeit betreut werden. Andere wiederum verschieben das Kinderkriegen, bleiben Kinderlos oder Single, was offensichtlich in die Emanzipationsfatamorgana der ZEIT passt.
Tatsache ist, dass der Arbeitsmarkt IMMER jene benachteiligt (Karriere, Finanziell, Rentenansprüche), die sich für eine längere (>6 Monate) Selbstbetreuung ihrer Kinder entscheiden. Kein Gesetz kann dies verhindern, denn unser ganzes Gesellschaftsmodell ist für Kinderlose maßgeschneidert. Da kann man schon auch als Frau Kanzler werden, ja.
Ist das Emanzipationsweltbild der ZEIT also eine Welt in der wir die Kinderbetreuung nach DDR Stil dem Staat überlassen? Ähnlich wie in Frankreich, wo Säuglinge mit 3 Monaten sich selbst überlassen den ganzen Tag lang in den Ecken der Kinderkrippen durchschreien (das weiß ich aus eigener Erfahrung: 12 Saeuglinge pro Krippe)?
Gut situierte emanzipierte Franzosenfreunde, entscheiden sich bewusst für die Selbstbetreuung ihrer Kinder. Das geht jedoch nur mit der notwendigen finanziellen „$$$ Marge $$$“ um die Einbüßen zu kompensieren. Die meisten Franzosen und Französinnen haben jedoch gar keine Wahl, denn ohne doppeltem Einkommen ist in FR ein Überleben einfach nicht möglich.

Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass Frankreich oft als „Role Model“ genommen wird, da ja hier fast alle Frauen berufstätig sind. Das hat nichts mit Emanzipation zu tun, sondern mit Kapitalistischer Notwendigkeit. Wenn man in Deutschland das gleiche Modell einführt (100% Fremdbetreuungskapazitäten), so wird der Markt auf die zusätzlich verfügbaren Ressourcen (Arbeitskraft und Kapital) entsprechend reagieren:
1)Mieten und Wohnungspreise hoch
2)Durchschnittsgehälter für Mann und Frau runter
Am Ende findet der Markt ein neues kapitalistisches Gleichgewicht, bei dem das Doppeltverdiener Modell eine Überlebensnotwendigkeit wird.
Ob das also das Ziel ist? Bei welchem Preis kommt das? Kinder unter 2 Jahren, haben vor allem ein Bedürfnis: Geborgenheit, Liebe und Stabilität. Fremdbetreuung in Krippen kann das niemals bieten. Selbst die Konditionen für 1-2 Jährige sind desaströs (aus eigener Erfahrung). Vielleicht ist hier eine der Ursachen verborgen, weshalb FR die höchsten Suizidraten und Depressionen aufweist.

Gut, dass es Sie gibt. Sagen Sie es laut.

Gab es hier nicht mal einen Artikel darüber, dass Karrierefrauen Partner gleichen sozialen Status respektive Geldbeutel bevorzugen?

Es ist noch nicht mal wichtig ob das stimmt. Wichtig ist was Menschen glauben. Und wenn ein Mann glaubt nur mit Karriere auf kurz oder lang eine erfolgreiche Partnerschaft/Familie haben zu können, dann haben auch Frauen ein Problem.

Was würde es diesen Männern schaden, ...

wenn sie sich an der Realität ein wenig reiben?

Oder denkt irgendjemand, dass Frauen, die mit kleinem Kind arbeiten wollen, ihren Beruf lieben und in Deutschland leben, damit als Schnäppchen gelten?

Vorbehalte gibt es vermutlich immer, wenn man von der propagierten Norm abweicht.

Da die meisten Männer aber genau wie die Meisten Frauen keine "Karriere" machen und lediglich einer Arbeit nachgehen, dürfte das Problem eins sein, dass wenige Menschen tatsächlich betrifft.

Und was würde es Männern schaden, sich mit IHRER Rolle mal auseinander zu setzen und einfach zu handeln?

Kinderfeindlichkeit ist gewollt

@198:"Tatsache ist, dass der Arbeitsmarkt IMMER jene benachteiligt (Karriere, Finanziell, Rentenansprüche), die sich für eine längere (>6 Monate) Selbstbetreuung ihrer Kinder entscheiden. Kein Gesetz kann dies verhindern, denn unser ganzes Gesellschaftsmodell ist für Kinderlose maßgeschneidert."

Doch, kann man: man braucht nur den Rentenbeitrag für Kinderlose drastisch raufsetzen (30%), dann sollen Sie mal die Arbeitgeber sehen, wie die plötzlich Kinder und Beruf miteinander vereinbaren können - wetten?

Aber das will ja keiner - das ist also ein gesellschaftliches Problem!

Es soll gar nichts aufgewogen werden...

Bewegen sollen sich die Herren und dann klappt es auch mit den Veränderungen.

Ich selbst habe gearbeitet, wurde schwanger und fand Zigarettenrauch in Meetings überaus übel, weil mir selbiges davon wurde. Nun hätte ich jammern können, mich krank schreiben lassen oder still leiden. Ich habe es aber angesprochen und seitdem wurde nicht mehr geraucht. Veränderungen sind möglich auch wenn seit gefühlten Ewigkeiten Dinge oder Handlungen in tradierter Weise gehandhabt wurden.

Es ändert sich nur etwas, wenn man fordert und wenn Männer nahezu ausschließlich in strittigen Scheidungsverfahren ihre Elternschaft entdecken, davor aber einen Klassiker leben, wie wir ihn einer von mir gern gesehenen Serie 'Mad Men' betrachten können, stimmt etwas nicht.

Spätestens, wenn der Grad an Gejammer ein Maß wie bei den hier schreibenden Maskulininisten und Anti-Feministen erreicht ist und man sich scheinbar nur noch über ein Abwerten alles Weiblichen Luft zu machen in der Lage ist, sollte man vielleicht drauf kommen, dass man etwas ändern muss.

Vielleicht muss es nicht die Frau als Partnerin sein, die schon beim ersten Date Taschen getragen haben möchte und vielleicht lohnt es sich auch mal, das eigene Verhalten im Umgang mit Arbeit, Frauen, eigenem Körper.... zu überdenken

Und vor allem wären endlich massive Änderungen angesagt, die im Alltag sichtbar werden und zeigen, dass Männer mehr sind als mit Pattex auf angestammte Positionen abonierte Wesen.

Nun ja, das ist glaube ich etwas einfach gedacht.

"Es ändert sich nur etwas, wenn man fordert"

Bis dahin kann ich folgen. aber das ist schlechtsunabhängig

"und wenn Männer nahezu ausschließlich in strittigen Scheidungsverfahren ihre Elternschaft entdecken,"

Das hingegen halte ich entweder für ein Clichee oder etwas kurz gedacht, wenn man sich die Situation der Männer ansieht, die in übereinstimmung mit ihrer Partnerin in den Ersten Jahren die Rolle der Familienernäher inne haben, auch und vor allem weil sich die Frauen zu mindestens 50% in den ersten Jahren auf den Nachwuchs konzentrieren wollen.

Und wenn die Trennung dann in dieser Zeit passiert, klar kann man ihnen dann vorwerfen "erst nach der Trennung entdeckens sie ihre Elternschaft." Fakt ist: Vorher haben sie sie vielleicht nur anders definiert. In Übereinstimmung mit der Frau. Als Familien-Ernäherer.

Was soll daran einfach sein?

Es ist nie einfach, für die eigenen Rechte und Bedürfnisse einzustehen oder habe ich gesagt, dass es bequem ist, als junge Mutter in Deutschland voll zu arbeiten?

Nein, das ist es nicht. Wenn ich das aber möchte, dann muss ich dafür einiges in Bewegung setzen und Forderungen stellen.

Diese Forderungen bei gleichzeitiger Tätigkeit durch mich, stelle ich und erhalte dafür Rückmeldungen verschiedenster Art im Alltag. Das mag mir nicht immer gefallen, was ich vor allem verbal zurück bekomme, aber es verändert, wie ich in den Jahren, die ich das nun lebe, einiges.

Und genau das gleiche erlebe ich bei Männern. Ich kenne einen, der alleinerziehend war und der zu Meetingterminen dazu schrieb "Ende 16:00, da die Kita etwas später schließt". Im Anfang hielt das der Club der tumben und gut gepamperten Anzugträger für einen Joke. Mit der Zeit bemerkten sie aber, dass es sehr ernst war und die Sitzungen liefen so ab, dass die Kita erreicht werden konnte.

Die meisten von diesen Männern leben sehr gut mit ihren nicht erwerbstätigen Frauen, die den Haushalt versorgen und die Kinder von A nach B fahren. Bis dann die Ehe scheitert, was nicht allzu selten der Fall ist und dann andere Ideen aufkeimen, für die über Jahre trotz Vorbildern kein Raum zu sein schien.

Leider sind dann aber die Züge, die man besteigen mag schon lange abgefahren und die Jungs schauen dumm und faseln etwas von Ungerechtigkeiten im Unterhaltsrecht, Sorgerechtsärger....

Ändern kann man nicht, wenn die Sache vor die Wand gelaufen ist

Fernsehwelt

"wenn Männer nahezu ausschließlich in strittigen Scheidungsverfahren ihre Elternschaft entdecken, davor aber einen Klassiker leben, wie wir ihn einer von mir gern gesehenen Serie 'Mad Men' betrachten können, stimmt etwas nicht."

Wenn sie ihr Bild der Realität aus von Ihnen gern gesehenen (warum wohl) Fernsehsendungen beziehen, dann sind eben auch ihre folgenden Argumente entsprechend.

@ Red.: Darf hier eigentlich jeder, dessen Meinung Ihnen passt, diskreditierende Unterstellungen von sich geben, oder gilt "Bitte unterlassen Sie pauschalisierende Unterstellungen, die geeignet sein könnten, andere zu verletzen" nur für die böse Seite?

Mein Bild der Welt hole ich mir aus der Welt...

in der wir leben. 'Mad Men' ist Freizeit und kein Vorbild für den Umgang der Menschen miteinander, würde ich sagen.

Wer so dumm ist, aus Fernsehsendungen sein Weltbild zu generieren, trinkt zu viel und hofft keinen Kater zu bekommen, vermutet auch ohne berufliches Engagement viel Geld zu erhalten und wundert sich, dass dem nicht so ist und lebt in Wohnungen ohne Toilette, da die in den meisten Sendungen nicht existent ist...

Aber wer das so braucht...

Insofern einfach gedacht

Das sie den Männern unterstellen, dass sie ihre Elternschaft erst nach der Trennung entdecken.

Sie Haben sie vorher auch, sie definieren sie nach der Trennung vielleicht anders. Ein Mann der seine Aufgabe als Familienernäherer sieht ist nur weil er in Abstimmung mit seiner Partnerin seine Hauptaufgabe in der Familienfinanzierung sieht ist sich nicht weniger seiner Elternschaft bewusst. Klar muss er sich nicht darum sorgen, dass die Meetings um vier erledigt sind. Dafür hat er dann andere Aufgaben. Und das er dann in der Trennung diese Prioritäten plötzlich anders setzt. ist auch nichts was man ihm Vorwerfen kann. ich weiß selber das man das alles auch als alleinerziehender geregelt bekommt, aber gerade am Anfang kann man es sich schwer vorstellen, wenn der gemeinsame Lebensplan über den Haufen geworfen wird, weil die Frau sich von einem Gitarrenlehrer mehr verstanden fühlt. Und hier haben nicht nur die 50 % Frauen, die klassiche Rollenverteilung bevorzugen, den Männern erst mal einen großen Vorteil voraus. Ich konnte mir das im Ersten Jahr nach der Trennung auch nicht vorstellen, Als Freiberufler, für einen 5 Jährigen Vollkommen da zu sein, als ich das dann durchgesetzt habe war es ein Klacks, vor allem wenn man das Maternal Gatekeeping vieler Mütter ignorieren lernt.
Aber das Männer die Verantwortung nicht wollen halte ich für ein Gerücht, in meinem Bekanntenkreis ist das Doppelresidenzmodell bei den Paaren die sich erwachsen trennen fast normal.