Wienberg will den Partygästen nicht die Stimmung mit dem erhobenen "Öko-Zeigefinger" vermiesen. "Eine nachhaltige Party muss nicht unbedingt nach Räucherstäbchen aussehen", sagt der Gründer. Am Ende bekommt der Kunde mit der Rechnung auch seine CO2-Bilanz schwarz auf weiß. Wer will, kann dann entsprechende Emissionszertifikate kaufen. "Das soll nicht ein Ablasshandel für ein besseres Gewissen sein, sondern ein Ansporn, beim nächsten Mal noch sparsamer mit den Ressourcen umzugehen", sagt Wienberg. Einen Teil des Gewinns setzt der Unternehmer dazu ein, andere nachhaltige Projekte zu fördern.

Neugründungen mit sozialer Ausrichtung haben es nicht immer leicht auf dem Markt. Zwar gibt es zahlreiche Stiftungen, die innovative Projekte in der Startphase fördern, nach den ersten Jahren werden die Weltverbesserer mit ihren Zielen aber häufig allein gelassen. Für Stiftungen sind sie als bereits angelaufene Projekte nicht mehr förderungswürdig und in den Augen der Banken noch nicht stabil genug für einen langfristigen Kredit. Von einem "Tal des Todes" spricht Rainer Höll von der internationalen Organisation Ashoka , die soziales Unternehmertum fördert. "Wir brauchen dringend eine Anschlussfinanzierung, damit aus den klugen Ideen nicht Projektruinen werden."

Tobias Lorenz wollte sich mit seiner Idee nicht auf irgendwelche Fördertöpfe verlassen, deshalb streckte er die 10.000 Euro Startkapital für sein Unternehmen aus eigener Tasche vor. Eigentlich wollte er sich zunächst nur theoretisch mit Social Entrepreneurship auseinandersetzen. Doch während der Arbeit an seiner Dissertation kam ihm die Idee, der Theorie Leben einzuhauchen.

Geld verdienen und Gutes tun

2010 gründete der Linguist die Online-Sprachschule Global Video Conference, kurz: Glovico . Die Idee ist einfach: Muttersprachler aus Entwicklungsländern geben Sprachschülern aus Europa über die Kommunikationssoftware Skype Unterricht und erhalten dafür einen fairen Lohn. Den Preis bestimmen die Lehrer aus Eritrea oder Guatemala selbst. Mit Hilfe der Chat-Funktion schreiben sie Diktate, üben die Aussprache mit dem Headset oder korrigieren Hausaufgaben mit einer virtuellen Tafel. Ihr Gegenüber am Rechner in Europa kann den Lehrer beurteilen und so Empfehlungen für andere Nutzer abgeben. Hat sich Daouda Zongo aus Ouagadougou pünktlich zu Unterrichtsbeginn eingeloggt oder hat die Methode von Julio Gomez aus Venezuela funktioniert?

Inzwischen geben bei Glovico über 30 Lehrer aus verschieden Ländern Unterricht in 25 Sprachen, seit Kurzem sogar in Hindi oder Filipino. Knapp 2.000 Nutzer haben sich schon registriert, in diesem Jahr will das Unternehmen 50 Sprachen anbieten. "Wir wollen international führend im Online-Unterricht werden", sagt der Gründer selbstbewusst. Lorenz begreift sich als Mischung aus Wohltäter und Unternehmer. "Natürlich will ich mir ein Gehalt zahlen und später vielleicht mal ein Haus bauen. Das würde ein Mitarbeiter einer NGO auch bekommen. Aber entscheidend ist für mich die Frage, wie ich dieses Geld verdiene, und dass die soziale Mission im Vordergrund steht."