Entwicklungshelfer : Sinn statt Geld und Karriere

Bezahlt wird in Erfahrung: Der Job als Entwicklungshelfer im Ausland fordert viel Idealismus. Drei Deutsche erzählen aus ihrem Alltag in Südafrika.
Entwicklungshelferin Aniela Batschari in Südafrika

Wie sein Hang zu Afrika einst entstanden ist, traue er sich gar nicht so recht zu sagen, erzählt Sven Hager. Ganz am Anfang stand eine alte ZDF-Sendung über den Zulu-König Shaka Zulu, gibt er lachend zu. Die Zulu-Krieger in ihren Leoparden-Fellen hätten ihn begeistert. Heute lebt und arbeitet der Deutsche in Südafrika als Entwicklungshelfer. Er führt im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ( GIZ ) ein Qualitätsmanagement-System an Berufsschulen ein.

"Als Entwicklungshelfer musst Du Experte in Deinem Feld sein, Dich auf Neues einstellen können und bereit sein, für wenig Geld zu arbeiten." Denn das Entwicklungshelfergesetz schreibt ein Engagement "ohne Erwerbsabsicht" vor. Statt Lohn gibt es Unterhalt. "Damit kommt man über die Runden, aber sparen kann ich nichts", sagt Hager.

Der Sozialarbeiter ist ein überlegter, ruhiger Mann, der sich für außergewöhnliche Herausforderungen begeistern kann. Schon während des Studiums geht er 1999 als Praktikant einer NGO das erste Mal nach Johannesburg . Damals trainiert er Empfänger im Umgang mit Mikrokrediten. Hager verliebt sich in das Land. Er will zurückzukommen, um in der Entwicklungshilfe zu arbeiten. Doch zunächst entwickelt er im nord-thüringischen Nordhausen Mitarbeiter-Fortbildungsprogramme für das Jugendsozialwerk. Zwischendurch ist er immer mal wieder an Bildungsprojekten für Sozialarbeiter in Uganda , Kenia und Sierra Leone beteiligt. Erst Jahre später bewirbt sich der 37-Jährige bei der GIZ für das Projekt in Port Elizabeth.

Manche bleiben länger

"Und dann war ich plötzlich hier", erzählt er. Hager ist zuständig für zwei Colleges, die 2003 aus den ehemals nach den Gesetzen der Apartheid getrennten Einrichtungen für Schwarze, Coloured und Weiße zusammengelegt wurden. Die Schulleitungen wurden eher aus politischen Gründen als nach inhaltlicher Kompetenz eingestellt. Richtlinien existieren derzeit nicht. Hager soll den Schulleitungen dabei helfen, einen legalen Rahmen zu finden. Er definiert mit den Mitarbeitern Prozesse, entwickelt Qualitätsstandards und bildet außerdem einen Qualitätsmanager aus. Es geht um Personalführung und den effizienten und planmäßigen Betrieb der Schulen. Zwei Jahre hat er dazu Zeit. Solange schreibt die GIZ ihre Stellen für Entwicklungshelfer aus.

Entwicklungshelfer Sven Hager in Südafrika

Eine kurze Zeit sei das, findet der Entwicklungshelfer. Denn produktives Arbeiten fange in Südafrika eigentlich erst nach zwei Jahren an. Außerdem dauere der Aufbau einer guten Partnerschaft lange, sagt Hager. Doch es lohnt sich – für beide Seiten. Der Deutsche schätzt den Bildungseffekt, das ständige Hinterfragen eigener Gesetze. "Man lernt sehr viel, wenn man in eine neue Umgebung kommt", erzählt er. "In Deutschland ist ja alles gut durchorganisiert. Hier in den Colleges dagegen gibt es keine allgemeingültige Struktur – und trotzdem funktioniert es." Erfahrungen wie diese faszinieren den Familienvater. Er überlegt, für zwei weitere Jahre zu bleiben.

Aniela Batschari ist länger geblieben als ursprünglich geplant. Mittlerweile arbeitet die gebürtige Frankfurterin schon zehn Jahre lang für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED), der 2011 bei der Zusammenlegung der staatlichen Entwicklungszusammenarbeitsorganisationen in der GIZ aufging, in Südafrika. Aus Karriere-Sicht sind zehn Jahre eigentlich viel zu lange. "Immer wieder höre ich: Du musst raus, um deine Berufschancen beizubehalten. Über Entwicklungshelfer gibt es viele Klischees. Man gilt irgendwann als verbuscht." Doch die 45-Jährige hat kein Interesse an einem beruflichen Aufstieg. Ihr kommt es auf den Sinn ihrer Arbeit an. Den findet sie in der Entwicklungshilfe.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ich habe einige Entwicklungshelfer

auf Geschaeftsreisen nach Kenia, Nigerien und Suedafrika kennengelernt. Sie taten mir leid. Nette Leute, grosse Idealisten. Wollten wirklich helfen. Die meisten gingen aber enttaeuscht wieder zurueck. Es gab kaum positive Ergebnisse. In vielen Faellen noch nicht mal ein Danke-Schoen.

Idealisten nicht gebraucht

als Idealist geht man meistens von den eigenen Idealen aus. Die Ideale anderer passen da nicht immer 100%. Wenn man dann enttäuscht wird kann sich der gute Wille gut und gerne in Hass umwandeln. In der heutigen Entwicklungszusammenarbeit sind daher Idealisten nicht mehr gefragt. Besonders in Situationen, wo man durch Diplomatie häufig mehr erreicht als mit sturem Idealismus.

Das hängt u.a. an mangelhafter Ausbildung in Deutschland

Mit Idealismus kommt man in der EZ nicht mal von a nach b.

Beispielhaft für adäquate Ausbildung sind die Studiengänge bei Nadel in Zürich http://www.nadel.ethz.ch/...

Davon kann das bißchen landeskundliche Vorbereitung in Eschborn nicht mal träumen, von der früheren Praxis beim ded, Leute sogar ohne Sprachkenntnis 2 Jahre in die Mitte eines Irgendwo zu entsenden, zu schweigen.

Der Artikel verschweigt die Notwendigkeit der angewandten Berichts-Poesie an den Träger. Dieser Umstand ist den oft lausig schlechten (und gut bezahlten) Evaluierungen geschuldet (mein Liebling war eine 1:1 aus einem alten lonely planet abgeschriebene 'Evaluierung'), gefolgt von den darauf aufbauenden, mitunter surreal anmutenden Projektplanungen.

Was den EZler in die unschöne Situation versetzt, sich zwischen zeitlich und inhaltlich vorgegebenen Projektzielen und der Realität vor Ort zerreissen zu müssen. Die Berichte müssen so geschrieben werden, daß das meist bitter notwendige Projekt im Rahmen der Vorgaben aus einem kühlen deutschen Büro weiter laufen kann, die Evaluierung aber nachträglich noch mit etwas Realität angereichert wird - ein zeit- und nervenintensiver Balanceakt.

Mir sagte einmal ein alter erfahrener britischer EZler 'Entwicklungsarbeit ist dazu da, daß der Geber sich gut fühlt, nicht der Empfänger.' Mit ein Grund, warum ich in dieser Branche nicht mehr arbeiten möchte, mir war's zu hart, zu zynisch, zu sehr am eigentlichen Thema vorbei.

Entwicklungshelfer

helfen in der Regel niemand, sondern andere helfen Ihnen bei ihrer Entwicklung.

Ihre Entwicklung vom Idealisten zum Realisten könnte man sinnvoller im Inland betreiben. In den sogenannten Entwicklungsgebieten gehen Sie den Menschen, die eh schon genug Probleme haben, nur auf die Nerven.

Die Erfahrungen von @marypastor kann ich bestätigen.