Schätzungsweise 800.000 Menschen leiden in Deutschland unter der wohl bekanntesten Form der Sprachstörung, dem Stottern . Wenn die Wörter stocken, sich wiederholen und der Redefluss sich verzögert, können Logopäden helfen. "Durch spezielle Techniken können wir Störungen beseitigen oder zumindest verringern", sagt Christiane Hoffschildt, Logopädin und Präsidentin des Bundesverbands für Logopädie e.V .

Die Sprachexperten kümmern sich um alle Patienten, die Schwierigkeiten mit der Sprache, der Stimme, aber auch Probleme mit dem Schlucken haben. Vor allem bei Kindern zeigen sich Störungen früh. Babys mit Schluckproblemen, Kleinkinder mit Sprachentwicklungsstörungen – je früher behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, die Störung in den Griff zu bekommen. Aber auch Erwachsene nehmen die Hilfe von Logopäden in Anspruch. Patienten mit bestimmten Krebserkrankungen und Patienten, die einen Schlaganfall hatten, gehören vor allem dazu. Letztere haben sehr häufig Probleme beim Sprechen. Manche können infolge der Erkrankung keine Sätze mehr bilden, andere haben Schluckstörungen oder können wegen muskulären Problemen nicht mehr sprechen. 

Logopäden arbeiten ausschließlich mit Atemübungen, motorischen Techniken und Bewegungstherapien für die Gesichtsregion. Manches davon ist ganz banal, verschafft den Patienten aber rasch und effizient Linderung. So lernen Patienten mit Schluckstörungen, die Luft anzuhalten, um auf diese Weise wieder herunterschlucken zu können. Bei bestimmten Störungen kann es auch helfen, hohe oder tiefe Töne nachzusingen. Logopädie beschränkt sich aber nicht nur auf Sprache. Auch Stimmstörungen – beispielsweise permanente Heiserkeit, Knoten auf den Stimmbändern oder sogar bei einer Stimmbandlähmung nach einer Schilddrüsenoperation – können mit einfachen Methoden behandelt werden.

Der Beruf erfordert viel Geduld und Empathie. Logopäden brauchen nicht nur ein umfangreiches medizinisches Wissen, sie müssen auch psychologische und pädagogische Kenntnisse mitbringen. Insbesondere der Umgang mit Menschen, die sich nicht oder nur in geringem Umfang ausdrücken können, ist eine Herausforderung. "Manche Patienten – etwa nach einem Schlaganfall – können sich kaum mitteilen", sagt Hoffschildt. Nicht selten arbeiten Logopäden deshalb mit Gesten. Auch verwenden sie für die Kommunikation Bilder, auf die die Patienten zeigen können.

Psychologie, Pädagogik und Medizin gefragt

Die Ausbildung zum Logopäden oder zur Logopädin kann zum einen durch eine dreijährige Fachschulausbildung erfolgen. Der Praxisanteil ist hier mit mehr als 2.000 Stunden sehr hoch. Der Abschluss an einer Fachschule berechtigt zum Tragen des Titels Staatlicher anerkannter Logopäde. Mittlerweile gibt es aber auch Bachelor- und Masterstudiengänge für Logopädie. Während der Ausbildung werden alle erforderlichen medizinischen Grundlagen vermittelt. Die Auszubildenden lernen Linguistik, die menschliche Neurologie und Muskulatur sowie die unterschiedlichen Störungsbilder und deren Therapiemöglichkeiten kennen. Nur so sind sie später in der Lage, anhand der Symptome zu erkennen, welche Störung vorliegt und welche Therapie geeignet ist. Das ist insbesondere bei Babys und Kleinkindern oft nicht ganz einfach. 

Die Jobchancen variieren regional stark. In Ballungsgebieten sind kaum freie Stellen zu bekommen, auf dem Land hingegen stehen die Chancen auf eine Anstellung sehr gut. Einige Logopäden machen sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, die Mehrzahl arbeitet im Angestelltenverhältnis in einer Klinik oder Praxis.

Die Bezahlung ist trotz der anspruchsvollen Ausbildung nicht üppig. Berufsanfänger verdienen etwa 2.000 Euro brutto, das Gehalt steigt später mit der Erfahrung leicht. Reich werden Logopäden allerdings nicht. Sie sind weisungsgebunden und dürfen nur behandeln, wenn eine Verordnung vom Arzt vorliegt. "Die Krankenkasse legt fest, wie viel Therapie es pro Behandlung gibt. Wir können deshalb keine eigenen Preise erheben", erklärt Hoffschildt. Obwohl andere Jobs mit entsprechender Verantwortung vielleicht besser bezahlt sind – Hoffschild würde keinen anderen Beruf ausüben wollen. "Unsere Arbeit ist vielfältig, weil sie Medizin, Psychologie und Pädagogik verbindet. Und wenn man Patienten helfen kann, ist das eine wunderschöne Erfahrung."

  • Gehalt: Nach TvöD: Einkommensstufen 5 bis 8, entspricht ab ca. 2.000 Euro/brutto
  • Arbeitszeit: ca. 38 Stunden/Woche
  • Ausbildung: dreijährige Fachschulausbildung, Studium