LogopädeMies bezahlte Sprechhelfer

Ob Stottern, Sprachentwicklungsstörung oder permanente Heiserkeit: Logopäden helfen bei Problemen mit der Sprache. Der Job verlangt ihnen viel ab, die Bezahlung ist mau. von 

Schätzungsweise 800.000 Menschen leiden in Deutschland unter der wohl bekanntesten Form der Sprachstörung, dem Stottern . Wenn die Wörter stocken, sich wiederholen und der Redefluss sich verzögert, können Logopäden helfen. "Durch spezielle Techniken können wir Störungen beseitigen oder zumindest verringern", sagt Christiane Hoffschildt, Logopädin und Präsidentin des Bundesverbands für Logopädie e.V .

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

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Die Sprachexperten kümmern sich um alle Patienten, die Schwierigkeiten mit der Sprache, der Stimme, aber auch Probleme mit dem Schlucken haben. Vor allem bei Kindern zeigen sich Störungen früh. Babys mit Schluckproblemen, Kleinkinder mit Sprachentwicklungsstörungen – je früher behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, die Störung in den Griff zu bekommen. Aber auch Erwachsene nehmen die Hilfe von Logopäden in Anspruch. Patienten mit bestimmten Krebserkrankungen und Patienten, die einen Schlaganfall hatten, gehören vor allem dazu. Letztere haben sehr häufig Probleme beim Sprechen. Manche können infolge der Erkrankung keine Sätze mehr bilden, andere haben Schluckstörungen oder können wegen muskulären Problemen nicht mehr sprechen. 

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Logopäden arbeiten ausschließlich mit Atemübungen, motorischen Techniken und Bewegungstherapien für die Gesichtsregion. Manches davon ist ganz banal, verschafft den Patienten aber rasch und effizient Linderung. So lernen Patienten mit Schluckstörungen, die Luft anzuhalten, um auf diese Weise wieder herunterschlucken zu können. Bei bestimmten Störungen kann es auch helfen, hohe oder tiefe Töne nachzusingen. Logopädie beschränkt sich aber nicht nur auf Sprache. Auch Stimmstörungen – beispielsweise permanente Heiserkeit, Knoten auf den Stimmbändern oder sogar bei einer Stimmbandlähmung nach einer Schilddrüsenoperation – können mit einfachen Methoden behandelt werden.

Der Beruf erfordert viel Geduld und Empathie. Logopäden brauchen nicht nur ein umfangreiches medizinisches Wissen, sie müssen auch psychologische und pädagogische Kenntnisse mitbringen. Insbesondere der Umgang mit Menschen, die sich nicht oder nur in geringem Umfang ausdrücken können, ist eine Herausforderung. "Manche Patienten – etwa nach einem Schlaganfall – können sich kaum mitteilen", sagt Hoffschildt. Nicht selten arbeiten Logopäden deshalb mit Gesten. Auch verwenden sie für die Kommunikation Bilder, auf die die Patienten zeigen können.

Psychologie, Pädagogik und Medizin gefragt

Die Ausbildung zum Logopäden oder zur Logopädin kann zum einen durch eine dreijährige Fachschulausbildung erfolgen. Der Praxisanteil ist hier mit mehr als 2.000 Stunden sehr hoch. Der Abschluss an einer Fachschule berechtigt zum Tragen des Titels Staatlicher anerkannter Logopäde. Mittlerweile gibt es aber auch Bachelor- und Masterstudiengänge für Logopädie. Während der Ausbildung werden alle erforderlichen medizinischen Grundlagen vermittelt. Die Auszubildenden lernen Linguistik, die menschliche Neurologie und Muskulatur sowie die unterschiedlichen Störungsbilder und deren Therapiemöglichkeiten kennen. Nur so sind sie später in der Lage, anhand der Symptome zu erkennen, welche Störung vorliegt und welche Therapie geeignet ist. Das ist insbesondere bei Babys und Kleinkindern oft nicht ganz einfach. 

Die Jobchancen variieren regional stark. In Ballungsgebieten sind kaum freie Stellen zu bekommen, auf dem Land hingegen stehen die Chancen auf eine Anstellung sehr gut. Einige Logopäden machen sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, die Mehrzahl arbeitet im Angestelltenverhältnis in einer Klinik oder Praxis.

Die Bezahlung ist trotz der anspruchsvollen Ausbildung nicht üppig. Berufsanfänger verdienen etwa 2.000 Euro brutto, das Gehalt steigt später mit der Erfahrung leicht. Reich werden Logopäden allerdings nicht. Sie sind weisungsgebunden und dürfen nur behandeln, wenn eine Verordnung vom Arzt vorliegt. "Die Krankenkasse legt fest, wie viel Therapie es pro Behandlung gibt. Wir können deshalb keine eigenen Preise erheben", erklärt Hoffschildt. Obwohl andere Jobs mit entsprechender Verantwortung vielleicht besser bezahlt sind – Hoffschild würde keinen anderen Beruf ausüben wollen. "Unsere Arbeit ist vielfältig, weil sie Medizin, Psychologie und Pädagogik verbindet. Und wenn man Patienten helfen kann, ist das eine wunderschöne Erfahrung."

  • Gehalt: Nach TvöD: Einkommensstufen 5 bis 8, entspricht ab ca. 2.000 Euro/brutto
  • Arbeitszeit: ca. 38 Stunden/Woche
  • Ausbildung: dreijährige Fachschulausbildung, Studium
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Leserkommentare
  1. Zunehmend stellt man fest, dass wichtige Aufgaben nicht gewürdigt werden bzw. nicht entsprechend bezahlt werden.

    Mein Bruder hat im Kindesalter sehr gelispelt, was nach mehreren Besuchen bei einer Logopädin behoben war. Immer noch sagt er "Wo wäre ich heute, wäre ich damals nicht dahin gegangen."

    Für die meisten ist Sprechen das Normalste der Welt, Stottern, Lispeln wird leider nur zu oft auf "Dummheit" zurückgeführt.

    Wie wichtig und grundlegend die Arbeit der Logopäden ist wird nicht wertgeschätzt. Außerdem meine ich, dass die meisten Menschen heutzutage gar nicht wissen, was ein Logopäde überhaupt tut.

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    Einer meiner Söhne hat im Kindesalter auch gelispelt.

    Nachdem wir den Therapieplan einer Logopädin hatten und damit die Kosten kannten, haben wir ihm zuerst mal den Betrag unserer Selbstbeteiligung in bar versprochen, wenn er sich drei Monate lang nicht mehr beim Lispeln erwischen lässt.

    Das hat gewirkt. Wir haben uns an unser Versprechen gehalten und eine Therapie war nicht mehr nötig.

  2. Wer nicht einer elitären Berufsgruppe angehört, hat es schwer in Deutschland ein vernünftiges Einkommen zu erzielen. Die Einsparungen im Bereich Personalkosten waren noch nie so groß, wie seit der Öffnung der Leiharbeit, der befristeten Beschäftigung und der Einführung von Hartz-IV. Diese Einsparungen sind aber zum größten Teil nicht dazu verwendet worden, um Innovationen in Deutschland voran zu bringen. Diese Einsparung sorgte mit für die größte Umverteilung von unten nach oben.

    In vielen Bereichen ist der Druck des Einsparens zu spüren. Da sind die diesjährigen Lohnsteigerungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und werden fast gänzlich durch steigende Energiekosten und kommunale Gebühren aufgefressen. Im medizinischen Bereich, so haben es kürzlich wieder diverse Artikel aufgezeigt, scheint es ohne Mauscheleien gar nicht mehr zu gehen. Ärzte die von Krankenhäusern Geld erhalten, damit diese Partienten ins "richtige" Krankenhaus überweisen. Kein Politik- und Verbrauchermagazin, dass nicht wöchentlich Mißstände zwischen Pharmaindustrie, Ärzte, Apothekern und Krankenkassen aufzeigt. Oder den direkten, finanziellen Eingriff von Lobbyisten auf die Politik.

    Schwer haben es auch Hebammen, die durch zu hohe Versicherungsbeiträge aus dem Beruf gestoßen werden sollen. Da sind Physiotherapeuten, die bei dem kleinsten Fehler keine Entlohnung erhalten. Auf dem ordentlichen, legalen Weg scheint ein sozialsicheres Einkommen in Deutschland nicht mehr möglich zu sein.

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  3. Einer meiner Söhne hat im Kindesalter auch gelispelt.

    Nachdem wir den Therapieplan einer Logopädin hatten und damit die Kosten kannten, haben wir ihm zuerst mal den Betrag unserer Selbstbeteiligung in bar versprochen, wenn er sich drei Monate lang nicht mehr beim Lispeln erwischen lässt.

    Das hat gewirkt. Wir haben uns an unser Versprechen gehalten und eine Therapie war nicht mehr nötig.

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    Mein Bruder war damals im Kindergarten. Außerdem hat die Krankenkasse die Kosten damals übernommen und mein Bruder hätte sich keinen Pfifferling für einen hohen Rechnungsbetrag interessiert (zu Recht in diesem Alter!).

    Da Ihr Sohne jedoch das Lispeln wohl lassen konnte, scheint nur klar, dass die Krankenkasse diese Kosten nicht übernehmen wollte. Sie sollten also nicht verbreiten, dass Logopäden überschätzt werden. Denn es gibt auch Menschen die unfreiwillig stottern, lispeln oder gar nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig sprechen können.

    Die Logopädin hat meinen Sohn selbst begutachtet und die Therapie vorgeschlagen, die Krankenversicherung war auch bereit die Kosten zu übernehmen - eben bis auf die Selbstbeteiligung aus unserem Versicherungsvertrag.

    Unsere Methode war für uns also kostenneutral, wir haben die Zeit für die Sitzungen gespart, die Krankenversicherung hat Geld gespart, die Logopädin konnte an der Sache nichts verdienen und unser Sohn hat sich gefreut.

    Ich gebe zu, es gibt schlimmere Sprachfehler.

    Ich habe übrigens wie Sie nur einen Einzelfall geschildert und damit die pauschale Aussage Ihrer Überschrift, dass Logopäden unterschätzt werden (die sich in Ihrem 1. Kommentar fortsetzt) relativiert. Ihre Belehrung ist diesbezüglich jedenfalls für meine Person verfehlt.

    Wie die Arbeit der Logopäden im allgemeinen einzuschätzen ist, lässt sich aber weder aus Ihrem noch aus meinem Einzelfall ableiten, sondern nur aus einer breit angelegten Effizienzanalyse, die die Heilungserfolge den Misserfolgen, dem Aufwand und den Kosten gegenüberstellt. Dazu steht leider auch nichts im Artikel.

    Damit implizieren Sie, dass Logopäden überflüssig sind und man seine Sprachfehler selbst in den Griff bekommen kann, wenn denn nur die Rechnung hoch genug ist.

    Wunderbar, dass das bei Ihnen so gut funktioniert hat.

    Es gibt aber andere Fälle, in denen ein Logopäde sehr gute Ergebnisse mit einer Therapie erzielen konnte. Für einen Menschen der durch einen Logopäden richtig sprechen kann ist diese Arbeit UNBEZAHLBAR und ich denke auch, dass diese sich von einer Rechnung nicht beeindrucken lassen sondern ihr letztes Hemd dafür geben würden um richtig, fehlerfrei sprechen zu können!

  4. Mein Bruder war damals im Kindergarten. Außerdem hat die Krankenkasse die Kosten damals übernommen und mein Bruder hätte sich keinen Pfifferling für einen hohen Rechnungsbetrag interessiert (zu Recht in diesem Alter!).

    Da Ihr Sohne jedoch das Lispeln wohl lassen konnte, scheint nur klar, dass die Krankenkasse diese Kosten nicht übernehmen wollte. Sie sollten also nicht verbreiten, dass Logopäden überschätzt werden. Denn es gibt auch Menschen die unfreiwillig stottern, lispeln oder gar nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig sprechen können.

    2 Leserempfehlungen
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    Ich habe leider nicht richtig geklickt. Kommentar 5, "Effizienzanalyse fehlt".

  5. Die Logopädin hat meinen Sohn selbst begutachtet und die Therapie vorgeschlagen, die Krankenversicherung war auch bereit die Kosten zu übernehmen - eben bis auf die Selbstbeteiligung aus unserem Versicherungsvertrag.

    Unsere Methode war für uns also kostenneutral, wir haben die Zeit für die Sitzungen gespart, die Krankenversicherung hat Geld gespart, die Logopädin konnte an der Sache nichts verdienen und unser Sohn hat sich gefreut.

    Ich gebe zu, es gibt schlimmere Sprachfehler.

    Ich habe übrigens wie Sie nur einen Einzelfall geschildert und damit die pauschale Aussage Ihrer Überschrift, dass Logopäden unterschätzt werden (die sich in Ihrem 1. Kommentar fortsetzt) relativiert. Ihre Belehrung ist diesbezüglich jedenfalls für meine Person verfehlt.

    Wie die Arbeit der Logopäden im allgemeinen einzuschätzen ist, lässt sich aber weder aus Ihrem noch aus meinem Einzelfall ableiten, sondern nur aus einer breit angelegten Effizienzanalyse, die die Heilungserfolge den Misserfolgen, dem Aufwand und den Kosten gegenüberstellt. Dazu steht leider auch nichts im Artikel.

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    weil er lispelte. Die Logopädin, die ihn in der Schule ausmachte, bat vorab darum, dass wir noch zum Zahnarzt sollten, damit der Knabe eine Spange bekäme, da ohne beide Maßnahmen das Lispeln nicht in den Griff zu bekommen sei.

    Der Zahnarzt sagte, dass er davon abrate, weil die Zeit die Sache gerade richte und das Lispeln ohne Maßnahmen vermutlich weg ginge.

    Das sagten wir der Logopädin, der wir damit absagen wollten. Sie eröffnete uns, dass wir dem Kind damit schlimmes antäten und nie wieder gut zu machende Schäden entstünden, wenn nicht therapeutisch eingegriffen würde.

    Wir glaubten dem Arzt und verließen uns auf die Zeit, ohne Angst zu haben.

    Ich kann nur sagen, dass innerhalb von überschaubarer Zeit alles in Ordnung kam. Eine Spange wurde nicht angebracht und das Lispeln verschwand.

    Seit ich mehr und mehr von Therapiebedarf lese und sehe, wie wenig es oft braucht, wenn man auf diese Einmischung verzichtet, glaube ich nicht mehr an all das und bin sehr froh, das wir auf das angeblich unerlässliche verzichteten.

    Für mich - mal von schweren Sprachstörungen abgesehen - eine völlig überschätzte Berufsgruppe.

  6. Beim Verweis auf die akademische Ausbildung von Sprachtherapeuten hätte ich mir gewünscht, dass zumindest die beiden Studiengänge, die es schon seit längerer Zeit gibt, zu erwähnen.

    Erstens Patholinguistik in Potsdam, meines Wissens noch auf Diplom.

    Zweitens Klinische Linguistik in Bielefeld mit einem konsekutiven Bachelor-Master-Studiengang.

    Der absolute "Witz", und auch das fehlt mir in diesem ansonsten sehr informativen Artikel, besteht jedoch darin, dass die akademischen Sprachtherapeuten auch nicht besser bezahlt werden als die fachschulischen Logopäden.

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  7. Damit implizieren Sie, dass Logopäden überflüssig sind und man seine Sprachfehler selbst in den Griff bekommen kann, wenn denn nur die Rechnung hoch genug ist.

    Wunderbar, dass das bei Ihnen so gut funktioniert hat.

    Es gibt aber andere Fälle, in denen ein Logopäde sehr gute Ergebnisse mit einer Therapie erzielen konnte. Für einen Menschen der durch einen Logopäden richtig sprechen kann ist diese Arbeit UNBEZAHLBAR und ich denke auch, dass diese sich von einer Rechnung nicht beeindrucken lassen sondern ihr letztes Hemd dafür geben würden um richtig, fehlerfrei sprechen zu können!

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    ... es gibt beides, überschätzen und unterschätzen. Lesen Sie dazu meine Antwort an AllyAllison, Kommentar Nr. 5., "Effizienzanalyse fehlt". Auch Sie verweisen leider wieder nur auf andere Fälle.

  8. ... es gibt beides, überschätzen und unterschätzen. Lesen Sie dazu meine Antwort an AllyAllison, Kommentar Nr. 5., "Effizienzanalyse fehlt". Auch Sie verweisen leider wieder nur auf andere Fälle.

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  • Serie Beruf der Woche
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ausbildung | Auszubildende | Baby | Berufsanfänger | Medizin | Neurologie
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