Virtuelle ZusammenarbeitMitarbeiter anleiten, die sich nie treffen

Immer mehr Unternehmen haben virtuelle Teams, denn das spart Personalkosten. Die Leitung solcher Teams fordert Führungskräften viel ab. Wir zeigen, worauf es ankommt. von 

Die Arbeit ist in den vergangenen Jahren nicht nur flexibler geworden, sondern auch virtueller. So können Reisekosten eingespart werden oder internationale Projekte schneller abgewickelt werden. Die Folge: Wir arbeiten immer häufiger in wechselnden Teams mit wechselnden Projekten – ohne die Kollegen jemals zu treffen.

Das stellt an Führungskräfte und Mitarbeiter hohe Anforderungen, die nicht immer erfüllt werden können. Wenn solche Teams keinen Erfolg haben, dann liegt das laut der Studie Virtuelle Teams der Forscher Arnd Albrecht und Evelyn Albrecht-Goepfert daran, dass sie wie ein Präsenzteam geführt werden, für die aber ganz andere Arbeitsbedingungen gelten.

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Virtuelle Teams werden oft ad-hoc gebildet. Der Studie zufolge werden fast drei Viertel solcher Teams innerhalb weniger Tage aufgestellt.

Die Autoren warnen daher, dass wichtige Grundlagen wie Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl, das Wissen um die Zuverlässigkeit der Kollegen sowie ein Commitment für einzelne Aufgabe oder das Gesamtprojekt so kaum zustande kommen können.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Die Führungskraft muss also dafür sorgen, dass diese Grundlagen vorhanden sind und eingehalten werden, dass sich ein gemeinsamer Arbeitsstil bildet und das Arbeitspensum gerecht aufgeteilt wird. Wichtig ist auch, dass die Mitarbeiter selbstverantwortlich arbeiten und sich selbst motivieren. Der Teamleiter führt eher als Primus inter Pares.

Dafür braucht man Management-Erfahrung, sollte ein Organisationsprofi sein und verstehen, wie Gruppen ticken. Interkulturelle Handlungskompetenz, Empathie und gutes Selbstmanagement runden das Profil einer erfolgreichen Führungskraft für virtuelle Teams ab. Fehlt noch das Selbstverständnis: Der Teamleiter ist weniger Chef und Vorgesetzter als Moderator des Arbeitsprozesses. Zu dominantes und autoritäres Auftreten können daher schädlich für den Erfolg des Projekts sein.

Entscheidend ist, das Team nach Kompetenzen zusammenzustellen. Zur Kompetenz gehört nicht nur die Sachkenntnis, sondern auch Soft-Skills. Denn bei der virtuellen Zusammenarbeit ist die Kommunikation häufig nur auf Telefon, Videokonferenz und Mails oder Chats beschränkt. Mitarbeiter mit ausgeprägten Soft-Skills gelingt diese Form der Kommunikation besser.  

Leserkommentare
  1. Berufsbild-doch gibt es das bei Finanzinstituten nicht schon seit BTX ?

  2. Ein großes Problem sind noch die Zeitzonen, die teilweise weit auseinander liegen. Australien, West - und Ostusa, China und BRD unter einen Hut zu bekommen für eine Videokonferenz ist eine echte Herausforderung.

  3. Die Überschrift müsste richtigerweise lauten:

    Mitarbeiter anleiten, die einander nie treffen.

    Sonst triffst sich nämlich ein jeder nur mit sich selbst!) Aber ich denke, jeder Mitarbeiter trifft "sich" spätestens dann, wenn er morgens aufsteht, feststellt, dass er noch sich selber ist, und dann, wenn er in den Spiegel schaut, weiß er es auch schon ... Und siehe da - er hat "sich" getroffen! So einfach geht das.

    Na, Frau Hockling, schreiben Sie sich das bitte hinter die Ohren, und wir geben uns ..., äh, Verzeihung, einander die Hand ...

    Richtiges Deutsch stirbt leider immer mehr aus; - selbst (oder gerade) Journalisten scheinen von der Anwendung einer korrekten Sprache weit entfernt zu sein. Leider!

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    Das Reflexivpronomen "sich" bezieht sich auch auf die dritte Person Plural. Die Formulierung ist korrekt. Das Verb "sich treffen" impliziert ja auch die Beteiligung mehrere.
    Oder sollte das ein Scherz sein?

  4. 4. Gruezi

    Der Artikel gefällt mir; gleichwohl er aufgrund unterschiedlichster Rahmenbedingungen und Angemessenheiten keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen kann.
    Management jedoch ganz klar (imho) by objectives and exceptions; kein Scrum.

    Frau Höckling schreibt:

    Auch wenn die Teammitglieder sich selbst motivieren und selbstverantwortlich arbeiten, muss die Teamleitung Strukturen schaffen.

    Also vor dem Projektstart die Rollen und Verantwortlichen klar definieren oder regelmäßige Video- oder Telefonkonferenzen bestimmen. Auch muss der Teamchef für eine klare Aufgabenverteilung sorgen. Sinnvoll ist hier eine schriftliche und transparente Aufstellung, damit alle den zeitlichen Rahmen und die definierten Meilensteine kennen. Nur so können sich die einzelnen Mitarbeiter selbst kontrollieren.

    Ich würde schreiben:

    Um die Voraussetzungen für eine Selbstmotivation der Teammitglieder während der Projektlaufzeit zu schaffen, muss die Teamleitung eine entsprechende Organisations- und Prozessqualität sicherstellen, und Demotivationsfaktoren soweit möglich eliminieren.

    Die schriftliche und transparente Aufstellung nennt man übrigens Ablauf- und Terminplanung (sachlogische und terminliche Reihenfolge der einzelnen Aufgaben/Arbeitspakete und Meilensteine, die wiederum explizit und strukturiert beschrieben sein sollten/können)

    mfg

  5. anstellem, austüfteln, um den Faktor Mensch aus den Arbeitsprozessen fernzuhalten, damit die Gewinnmargen noch weiter nach oben gehen. Wie in anderen Artikel hier zu lesen, müßte genügend Geld vorhanden sein. Sogar soviel, daß diejenigen die es haben, nicht mehr wissen, wie sie es maximierend anlegen können. Kann es sein, daß der Mensch sein Hirn verloren hat? Immer mehr Menschen wissen nicht wie sie den nächsten Tag bestreiten sollen und Andere wissen nicht ihr Geld loszuwerden? Spreche mir noch einer von der christlichen Humanität. Die einzige Humanität findet nur noch dem Konto gegenüber statt. So wird das nichts mit dem Fortschritt, er wird sich irgendwann sehr bitter von selbst erledigen!!!

  6. Das Reflexivpronomen "sich" bezieht sich auch auf die dritte Person Plural. Die Formulierung ist korrekt. Das Verb "sich treffen" impliziert ja auch die Beteiligung mehrere.
    Oder sollte das ein Scherz sein?

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