Meistens kommen die Leute von alleine zum Stilcoaching von Lisa Zimmermann . Eine Kundin musste zur optischen Runderneuerung aber beinahe gezwungen werden: Naturwissenschaftlerin, Anfang 40, Managerin bei einem Pharmaunternehmen. "Beruflich eine sehr erfolgreiche Frau, aber völlig desinteressiert, was ihr Aussehen betraf. Sie sollte auf einen Vorstandsposten wechseln, wo man auch Repräsentationsaufgaben hat", erzählt Zimmermann. Und so verordnete der Pharmakonzern seiner hochkompetenten, aber grauen Maus eine Stilberatung bei der Berliner Psychologin. Ein halbes Jahr dauerte es, dann hatte Zimmermann der Frau den Dress- und Benimm-Code für die obersten Wirtschaftsetagen eingebläut. "Am Ende hat sie es dann auch eingesehen, dass sie von einem besseren Aussehen durchaus profitiert."

Willkommen in der modernen Berufswelt: Wer nicht "gut" aussieht – oder zumindest so ausschaut, wie es der Dresscode verlangt –, für den ist schnell Schluss auf der Karriereleiter. Traurig, aber wahr: Zwar sind eine solide Ausbildung, Talent und Ehrgeiz immer noch Grundbedingungen für beruflichen Erfolg. Doch Schönheit wird als Erfolgsfaktor immer wichtiger. Den Zusammenhang zwischen Optik und beruflichem Erfolg bestätigen auch wissenschaftliche Studien. Danach erzielen "schöne Menschen" materielle Vorteile vor allem dadurch, dass ihr Aussehen auf dem Arbeitsmarkt honoriert wird. "Gutes Aussehen steigert den wirtschaftlichen Erfolg und wirkt sich damit positiv auf die individuelle Lebenszufriedenheit aus", konstatierte beispielsweise das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in einer Studie zum Thema . Grundlage waren Daten aus Deutschland, Großbritannien , Kanada und den USA .

In Deutschland beschäftigt sich Sonja Bischoff schon seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Zusammenhang von Aussehen und Karriere. Die emeritierte Professorin für Betriebswirtschaftslehre gibt alle paar Jahre die Studie Wer führt in (die) Zukunft? Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland heraus. Bei der ersten Erhebung 1986 gaben nur sechs Prozent der befragten Führungskräfte an, dass die äußere Erscheinung beim Karrierestart eine wichtige Rolle spiele. Bei der fünften Befragung 2008 waren es satte 32 Prozent, bei Frauen alleine gar 36 Prozent.

"Kein anderer Erfolgsfaktor ist in so einem Maße wichtiger geworden wie die äußere Erscheinung ", sagt Bischoff. Und eindeutig korreliere das mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, in der das Visuelle immer wichtiger werde. "Wir leben nun einmal in einer Bilderwelt", sagt die Forscherin.

Auf die Gesamtausstrahlung kommt es an

Und wer ist der schönste Manager in diesem Land?  Dieser Frage ging das Emnid-Institut 2003 tatsächlich einmal nach und fragte die Bevölkerung nach dem attraktivsten Manager: Auf Platz eins landete damals der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann , gefolgt von Jürgen Schrempp (damals Chef der Daimer-Benz AG) und Wendelin Wiedeking ( Porsche AG ). Nun ist ein Wendelin Wiedeking mit Schnauzbart und leichtem Doppelkinn sicher kein klassisches Gesichtsmodel. Darauf kommt es aber laut Bischoff auch nicht an: "Es geht nicht um den optimalen Abstand zwischen den Augen und wie das Gesicht geschnitten ist", sagt sie. Äußere Erscheinung sei vielmehr ein gepflegtes Auftreten, Körperhaltung und bestimmte Soft Skills – sozusagen eine positive "Gesamtausstrahlung".

Hier aber haben viele deutsche Führungskräfte immer noch Defizite, sagt Psychologin und Styling-Coach Zimmermann. Sie stelle bei ihren Kunden, oft Leute in Top-Positionen, immer wieder eine "merkwürdige Persönlichkeitsspaltung" fest: "Die denken, dass die Inhalte und das Fachwissen viel wichtiger sind als ihr Aussehen." Billige Kleider, altmodische Brillen und Frisuren – "da tut sich oft eine Kluft auf zwischen fachlichem Anspruch und äußerlichem Erscheinungsbild".

So habe sich bei manchen Führungskräften tatsächlich noch nicht herumgesprochen, dass dunkles Jackett und helle Hose ein modisches "No-Go" sei. "Hell lenkt den Blick nach unten, aber dort hat der im Business-Bereich gar nichts zu suchen", sagt die Styling-Expertin. Vielmehr gelte: Je höher die Position, desto formaler soll die Kleidung sein. In den "Top-Etagen" ist laut Zimmermann nur noch Dunkelblau und Anthrazit erlaubt.  Zudem sollte der Anzug dreiteilig sein. Sie kommt zum gleichen Fazit wie Forscherin Bischoff: "Menschen mit Defiziten in der äußeren Erscheinung haben es heute schwerer, Karriere zu machen."