Leserartikel

FührungskräfteWenn Karriere krank macht

Viele Führungskräfte nehmen für ihre Karriere körperliche und psychische Probleme in Kauf. Leserin M. V. Jung berichtet von zwei Beispielen.

Zwischen dem, wie die meisten Führungskräfte ihr Arbeitsleben erfahren, und dem, wie sie es sich wünschen, klafft häufig eine riesige Lücke. Sie verleugnen ihre persönlichen Bedürfnisse und verschwenden ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Und das obwohl sie ein Ziel verfolgen, für das sie sich in Wahrheit nicht begeistern können. Interesse haben sie nur an dem, was sie als Gegenleistung erhalten: eine angesehene Position, ein gutes Einkommen, die Zugehörigkeit zu höheren sozialen Schichten, das Gefühl, sich etwas leisten zu können.

Das kann aber kein dauerhafter Zustand sein. Mitarbeiter müssen den Inhalt ihrer Arbeit schätzen und sich damit identifizieren können. Sich für Äußerlichkeiten zu verkaufen führt früher oder später zum körperlichen oder seelischen Kollaps.

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Dr. Martina Violetta Jung
Dr. Martina Violetta Jung

hat lange Jahre in internationalen Unternehmen gearbeitet: als Aufsichtsrätin, Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführerin und Wirtschaftsanwältin. Heute ist sie Buchautorin.

Zwei Manager, denen es so ergangen ist, möchte ich kurz vorstellen. Der erste von ihnen ist Manuel*, 45 Jahre alt, Vorstand eines börsennotierten Unternehmens. Er möchte Vorstandsvorsitzender in einem anderen Unternehmen werden. In seiner derzeitigen Position fühlt er sich verkannt. Taubheitsgefühle in den Beinen und ständige Kopfschmerzen unterdrückt er mit Schmerztabletten und allabendlichem Alkoholkonsum. Seine Ehefrau und die beiden Kinder sieht er nur am Wochenende. Er reist ständig ins Ausland und verbringt viele Abende einsam in Hotelbars. Manuel sorgt sich, wie lange er seine körperlichen Symptome noch beherrschen kann, bevor es auffällt. Er will aber trotzdem an einer CEO-Position und an seinem Arbeitsverhalten festhalten.

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Der zweite Fall, von dem ich berichten möchte, ist der von Tim*. Der 49-jährige ließ sich nach Jahren in operativen Führungsfunktionen zum Vorstandsvorsitzenden eines Konzerns wählen. Dabei wusste er, dass diese Position nicht seinen Fähigkeiten entspricht. Er meinte jedoch, sich die Aufstiegschance nicht entgehen lassen zu können. Inzwischen plagen ihn Schlafstörungen, Nackenschmerzen und Bluthochdruck. Einerseits glaubt er, dem Erwartungsdruck nicht mehr standhalten zu können. Gleichzeitig kann er sich nicht vorstellen, wie er einen Schritt zurück machen soll, ohne sein Selbstwertgefühl zu verlieren.

Diese beiden Beispiele zeigen: Führungskräfte zahlen einen hohen Preis, bevor sie aufrichtig mit sich selbst und mit ihren Bedürfnissen umzugehen lernen. Es gibt auch die Variante einer erfolgreiche Karriere ohne psychosomatische Beschwerden, Schmerzen, Burnout, Suchtverhalten und vernachlässigte zwischenmenschliche Beziehungen – jeder wählt selbst.

*Name von der Redaktion geändert

 
Leserkommentare
  1. an der arbeitenden Bevölkerung machen Führungskräfte einen sehr geringen Anteil aus-

    beim Sport sind auch nur in den jeweiligen Sportarten nur ganz wenige erfolgreich, da sie vorbereitet, getestet und sehr gut ausgebildet sind-

    bei Führungskräften ist das zumeist nicht so also verdienen sie auf Grund ihrer Selbstüberschätzung auch diesen Posten nicht und sollten weichen für bessere Kandidaten-

    Was aber auch einen großen Anteil der "Burn Outs" ausmacht sind die Selbständigen und Kleinunternehmer die dann untergehen da es für diese keine Lösung gibt ausser Hartz4.

    Durch diesen Bericht werden hoffentlich die Leser dafür sensiblisiert das es "denen da oben" auch schlecht gehen kann.

  2. Wer in dieser kranken Gesellschaftsordnung weiter kommen will, wird krank.

    Was ist krank? Mehr aufs Geld zu achten, als auf den Wert, den dieses Geld FÜR DAS LEBEN hat. Das ist krank. Es geht nur noch ums Geld, immer mehr.
    Die Konzerne arbeiten in einer Weise, die ihnen und niemanden gut tut. Jeder der da arbeitet ist ein Mensch. Man verkauft seine Seele, also das, was man von Herzen wirklich tun würde, wenn man frei wäre, das zu tun!
    Heute kann man doch nichts vernünftiges mehr machen, weil man sonst auf der Straße landet.
    Also da hat man die Definition von krankem Gesellschaftssystem.

    Es geht längst nicht mehr nur darum, zu produzieren, sondern auch um das WIE, und darum, ob es nötig ist, in der Masse zu produzieren, während die Produzenten selbst auch schon nicht mehr glücklich damit sein können. Es geht nicht darum, OB produziert wird. Die Welt braucht Produktion, aber wenn nicht mehr so viel in den Himmel wachsen will, bleiben wir hübsch auf der Erde, freuen uns des Lebens, weil wir dann mehr Zeit fürs Leben haben.-

    9 Leserempfehlungen
  3. 3. Hmmmm

    Das Problem ist, dass man als Leser des Artikels nur sehr wenig nachprüfen kann, auch weil man in keiner Weise erfährt, wer die Autorin ist, und wie sie zu den erwähnten Managern steht. Hier zeigt sich ein Vorteil des Berufsjournalismus. Diese Leute können aufdecken und hinterher, wenn sie stichhaltig recherchiert haben, Namen angeben, ohne sich allzu sehr davor fürchten zu müssen, dass man ihnen juristisch aufs Dach steigt. Dafür hat der Leser dann eine glaubhafte Quelle vor sich.

    Der Leserartikel könnte wahr sein - oder eine Fingerübung darin, Charaktäre (hier: "ausgebrannter Manager") zu skizzieren.

    2 Leserempfehlungen
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    Sie können in dem Fall hier als Leser schneller nachprüfen, aus welcher "Kiste" der Autor kommt, als bei den meisten anderen Artikeln "echter" Journalisten.

    Die Autorin googlen bietet ein sehr aufschlussreiches Ergebnis. Für mich persönlich wirkt das ein wenig zu esoterisch, das ist dann aber nur die Stilfrage. Ansonsten zeigt in Blick in die Vita, wo die Motivation herrührt. Davon ausgehend kann man die Kompetenz zum Schreiben solcher Inhalte der Autorin schlecht absprechen.

    Jedenfalls ist dieser Vita ausreichend erklärt, wie es zu den Beispielen kommt. Wobei davon auszugehen ist, dass die Fälle wie in Büchern üblich abstrahiert sind. Bei der Gelegenheit sollte auch erwähnt werden, dass im Artikel nicht beschrieben ist, dass der Job direkt Ursache für die Krankheit ist. Es ist beschrieben, dass sich die Protagonisten wegen ihres Jobs um gesundheitliche Warnzeichen nicht kümmern.

    Der Typus, der damit beschrieben wird, ist jedenfalls einer, der durchaus weiter verbreitet ist. Davon habe ich ein mustergültiges Beispiel im Freundeskreis.

    Sie können in dem Fall hier als Leser schneller nachprüfen, aus welcher "Kiste" der Autor kommt, als bei den meisten anderen Artikeln "echter" Journalisten.

    Die Autorin googlen bietet ein sehr aufschlussreiches Ergebnis. Für mich persönlich wirkt das ein wenig zu esoterisch, das ist dann aber nur die Stilfrage. Ansonsten zeigt in Blick in die Vita, wo die Motivation herrührt. Davon ausgehend kann man die Kompetenz zum Schreiben solcher Inhalte der Autorin schlecht absprechen.

    Jedenfalls ist dieser Vita ausreichend erklärt, wie es zu den Beispielen kommt. Wobei davon auszugehen ist, dass die Fälle wie in Büchern üblich abstrahiert sind. Bei der Gelegenheit sollte auch erwähnt werden, dass im Artikel nicht beschrieben ist, dass der Job direkt Ursache für die Krankheit ist. Es ist beschrieben, dass sich die Protagonisten wegen ihres Jobs um gesundheitliche Warnzeichen nicht kümmern.

    Der Typus, der damit beschrieben wird, ist jedenfalls einer, der durchaus weiter verbreitet ist. Davon habe ich ein mustergültiges Beispiel im Freundeskreis.

    • e-fred
    • 03.06.2012 um 20:51 Uhr

    Dieser Artikel zeigt nur, dass es in Deutschland zwei Führungskräfte gibt, die unter unspezifischen Krankheitssymtomen leiden. Ob Diese Symptome in einem direkten kausalen Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen lässt sich vermutlich nicht nachweisen. Und aus diesem schwach begründeten Argument folgt dann der Fehlschluss der Verallgemeinerung aus einem Einzelfall, bzw. hier aus zwei Einzelfällen. Im letzten Abschnitt wird nämlich die These "Führungskräfte zahlen einen hohen Preis, bevor sie aufrichtig mit sich selbst und mit ihren Bedürfnissen umzugehen lernen" mit den zwei Beispielen der Führungskräfte belegt. Die Lösung des Problems, eine Karriere ohne Beschwerden wird dann nicht weiter erläutert oder belegt. Es stellt sich die Frage, ob es die überhaupt gibt, oder ob hier ein Problem konstruiert wird, dass gar nicht existiert. Körperliche oder Seelische Beschwerden gibt es übrigens in allen Berufen, ganz besonders aber in prekären Arbeitsverhältnissen.

    8 Leserempfehlungen
  4. Ich kann e-fred nur zustimmen. Der Artikel zerrt 2 (konstruierte?) Einzelfaelle hervor, beschreibt deren Problematik, postuliert kausale Zusammenhaenge ohne Nachweis und verallgemeinert dann in geradzu peinlicher Manier.

    Ein sehr schwacher Artikel.

    Eine Leserempfehlung
    • Crest
    • 03.06.2012 um 22:24 Uhr

    Zunächst: ich halte die Beschreibungen für authentisch. Mir hat er Artiekel also besser gefallen als einigen anderen Foristen.

    Man kann sich in einem System verfangen. Das geht Politikern so aber auch anderen Berufstätigen, die sich eine klassische Berufs-Karriere zum Ziel gesetzt haben.

    Auch Ziele selbst können einen "fangen", denn Ziele wirken autokatalytisch: wenn viele ein Ziel verfolgen, wollen andere es auch. Eine Frau z.B., die offensichtlich von vielen begehrt wird, wird dadurch noch begehrenswerter. Analog werden solche beruflichen Karrierepfade attraktiver, die von anderen (ebenfalls) als attraktiv empfunden werden.

    Viele Karrieren sind in der Tat gesundheitsgefährdend (nicht nur die militärische Karriere :-)), der "autokatalytische Effekt" stieße schneller an seine Grenzen, gäbe es nicht weitere Motivatoren: Geld und Prestige und ein Machtgefühl (was hin und wieder in Amtsmüdigkeit mündet).

    Eines muss man sich klarmachen: so wie man die militärischen "Karrieristen" braucht, benötigt man die klassischen Karrieristen - bis, ja bis sich vielleicht mal eine andere Art des Wirtschaftens entwickelt (das wird dann aber keine "kopfgesteuerte" a la Marx und Engels sein. ;-))

    Und so pendelt sich ein "Gleichgewicht" ein.

    Man kann wie gesagt, da hineinschlittern. (Und manche stößt man geradezu hinein. Wen? Frauen mit der "Quote" z.B.)

    Herzlichst Crest

    2 Leserempfehlungen
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    Lieber Crest,
    ihrem Kommentar konnte ich weitgehend zustimmen, aber ihren eleganten Schlenker in Richtung "Frauenquote" möchte ich gerne etwas relativieren.
    Wir Frauen wissen schon lange, das Hierachie die ´heilige Ordnung der Männer´ ist. Über die Jahrhunderte hinweg haben Kirche und Militär das Sexuelle und das Weibliche aus den Organisationen ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung wurde durch die Individuen internalisiert und von Generation zu Generation per Sozialisation weitergegeben, so dass ein Umdenken große Anstrengung kostet. Immerhin hat es Fortschritte gegeben, wenn man sich vor Augen hält, dass Frauen in Deutschland erst 1918 wählen und bis 1977 immer noch den Ehemann fragen mussten, ob sie eine Arbeitsstelle annehmen oder ein eigenes Konto eröffnen dürfen. Eine männliche Dominanz ist somit schon aus der patriarchalischen Vergangenheit gegeben. Hier stellt sich die für Frauen berechtigte Frage, warum die Situation trotz aufgeklärter und offener Einstellung gegenüber den Bemühungen der Emanzipation für uns nicht zufriedenstellender geworden ist. Ich glaube, dass die Antwort, dass Männer ihre Macht nicht verlieren oder teilen wollen, hier ihre Berechtigung hat.
    Der augenblickliche "Ouotenstreit" scheint mir jedoch von den eigentlichen Problemen der Frauen in der Berufswelt eher abzulenken und einen Fortschritt in der Diskussion zu verhindern.
    Mit herzlichen Grüßen
    -Magic-

    Lieber Crest,
    ihrem Kommentar konnte ich weitgehend zustimmen, aber ihren eleganten Schlenker in Richtung "Frauenquote" möchte ich gerne etwas relativieren.
    Wir Frauen wissen schon lange, das Hierachie die ´heilige Ordnung der Männer´ ist. Über die Jahrhunderte hinweg haben Kirche und Militär das Sexuelle und das Weibliche aus den Organisationen ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung wurde durch die Individuen internalisiert und von Generation zu Generation per Sozialisation weitergegeben, so dass ein Umdenken große Anstrengung kostet. Immerhin hat es Fortschritte gegeben, wenn man sich vor Augen hält, dass Frauen in Deutschland erst 1918 wählen und bis 1977 immer noch den Ehemann fragen mussten, ob sie eine Arbeitsstelle annehmen oder ein eigenes Konto eröffnen dürfen. Eine männliche Dominanz ist somit schon aus der patriarchalischen Vergangenheit gegeben. Hier stellt sich die für Frauen berechtigte Frage, warum die Situation trotz aufgeklärter und offener Einstellung gegenüber den Bemühungen der Emanzipation für uns nicht zufriedenstellender geworden ist. Ich glaube, dass die Antwort, dass Männer ihre Macht nicht verlieren oder teilen wollen, hier ihre Berechtigung hat.
    Der augenblickliche "Ouotenstreit" scheint mir jedoch von den eigentlichen Problemen der Frauen in der Berufswelt eher abzulenken und einen Fortschritt in der Diskussion zu verhindern.
    Mit herzlichen Grüßen
    -Magic-

    • Ranjit
    • 03.06.2012 um 23:08 Uhr

    Führungskräfte sind, allen Vorurteilen zum Trotz, natürlich enormem Druck ausgesetzt. Die Arbeitszeiten sind lang, der soziale Druck hoch. Die Positionen sind meist auch einsamer, da Vorgesetze beeindruckt, vor Gleichgestellten keine Schwäche gezeigt und die Distanz zu den Mitarbeitern aufrecht gehalten werden muss.

    Im Zentrum des Problems verorte ich aber die zentrale Krankheit des modernen Kapitalismus: der übertriebene Individualismus. Damit ist nicht individuelle Freiheit gemeint, sondern die irrationale Überschätzung des eigenen Einflusses auf die Realität. Gerade Managern wird vermittelt, und auch von ihnen verlangt, dass sie Abteilungen und Unternehmen zum Erfolg führen. Dabei ist Erfolg nur zu einem sehr kleinen Teil den Anstrengungen der Führungskraft zurechenbar. Viel wird bestimmt durch soziale Dynamik im Unternehmen und Marktkräfte. Doch wenn der Aktienkurs im Keller ist, braucht es Sündenböcke: die Manager. Da wird der alte Manager plötzlich als inkompetent verschrien und ein neues "High Potential" nimmt den Platz ein. Bis es auch diese Person erwischt.

    Kein Wunder also, dass viele Manager mehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sind als mit ihrer eigentlichen Aufgabe. Und alles nur um die Illusion individueller Wirksamkeit aufrecht zu halten.

    Dabei wissen wir doch alle: The market is god.

    4 Leserempfehlungen
  5. ... mich Alles überhaupt nicht. Ich war nach meinem - erheblichen - Uni-Abschluss auf einigen Karriere-Events. Dort traute ich mich nach Kinderbetreuung in Unternehmen zu fragen... Die doofen Gesichter waren Klasse!

    Wie soll ein Mensch ohne Familie klar im Kopf bleiben? Und erst recht Kinder mit Karriere-Eltern?

    Ich halte meinen Kopf aus der Schusslinie, meine Frau und ich verdienen in unseren "mittelmäßigen" Jobs zusammen auch nicht unerheblich, ... und erfreuen uns unserer Tochter.

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