Überstunden : Von der Leyen will Freizeit Blackberry-frei machen

Die ständige Erreichbarkeit durch Handys erhöht die Belastung für Arbeitnehmer und führt zu Stress. Klare Regeln sollen das begrenzen, fordert die Arbeitsministerin.

Angesichts steigender psychischer Belastung von Arbeitnehmern hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) klare Regeln zur Erreichbarkeit in der Freizeit gefordert. Moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones schafften zwar Flexibilität. "Aber das kann auch überfordern, indem Menschen die Balance zwischen Erholungszeit und Arbeitszeit nicht mehr finden", sagte von der Leyen.

Dem Index des Deutschen Gewerkschaftsbundes ( DGB ) für Gute Arbeit zufolge müssen 60 Prozent der Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit erreichbar sein, 33 Prozent sogar oft oder sehr oft. Eine Umfrage des Informations- und Telekommunikationsverbands Bitkom ergab, dass sogar 88 Prozent der Berufstätigen außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit für Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte zu erreichen sind.

Von der Leyen forderte "ganz klare Regeln" in den Betrieben, "was Handykultur und Mailverkehr angeht". Festgelegt werden müsse in entsprechenden Vereinbarungen, wann Beschäftigte erreichbar sein müssen und wer genau betroffen ist. Auch sollte nach Ansicht der Ministerin klar geregelt sein, dass E-Mails nicht gelesen oder nicht beantwortet werden können, dass ein Handy auch ausgeschaltet werden darf. "In der Freizeit sollte Funkstille herrschen", sagte die Ministerin.

Die Arbeitsministerin kündigte an, zunächst eine Informationskampagne gezielt an Unternehmen zu richten. Den Firmen müsse dabei klar werden, dass das Arbeitsschutz-Gesetz "ein sehr scharfes Gesetz" ist. Auch sollten Beispiele zu Vereinbarungen in den Betrieben aufgezeigt werden. Im kommenden Jahr solle das Thema Erreichbarkeit dann bei Gesprächen zur Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutz-Strategie besprochen werden. Diese wird vom Bund, den Ländern und den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung beraten.

DGB fordert auch Sanktionen

Der DGB forderte ebenfalls klare Regeln zur Erreichbarkeit von Arbeitnehmern in ihrer Freizeit. Dazu müsse das Arbeitsschutz-Gesetz durch eine Anti-Stress-Verordnung ergänzt werden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach . Die ständige Erreichbarkeit führe zu "erheblichen Problemen für die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Wirtschaft selbst".

Buntenbach sagte, die Zahl psychischer Erkrankungen sei in den vergangenen Jahren "geradezu explodiert": "Seit 1994 sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Leiden um 80 Prozent gestiegen . Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Erwerbsminderung." Der DGB forderte daher mehr Beratung, Kontrolle und im Zweifel auch Sanktionen für die Arbeitgeber. "Wohlklingende Appelle" der Bundesarbeitsministerin reichten dafür aber nicht aus, sagte Buntenbach.

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Freiwillige Selbstausbeutung

"Umgekehrt gilt aber auch: Engagement und Leistungsbereitschaft sollten nicht zwangsweise eingeschränkt werden", heißt es in einer Stellungnahme der BDA."

Das Problem ist doch gerade die freiwillige Selbstausbeutung. Niemand MUSS unbezahlte Überstunden leisten, niemand MUSS nach Feierabend erreichbar sein. Aber bei der nächsten Beförderungsentscheidung oder Entlassungswelle wird genau dieses "freiwillige" Engagement entscheidend sein.

In vielen Betrieben herrscht schon lange ein Überbietungswettkampf hinsichtlich Selbstausbeutung: "Na, Herr Müller, gehen Sie heute wohl mal rechtzeitig um 18:00 nach Hause? ... Kein Problem, wir übernehmen die Arbeit für Sie." ...... "und nächsten Monat brauchen wir Sie nicht mehr; es geht ja offensichtlich auch ohne Sie".

Ich habe auch schon einen Chef erlebt, der sich im Smalltalk regelmäßig nach Wochenenderlebnissen erkundigt, nur um später nebenbei zu erwähnen, dass ein anderer Kollege X seine Hobbies zu wichtig nimmt. Ausnutzung läuft indirekt!

Die Vorschläge wären nur dann effektiv, wenn Engagement und Leistungsbereitschaft eben doch zwangsweise eingeschränkt würden. Ich wüsste aber nicht, wie sich das sinnvoll umsetzen ließe. Man müsste vielmehr das Klima der Angst beseitigen und den Menschen ein gesundes Selbstwertgefühl geben. Man müsste Menschen beibringen, die eigene Freizeit und Gesundheit mehr wertzuschätzen.

Wenn jeder auf seinem Recht auf Feierabend bestünde, gäbe es keinen Überbietungswettkampf der Selbstausbeutung.

zu 2. Freiwillige Selbstausbeutung

Werter dp80, Ihr Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf.

Ich ergänze daher auch nur um die rhetorische Frage, warum Frau von der Leyen als Ministerin das Thema nun als plakative Forderung in den Raum stellt - ein ja nicht unübliches Mittel schwarzgelber Regierungspolitik - und weder Maßnahmen wie eine Gesetzesvorlage oder Mittel bereitstellt. Wählerheischende Symbolpolitik!

Heute wieder einen sinnfreien Satz von Frau von der Leyen

gehört.

Man möge mir bei der Interpretation helfen:

Handies und PCs sind nicht an sich schädlich, aber man müsse einen sinnvollen Umgang mit ihnen lernen.

Was bedeutet das? Hat jemand eine Interpretation dieser Aussage? Eine subtile Botschaft zwischen oder hinter den Zeilen?

Und:

Wenn ich Feierabend habe, dann habe ich Feierabend. Fertig !

Ich bin auch schon in meine Firma zu außergewöhnlichen Zeiten gerufen worden. Ich habe mir aber meine Freiheit abzusagen vorenthalten. Und wenn ich da hin kam, dann bekam ich ein paar Hundert Euro zusätzlich.

Und so sollte es auch sein.

Die ständige durch die neuen elektronischen Möglichkeiten ermöglichte Erreichbarkeit des Arbeitnehmers darf doch nicht zu einer Verpflichtung des Arbeitnehmers führen, ständig, in jeder Sekunde seines Lebens, die Befindlichkeiten und "Notwendigkeiten" des Arbeitgebers abzufragen und auf "dem Sprung zu sein".

Frau von der Leyen macht da einen Vorschlag, diese uneingeschränkte Disponibilität des AN in Arbeitsverträge aufzunehmen.

Furchtbar !

Ich liebe es nicht, Sklavin zu sein.

Das weiss die Frau selbst nicht

"Was bedeutet das? Hat jemand eine Interpretation dieser Aussage? Eine subtile Botschaft zwischen oder hinter den Zeilen?"

Seit Frau von der Leyen in ihrem Bestreben, Websperren einzurichten, behauptet hat, sexuelle Vergehen an Kindern stünden in Ländern wie Indien nicht unter Strafe, versuche ich gar nicht, diese Frau inhaltlich zu deuten. Vielmehr begnüge ich mich mit der Meinung, dass sie ausschliesslich populistische Symbolpolitik betreibt.