ArbeitsrechtDarf der Chef ständige Erreichbarkeit verlangen?

Kann der Vorgesetzte erwarten, dass die Mitarbeiter ihre E-Mails auch nach Dienstschluss beantworten? Der Jurist Ulf Weigelt gibt Antwort in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat von Unternehmen klare Regeln zum Umgang mit Smartphones, Handys und Computern gefordert . Wie ist das eigentlich arbeitsrechtlich: Kann mein Abteilungsleiter von mir verlangen, dass ich nach Dienstschluss E-Mails beantworten muss?, fragt Roswitha Leege.

Sehr geehrte Frau Leege,

ausschlaggebend ist in erster Linie der Arbeitsvertrag oder etwaige Betriebsvereinbarungen.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie: Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Antworten und Informationen sowie der Rechtsprechung. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Ulf Weigelt, Choriner Straße 63, 10435 Berlin. Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Sind in Ihrem Arbeitsvertrag feste Arbeitszeiten vereinbart, kann Ihr Chef grundsätzlich nicht einseitig festlegen, dass Sie auch noch nach Feierabend E-Mails beantworten müssen. Wurde keine feste Regelung zur Arbeitszeit im Arbeitsvertrag vereinbart, kann ein Arbeitgeber auch anordnen, dass ein Mitarbeiter nach Feierabend dienstlich erreichbar ist. Wichtig ist, dass diese Tätigkeiten dann auch als Arbeitszeit bewertet werden und ein Vergütungsanspruch entsteht. Wird die vertraglich geschuldete Arbeitszeit überschritten, entsteht zwangsnotwendig ein Anspruch auf Überstundenvergütung , sofern die Arbeiten angewiesen wurden.

Anzeige

Dementsprechend ist das Arbeitszeitgesetz zu beachten, wonach die tägliche Arbeitszeit maximal 8 Stunden betragen darf.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Außerdem muss § 5 des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden. Der Paragraf sieht vor, dass ein Arbeitnehmer nach Ende seiner täglichen Arbeit mindestens 11 Stunden Ruhezeit haben muss. Das heißt wiederum: Wer im Feierabend E-Mails beantwortet, müsste theoretisch 11 Stunden Ruhezeit zwischen der letzten E-Mail und dem Beginn des nächsten Arbeitstages einhalten. Allerdings ist zu beachten, dass das Beantworten von E-Mails zeitlich erheblich sein muss. Eine kurze E-Mail führt nicht zu einer Unterbrechung der Ruhezeit.

Mein Rat: Sprechen Sie offen und ehrlich Ihre Zweifel zur permanenten Erreichbarkeit nach Dienstschluss an und finden Sie gemeinsam mit Ihrem Chef eine einvernehmliche Regelung hierfür. Nur so lässt sich Frust vermeiden. Vielleicht ist Ihr Chef auch bereit, dass die Arbeitszeit im Büro etwas verkürzt wird und im Rahmen der dann verbliebenen Arbeitszeit noch E-Mails von zu Hause nach Dienstschluss beantwortet werden. Wird eine solche Regelung getroffen, hat der Betriebsrat – sofern in Ihrem Unternehmen vorhanden – ein Mitbestimmungsrecht. Mitarbeiter können sich hier auch Rat und Unterstützung holen.

Ihr Ulf Weigelt

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Wann kommt der Moment, wo der Arbeitnehmer dem Chef mal was abverlangen kann?
    Und nicht nur bitten...

    Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, die starke Anklänge an sklavische Strukturen hat. Das ist einfach Tatsache

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    für die Zukunft einen Job, der Ihnen Spass macht.

  2. dass der Arbeitnehmer im Besitz von Smartphone, Handy und PC ist?

    Oder kann er verlangen, wenn ein Gerät defekt ist, dass der Arbeitnehmer sich unverzüglich ein neues Gerät kauft?

    Und wenn der AN nicht über ausreichende Mittel zur Neuanschaffung verfügt?

    Das müsste dann ja auch arbeitsvertraglich geregelt werden.

    Und wenn der AN Aufstocker ist, und ihm wird der Strom abgestellt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das ist weder teuer noch braucht lange, wenn es einen Schaden gibt, es zu ersetzen und wenn man mehr als einen Notruf empfangen muss, kann die Firma auch IPhones oder andere Smarties verteilen. Ebenso gibt es die Rechner, wenn sie benötigt wreden.

    So jedenfalls läuft es bei uns für bestimmte Aufgabenbereiche. Die Leute, die für Notrufe oder bestimmte Anrufbereitschaften zuständig sind, haben die Ausstattung. Der Mensch, der die Materialbeschaffung macht, hat um vier oder wann er geht, Feierabend und niemand ruft ihn jemals an.

    Man sollte zwischen den Arbeitsfeldern unterscheiden und dann die Verträge ansehen, wie es auch im Artikel heißt.

    Und wenn ich mich selbst betrachte, so ist die Freiheit zu arbeiten, wann ich mag und dabei natürlich auch zu für andere Menschen ungewöhnlich wirkenden Zeiten erreichbar zu sein, ein Gewinn.

    Versklaven würden mich feste Zeiten 9to5.

    das nur von geeigneten Mitarbeitern erwarten. Keine Gefahr. :o)

    die haben auch den vorzug, dass man als arbeitgeber überwachen kann, wo arbeitnehmer sich herumtreibt.

  3. das ist weder teuer noch braucht lange, wenn es einen Schaden gibt, es zu ersetzen und wenn man mehr als einen Notruf empfangen muss, kann die Firma auch IPhones oder andere Smarties verteilen. Ebenso gibt es die Rechner, wenn sie benötigt wreden.

    So jedenfalls läuft es bei uns für bestimmte Aufgabenbereiche. Die Leute, die für Notrufe oder bestimmte Anrufbereitschaften zuständig sind, haben die Ausstattung. Der Mensch, der die Materialbeschaffung macht, hat um vier oder wann er geht, Feierabend und niemand ruft ihn jemals an.

    Man sollte zwischen den Arbeitsfeldern unterscheiden und dann die Verträge ansehen, wie es auch im Artikel heißt.

    Und wenn ich mich selbst betrachte, so ist die Freiheit zu arbeiten, wann ich mag und dabei natürlich auch zu für andere Menschen ungewöhnlich wirkenden Zeiten erreichbar zu sein, ein Gewinn.

    Versklaven würden mich feste Zeiten 9to5.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn es denn tatsächlich so sein sollte, daß Sie sich aussuchen können, ob Sie erreichbar sein wollen oder nicht, und Ihr Telefon einfach abschalten können wann Sie wollen, dann dürfen Sie gerne Ihre Individualität und Freiheit feiern.
    Doch das ist nicht das Thema dieses Artikels. Hier geht es um die vielen Arbeitnehmern aufgedrückte Pflicht, über die normale Arbeit (ob diese von 9 - 5 stattfindet oder flexibel ist, spielt dabei doch gar keine Rolle) hinaus verfügbar zu sein.
    Ich empfinde meine Rufbereitschaftsdienste als erhebliche Einschränkung und würde die ohne Vergütung nicht machen: Ich kann an solchen Wochenenden nicht einfach mal einen Kurzurlaub machen oder die Oma besuchen. Mehr als ein Glas Wein geht nicht. Selbst Kino (kein Empfang), ein Schwimmbadbesuch mit den Kindern (kein wasserdichtes Telefon), oder eine Wanderung (evtl. kein Netz) ist nicht drin. Zwar immer noch alles besser als früher, wo man die Festnetznummer, unter der man erreichbar war, der Telefonzentrale durchsagen mußte, aber immer noch so nervig, daß ich es unfair fände, wenn das nicht vergütet würde, selbst wenn man viell. nur selten wirklich was tun müssen sollte.

    werden die Geräte gestellt, aber wie so oft ist es nunmal so, dass nur weil es bei Ihnen funktioniert, es noch lange nicht heißt, dass das auf alle anderen zutrifft.

    Es gibt genug Firmen, die ganz selbstverständlich den Besitz eines Mobiltelephons für ständige Erreichbarkeit und den Abruf dienstlicher Mails auch am Abend und am Wochenende (natürlich am privaten PC bzw. Smartphone mit privatem DSL) und deren zackig-zügige Beantwortung erwarten, ohne sich an den entsprechenden Kosten zu beteiligen (i.d.R. mit der Annahme, man würde diese Gerätschaften ja ohnehin besitzen).

    @Redaktion: Meines Wissens sieht das Arbeitszeitgesetz eine Maximalarbeitsdauer von 10 Stunden am Tag vor (sowie die 11stündige Ruhepflicht).

  4. das nur von geeigneten Mitarbeitern erwarten. Keine Gefahr. :o)

  5. für die Zukunft einen Job, der Ihnen Spass macht.

    Antwort auf "Versklavung"
  6. Ich selber musste Jahre lang für meinen Chef erreichbar sein. Allerdings habe ich das Telefon am Wochenende absichtlich ausgeschaltet und der Chef konnte nix machen auch wenn er mich Montags regelmäßig mit böser Miene anschaute. Nehmt euch das Recht, solang wie es nicht vertraglich geregelt ist und schaltet Email-Funktion am Wochenende ab...

  7. Wenn es denn tatsächlich so sein sollte, daß Sie sich aussuchen können, ob Sie erreichbar sein wollen oder nicht, und Ihr Telefon einfach abschalten können wann Sie wollen, dann dürfen Sie gerne Ihre Individualität und Freiheit feiern.
    Doch das ist nicht das Thema dieses Artikels. Hier geht es um die vielen Arbeitnehmern aufgedrückte Pflicht, über die normale Arbeit (ob diese von 9 - 5 stattfindet oder flexibel ist, spielt dabei doch gar keine Rolle) hinaus verfügbar zu sein.
    Ich empfinde meine Rufbereitschaftsdienste als erhebliche Einschränkung und würde die ohne Vergütung nicht machen: Ich kann an solchen Wochenenden nicht einfach mal einen Kurzurlaub machen oder die Oma besuchen. Mehr als ein Glas Wein geht nicht. Selbst Kino (kein Empfang), ein Schwimmbadbesuch mit den Kindern (kein wasserdichtes Telefon), oder eine Wanderung (evtl. kein Netz) ist nicht drin. Zwar immer noch alles besser als früher, wo man die Festnetznummer, unter der man erreichbar war, der Telefonzentrale durchsagen mußte, aber immer noch so nervig, daß ich es unfair fände, wenn das nicht vergütet würde, selbst wenn man viell. nur selten wirklich was tun müssen sollte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Thema des Artikels ist, was der Arbeitgeber verlangen kann und dazu gehört, was ich davon habe, wenn es verlangt wird.

    Hinzu kam die Frage, wo die Geräte her kommen und darauf bezog ich mich, wobei ich die Stromsperrenfrage absichtlich auslies.

  8. Thema des Artikels ist, was der Arbeitgeber verlangen kann und dazu gehört, was ich davon habe, wenn es verlangt wird.

    Hinzu kam die Frage, wo die Geräte her kommen und darauf bezog ich mich, wobei ich die Stromsperrenfrage absichtlich auslies.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service