Der Song Bück Dich Hoch der Hamburger Band Deichkind beschreibt den Arbeitsalltag in vielen Büros. "Fleißig Überstunden, ganz normal, unbezahlt, scheißegal, keine Wahl", heißt es da. "Mach dich beim Chef beliebt! Auch wenn es dich verbiegt! Sonst wirst du ausgesiebt!" Auch der Mitarbeiter einer Möbelbeleuchtungsfirma aus dem nordrhein-westfälischen Rödinghausen erkannte seinen Job in dem Lied wieder.

"Bück dich hoch!!! Hm, mal überlegen. Wieso gefällt mir ausgerechnet das Lied von Deichkind, my friends", hatte der Mann auf Facebook geschrieben. Dumm nur, dass sein Profil auch für seinen Arbeitgeber zugänglich war: Der Mann erhielt eine außerordentliche Kündigung. "Diese Äußerung kann nur so verstanden werden, dass Sie die von Deichkind besungenen mit den bei uns herrschenden Arbeitsbedingungen gleichsetzen", lautete die Begründung des Rausschmisses. "Dadurch, dass Sie unsere Arbeitsbedingungen mit den von Deichkind besungenen vergleichen, werfen Sie uns menschenverachtende Arbeitsbedingungen vor, bei denen die Mitarbeiter aus reiner Profitgier unter Gefährdung der Gesundheit ausgebeutet werden."

Der Mann klagte gegen die Kündigung. Zu einer Verhandlung vor Gericht kam es nicht, denn die Parteien einigten sich außergerichtlich. Damit konnte leider nicht geklärt werden, ob das Lied als Satire oder Beleidigung zu werten ist und die Kündigung rechtens war. 

"Auseinandersetzungen wie die vor dem Arbeitsgericht Herford nehmen zu", sagt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. Allein am Arbeitsgericht Bochum stehen derzeit zwei solche Fälle aus. "Wir haben einige Fälle, in denen Leute fleißig bei Facebook über ihre Arbeitgeber herziehen", sagt eine Mitarbeiterin am Landesarbeitsgericht Hamm.

Mehr Kündigungen wegen Facebook-Äußerungen

Das IT-Marktforschungsinstitut Gartner erwartet, dass weltweit 60 Prozent der Unternehmen bis 2015 offizielle Programme zur Überwachung von externen Social-Media-Aktivitäten implementieren werden.

In den allermeisten Fällen sind solche Kündigungen wegen Facebook-Einträgen allerdings unwirksam. So hatte beispielsweise ein Auszubildender aus Bochum in seinem Profil unter der Rubrik "Arbeitgeber" angegeben: "Arbeitgeber: menschenschinder & ausbeuter, Leibeigener – Bochum, daemliche scheisse fuer mindestlohn - 20 % erledigen".

Das Arbeitsgericht Bochum erklärte die daraufhin erteilte Kündigung für unwirksam. Die Richter bewerteten den Eintrag zwar als Beleidigung, eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigte die Äußerung aber nicht. Der Arbeitgeber hätte den Auszubildenden zuvor abmahnen müssen. Gerade bei Ausbildungsverhältnissen bestehe auch eine besondere Förderungspflicht für den Arbeitgeber, argumentierten die Arbeitsrichter.