KonfliktmanagerStressmacher im Zaum halten

Polizeiliche Konfliktmanager betreuen rivalisierende Fans beim Fußball. Es ist eine große Herausforderung – zusätzlich zum normalen Dienst, zeigt unser Beruf der Woche. von 

Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine wird Claudia Hallensleben mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Bestimmt auch, um der deutschen Nationalmannschaft die Daumen zu drücken, aber vor allem, um das Verhalten der unterschiedlichen Fangruppierungen zu beobachten. Hallensleben arbeitet als polizeiliche Konfliktmanagerin. "Unsere Aufgabe ist es, bei Fußballspielen die Fans der gegnerischen Mannschaft zu begleiten und so einer Eskalation entgegenzuwirken, damit es nicht zu Ausschreitungen kommt", erzählt die Polizistin aus Bremen , die vor allem bei Heimspielen des SV Werder Bremen eingesetzt wird und selten zu Auswärtsspielen mitreist. Diese Aufgabe ist szenekundigen Beamten vorbehalten. Sie betreuen die Fans der Heimmannschaft – in Bremen sind sie für die Werder-Fans zuständig.

Für die Arbeit ist eine enge Kooperation mit der ansässigen Fanvereinigung nötig. Bei den Auswärtsspielen ist das Insiderwissen der Beamten wichtig, um die Polizei am Spielort und die dortigen Fanprojekte zu unterstützen und Gewalt zu verhindern. Die Szenekenntnisse seien wichtig, um im Vorfeld eines Spiels das Risiko von Auseinandersetzungen zwischen den Lagern abschätzen zu können. Auch müssen die Polizisten über die Gegebenheiten am Austragungsort, die dortigen Einsatz-Möglichkeiten und die jeweilige Fanstrukturen Bescheid wissen.

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Dauerhaft als Konfliktmanager tätig sind die Beamten aber nicht. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen wie etwa der Kriminal-, Verkehrs-, oder Schutzpolizei und werden jenseits der Einsätze im Konfliktmanagement auch für andere Aufgaben im Polizeidienst eingesetzt.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Polizisten, die eine Laufbahn im Konfliktmanagement anstreben, sollten stressstabil, belastbar und kommunikativ sein. Fundierte psychologische Kenntnisse sind außerdem wichtig. Und Flexibilität, denn oft müssen die Beamten blitzschnell reagieren, wenn die Stimmung unter den Fans kippt. Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und auch Kenntnisse über die genauen Abläufe bei Fußballeinsätzen und Ortskenntnisse sind ebenfalls sehr wichtig. Und die Beamten brauchen – noch mehr als ihre Kollegen – ein dickes Fell. Denn der direkte Kontakt mit oft betrunkenen, gewaltbereiten Hooligans ist nicht immer angenehm. Beleidigungen und Beschimpfungen gehören dazu.

Die Psychologie der Masse verstehen

Dennoch: "Fans sind nicht gleich Fans: Probleme bereiten in erster Linie die gewaltbereiten und Gewalt suchenden Anhänger unter den unterschiedlichen Fangruppen. Wir nennen sie B- und C-Fans. Darum arbeiten wir auch mit Kollegen aus anderen Bundesländern zusammen", sagt Hallensleben. Um Situationen, aber auch Personen richtig einschätzen zu können, werten die Konfliktmanager Videoaufnahmen von vergangenen Spielen aus und erstellen so eine Gefahrenprognose für anstehende Spiele.

Den Job im Konfliktmanagement können nur ausgebildete und erfahrene Polizeivollzugsbeamte machen. Interne Schulungen und Tagungen bereiten auf diese Aufgabe vor. Hier lernen die Beamten die verschiedenen Taktiken bei Massenveranstaltungen. Auch werden sie in Massenpsychologie geschult. Weitere Unterrichtsinhalte sind Simulationen im Umgang mit Fans, psychologische Lehrgänge und natürlich das Anwenden von verschiedenen Sicherheitskonzepten. 

Auch wenn einige Fans den Konfliktmanagern kritisch gegenüberstehen – viele sind dankbar für den Polizeieinsatz. Insbesondere Fans, die einfach nur ein fröhliches Fußballfest erleben wollen und mit ihren Kindern angereist sind. Sie wissen: Die Anwesenheit der Beamten sorgt für Sicherheit, gewaltbereite Fans werden abgeschreckt. "Wir sind ja auch Ansprechpartner und Helfer zugleich. Wir suchen den Kontakt aktiv und oft erreichen wir, dass Fans uns zuhören und offener werden. Das wirkt deeskalierend. Aggressionen schaukeln sich nicht hoch."

  • Gehalt: variiert, je nach Dienstgrad:
  • Ausbildung: Polizeiinterne Zusatzausbildung;
  • Arbeitszeit: variiert, je nach Einsatzdauer;
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Leserkommentare
  1. die einen Job machen müssen den es eigentlich in Deutschland nicht geben dürfte. Ich würde bei Verantwortlichkeit die Vereine diesen Job gegen Rechung bezahlen lassen.

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