PersonalführungWas Führungskräfte von Adlern lernen können

Das Vertrauen von Greifvögeln zu gewinnen ist sehr schwer: In einem Seminar sollen Manager den Umgang mit den Tieren lernen und auf diese Weise Personalführung üben.

Auf Schloss Hasenwinkel in Mecklenburg Vorpommern sollen Führungskräfte von Adlern lernen – Training auf starken Schwingen (TASS) nennt sich das Seminar für Manager, bei dem Falken, Adler, Bussarde sowie Wolfshunde als Co-Trainer auftreten. Im Umgang mit den Tieren sollen Führungskräfte Personalführung lernen. Denn wer einen Greifvogel nicht richtig behandelt, verspielt dessen Vertrauen. Das Tier entzieht dieser Person sein Vertrauen – auf Jahre oder sogar für immer. Fast so wie im realen Umgang mit Mitarbeitern. Natürlich lassen sich Menschen nicht mit Vögeln vergleichen. In dieser Schulung geht es darum, Führungsverhalten direkt und unmittelbar gespiegelt zu bekommen. Dafür sind die Tiere angeblich sogar authentischer, sagen die Veranstalter.

Die Veranstalter, das sind die Diplom-Psychologin Silke Wolckenhaar, der Diplom-Sozialwissenschaftler Ulrich Möhring und die Berufsfalknerin Klaudia Brommund. Seit 2001 spielt Gerfalke Alicia die Hauptrolle in dem Seminar. Die Trainer wollen so Entscheidern "neue innere Bilder" beim Transfer der Motivationsmethoden vermitteln. So zumindest versprechen es die Unterlagen.

Anzeige

An diesem Tag sind 19 Führungskräfte mit dabei. Bevor wir Alicia kennenlernen dürfen, klärt uns die Falknerin Klaudia Brommund von der Horus-Falknerei zunächst darüber auf, dass man im Umgang mit Greifvögeln klar kommunizieren und sich unmissverständlich präsentieren muss. Wer unklar ist, wird das Vertrauen des Vogels nicht gewinnen.

Während Brommund referiert, werden wir vom Greifvogel neugierig beäugt. Alicia weiß, dass sie gleich mit ihrer Falknerin eine Runde dreht und von jedem Teilnehmer ein Stück Fleisch erhält. Denn bevor wir sie kennenlernen und berühren dürfen, belohnen wir sie. Aber auch dafür gibt es klare Regeln. So muss man das Stückchen in der geschlossenen Hand an den Greifvogel heranführen und erst kurz vor ihm die Hand öffnen. Auch hier bedeutet der kleinste Fehler Vertrauensverlust. "Ganz wie im Berufsleben. Machen Sie es mit Ihren Mitarbeiter falsch, sind sie enttäuscht", sagt Wolckenhaar.

Vertrauen und Motivation sind entscheidend

Wir sind ja aber hier, um zu erfahren, wie wir ein charismatischer Leader werden. Dafür hat das Trainer-Trio ein sogenanntes III-Stufen-TASS Trainingsprogramm entwickelt.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Gemeinsam mit Ulf Weigelt schrieb sie das Buch Ratgeber Arbeitsrecht. Auf ZEIT ONLINE gibt sie Führungskräften in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung.

Auf Stufe eins – eine Pflicht für Führungskräfte – steht die Selbstkompetenz. Man kann schließlich andere nur erfolgreich führen, wenn man sich selbst erfolgreich führt. Stufe zwei wird das Du-Training genannt. Dabei geht es um die Interaktion mit den Mitarbeitern und Teammitgliedern. Wer nicht versteht, wie Gruppen ticken und welche Dynamiken entstehen, wird sich als Führer nicht durchsetzen können. Stufe drei geht schließlich auf die Führungskräfte selbst ein: Beim sogenannten Wir-Training stehen die Manager im Team im Zentrum. Wenn man sich selbst und seine Mitarbeiter führen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sich auch in einer Gruppe mit anderen Leadern behaupten kann. Und es geht nicht nur ums Behaupten: Viele Führungskräfte sind gut in ihrer herausragenden Rolle, aber sie sind schlechte Team-Player. Doch genau darauf kommt es an: Alphas sollen auch gut und fair im Team mit anderen Alphas sein.

Um auf allen drei Stufen fit zu sein, sollen wir lernen, uns unserer Wirkung bewusster zu werden und unsere Überzeugungskraft im Umgang mit anderen zu erproben. Falknerin Brommund kann das schon ganz gut, zeigt sie uns bei einem Spaziergang im Schlosspark. Mit dabei sind auch zwei Harris Hawks-Falken, die immer wieder, statt in die Bäume zu verschwinden, zu ihr fliegen. Ganz einfach ist das aber auch für die Falknerin nicht. Sie muss sich ständig bemühen, dass die Greifvögel zurückkommen. Wie im Umgang mit Mitarbeitern: Motivation ist alles.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema bei. Die Redaktion/mak

  2. "In einem Seminar sollen Manager den Umgang mit den Tieren lernen und auf diese Weise Personalführung üben."

    4 Leserempfehlungen
  3. Wahnsinn, was in dem Artikel für "unglaubliche Erkenntnisse" stecken! Und dann Aussagen wie:

    "Die Greifvögel jedoch sind ehrlicher als Mitarbeiter. Sie reagieren authentisch und unmittelbar auf ihr Gegenüber und geben ihr Feedback ungefiltert weiter."

    Soso! Ehrlicher (!) und "authentisch". Dass das vielleicht damit zusammenhängt das es Tiere sind, die sich nicht um die Konsequenzen scheren müssen, wenn der Chef ggf. angepisst ist, weil ihm die ehrliche und authentische Meinung des Angestellten nicht passt oder er bestimmte Meinungen nicht hören will, wird überhaupt nicht thematisiert.

    Ansonsten sehe ich das als nette Spielerei für die "Leader". Dass diese tatsächlich entsprechende Inhalte auf ihren Arbeitsalltag übertragen können, wage ich nach diesem Artikel jedoch stark zu bezweifeln. Aber ist halt wie mit den meisten Coachings: man muss es nur gut verkaufen (können) und die Konsumenten müssen daran glauben (wollen).

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich würde auch gerne meinem "Leader" ganz ehrlich, authentisch und ungefiltert sagen, dass ich für diese Eventkultur des Coachings nichts übrig habe, weil sie sehr teuer und der Nutzen fragwürdig ist. Aber um die eigentlichen Inhalte geht es bei diesen Events ja scheinbar gar nicht, denn diese ließen sich auch so vermitteln und trainieren, wenn man ernsthaft am Thema und der Sache Interesse hätte. Aber das wäre ja langweilig und überhaupt kein Unterschied zum Alltag unserer "Leader". Lieber geht man dann über glühende Kohlen, hantiert mit Raubvögeln oder macht sonstwas, als sich direkt mit Inhalten, Übungen und den wesentlichen Aspekten zu befassen.

    Dass dies wahrscheinlich mehr bringen würde, günstiger und damit effizienter wäre, interessiert die "Leader" wahrscheinlich nicht, auch wenn es ehrlich, authentisch und ungefiltert (und mMn. durchaus eine Diskussion wert) wäre.

    Aber wahrscheinlich würde es meine(n) "Leader" genauso wenig interessieren was ich zu diesem Thema denke, wie sie sich ihre teure Eventkultur nicht durch den Anspruch an inhaltlich-sachlich vernünftig konzipierte Coachings vermiesen lassen würden.
    Währe ja noch schöner, wenn man bei so einem Coaching tatsächlich was lernen oder anspruchsvoll reflektieren müsste!

    Ich würde auch gerne meinem "Leader" ganz ehrlich, authentisch und ungefiltert sagen, dass ich für diese Eventkultur des Coachings nichts übrig habe, weil sie sehr teuer und der Nutzen fragwürdig ist. Aber um die eigentlichen Inhalte geht es bei diesen Events ja scheinbar gar nicht, denn diese ließen sich auch so vermitteln und trainieren, wenn man ernsthaft am Thema und der Sache Interesse hätte. Aber das wäre ja langweilig und überhaupt kein Unterschied zum Alltag unserer "Leader". Lieber geht man dann über glühende Kohlen, hantiert mit Raubvögeln oder macht sonstwas, als sich direkt mit Inhalten, Übungen und den wesentlichen Aspekten zu befassen.

    Dass dies wahrscheinlich mehr bringen würde, günstiger und damit effizienter wäre, interessiert die "Leader" wahrscheinlich nicht, auch wenn es ehrlich, authentisch und ungefiltert (und mMn. durchaus eine Diskussion wert) wäre.

    Aber wahrscheinlich würde es meine(n) "Leader" genauso wenig interessieren was ich zu diesem Thema denke, wie sie sich ihre teure Eventkultur nicht durch den Anspruch an inhaltlich-sachlich vernünftig konzipierte Coachings vermiesen lassen würden.
    Währe ja noch schöner, wenn man bei so einem Coaching tatsächlich was lernen oder anspruchsvoll reflektieren müsste!

  4. "Natürlich lassen sich Menschen nicht mit Vögeln vergleichen."

    Aber nein, natürlich nicht. Deshalb trainieren die ach so "charismatischen Leader" ja auch mit Tieren ihre Umgangsformen mit den niederen Kasten im Unternehmen. Denn wer das Vertrauen eines Vogels gewinnen kann, der schafft das auch beim menschlichen Lakaien. Schließlich sind die Viecher ja noch authentischer als der lohnabhängig Beschäftigte, an dem die erlernten Techniken dann später ausprobiert werden.

    Was soll also dieser scheinheilige Alibi-Satz, dass man Tiere nicht mit Menschen vergleichen kann wenn das ganze Unterfangen exakt der Simulation bzw. Einübung von Vertrauensbildung/Führungsstärke bei den Angestellten dienen soll?
    Ein schönes Beispiel für die geistige & moralische Verwahrlosung in deutschen Chefetagen. Widerlich.

    5 Leserempfehlungen
  5. Ich würde auch gerne meinem "Leader" ganz ehrlich, authentisch und ungefiltert sagen, dass ich für diese Eventkultur des Coachings nichts übrig habe, weil sie sehr teuer und der Nutzen fragwürdig ist. Aber um die eigentlichen Inhalte geht es bei diesen Events ja scheinbar gar nicht, denn diese ließen sich auch so vermitteln und trainieren, wenn man ernsthaft am Thema und der Sache Interesse hätte. Aber das wäre ja langweilig und überhaupt kein Unterschied zum Alltag unserer "Leader". Lieber geht man dann über glühende Kohlen, hantiert mit Raubvögeln oder macht sonstwas, als sich direkt mit Inhalten, Übungen und den wesentlichen Aspekten zu befassen.

    Dass dies wahrscheinlich mehr bringen würde, günstiger und damit effizienter wäre, interessiert die "Leader" wahrscheinlich nicht, auch wenn es ehrlich, authentisch und ungefiltert (und mMn. durchaus eine Diskussion wert) wäre.

    Aber wahrscheinlich würde es meine(n) "Leader" genauso wenig interessieren was ich zu diesem Thema denke, wie sie sich ihre teure Eventkultur nicht durch den Anspruch an inhaltlich-sachlich vernünftig konzipierte Coachings vermiesen lassen würden.
    Währe ja noch schöner, wenn man bei so einem Coaching tatsächlich was lernen oder anspruchsvoll reflektieren müsste!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wahnsinn!!!"
  6. Was um Gottes Willen soll das denn? Pseudopsychologisches Geschwätz und Beutelschneiderei zu verbinden ist aber keine Straftat, die Managementtrainer leben von nichts als Hokuspokus. Gut, das mal auch denen transparent zu machen, die sich ehrlich ihr Geld verdienen und jetzt ahnen, wie die Nadelstreifen zu Nieten gemacht werden. Neulich sah ich eine CD "Mozart für Manager", und der Klappentext lautete sinngemäß '... in kurzen abgeschlossenen Musikstücken, die Zeitknappheit und Erholungsbedarf der Hochleistungselite optimal Rechnung tragen.' Ich wünschte mir ein Pferdeäpfelaufsammeljahr für Marketingdummschwätzer.

    Eine Leserempfehlung
  7. 7. .....

    Ein interessanter Artikel. Greifvögel in der Falknerei lassen sich nur über Atzung (Kondition) und positive Bestätigung (Motivation) beinflussen. Ziel dabei ist es den Greifvogel so wie einen wilden Greifvogel zu fliegen mit höchst möglicher Kondition und größter Motivation. Man kriegt auf jeden Fall bei einem Greifvogel eine sofortige Reaktion auf ein positives wie negatives Verhalten. Der Greifvogel braucht den Menschen nicht um in der Natur zu überleben, er hat jedoch in der Falknerei gelernt, dass es für ihn im Team mit dem Falkner leichter ist Beute zu machen.
    Sogesehen hinkt der Vergleich, da Menschen oft kein direktes Feedback geben und sich auch als Nichtselbständige in einem anderen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber befinden. Daher denke ich sind die Erfahrungen nur bedingt für Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern übertragbar. Ein Greifvogel, der Beute gemacht hat, gibt sich mit der Beute zufrieden und ihm genügt ein voller Kropf, er jagt nicht wieder bevor er ein entsprechendes Hungergefühl hat. Der Mensch hat den Drang trotz Befriedigung eines Bedürfnisses durch Gier weiter getrieben zu werden und sich nicht mit einem Erfolg zu begnügen.
    Als kleine Randbemerkung an den Autor zum Schluß; Harris Hawks (parabuteo unicinctus) gehören nicht zu den Falkenartigen sondern zu den Habichtsartigen und werden auch Wüstenbussarde genannt.

    Eine Leserempfehlung
    • Kelsi
    • 29.06.2012 um 23:09 Uhr

    ... musste ich schon ein wenig schmunzeln. " In einem Seminar sollen Manager den Umgang mit den Tieren lernen und auf diese Weise Personalführung üben." :-)

    Hoffen wir mal dass sie nicht zu Zuchtmeistern werden ;-)

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service