Managerinnen"Die gläserne Decke existiert"

Wieso schaffen es in Deutschland nur so wenige Frauen an die Spitze? Fünf internationale Managerinnen diskutieren über die Hürden in deutschen Unternehmen. von Kristin Schmidt und Manfred Engeser

Frage: Meine Damen, jede von Ihnen arbeitet seit Jahren im Management für Unternehmen in Deutschland. Bis auf Frau Kasztan sind Sie aber nicht in Deutschland, sondern in Italien und Brasilien, Frankreich , Schweden oder Großbritannien aufgewachsen. Sind deutsche Frauen selbst schuld, wenn sie es nicht in die Führungsetagen schaffen ?

Angela Hornberg: Mir erscheinen deutsche Frauen weniger selbstbewusst als ihre männlichen Kollegen, aber auch als ausländische Frauen. Sie setzen ihre Netzwerke nicht ein und formulieren ihre Ziele nicht laut genug. Fragt man einen Jura-Absolventen, was er werden will, sagt er: Partner. Fragt man seine Kommilitonin, sagt sie: Ich will einen Beruf, der mir Spaß macht.

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Frage: Frau Kasztan, als einzige Deutsche in dieser Runde: Sehen Sie das auch so?

Brigitte Kasztan: Auch ich erlebe das täglich. Viele Frauen sitzen an ihrem Schreibtisch und warten auf Entdeckung. Sie formulieren nicht, wo sie hinwollen, wollen sich nicht verkaufen, wollen keine Macht. Auch ich habe immer geguckt, was mir Spaß macht.

Angela Hornberg

Die Investmentbankerin Angela Hornberg ist selbstständige Personalberaterin in Frankfurt. Sie war unter anderem für die Deutsche Bank und Lehmann Brothers tätig.

Frage: Ist der Spaß am Job nicht die wichtigste Basis für beruflichen Erfolg?

Hornberg: Aber das genügt nicht. Wären die Suffragetten vor 100 Jahren nicht auf die Barrikaden gegangen, hätten wir Frauen bis heute kein Wahlrecht . Manchmal muss man eben zu radikalen Mitteln greifen, um etwas zu erreichen. Solange ich brav anklopfe, passiert nichts.

Frage: Also ist die Glasdecke , die viele Frauen angeblich unverschuldet am Aufstieg hindert, nichts anderes als eine bequeme Ausrede?

Evelyne Freitag: Die gläserne Decke existiert in vielen Unternehmen. Aber teilweise sind es auch die Frauen, die Barrieren aufbauen und in Karrierefallen tappen . Junge Mütter verzichten oft freiwillig auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben, streben eine Halbtagstätigkeit an oder lassen sich zu dieser überreden. Da fehlt der Wille zur Übernahme von Führungsverantwortung.

Joanne Harrison-Gross: Außerdem organisieren viele deutsche Frauen den Haushalt oft allein. In England ist es üblicher, dass berufstätige Frauen Unterstützung im Haushalt bekommen. Deutsche Familien tun sich oft schwer damit, jemanden ins Haus zu lassen. Sie wollen auch im Haushalt alles perfekt machen. Das sind alte Strukturen.

Brigitte Kasztan

Brigitte Kasztan ist Diversitybeauftragte bei Ford Deutschland.

Kasztan: Auch jetzt wieder diese Diskussion um die Herdprämie . Das klingt nach: Frauen zurück an den Kochtopf! Die meisten Frauen gehen nach der Geburt eines Kindes in Teilzeit, weil es immer noch an der Mutter hängen bleibt, wenn etwas mit den Kindern nicht läuft. Es ist nicht der Mann, der sagt, ich passe auf das kranke Kind auf, wenn die Betreuung ausfällt.

Frage: Ist das außerhalb Deutschlands anders?

Freitag: Mein Vater hat mir stets zur finanziellen Unabhängigkeit geraten. Es ist in Frankreich völlig normal, als Mutter mit kleinen Kindern voll berufstätig zu sein und Karriere und Familie zu verbinden.

Liselotte Hjorth

Liselotte Hjorth ist im Vorstand der Deutschland-Tochter der schwedischen Bank SEB zuständig für das weltweite Immobiliengeschäft.

Liselotte Hjorth: Auch in Schweden ist es nicht üblich, nur Hausfrau zu sein. Frauen kehren in der Regel bald nach der Geburt ihrer Kinder wieder zurück ins Arbeitsleben. In Deutschland haben viele Frauen immer noch Sorge, als Rabenmutter zu gelten, wenn sie Kinder großziehen und gleichzeitig arbeiten.

Frage: Hatten Sie dieses Gefühl nie?

Harrison-Gross: Klar kommt das mal vor. Aber dann braucht man eben eine gute Tagesmutter und teilt mit dem Partner die Verantwortungen auf.

Leserkommentare
  1. Kommt es nur mir so vor, dass die Überschrift dem Artikel weitesgehend widerspricht? Es scheint ja, laut Artikel, doch hauptsächlich an den mangelnden Kinderbetreuungsmöglichkeiten und deren Anerkennung und der anderen Grundeinstellung von Frauen zu ihrem Beruf zu liegen. Also weniger daran, dass böse männliche Chefs Frauen für unfähig halten und sie deswegen nicht befördern.

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    dass es die glaeserne Decke gibt, aber dass ihre Form vielfaeltig ist, angefangen von der zu grossen Zurueckhaltung der Frau ueber dem veralteten Gesellschaftsbild bis hin zum Chef, der unter gar keinen Umstaenden Muetter in Fuehrungspositionen haben will (wird auch irgendwo im Text erwaehnt). Auf jemanden wie mich, der in einem Umfeld aufgewachsen ist, wo Muetter generell gearbeitet haben, wirken diese ganzen Diskussionen, ob und ab wann Muetter arbeiten sollten, nach 30 Jahren! sehr befremdlich, um nicht zu sagen rueckstaendig.

  2. ja das Wort "schaffen" auch getrost durch "gehen" ersetzen, wodurch sich der Großteil des Problems in Wohlgefallen auflöst...?

    Eine Leserempfehlung
  3. 3. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

  4. der Sport-Politik. Vielleicht kommen die Funktionaere auch noch auf die Ausrede, dass es an einer glaesernen Decke lag, dass die Sportler ihre Zielvorgaben nicht erreicht haben.
    Nur werden sich die Leistungen keinen feuchten Kehrricht darum kuemmern.

  5. "Hornberg: Frauen werden angeheuert, um zu arbeiten. Nach oben schaffen sie es nicht."

    Die Spitze, liebe Damen, liegt nicht in der Position des oder der Vorstandsvorsitzenden, denn das sind, wenn auch formal als Organe geltend, letztlich doch nur Angestellte.

    Die Spitze des beruflichen Daseins ist der Eigentümerunternehmer oder die Eigentümerunternehmerin! Sei es selfmade oder von mir aus auch geerbt.

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    Bei Volkswagen stellt nicht Martin Winterkorn die Spitze dar, sondern Ferdinand Piech! Piech ist der unumschränkte Herrscher von Volkswagen. Würde Winterkorn Piechs Interessen zu widerlaufen, dann wäre er blitzschnell weg von Fenster, so wie es bei Pischetsrieder der Fall war.

    Wenn Frauen in diese Machtposition kommen wollen, dann müssen Sie entweder das Unternehmen selbst aufbauen oder sie können es ererbt haben. Das sind die einzigen Möglichkeiten an die wirkliche Spitze vorzudringen.

  6. Bei Volkswagen stellt nicht Martin Winterkorn die Spitze dar, sondern Ferdinand Piech! Piech ist der unumschränkte Herrscher von Volkswagen. Würde Winterkorn Piechs Interessen zu widerlaufen, dann wäre er blitzschnell weg von Fenster, so wie es bei Pischetsrieder der Fall war.

    Wenn Frauen in diese Machtposition kommen wollen, dann müssen Sie entweder das Unternehmen selbst aufbauen oder sie können es ererbt haben. Das sind die einzigen Möglichkeiten an die wirkliche Spitze vorzudringen.

  7. also wenn die existiert, dann doch wohl für viele Männer auch, für die im midmanagement Schluß ist. Das könnten sogar mehr als Frauen sein.

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    Z.B. für homosexuelle Männer, für behinderte Männer für "ausländische" Männer

  8. Ob es begabungsbedingt ist - keine Ahnung. Aber nur wenige Frauen schaffen ein MINT-Studium. Und ohne das ist die Karriere bei einem Technologiekonzern schwer.
    Eine Zwangsquote für Vorstände ist auch gaga.
    Aber eine Quote für Aufsichtsräte ist sehr sinnvoll. Da dürfen es statt 30 auch gerne mindestens 40% Frauen sein.
    Dann wird man sehen, wer sich da leichter tut - die Anteilseigner oder die Gewerkschaften (die hätte das doch längst machen können).
    Richtig ist der Hinweis auf die Defizite bei der Kinderbetreuung. Ein Ganztageskindergarten macht um 6:00 Uhr auf und nicht vor 20:00 Uhr zu. Sonst ist es keiner.
    Und so Diskussionen, dass die Hortbetreuung doch den Kindern schade, gibt es nur in Deutschland. Scheint ein nationales Problem zu sein.
    Also: Runter mit dem Kindergeld, weg mit dem Elterngeld, weg mit der Herdprämie - und wir haben das größte Problem gelöst.

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