Sechs Jahre lang war Josef Ackermann alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Ende Mai gab er seinen Posten auf – mit 64 Jahren. Während andere froh sind, den Stress des Arbeitslebens hinter sich zu lassen, denkt Ackermann nicht ans Aufhören. Seit Anfang des Jahres ist der Schweizer Verwaltungsratspräsident bei der Zurich Insurance Group.

Auch der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn startete im Rentenalter noch einmal eine neue Karriere . Zehn Jahre lang war er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, baute das Unternehmen um, stand wegen seines harten Führungsstils immer wieder in der Kritik. 2011 übernahm der Spitzenmanager den Chefposten bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin . Er soll das Unternehmen sanieren und zügig an einen Nachfolger übergeben. Im Juli wird Mehdorn 70 Jahre alt.

Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth ist sogar schon 75 Jahre alt. Aber auch sie kann die Finger nicht von der Arbeit lassen. Von 1985 bis 1988 war sie Familienministerin, bis 1998 Präsidentin des Deutschen Bundestags. Die Liste ihrer verschiedenen Ehrenämter und Engagements füllt mehrere Seiten.

Warum können Menschen, die es bis in die höchsten Stellen von Wirtschaft und Politik geschafft haben, einfach nicht aufhören? Der Arbeitspsychologe Tim Hagemann hat darauf zwei Antworten: "Weil Gestaltungsspielraum, Macht und Bedeutung abhängig machen können – und weil vor allem solche Menschen in Spitzenpositionen kommen, die diesen Wünschen ihr Leben unterordnen." Ob jemand ein Amt, einen Job, eine Position loslassen kann, hängt vor allem von seiner Einstellung zum Beruf ab. Der Psychologieprofessor unterscheidet hier drei Typen.

Position nicht mit Person verwechseln

Typ 1 übt seinen Beruf aus Berufung aus. Er hat eine Mission, arbeitet mit Leidenschaft. Dieser Typ betont vor allem den Gestaltungsspielraum, den ein Arbeitsplatz mit sich bringt. Der Beruf und durchaus auch eine Position spielt für seine Persönlichkeit eine wichtige Rolle, aber er definiert sich nicht allein darüber.

Typ 2 dagegen wird vor allem durch das Handlungsmotiv Macht angetrieben. Auch er hat eine Mission, allerdings steht mindestens gleich stark daneben der Drang, selbst zu wirken. Dieser Typus strebt in eine Machtposition um der Macht willen. Solchen Führungskräften fällt es oft sehr schwer, zwischen ihrer eigenen Person und ihrer Position zu trennen. Ein Jobverlust oder der Ruhestand stößt sie in ein tiefes Loch – denn sie verlieren mit dem Job auch einen Teil ihrer Identität. "Wer sich nur über seine Position definiert, für den hat der Ruhestand etwas sehr stark Bedrohendes", sagt Hagemann.

Ein dritter Typus begreift Arbeit hingegen als etwas, das nicht prägender Teil der Persönlichkeit ist. Arbeit wird entweder als Broterwerb verstanden, kann aber auch wichtiger Teil des Lebens sein, der als sinnvoll und zufriedenstellend erachtet wird. Menschen, die diesen Persönlichkeitstypus haben, legen allerdings sehr viel Wert auf Privat- und Familienleben. Ihr Leben steht auf verschiedenen Säulen. Ihnen ist klar, dass das Wirken in einer Position immer zeitlich begrenzt ist – und sie können einen Job auch gut loslassen. "Viele erleben den Ruhestand dann auch als Erleichterung", sagt Hagemann.