ArbeitsbedingungenIG Metall fordert Anti-Stress-Verordnung

Immer mehr Berufstätige fallen wegen Stress und Burn-out aus. Die IG Metall hat deshalb eine Verordnung zum Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz gefordert. von dpa

Weil der Druck im Job in vielen Branchen gestiegen ist, fordert die IG Metall eine Verordnung zum Schutz vor psychischen Belastungen in der Arbeitswelt . Stressbelastung müsse mit anderen Gefährdungen durch Lärm, unzureichendes Licht oder Gifte gleichstellt werden, erklärte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban am Mittwoch in Berlin . Eine Anti-Stress-Verordnung solle für alle Branchen gelten und die Verbindlichkeit für präventiven Arbeitsschutz erhöhen.

Die von der IG Metall vorgeschlagene Verordnung formuliert Vorgaben für die Gestaltung von Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation, sozialen Beziehungen, Arbeitsplatz- und Umgebungsbedingungen sowie der Arbeitszeit . Ständige Erreichbarkeit , befristete Arbeitsverträge und das Gefühl steigenden Drucks gelten als Ursache für immer mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen . Dem Bundesarbeitsministerium zufolge gab es 2001 deutschlandweit 33,6 Millionen Fehltage wegen psychischer Störungen, 2010 schon 53,5 Millionen. Ihr Anteil an allen Fehltagen stieg damit von 6,6 auf 13,1 Prozent.

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Die IG Metall fordert nun eine eindeutige Trennung von Arbeitszeit und Freizeit. Beschäftigte sollten vor permanenter Erreichbarkeit per Smartphone geschützt werden . Ein bedeutender Faktor für Wohlbefinden und Gesundheit liege auch im Betriebsklima und bei angemessenem Führungsverhalten der Vorgesetzten.

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Leserkommentare
  1. "Ein bedeutender Faktor für Wohlbefinden und Gesundheit liege auch im Betriebsklima und bei angemessenem Führungsverhalten der Vorgesetzten." steht als Schlusssatz zu lesen.

    Was ist, wenn 69 Angestellte mit dem Betriebsklima gut zurecht kommen und es positiv bezeichnen und 5 es nicht gut empfinden? Wenn Führungsverhalten von der Hälfte als "angemessen" und von den anderen als nicht "angemessen" empfunden wird?

    Bei Arbeitsplatzbeleuchtung, Lärm, Zeiten... kann man messen und daraufhin beurteilen. Wenn es um Wohlbefinden geht, dürfte das zu Beurteilungsversuchen führen, die kaum zu handhaben sind.

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  2. das so menschenfreundliche und fortschrittliche D überrascht und das sich da die Gewerkschaften melden. Diese haben unter der Ägide Schröder und Clement erst zu den jetzigen Zutändne beigetragen.
    Werden aber wieder sagen, dass konnten wir doch nicht Wissen. Ist wie mit allen die in D auf anderen Welten Leben (Banker, ÖD, Gewerkschaften, Politik) keinen Sinn für Realitäten und nur sie arbeiten hart.

    Kenne keinen meiner dt. Freunde (alles Ing) die nicht jedes Jahr 100-200 plus Ü Stunden haben, die weder geld noch freizeittechnisch entlohnt werden.

    Was soll denn solch eine Verordnung bringen, wenn da nicht drakonische Strafen hinterstehen und es Stellen gibt, die diese auch durchdrücken und bei denen man sich als AN beschweren kann.

    Deutschland macht seit 15 Jahre seine einzige Ressource (Menschen und Geist) kaputt und feiert sich dafür noch als Wirtschaftsweltmeister oder Vize..

    Besonders im Akademikerbereich liegt es natürlich auch an den luxuriösen Urlaubsbedingungen. Denn was nützen denn 30 Tage Urlaub, wenn keiner die Arbeit in Abwesend erledigt und man wenn man wieder kommt, den ganzen liegen geliebenen Kram in kürzester Zeit wieder aufarbeiten muss.

    Da täten dann 10-15 Tage Urlaub Wunder, wenn man nur Arbeitstage 9-5 hat.

    3 Leserempfehlungen
    • cordty
    • 27. Juni 2012 21:08 Uhr

    Die (unterstellte) ständige Erreichbarkeit kann ich nicht immer nachvollziehen. In dem Unternehmen, in dem ich arbeite, besteht auch die Möglichkeit, E-Mails immer und überall abzurufen; ob mit Smartphone, Tab, Laptop oder BlackBerry. Nur kein Mensch (Arbeitgeber) verlangt, dass ich diese außerhalb meiner Arbeitszeit abrufen muss. Im Freundeskreis habe ich auch öfters mal gefragt, ob es der Arbeitgeber verlangt. Bei allen war es nicht der Fall.
    Machnmal habe ich das Gefühl, dass die Leute sich gegenseitig pushen wollen - so nach dem Motto; je später ich noch mal eine E-Mail von zuhause aus an Kollegen schicke (CC: der Chef natürlich), desto mehr staunen morgen alle im Büro: Mensch der arbeitet aber noch spät. Muss ich auch mal machen, der Chef stand ja auf cc.
    Und so wird ein Druck aufgebaut, der sich immer weiter aufbauscht und sich durch die Unternehmen zieht. Und hier müsste der Vorgesetzte Vorbild sein und das verbieten.
    Sicherlich gibt es auch die Fälle, in denen es verlangt wird. Aber dann kann ich auch selbst entscheiden, ob ich bleibe oder gehe, wenn meine Gesundheit es mir Wert ist...

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  3. 4. Naja..

    ..wer 100 bis 200 Überstunden im Jahr umsonst macht, ist selbst Schuld. Sofern diese angeordnet sind, ist es schlicht weg Diebstahl. Ich gehe auch nicht ein Restaurant, bestelle zwei Gerichte, esse diese und bezahle dann nur eins. Wenn Leistung bestellt und erbracht wird, ist diese auch zu bezahlen oder in Freizeit auszugeleichen. Was der/die betroffene Arbeitnehmer/in dann nimmt - Geld oder Freizeit - ist im Übrigen seine/ihre Entscheidung.
    Sofern diese Überstunden aber freiwillig sind, sollte man sich über den Anhang zur Selbstausbeutung bewusst werden.

    Besonders bei Ingenieuren ist diese Tendenz auch aufgrund der ideellen Bindung zu ihrer Arbeit oft vorhanden. Mir kann niemand erzählen, dass er oder sie es toll findet die eigene Freizeit z opfern, um umsonst zu arbeiten. Genau an diesem Punkt ist gewerkschaftliche Organisation gefragt.

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    Sg Herr Marxer, sie machen sich's aber sehr leicht. "Wer soviel umsonst arbeitet ist selber Schuld". Ist ja auch einfach die Schuld einzelnen zuzuschieben. Und die Hunderttausenden von Ingenieuren, die jedes Jahr leicht auf 100 bis 200 Überstunden kommen, sind ja alle selber Schuld.

    Bitte überlegen sie sich zuerst, wer in diesem Spiel in der überlegeren Position steht. Naja, ich hoffe ja mal nicht, dass Sie zu dieser überlegeneren Seite gehören und diese Kommentarfunktion benutzen, um die Schuld auf die Ingenieure" zu projizieren.

    Ich kenne - wie Herr/Frau "truthhurts" - auch niemanden in meinem Ing. Bekanntenkreis der nicht 100te von Überstunden jedes Jahr unbezahlt leistet.

    • bukoca
    • 28. Juni 2012 20:25 Uhr

    Ich denke, dass man das mit der Selbstausbeutung nicht so pauschal sagen kann. Arbeitsverdichtung und zu dünne Personaldecken haben doch oft dazu gefuehrt, dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als länger zu arbeiten. Die Alternative wäre doch vielleicht, gar keine Arebeit mehr zu haben. Man hat kaum noch Zeit, sich in neue Projekte einzuarbeiten, notwendige Vorlaufzeiten werden einfach nicht gewährt. Der Vertrieb und die GF versprechen dem Kunden das Blaue vom Himmel. Die Verantwortlichen in der Produktion müssen dann in ihrer privaten Zeit versuchen zu retten, was zu retten ist. Hab ich oft genug erlebt. Donnerstags mit dem BL beim Kunden, Freitag war Feiertag, für kommenden Mittwoch wurden erste Ergebnisse zugesagt. Intern stand nicht mal die EDV. Ich hätte es mir ja am Feiertag gut gehen lassen können, Überstunden waren auch mit dem Gehalt abgegolten. Stattdessen war ich blöd und selbstausbeuterisch.

  4. Letztlich muss die gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit besser verteilt werden, um einer fortschreitenden Verdichtung von Arbeitsbelastung zu begegnen. Das heißt Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Der Wohlstand dafür ist mehr als vorhanden.

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  5. Sg Herr Marxer, sie machen sich's aber sehr leicht. "Wer soviel umsonst arbeitet ist selber Schuld". Ist ja auch einfach die Schuld einzelnen zuzuschieben. Und die Hunderttausenden von Ingenieuren, die jedes Jahr leicht auf 100 bis 200 Überstunden kommen, sind ja alle selber Schuld.

    Bitte überlegen sie sich zuerst, wer in diesem Spiel in der überlegeren Position steht. Naja, ich hoffe ja mal nicht, dass Sie zu dieser überlegeneren Seite gehören und diese Kommentarfunktion benutzen, um die Schuld auf die Ingenieure" zu projizieren.

    Ich kenne - wie Herr/Frau "truthhurts" - auch niemanden in meinem Ing. Bekanntenkreis der nicht 100te von Überstunden jedes Jahr unbezahlt leistet.

    Antwort auf "Naja.."
  6. Sehr geehrter Wolfgang,

    die Aussage ihrerseits ist schon richtig. Aber wie jeder einzelne eine Verantwortung hat, so trägt er auch eine teilweise Mitschuld, unabhängig davon, dass das System die entstandenen Bedingungen hervorbringt. Die Frage ist doch, wie man selbst die Entscheidungshoheit erlangt. Antwort: Durch gewerkschaftliche Organisation. Kollektiver Zusammenschluss macht doch erst den/die Arbeitnehmer/in stark, weil dadurch das für das Unternehmen entscheidende Quantum entzogen werden kann - die Arbeitskraft (in Form von Streik oder der Androhung dessen). Zumal es bezüglich der Bezahlung von Überstunden eindeutige gesetztliche Regelungen gibt. Wer auch durch eigenes Verschulden den Betrieb zu einem rechtsfreien Raum macht, hat auch eine gewisse Mitverantwortung an der entstandenen Lage. In anderen gesellschaftlichen Bereichen würden die Menschen sofort zum Anwalt laufen. Dass diese Durchsetzung nicht einfach ist, ist mir auch aus eigener Erfahrung klar (mehrfache Initiierung von Betriebsratswahlen in unterschiedlichen Unternehmen). Wer aber nicht für seine Rechte kämpft und alles unterläuft, schafft auch für andere Beschäftigte Standards und Drucksituationen. Die gesellschaftliche Arbeitswelt ist nicht isoliert, sondern überall verbunden.

    Eines noch: Nein ich gehöre nicht zur Kapitalseite und befinde mich nicht in einer exponierten Stellung, um hier moralische Kritik zu äußern. Den Kampf um Mitbestimmung führe/führte ich immer als normaler Arbeiter.

    Stefan Marx

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    Ihre differenzierte Ausführung zeigt sehr schön das es nicht ganz so einfach ist die Schuld nur auf einer Seite zu sehen. Und richtig Gewerkschaften sind nicht zum Selbstzweck entstanden. Mir ihrer Darlegung haben sie meine volle Unterstützung. Mit der verkürzten Form haben Sie mein soziales Empfinden gereizt ;-)
    Und verzeihen Sie meinen Vorwurf der Meinungsmache. Das Misstrauen im Internet sitzt halt sehr tief bei mir.

    Wolfgang Fürst

    • bukoca
    • 28. Juni 2012 20:25 Uhr

    Ich denke, dass man das mit der Selbstausbeutung nicht so pauschal sagen kann. Arbeitsverdichtung und zu dünne Personaldecken haben doch oft dazu gefuehrt, dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als länger zu arbeiten. Die Alternative wäre doch vielleicht, gar keine Arebeit mehr zu haben. Man hat kaum noch Zeit, sich in neue Projekte einzuarbeiten, notwendige Vorlaufzeiten werden einfach nicht gewährt. Der Vertrieb und die GF versprechen dem Kunden das Blaue vom Himmel. Die Verantwortlichen in der Produktion müssen dann in ihrer privaten Zeit versuchen zu retten, was zu retten ist. Hab ich oft genug erlebt. Donnerstags mit dem BL beim Kunden, Freitag war Feiertag, für kommenden Mittwoch wurden erste Ergebnisse zugesagt. Intern stand nicht mal die EDV. Ich hätte es mir ja am Feiertag gut gehen lassen können, Überstunden waren auch mit dem Gehalt abgegolten. Stattdessen war ich blöd und selbstausbeuterisch.

    Antwort auf "Naja.."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte IG Metall | Metall | Arbeitsvertrag | Arbeitszeit | Betriebsklima | Beziehung
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