Vereinte Nationen: UN-Karriere schwer gemacht
Die UN können unter den Besten der Besten auswählen. Doch Jobs sind rar, Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist schwierig und Bürokratie erschwert den Joballtag.
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

UN-Mitarbeiter in der Genfer Zentrale der Vereinten Nationen
Eigentlich ist Dorothee Meier* um ihre Karriere zu beneiden. Die 32-Jährige arbeitet für die Vereinten Nationen, hat sich gegen unzählige High Potentials durchgesetzt. Allerdings ist die Deutsche von ihrem Topjob bei den UN nicht nur begeistert. Fünf Mal ist sie in den letzten sechs Jahren für ihren Arbeitgeber umgezogen. Nun steht der sechste Umzug an. Bald läuft ihr Arbeitsvertrag nach nur zehn Monaten bei einer humanitären Organisation in Genf aus. Wo ihr nächster Job sein wird, ist noch unklar. Vielleicht in Afrika, vielleicht in Asien oder anderswo auf der Welt. Sie wird nehmen, was sie kriegen kann.
"Für internationale Organisationen zu arbeiten, ist nicht so glanzvoll, wie es sich mancher vielleicht vorstellt. Es gibt nur wenige Stellen. Mit Glück bekommt man einen Kurzzeitvertrag", sagt sie. Die Arbeit für die UN hatte sie sich als Studentin in Oxford mit dem Fach Internationale Beziehungen noch ganz anders vorgestellt. Damals träumte sie von der Karriere bei den Vereinten Nationen. Wollte die Welt verbessern und tat alles, was sie auf den Werdegang als UN-Mitarbeiterin vorbereitete. Sie arbeitete, gefördert von verschiedenen Stipendienprogrammen, in Afrika und Europa und absolvierte mehrere humanitäre Praktika in Ostafrika. Schließlich ergatterte sie tatsächlich eine Stelle in der Genfer Zentrale. Doch dann kam die Ernüchterung. Einsatz folgte auf Einsatz. Jedes Mal hangelte sie sich erneut von Vertrag zu Vertrag. Mittlerweile hat sie eine Familie gegründet.
Die Vereinbarkeit von UN-Job und Kind ist allerdings nicht einfach. Die vielen kurzen Befristungen sind eine Herausforderung – zumal jedes Mal ein Job in einem anderen Land ansteht. Meiers Mann, der ebenfalls für die internationale Organisation arbeitete, hat seit dem letzten Umzug keine neue Stelle mehr gefunden. "Offene Stellen sind sehr rar. Man sagt, dass etwa nur jeder zehnte Job überhaupt noch ausgeschrieben wird", erzählt die UN-Mitarbeiterin. Allein die Weltgesundheitsorganisation in Genf habe im vergangenen Jahr rund 300 Leute entlassen.
Trotzdem kann sie sich keine andere Arbeit vorstellen. "Die Flüchtlingsproblematik zum Beispiel ist kein nationales Problem, sondern ein internationales. Genau wie der Klimawandel oder die Armutsbekämpfung. Auf solche globalen Fragen kann es nur globale Antworten geben", sagt sie. Und so wird Meier auch den sechsten Umzug in Kauf nehmen.
Bürokratie gehört dazu
Auch Oli Brown aus England lernte die UN als eher weniger attraktiven Arbeitgeber kennen. "Jeder kleine Schritt ist unglaublich umständlich, Verträge abzuschließen dauert Monate, die ganze Organisation natürlich sehr bürokratisch. Da hilft oft nur Zynismus", sagt der 37-Jährige. Trotzdem arbeitet er gerne für die internationale Organisation.
Derzeit ist er für die UN-Umweltbehörde in Sierra Leone tätig. Dort hat er es vor allem mit bürokratischen Hindernissen zu tun. "Unser Geld kommt teilweise von der UN-Umweltbehörde aus Nairobi, wird verwaltet vom UN-Entwicklungsprogramm in Sierra Leone, erst dann kommt es bei mir an. Über die finanzierten Projekte muss ich Vorgesetzten auf drei Kontinenten berichten: in New York, Genf, Nairobi und der Hauptstadt Freetown. Diese komplexen Strukturen erschweren die Arbeit des einzelnen."
Sein Job besteht vor allem darin, für den Abbau von Rohstoffen wie Öl, Gold, Diamanten oder Tropenholz Umweltstandards zu entwickeln. Die illegale Fischerei blüht: jedes Jahr bringt sie geschätzte 30 Millionen US-Dollar; die Agrarindustrie ist auf dem Vormarsch, Wälder werden abgeholzt. Sierra Leone gilt als eins der zehn ärmsten Länder der Welt. "Dieses Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt um 51 Prozent gewachsen – was vor allem auf die Geschäfte von zwei großen Minen zurückgeht", sagt der Brite.





... werden die sehr guten Gehälter frei von allen Einkommensteuern bezahlt.
Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er auf's Eis ...
... hinter den Kulissen dieser, wie auch der Welt der sog. NGOs:
http://www.zeit.de/karrie...
so lehrt die dortige Realität Ernüchterung; abgesehen von den wenigen Idealisten, die wirklich helfen wollen und sich auf die dortige Realität auch einlassen und tatsächlich helfen... sehen die meisten ihrer KollegInen diese Jobs einzig und alleine als bestbezahlte Karierre-Sprungsbretter in ihrem CV. Wenn man dann Einblicke in die dortige Postenschieberei und -klammern an "besten Standorten" mitbekommt und sich dann auch noch die Auswirkungen dieser zahlungskräftigen Kundschaft auf die lokale Gesellschaft anschaut (es werden die besten Häuser angemietet, was zu einer steigenden Immo-Spekulation und allgem. Miet- und Preissteigerung vor Ort führt), ja wenn gar die Beziehungen zu gewissen mächtigen Regierungen und ihren bürokratischen Dunstkreisen sichtbar werden...
Und nicht zu vergessen: in der Regel werden 85-95% der Budgets oder der gesammelten NGO-Gelder für Eigenbedarf, d.h. die Bedienung der eigenen Verwaltung und zus. Absicherung zuhause ausgegeben.
Der Rest darf dann für (schlechter bezahlte) local stuff und erst am Ende bei den Hilfsbedurftigen vor Ort ankommen.
Ich bin für die UN im Irak tätig und sehe mich mit einer unglaublichen Bürokratie und mafiösen Strukturen konfrontiert, die einem den Aufenthalt im Ausland mit der damit verbundenen Trennung von der Familie ziemlich erschwert. Die starke Personalgewichtung zugunsten von Dritte-Welt und Post-War-Countries mag ja irgendwo ihre Richtigkeit haben, entwickelte die UN aber in Richtung Klüngel und Selbstbedienung. Fachliche Qualifikation muss mit Vitamin B konkurrieren und verliert regelmäßig diesen Vergleich. Leider schrumpfen dabei Jahr für Jahr die Motivation und der Leistungswille. So zählt man die Tage bis zum nächsten Heimaturlaub und schätzt das steuerfreie Gehalt, von dem man seine Reisekosten natürlich selbst bezahlt.
Ich bin für die UN im Irak tätig und sehe mich mit einer unglaublichen Bürokratie und mafiösen Strukturen konfrontiert, die einem den Aufenthalt im Ausland mit der damit verbundenen Trennung von der Familie ziemlich erschwert. Die starke Personalgewichtung zugunsten von Dritte-Welt und Post-War-Countries mag ja irgendwo ihre Richtigkeit haben, entwickelte die UN aber in Richtung Klüngel und Selbstbedienung. Fachliche Qualifikation muss mit Vitamin B konkurrieren und verliert regelmäßig diesen Vergleich. Leider schrumpfen dabei Jahr für Jahr die Motivation und der Leistungswille. So zählt man die Tage bis zum nächsten Heimaturlaub und schätzt das steuerfreie Gehalt, von dem man seine Reisekosten natürlich selbst bezahlt.
Was auch immer die Mitarbeiter der UN (und vergleichbarer Organisationen) bewegt: gut, dass es Leute gibt, die so denken.
Wenn von den im Artikel geschilderten Umständen auch nur die Hälfte zutreffen sollte: man könnte mir so einen Job auf dem Silbertablett servieren, und ich würde ablehnen.
Kaum wahrnehmbare Veränderungen innerhalb einer Bürokratie vermag ich nicht als Erfolg zu sehen.
Ich bin für die UN im Irak tätig und sehe mich mit einer unglaublichen Bürokratie und mafiösen Strukturen konfrontiert, die einem den Aufenthalt im Ausland mit der damit verbundenen Trennung von der Familie ziemlich erschwert. Die starke Personalgewichtung zugunsten von Dritte-Welt und Post-War-Countries mag ja irgendwo ihre Richtigkeit haben, entwickelte die UN aber in Richtung Klüngel und Selbstbedienung. Fachliche Qualifikation muss mit Vitamin B konkurrieren und verliert regelmäßig diesen Vergleich. Leider schrumpfen dabei Jahr für Jahr die Motivation und der Leistungswille. So zählt man die Tage bis zum nächsten Heimaturlaub und schätzt das steuerfreie Gehalt, von dem man seine Reisekosten natürlich selbst bezahlt.
Zwei ehrlich gemeinte Fragen: was hat Sie bewogen, zur UN zu gehen - und was lässt sie "dabei" bleiben?
Das klingt schon irgendwie interessant! Sicherlich kann dieser kurze Artikel nicht wirklich einen Eindruck in die Arbeit eines UN-Mitarbeiters gewähren, aber es klingt schon interessant und nach eigenen Aussagen, scheinen die ja Erfolge zu verbuchen, was anspornend wirkt. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass in internationalen Organisationen wirklich eine Lösung für internationale Probleme steckt. Will man den Nachrichten glauben, so ist die Menschheit gerade dabei, sich wirtschaftlich zugrunde zu richten und ihre Umwelt dermaßen zu zerstören, dass zukünftige Generationen eine schwere Zukunft - wenn überhaupt - vor sich haben werden. Wirklich schade, dass es so ist und das niemand das wohl mehr aufhalten kann.
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