IntelligenzKluge Menschen irren sich häufiger

Intelligenz hat auch Nachteile, stellt eine amerikanische Studie fest: Demnach irren sich kluge Menschen deutlich häufiger, weil sie ihrer eigenen Hybris erliegen. von 

Folgende Situation: Ein Baseballschläger und ein Ball kosten insgesamt 1,10 Euro. Der Schläger kostet 1 Euro mehr als der Ball. Wie teuer ist der Ball?Dachten Sie spontan: "10 Cent"? Falsch gedacht! Die richtige Antwort lautet 5 Cent – denn der Unterschied zwischen 1 Euro und 10 Cent beträgt nur 90 Cent.

Die Frage stammt aus dem Cognitive Reflection Test des US-Ökonoms Shane Frederick . Zu Ihrer Beruhigung: Der Wissenschaftler hat die Aufgaben in den vergangenen Jahren Hunderten von Probanden vorgelegt, darunter auch zahlreiche Elitestudenten. Kaum jemand beantwortete die Frage nach dem Preis des Baseballs richtig. Kein Wunder: Gedanken sind selten objektiv, Schlussfolgerungen oft unlogisch. Anders gesagt: Allzu häufig unterliegen Menschen einer gedanklichen Verzerrung, dem cognitive bias . Liegt das schlicht an mangelnder Intelligenz?

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Ganz im Gegenteil, resümiert jetzt Psychologe Richard West von der James Madison Universität. Er kommt in einer neuen Studie zu einem überraschenden Ergebnis: Intelligenz macht oft erst empfänglich für das geistige Fettnäpfchen. West widmete sich in seiner Untersuchung den so genannten geistigen blinden Flecken ( bias blind spots ). Vereinfacht ausgedrückt nehmen Menschen Denkfehler bei sich selbst selten wahr. Motto: "Das könnte mir nie passieren!"

Je klüger desto mehr Denkfehler

Diese Ansicht vertraten auch die knapp 500 Studenten, die West für seinen Versuch gewann. Die Mehrzahl war der Ansicht, dass sie selbst vor solchen Irrtümern gefeit sei. Das wollte West genauer überprüfen. Daher stellte er den Freiwilligen einige Rätselfragen. Ergebnis: Die Probanden kamen genauso selten auf die richtige Lösung – obwohl sie es anders vorhergesagt hatten. Hatte West es mit dummen Studenten zu tun? Mitnichten.

Im zweiten Teil des Versuchs unterzog er die Probanden verschiedenen Intelligenz- und Persönlichkeitstests. Und dabei zeigte sich: Die Studenten waren keineswegs dumm, sie waren sogar sehr klug. Sie forderten sich gerne intellektuell heraus, waren neugierig, und hatten im Uni-Aufnahmetest SAT eine überdurchschnittliche Punktzahl erreicht. Als West die Ergebnisse verglich, fand er erstaunliche Korrelationen: Je klüger die Studenten waren, desto eher fielen sie auf die Denkfehler herein. Offenbar schützt Intelligenz nicht vor Irrtümern, sondern befördert sie vielmehr. Womöglich seien sich kluge Menschen ihrer geistigen Überlegenheit bewusst und gingen deshalb instinktiv davon aus, dass sie die Denkfallen locker umschiffen, meint West. Und diese Hybris macht sie unbewusst auf mindestens einem Auge blind. Offenbar ist Intelligenz nicht immer nur positiv. Manchmal steht sie uns sogar eher im Weg.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
    • _bla_
    • 13. Juli 2012 6:55 Uhr

    Interessantes Forschungsergebnis. Etwas sorgen macht mir allerdings in welchem Fachgebiet diese Forschung durchgeführt wurde: Frederick ist "Associate Professor of Marketing". Man muss also befürchten, dass es hier nicht etwa darum ging Leuten dabei zu Helfen solche Fehleinschätzungen zu vermeiden, sondern eher darum solche Fehleinschätzungen zu Marketing-Zwecken gezielt zu nutzen.

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    • xy1
    • 13. Juli 2012 13:49 Uhr

    Auch bei Ihnen ein möglicher Fehlschluss.
    Könnte es nicht sein, dass Frederick zweckfreie Forschung betrieben wurde?
    Warum so scharfsichtig auf dem linken Auge?

  1. Denken macht dumm?
    Wer mehr denkt macht auch meh Denkfehler?

    Sorry, aber ich kann dieser Studie nicht glauben. Die genannte Rechenaufgabe mit dem Ball und Schläger ist trivial. Dass Haupt- oder Grundschüler drauf reinfallen ist klar, aber ELITE-Schüler? Ist unsere Nation tatsächlich mathematisch dermassen verblödet? Oder vielleicht war es ja eine amerikanische Studie, und das erklärt dann gleich die dumme amerikanische POlitikm hahahaha - just kidding, my friends!

    "Gedanken sind selten objektiv, Schlussfolgerungen oft unlogisch." - SELTEN SOWAS UNLOGISCHES GELESEN. Sorry, aber der Autor hat offenbar keine Ahnung von Denken oder Logik. Ich empfehle Aristoteles. Und das ganz ohne alle Hybris.

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    • Hickey
    • 13. Juli 2012 7:16 Uhr

    die schauen blöd wenn wir denen was von der Steuer und deren Berechnungsgrundlagen erklären müssen.

    Intelligenz heißt ja nicht das man ALLES weiß oder eine kleine Enzeklopädie auswendig aufsagen.

    Sorry, ich fürchte, sie haben die Aussage der Untersuchung überhaupt nicht verstanden. Sie behauptet mit nichten, dass Denken dumm macht.
    Natürlich ist die Matheaufgabe nicht so schwer, aber darum geht es auch nicht. Sie ist ein typisches Beispiel dafür, dass wir bei bestimmten Aufgaben versucht sein können Lösungen zu finden, die und quasi ins Auge springen, die intuitiv sind, aber bei etwas Nachdenken sich dann als falsch herausstellen. Es scheint gerade das Kennzeichen von klugen Leuten zu sein, dass sie sich unter gewissen (normalen ) Umständen auf ihre Intuition verlassen können, und eventuell diese auch überschätzen. Das scheint mir jedoch das eigentliche Problem des Tests zu sein, dass er gezielt solche "Intuitionsfallen" stellt, die so in der Realität nicht so häufig sind. Dort hat man es nämlich meist mit komplexen Problemstellungen zu tun, wo man häufig nur mit Intuition zu einer schnellen und brauchbaren Lösung kommt. Stichwort "trance-logic"

    Mit der von ihnen genannten aristotelischen Logik kommt man meist eh nicht weit. Diese paar logischen Schlüsse sind für komplexe Probleme viel zu trivial. Von daher folgen Entscheidungen selten dieser simplen Logik. Da hat der Autor schon recht.

    Wie der "Autopoietiker" schon sagt: Offenbar haben Sie die Studie missverstanden. Sie sagt nicht, dass Denken dumm macht. Siehe letzter Absatz: "Offenbar schützt Intelligenz nicht vor Irrtümern, sondern befördert sie vielmehr. Womöglich seien sich kluge Menschen ihrer geistigen Überlegenheit bewusst und gingen deshalb instinktiv davon aus, dass sie die Denkfallen locker umschiffen, meint West."

    Und: Zu der Aussage, dass unsere Gedanken selten objektiv sind und Schlussfolgerungen oft unlogisch, stehe ich weiterhin. Der alte Aristoteles hilft uns da nicht weiter. Googeln Sie lieber mal nach "Daniel Kahneman".

    • Glik
    • 13. Juli 2012 8:54 Uhr

    machmal sagt ein Beitrag hier mehr aus als der ganze Artikel. Vielen Dank ;-)

    Ihr Kommentar bestätigt, was im Artikel steht:

    "Womöglich seien sich kluge Menschen ihrer geistigen Überlegenheit bewusst und gingen deshalb instinktiv davon aus, dass sie die Denkfallen locker umschiffen, meint West."

    ...die genannte Aufgabe trivial erscheint, neigt man zur falschen Lösung. Besonders, wen die Frage eine von 100 ist.

    es wird zwar im Artikel nicht explizt gesagt, dass Denken dumm macht! aber die Ausage: "Je klüger desto mehr Denkfehler" finde ich problematisch! Aus meiner Sicht ist man dumm, wenn er zu viel Denkfehler macht, nicht klueger! Ich halte von dem Artikel auch nicht viel! Man kann wohl von Aristoteles viel lernen! Z. B. Logik, was hier fehlt! Uebrigens ist es sinnlos, mit schillernden Begriffen zu diskutieren!

    "Sorry, aber ich kann dieser Studie nicht glauben. Die genannte Rechenaufgabe mit dem Ball und Schläger ist trivial. Dass Haupt- oder Grundschüler drauf reinfallen ist klar, aber ELITE-Schüler?"

    Ja, ne, is klar. Sie haben das natürlich auf Anhieb gewusst. Ich gebe zu, ich bin auch drauf reingefallen und das sogar mit Ansage. Denn mir war klar, irgendwo lauert die Falle.

    Fällt es Ihnen so schwer sich vorzustellen, dass Sie diese Aufgabe im Rahmen einer Prüfung mit mehreren Fragen dieser falsch beantworten würden? Wenn ja, bin ich fast geneigt zu sagen, Ihnen mangelt es an Intelligenz.

    • Zynix
    • 13. Juli 2012 7:15 Uhr

    erziehen zur Hybris?
    Das klingt nicht ganz abwegig.

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    Wenn man zu viel über Dinge nachdenkt, die andere schon instinktiv richtig machen würden, besteht die Gefahr, dass einem am Ende noch Argumente für das falsche Ergebnis einfallen. Und man am Ende noch glaubt, dies müsse richtig sein, weil das Problem ansonsten zu einfach sei.

    gehen wir mal einfach so davon aus, dass unsere Regierungsmitglieder auch nicht ganz doof sind, aber das mit der Hybris, das käme dann schon hin.
    Jetzt verstehe ich aber auch, warum man das Volk immer blöder machen will, dann merkt es keiner mehr - und Herr Schäuble müsste nicht mehr schimpfen: Was erlaube sich das Volk!
    Die Amerikaner waren ja mit dieser Strategie das Volk dumm zu halten und nur ein paar Eliteaushängeschilder zu pflegen recht erfolgreich.

    • Hickey
    • 13. Juli 2012 7:16 Uhr

    die schauen blöd wenn wir denen was von der Steuer und deren Berechnungsgrundlagen erklären müssen.

    Intelligenz heißt ja nicht das man ALLES weiß oder eine kleine Enzeklopädie auswendig aufsagen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Sorry, ich fürchte, sie haben die Aussage der Untersuchung überhaupt nicht verstanden. Sie behauptet mit nichten, dass Denken dumm macht.
    Natürlich ist die Matheaufgabe nicht so schwer, aber darum geht es auch nicht. Sie ist ein typisches Beispiel dafür, dass wir bei bestimmten Aufgaben versucht sein können Lösungen zu finden, die und quasi ins Auge springen, die intuitiv sind, aber bei etwas Nachdenken sich dann als falsch herausstellen. Es scheint gerade das Kennzeichen von klugen Leuten zu sein, dass sie sich unter gewissen (normalen ) Umständen auf ihre Intuition verlassen können, und eventuell diese auch überschätzen. Das scheint mir jedoch das eigentliche Problem des Tests zu sein, dass er gezielt solche "Intuitionsfallen" stellt, die so in der Realität nicht so häufig sind. Dort hat man es nämlich meist mit komplexen Problemstellungen zu tun, wo man häufig nur mit Intuition zu einer schnellen und brauchbaren Lösung kommt. Stichwort "trance-logic"

    Mit der von ihnen genannten aristotelischen Logik kommt man meist eh nicht weit. Diese paar logischen Schlüsse sind für komplexe Probleme viel zu trivial. Von daher folgen Entscheidungen selten dieser simplen Logik. Da hat der Autor schon recht.

    21 Leserempfehlungen
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    Diese "paar logischen Schlüsse" sind - sieht man mal von möglichen (! darum wird auch noch gestritten) Schwierigkeiten mit den Quantenmenschen und ihren Schlussfolgerungen (!) ab - das Fundament all unseres Denkens, ob man sich deren gerade bewusst ist oder nicht. Nicht, dass man sich mit der allgemeinen Logik einfach mal so zur Wahrheit hinschließen könnte, aber ohne sie geht's schon mal gar nicht. Beispielsweise Ihr Beitrag: (1) "Mit der aristotelischen Logik kommt man meist eh nicht weit" [...] (2) "Daher folgen Entscheidungen selten dieser simplen Logik". Wo liegt da die zwingende Kausalrelation? Allgemeine Logik ist keine hinreichende, aber notwendige Bedingung zur Wahrheit; das scheinen Sie da vertauscht oder das Problem stillschweigend übergangen zu haben und haben damit an Ihrem eigenen Beitrag gezeigt, wie wichtig es ist, die Grundsätze der Logik zu beachten, so "simpel" sie auch in der Tat sind. (Ein "nur" im Schlusssatz könnte das Problem schon lösen)

    Bis auf einen Punkt stimme ich Ihnen zu.

    Betrachten wir die Studie als Aufruf an uns selbst, unsere Entscheidungen häufiger zu refelktieren, dann mussten die Wissenschaftler Fallen nutzen, deren Ergebnis objektiv nachprüfbar ist.

    Der Autor des Artikels nannte es Hybris. Man hat ein Problem erkannt, durchdenkt die Abläufe sowie die Wechselwirkungen, findet Lösungsansätze und erarbeitet einen Lösungsweg. Allein die generelle Aufzählung lässt die Komplexität erahnen, wer hat den da noch die Zeit alle einzelnen Aspekte penibel zu prüfen?

    Sie bezeichnen es als Intuition auf die wir uns deshalb verlassen, wir sollten dabei stets bedenken, dass die auf erlerntem Wissen und persönlichen Erfahrungen beruht. Ergo ist keine Intuition, weder meine noch Ihre noch sonst eine, eine objektive Wahrheit sondern immer nur eine subjektive Einschätzung.

    Das bauen wir jetzt zusammen und stellen fest:

    Je öfter ein Mensch die Erfahrung gemacht hat einen Zusammenhang besser als Andere verstanden zu haben (Intelligenz) desto unwichtiger erscheint es ihm die einzelnen Aspekte zu überprüfen.

    Diese Menschen werden versucht und von ihrer Umgebung auch darin bestärkt, ihre Intelligenz in Quantität (Produktivität) umzumünzen, anstatt sie in die Qualität zu investieren.

    Meine Lösung: Entschleunigung.
    Wer rennt sieht weniger Details, dafür mehr vom Weg aber ist es der richtige Weg?

    Insofern nichts neues:
    Beati pauperes spiritu

  3. Huii, ich muss viel intelligenter sein als vermutet... ;-)

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    Das dachte ich mir auch! ;)
    Dem Umkehrschluss zufolge müsste ich also weitaus cleverer sein, als ich bislang selbst dachte! Nach dieser Erkenntnis sollte ich am besten gleich wieder ins Bett gehen, der Tag kann nur wieder schlechter werden... :D

  4. ...und gingen deshalb instinktiv davon aus, dass sie die Denkfallen locker umschiffen."

    Tja es wusste schon Jean Cocteau:

    „Halte dich immer für dümmer als die anderen - sei es aber nicht!“

    3 Leserempfehlungen
  5. 8. Genau!

    Das dachte ich mir auch! ;)
    Dem Umkehrschluss zufolge müsste ich also weitaus cleverer sein, als ich bislang selbst dachte! Nach dieser Erkenntnis sollte ich am besten gleich wieder ins Bett gehen, der Tag kann nur wieder schlechter werden... :D

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