Begehrte DienstleisterDeutsche Unternehmensberater sind gefragt

Gründlich und pünktlich: Wer den deutschen Mittelstand berät, schafft es überall. Unternehmensberater aus Deutschland haben weltweit einen guten Ruf und Karrierechancen. von Julia Leendertse

Normalerweise vertraut Denis Abrams lieber seinen Managern als Beratern. Bei Barkawi machte der Chef der Benjamin Moore Paint Company, Amerikas drittgrößtem Farbenhersteller, jedoch eine Ausnahme: Seit April 2011 arbeiten vier Berater des auf die Organisation von Versorgungsketten spezialisierten Unternehmens aus München daran, Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Vertrieb bei dem US-Unternehmen und so dessen Ergebnis zu verbessern.

Nicht nur Abrams schätzt deutsche Kopfarbeit. "Unternehmensberater aus Deutschland sind gefragtes Exportgut", sagt Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). "Ähnlich den Automobilbauern genießen sie im Ausland den Ruf, zu den Premiumanbietern zu gehören."

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Kaum ein Beratungsmarkt ist so umkämpft und mit so vielen hochkarätigen Spezialisten bestückt wie der deutsche. Wer als Berater in Deutschland sparsame, knorrige Mittelständler überzeugen will, muss Wertarbeit auf den Tisch legen – das hat sich herumgesprochen in der Welt. Projektpläne für komplexe Aufgaben aufstellen und diszipliniert abarbeiten, Arbeitnehmer miteinbeziehen, enge Zeitpläne einhalten – das traut man den Deutschen zu, rund um den Globus. Und nicht nur, wenn sie für die großen US-Strategiehäuser wie McKinsey , BCG oder Booz arbeiten. Auch mittelständische Spezialisten sind gut im Geschäft, gelten weltweit oft als Hidden Champions: etwa Management Engineers aus Düsseldorf , die nur führungserfahrene Industriespezialisten einsetzen, für deren Expertise Kunden teilweise höhere Tageshonorare zahlen als für Top-Berater von McKinsey. Oder Simon Kucher & Partners, die weltweit als führend in Sachen Preisgestaltung gelten.

Internationale Netzwerke werden wichtiger

Das zahlt sich aus: Laut BDU ist der Anteil der deutschen Beratungen, die trotz Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren zweistellige Umsatzzuwächse verbuchen konnten, für Häuser mit 10 bis 25 Beratern besonders hoch. Auch, weil Kunden von Beratern nicht mehr nur Strategiekompetenz fürs Top-Management zu fixen Honoraren erwarten. Sondern zunehmend bei erfolgsabhängiger Bezahlung ihre theoretischen Konzepte in enger Vernetzung mit den Mitarbeitern des Kunden in die Praxis umsetzen. Und das weltweit. "Um als Berater internationale Spitzenleistungen zu erbringen, braucht man nicht überall ein eigenes Büro", sagt Fiona Czerniawska, Chefin des Marktforschungsinstituts Source for Consulting in London . "Auch Spezialisten mit Koryphäen können durchaus als globale Unternehmensberatungen auftreten." Und genau diese Fähigkeit wird immer wichtiger: Laut BDU gehen mehr als die Hälfte der deutschen Beratungen davon aus, dass internationale Netzwerke auch für kleine und mittelgroße Beratungen immer bedeutender werden. Schließlich steigt auch der Umsatz ihrer Kunden im Ausland stetig.

Auch Betonpumpenhersteller Putzmeister aus Stuttgart wollte beim Aufbau seines Lieferantenmanagements in Indien nicht auf Beratungsexpertise made in Germany verzichten und heuerte gezielt Spezialisten der Düsseldorfer Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting an, als es im vergangenen Jahr darum ging, den Anteil der lokalen Lieferanten in Indien zu erhöhen. "Kerkhoff ist beim Thema Einkauf eine Markenberatung", sagt Michael Schmid-Lindenmayer, Geschäftsführer von Putzmeister in Indien. "Wir wollten sicher sein, dass das Projekt in der vorgegebenen Zeit abgeschlossen wird und das neue Lieferantennetzwerk höchste Qualität hat."

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. Ich stelle mir langsam tatsächlich die Frage warum Unternehmensberatung eigentlich so gehypt wird. Egal welches Onlinemagazin, mir scheint bald wöchentlich gibt es einen Artikel über dieses Berufsbild. Himmel! Beratung ist nichts anderes als gut bis überbezahlte Zeitarbeit um den produktiven Betrieb kurz bis mittelfristig zu entlasten bzw. bei neuen Themen zu unterstützen. Deshalb liebe Redaktionen: es gibt nicht nur Berater auf dieser Welt, schreibt doch mal mehr über anderer Berufe. Es gibt ja so, so viele!

  2. Einfach Volker Pispers zu dem Thema beachten, dann erübrigt sich jede Diskussion.

    http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Pispers mag einem ja das ein oder andere Lächeln abluchsen aber naja … Mich nervt die dauernde Berichterstattung über Unternehmensberatung auch und eine Knallcharge wie Antonio Schnieder würde ich auch nicht unbedingt zitieren aber es wurden doch einige gute, nachvollziehbare Beispiele gebracht, inwiefern Unternehmensberater nicht nur Agenten des Gesundschrumpfens und des Mitteilens von Dingen, die der Auftraggeber ohnehin schon weiß, sondern über eine Expertise verfügen können, die man sich nicht mal eben herbeizaubern kann. Wenn ich als Mittelständler auf den indischen Markt möchte habe ich ja nur die Option jemanden zu fragen, der sich mit dem Markt auskennt oder mich auf eigene Faust über den Tisch ziehen zu lassen.

  3. 3. Achja.

    Der Pispers mag einem ja das ein oder andere Lächeln abluchsen aber naja … Mich nervt die dauernde Berichterstattung über Unternehmensberatung auch und eine Knallcharge wie Antonio Schnieder würde ich auch nicht unbedingt zitieren aber es wurden doch einige gute, nachvollziehbare Beispiele gebracht, inwiefern Unternehmensberater nicht nur Agenten des Gesundschrumpfens und des Mitteilens von Dingen, die der Auftraggeber ohnehin schon weiß, sondern über eine Expertise verfügen können, die man sich nicht mal eben herbeizaubern kann. Wenn ich als Mittelständler auf den indischen Markt möchte habe ich ja nur die Option jemanden zu fragen, der sich mit dem Markt auskennt oder mich auf eigene Faust über den Tisch ziehen zu lassen.

    Antwort auf "Ohne Worte"
  4. hier nun meine Begründung für meinen zu recht kritischen ersten Kommentar. Erstens verstehe ich nicht warum man den BDU befragt nach der Qualität deutscher Unternehmensberater. Das ist ja so als ob man Angela Merkel fragt ob die Regierung gute Arbeit macht. Zweitens verstehe ich nicht warum wir so blöd sind und Leuten aus aller Welt erzählen wie sie erfolgreich sind, obwohl sie das eigentlich selbst wissen müssten. Drittens bin ich hier (bei Siemens/Atos) noch keinem guten Unternehmenberater über den Weg gelaufen, obwohl man die hier ja wie Sand am Meer haben müsste. Wir als Mitarbeiter sind noch nirgendwo mit einbezogen worden, obwohl das mal bitternötig ist bevor man Verträge macht die alles versprechen und man dann von uns verlangt, dass wir Qualitätsarbeit für einen Hungerlohn machen sollen. Und viertens ist Putzmeister längst von Chinesen geschluckt worden. Soviel zu erfolgreicher Unternehmensberatung - ich habe fertig...

  5. Ich kannte mal einen Unternehmensberater, der sich über den unfairen Wettbewerb beklagt hatte.
    Sein Konkurrent war ein Wirtschaftsprofessor von der Uni, dessen Studenten die Arbeit "gratis" gemacht haben.
    Darum war der auch so billig.

    Der Unternehmensberater den ich mal kannte, ist jetzt Restaurantbesitzer.

  6. Leider muss ich sagen das ich bisher nur schlechte Erfahrungen mit sog. "Unternehmensberatern" gemacht habe. Sie kamen für eine relativ kurze Zeit, nahmen viel Geld und haben dem Management Konzepte verkauft die entweder umständlich, oder viel zu teuer, oder gar nicht umsetzbar waren. Mitarbeiter und das mittlere Management, welche die Arbeitsprozesse und den Betrieb kannten, wurden komplett ignoriert.

    Nachdem die Herren Berater dann weg wahren, wurden die meisten Konzepte/Lösungen eingestampft weil nicht praktikabel, oder mussten mit noch mehr Geld wieder korrigiert werden.

    Es gibt sicherlich gute Unternehmensberater, welche ihr Geld auch wert sind. Allerdings sind 98% leider nur gut bezahlte, extrem 'gehypte', Zeitarbeiter die von allem vielleicht ein kleines bisschen verstehen, allerdings in keinem Bereich 'tiefes' Detailswissen vorweisen können. Ausserdem haben sie meist keinen Bezug, keine Bindung zum Unternehmen in dem sie arbeiten. Somit mangelt es oft auch an Sorgfalt -- denn schliesslich sind sie nicht mehr da, wenn die von ihnen propagierte Lösung grandios scheitert.

    "Wer nichts wird, wird Wirt!" ... oder Berater... oder Consultant!

  7. 7. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie respektvoll. Danke, die Redaktion/mk

  8. Unternehmer und Management sind ja nicht dumm oder verführt, wenn sie sich für bestimmte Fragestellungen externe Berater ins Boot holen.

    Das auch deutsche Unternehmensberatungen nur einen erheblichen Imageauftrieb für den Inlandsmarkt erhalten, wenn sie im Ausland erfolgreich arbeiten und vernetzt sind, erinnert an die Rock- und Popszene. Dies dürfte aber nur eine bestimmte Kundenklientel interessieren, mit stark differenzierten Themenstellungen, die internationales Know-how erfordern. Der Hinweis, dass eher amerikanische Unternehmen auf Beratungen in Deutschland zugehen, stellt meines Erachtens auf das Selbstverständis einer längeren Beratungskultur auf beiden Seiten in den USA ab.

    Ob Beratungsresistenz (grundsätzlich) zu schlechteren wirtschaftlichen Ergebnissen führt, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass es im Einzelfall nicht förderlich ist, einen guten Rat auszuschlagen und Zeit und Kosten mit Improvisation zu verdaddeln, lässt sich leicht berechnen.

    So lange Unternehmen Expertise für ihre wirtschaftlichen Ziele nutzen wollen wird es auch Experten geben. Die aus dem Angebot herauszufiltern ist Aufgabe der Unternehmen. Wer sich bei seiner Beraterwahl an Glanz und Glamour orientiert, wird Glanz und Glamour erhalten.

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  • Schlagworte McKinsey | Indien | Logistik | Düsseldorf | London | München
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