ArbeitsrechtHaben Rentner Anspruch auf ein Zeugnis?

Der Mitarbeiter geht in den Ruhestand. Kann er noch ein Zeugnis für weitere Jobs als Rentner haben? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Habe ich als Arbeitnehmerin ein Recht auf ein Arbeitszeugnis, wenn ich in den Ruhestand gehe? Ich könnte mir vorstellen, noch einige Zeit weiter erwerbstätig zu sein (z.B. in Teilzeit). Und ein gutes Arbeitszeugnis als Referenz könnte nützlich sein, oder?, fragt Simona Francikowska.

Sehr geehrte Frau Francikowska,

gesetzlich geregelt ist der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis in § 630 BGB und in § 109 GewO . Danach haben auch Sie Recht auf ein qualifiziertes Endzeugnis. Nur freie Mitarbeiter und selbstständige Handelsvertreter haben einen solchen Anspruch nicht.

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Das Gesetz sieht einen Zeugnisanspruch für alle unbefristet, befristet und auch nur kurzfristig abhängig beschäftigten Arbeitnehmer vor.

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Dazu zählen Teilzeitkräfte (auch wenn sie nur geringfügig beschäftigt sind), Mitarbeiter im Probearbeitsverhältnis oder in ABM-Maßnahmen, Auszubildende, Praktikanten, Volontäre, Trainees, Schüler und Studenten, Rentner und Mitarbeiter, die aufgrund des Eintritts in den Ruhestand ausscheiden sowie Mitarbeiter, die Arbeiten in ihrer eigenen Wohnung verrichten (Heimarbeiter), außerdem Leiharbeitnehmer (sie haben einen Anspruch gegenüber dem Verleiher), Seeleute, leitende Angestellte, Prokuristen, GmbH-Geschäftsführer und AG-Vorstände – sofern sie nicht (Mehrheits-)Gesellschafter sind.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Arbeitgeber müssen allerdings nur dann ein Arbeitszeugnis (Endzeugnis) erteilen, wenn Mitarbeiter das von ihnen verlangen. Denn der Arbeitnehmer hat nur bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf Erteilung einer qualifizierten Beurteilung. Das gilt natürlich auch dann, wenn Sie in den Ruhestand gehen.

Allerdings gibt es zwei Ausnahmen: Auszubildenden und Seeleuten muss bei der Beendigung ihrer Ausbildung bzw. bei ihrer Abmusterung auch ohne eine Aufforderung ein Zeugnis ausgestellt werden (nach § 16 Abs. 1 BBiG bzw. § 19 Abs. 1 SeemannsG ).

Melden Sie Ihren Wunsch daher rechtzeitig an, denn Sie können Ihren Anspruch auf ein Zeugnis auch verlieren. Und zwar dann, wenn Sie mehrere Monate verstreichen lassen, bevor Sie das Zeugnis ( oder auch die Berichtigung ) einfordern.

Und Vorsicht: Die genannte Zeitspanne von "mehreren Monaten" wird von den Gerichten unterschiedlich interpretiert. Einige Gerichte gehen von zehn Monaten aus, anderen nur von sechs. Daher rate ich immer, den Zeugniswunsch zeitnah geltend zu machen, also ruhig schon einige Tage vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Schließlich kann der Arbeitnehmer das Zeugnis schon "bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses" verlangen, weil er das Zeugnis für die Arbeitssuche benötigt.

Ihr Ulf Weigelt

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    • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Ulf Weigelt | Recht | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Arbeitszeugnis | Ausbildung
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