Nur wenigen Menschen ist es vergönnt, unsere Erde einmal aus dem Weltall betrachten zu können. Alexander Gerst wird bald für sechs Monate die Gelegenheit dazu haben. Der promovierte Geophysiker hat sich gegen 8.000 Kandidaten durchgesetzt. Sie alle hatten sich bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA als Astronaut beworben. Als einer von sechs Astronauten trainiert der Geophysiker derzeit für seinen Weltraum-Einsatz im Jahr 2014. Sechs Monate lang wird er auf der Internationalen Raumstation ISS wissenschaftliche Experimente durchführen.

Er wäre nach Thomas Reiter und Hans Schlegel der dritte deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation.

"Ich habe mich schon als kleines Kind für alle möglichen naturwissenschaftlichen Bereiche interessiert. Auch für das Weltall und die Arbeit, die Astronauten im All verrichten. Ich habe mich dann aber letztlich für Geophysik entschieden", sagt Gerst. Nicht zuletzt auch weil die Chancen, jemals im Weltraum arbeiten zu können, verschwindend gering seien. Ganz aus den Augen verloren habe er seinen Traumjob jedoch nie. Als er 2008 eine Ausschreibung der ESA sah, bewarb sich Gerst. Einfach per Online-Bewerbung auf der Website der ESA.

Eine stinknormale Bewerbung sei es gewesen, erinnert sich der Raumfahrer. Das Außergewöhnlichste war ein medizinisches Gutachten, das ihm körperliche Fitness bestätigte.

Das folgende Bewerbungsverfahren hatte es allerdings in sich. Die Bewerber – allesamt hochkarätige Wissenschaftler – wurden in zahlreichen medizinischen Untersuchungen und Belastungstests ausgesiebt. Schon eine kleine, bisher unentdeckte Allergie war ein K.O.-Kriterium. Gerst überstand Runde für Runde.

"Bewerber müssen zu 100 Prozent gesund sein, um die Möglichkeit späterer, eventuell auftretender medizinischer Probleme während einer Mission im All so gering wie möglich zu halten", sagt der Astronaut.

Hervorragende Gesundheit ist Einstellungsvoraussetzung

Neben einer hervorragenden Gesundheit und einem abgeschlossenen Studium im Bereich Naturwissenschaften müssen die Kandidaten auch eine Pilotenausbildung oder eine medizinische Ausbildung vorweisen. Und sie müssen zwischen 27 und 37 Jahren alt sein. Außerdem sollten angehende Astronauten physisch und psychisch belastbar, neugierig und ehrgeizig sein. "Man trainiert eine lange Zeit für eine Mission, da muss man Geduld haben und das Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfen", sagt Gerst.

Gleich nach der Auswahl im Jahr 2008 begann für ihn die Grundausbildung, die zwei Jahre dauerte. 2010 wurde er ins europäische Astronautenkorps aufgenommen. Seither darf er sich ganz offiziell Astronaut nennen – auch wenn er noch nicht im Weltall war. Die Ausbildung an sich ist umfangreich und beginnt mit einem Basistraining. Hier lernen die Raumfahrer die Grundkenntnisse: Orbitalmechanik, Luft- und Raumfahrttechnik und Grundlegendes aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen, in denen auf der ISS Experimente durchgeführt werden. Sogar Russisch steht auf dem Lehrplan.