KlavierbauerVor allem Instrumente stimmen

Klavierbauer bauen nur noch selten Klaviere: Einzelstücke herzustellen, lohnt sich nicht. Ihr Job besteht darin, Instrumente zu stimmen, zeigt der Beruf der Woche. von 

Schon lange hat Joseph Thein kein einziges Klavier mehr gebaut. Dabei ist er Klavierbauer und Inhaber einer traditionsreichen Klavierbaufirma in Bremen . "Mein Großvater hat die Instrumente noch selbst gebaut. Heute lohnt sich das aber nur in Serienanfertigung. Die allermeisten meines Standes bauen die Instrumente nicht mehr selbst. Wir verdienen unser Geld mit der Reparatur, dem Stimmen und Warten von Klavieren und Flügeln", erzählt er. Denn viele Teile eines Klaviers wie beispielsweise die Metallteile sind in Einzelanfertigung nur sehr schwer herzustellen und unrentabel noch dazu .

Die Kunden sind sowohl Privatpersonen, aber auch Schulen, Theater und andere Einrichtungen aus dem Konzertbetrieb gehören dazu. "Es gibt unterschiedliche Faktoren, die für den richtigen Klang, aber auch für den Allgemeinzustand wichtig sind", erklärt Thein. Steht das Instrument am richtigen Ort? Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch? Steht das Klavier direkt in der Sonne? Oft kann Thein schon am Klang hören, was mit dem Klavier nicht stimmt.

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Das Stimmen erfordert viel Geduld und Ausdauer. "Ein Ton setzt sich aus Ober- und Teiltönen zusammen, da ist es schwierig, den Ton genau zu treffen. Entsprechend dauert der Prozess." Allein drei Jahre dauere es, bis Nachwuchs-Klavierbauer das Stimmen gelernt hätten.

Der Spieler prägt sein Instrument

Theins kann aber nicht nur hören, ob ein Klavier verstimmt ist. Der Klavierbauer kann am Klang des Instruments sogar erkennen, wie jemand spielt und was bevorzugt gespielt wurde. "Jedes Instrument ist anders und es ist geprägt durch seinen Spieler", sagt der Klavierbauer.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Natürlich wirft er auch immer einen Blick in das Instrument. Muss das Pedal geprüft werden? Ist es noch richtig eingestellt? Muss das Instrument gereinigt werden? "Das ist für Werterhalt und Funktionalität wichtig", sagt Thein.

Für die Arbeit als Klavierbauer werden handwerkliches Geschick, ein gutes Gehör, viel Geduld und Intuition sowie musikalisches Gespür benötigt. Und man sollte das Instrument auch spielen können.

Der Beruf ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Zuletzt sank die Zahl der Klavierbauer stark, seit einiger Zeit bilden die Klavierbaubetriebe allerdings wieder verstärkt aus, teilt der Bund deutscher Klavierbauer mit.

Leserkommentare
  1. ein interessanter Beruf, aber wenn jetzt schon die derzeitigen Klavierbauer keine Klaviere mehr bauen, außer für die Meisterprüfung, ist dann die Berufsbezeichnung Klavierbauer für den Nachwuchsnoch noch angebracht?

  2. Auch wenn Klavierbauer inzwischen kaum mehr selbst Klaviere bauen, so ist die Qualitaet der Ausbildung doch wohl gewaehrleistet, soweit ich das verstehe. Das heisst, sie KOENNEN es nach Anschluss der Lehre. Es liegt an der industriellen oft fragwuerdigen Massenproduktion von Klavieren, wenn es nicht mehr "lohnt", ein Instrument selbst zu bauen.
    Man darf nicht vergessen, dass ein gelernter und qualifizierter Klavierbauer heutzutage sehr interessante andere Wege gehen kann, wie z.B. Cembalos, Virginale, Clavichorde und aehnliches zu bauen. Gerade bei diesen Instrumenten kann man ein Comeback beobachten, und da tut sich ein grosses Arbeitsfeld auf wie das Kopieren historischer Instrumente, Reparatur und Wartung, aber auch die Moeglichkeit selbstaendig solche Instrumente anzubieten. Also so ganz sinnlos und ohne Zukunft wird eine so grundlegende Ausbildung nie sein.

  3. 3. [...]

    Doppelposting

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