PersonalführungSo bauen Chefs ein Team auf

Zusammenarbeit gelingt nur, wenn sich die Mitarbeiter als Team verstehen. Aber wie stellen Chefs das an? Sabine Hockling erklärt, worauf Führungskräfte zu achten haben. von 

Wie wird aus einem Haufen Einzelkämpfern ein Team? Teamarbeit ist kein Selbstläufer . Sie gelingt nur, wenn Transparenz herrscht.

Die häufigsten Gründe für schlechte Zusammenarbeit sind Kommunikationsstörungen, eine ineffiziente Aufteilung der Aufgaben und natürlich Konflikte unter den einzelnen Mitarbeitern . Aber auch ein Wechsel in der Führungsebene oder eine organisatorische Veränderung im gesamten Unternehmen erschweren eine reibungslose Zusammenarbeit. Einfache Teamentwicklungsmaßnahmen reichen gerade einmal, wenn sich eine neue Projektgruppe bildet. In der Regel sind allerdings langfristige Teamentwicklungsprozesse notwendig, um die Kommunikation der Gruppe zu verbessern oder überhaupt erst eine entsprechende Basis zu schaffen, auf der effizientes Arbeiten möglich ist.

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Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Führungskräften gibt sie in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung. Sie bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Entscheidend für das Gelingen ist die Zusammensetzung der Gruppe. Meredith Belbin, Experte auf dem Gebiet der Team- und Führungsentwicklung, unterscheidet typische Teamrollen, die Menschen bewusst oder auch unbewusst aufgrund ihres Charakters und Verhaltens einnehmen, wenn sie mit anderen zusammenarbeiten. Da gibt es Macher, Umsetzer, Beobachter, Teamarbeiter, Wegbereiter, Chairman, Neuerer sowie Perfektionisten.

Für die gelungene Zusammenarbeit ist eine gute Mischung wichtig. Etwas, das jedoch in der Praxis viel zu selten umgesetzt wird. Denn häufig erfolgt die Teamzusammensetzung aufgrund der Hierarchie, der fachlichen Kompetenz oder auch einfach nur infolge der Verfügbarkeit.

Teams durchlaufen Phasen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Gruppendynamik. Teams durchlaufen bei ihrer Entwicklung verschiedene Phasen. Am Anfang steht Psychologen zufolge die Orientierungsphase. Die Teammitglieder sind freundlich und höflich, allerdings auch distanziert. Sie lernen sich langsam näher kennen, tasten sich ab. Es folgt die Phase der Auseinandersetzung, in der die Sachlichkeit teilweise ein Ende hat, denn es zeigen sich Abneigungen. Die Teammitglieder sind angespannter, Konflikte treten auf.

Hier schließt sich in der Regel die Ordnungsphase an: Das Team kennt sich, versucht, die Beziehungskonflikte zu lösen, um wieder zu einer Sachlichkeit zurückkehren zu können. Meist werden in dieser Phase Teamrollen und -spielregeln festgelegt. Danach kann das Team in die Performing-Phase einsteigen, in der versteckte Konflikte thematisiert werden und Emotionen Raum erhalten. Erst jetzt entsteht in der Regel im Team ein Wir-Gefühl. Übergeht eine Gruppe die Phase der Auseinandersetzung, treten meist Probleme auf, denn ohne diese Phase ist eine Teambildung fast unmöglich.

Leserkommentare
  1. Für Kurt Lewin, Begründer der Gruppendynamik, steht am Anfang die Orientierungsphase.

    Das macht Lust auf mehr. Was der gute Herr Lewin wohl noch alles weiß? Vielleicht kommt am Ende die "finale Phase", oder die "Evaluation". Spannend. Hab den Artikel leider nicht zuende lesen können aber bin entzückt.

    Eine Leserempfehlung
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    • OB11
    • 06. Juli 2012 14:17 Uhr

    In der Tat folgt auf die "Performing Phase" eine weitere Phase in der sich die Bindungen zwischen den Gruppenmitgliedern wieder lösen, laut Tuckman's Five-Stage Theory of Group Development heißt diese Phase "adjourning" in der erneute Unabhängikeit zwischen den Mitgliedern entsteht.
    Das basiert allerdings nicht auf den persönlichen Erfahrungen der Autorin, sondern ist "normale" Management-Literatur und in jedem besseren Organisational Behaviour Buch nachzulesen.

    Wem diese journalistische Perspektive zu oberflächlich ist, sollte vielleicht besser die Management Review lesen - denn Grundsätzlich erklärt der Artikel das Model wie sich Gruppen in Unternehmen bilden recht anschaulich.

    • Dalim
    • 06. Juli 2012 11:26 Uhr

    Diese Gesichtspunkte sollten jedem Arbeitnehmer und Menschen im Allgemeinen bekannt sein. Nur so kann man der beruflichen Karriere und seinem Leben an sich eine entsprechende Wendung verschaffen.
    Aktuell durfte ich wieder in einer recht großen AG Abteilungsleiter, "Vorarbeiter" und Individuen verschiedener Teams beobachten und habe daher auf der Suche nach (W)AiN diesem Thema und dieser Meldung einen Beitrag im gewidmet.

  2. 3. Tja...

    ..."Die Journalistin Sabine Hockling war viele Jahre lang selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern"

    Ich habe jahrzehntelang Berliner Ballen gegessen, macht mich das zum Bäcker ? Und wieviele Jahre waren es bei ihr ? Wenn das Foto aktuell ist und ich die mutmasslichen Ausbildungszeiten davon abziehe, komme ich auf... halt ich google mal nach !

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    Wenn ich sehr grosszügig bin, gestehe ich ihr 12 Jahre zu, dass ist nicht viel ! Jedenfalls nicht genug, um Tips zu geben !

  3. Wenn ich sehr grosszügig bin, gestehe ich ihr 12 Jahre zu, dass ist nicht viel ! Jedenfalls nicht genug, um Tips zu geben !

    Antwort auf "Tja..."
  4. Kleine Anmerkung noch. Es gibt da ein Buch namens "Der Arschloch-Faktor". Ein Arschloch im Team und die Team- und Einzelperformance nimmt aus Gründen reduzierter Motivation und psychischen Stress enorm ab.
    "Ein Team sollte in personeller und fachlicher Hinsicht Vielfalt und Abwechslung bieten. Denn wer sich gleicht, kann sich nicht ergänzen." Wichtig ist auch, dass ein Team nicht nur aus Individualisten besteht. Der Teamgedanke sollte bei jedem vorhanden sein. Und es braucht auch jemanden in der Führung der dies auch verdeutlicht und das Team entsprechend zielgerichtet lenkt.
    Auch die Initiierung gemeinsamer freizeitlicher Aktivitäten, wenn möglich, fördert den Zusammenhalt und darausfolgend die Performance eines Teams.

  5. Die Besprechung verschiedener Rollen im Team ist sicherlich sinnvoll, um den Blick auf die Zusammenarbeit zu vereinfachen. Allerdings wird es schwierig, wenn sich Mitglieder auf ihre persönliche Rollenzuordnung zurückziehen und sich eine "Dafür bin ich nicht zuständig"-Mentalität einschleicht. Gerade für Teams in Drucksitutationen ist es nach meiner Erfahrung äusserst wichtig, ein flexibles Rollenkonzept zu haben. Ein interessanter Beitrag dazu: http://wp.me/p1arco-r

    • bocage
    • 06. Juli 2012 12:48 Uhr

    Man muss Meredith Belbin nicht wie ich persönlich kennen. Aber dass der Mann von Weltgeltung in der Teamentwicklung hier als Frau dargestellt wird wirft kein gutes Licht auf die Substanz der Schreiberin. Ich bin in diesem Bereich seit mittlerweile 15 Jahren tätig und wundere mich immer wieder, dass es solche 'Expertenbeiträge' auch auf prominetem Platz einer Qualitätszeitung gibt. Einfach schade und sehr peinlich...

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Emotion | Führungskraft | Kommunikation | Konflikt
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