Führungspositionen sind immer Machtpositionen. Bei jeder Beförderung spielt Macht eine wichtigere Rolle als Fairness. Allerdings zeigen Studien, dass Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter fair behandeln und ihnen Mitsprache einräumen, bessere Ergebnisse erzielen und effektiver arbeiten als Manager, die auf Macht setzen. 

Batia M. Wiesenfeld, Professor an der Stern School of Business in New York und seine Mitarbeiterin Sara L. Wheeler-Smith, Naomi B. Rothman von der University of Illinois und Adam D. Gallinsky, Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern University haben in einer Studie untersucht, wie sich Macht auf Führungskräfte auswirkt.

Sie stellten sich die Frage: Sollte eine Führungskraft geliebt oder gefürchtet werden? Das Ergebnis ist widersprüchlich. Es ist für Manager genauso schwer, von ihren Mitarbeitern gemocht zu werden , wie als autoritärer Chef wahrgenommen zu werden, den alle fürchten.

Faire Vorgesetzte gelten als weniger einflussreich

Denn Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter fair behandeln und sich nahbar geben, werden als weniger mächtig angesehen. Ihre Teams haben den Eindruck, diese Chefs hätten weniger Kontrolle und seien nicht in der Lage, zu bestrafen. Es geht sogar noch weiter: Wer als sanfte Führungskraft gilt, hat weniger Aufstiegschancen. Das heißt, in großen Unternehmen kann die Machtlosigkeit ein größeres Problem darstellen als die Machtausübung, so die Forscher.

Daher ging die Studie auch der Frage nach, ob Respekt und Macht zwei einander ausschließende Führungsalternativen sind. Diverse Studien belegen, dass gravierende Änderungen in Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden , wenn sie fair ablaufen. Unternehmen profitieren also von einem fairen Führungsstil.

Positionsbezeichnungen, Statussymbole und Firmenorganigramme signalisieren Macht. Hierbei handelt es sich jedoch um eine formale Macht, die negativ besetzt ist und einschüchternd wirkt. Und so verwundert es nicht, dass viele  Führungskräfte sich offiziell nicht als mächtig bezeichnen und ihre Macht auch nicht offen ausleben. Doch ohne Macht lässt sich kein Führungsanspruch, keine Entscheidung durchsetzen.

Ein moderner Führungsstil beruht aber nicht auf Gehorsam und Befehl, Kontrolle und Strafe, sondern bietet Mitarbeitern Freiräume und ermöglicht Veränderungen. Chefs müssen ihre Macht aber nutzen, um die Richtung vorzugeben und zu stabilisieren.