FührungskräfteOhne Macht kein Chefsein

Kann man Mitarbeiter anleiten, ohne Macht auszuüben? Nein, aber man kann fair sein. Sabine Hockling erklärt, wann und wie respektvolle Personalführung funktioniert. von 

Führungspositionen sind immer Machtpositionen. Bei jeder Beförderung spielt Macht eine wichtigere Rolle als Fairness. Allerdings zeigen Studien, dass Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter fair behandeln und ihnen Mitsprache einräumen, bessere Ergebnisse erzielen und effektiver arbeiten als Manager, die auf Macht setzen. 

Batia M. Wiesenfeld, Professor an der Stern School of Business in New York und seine Mitarbeiterin Sara L. Wheeler-Smith, Naomi B. Rothman von der University of Illinois und Adam D. Gallinsky, Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern University haben in einer Studie untersucht, wie sich Macht auf Führungskräfte auswirkt.

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Sie stellten sich die Frage: Sollte eine Führungskraft geliebt oder gefürchtet werden? Das Ergebnis ist widersprüchlich. Es ist für Manager genauso schwer, von ihren Mitarbeitern gemocht zu werden , wie als autoritärer Chef wahrgenommen zu werden, den alle fürchten.

Faire Vorgesetzte gelten als weniger einflussreich

Denn Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter fair behandeln und sich nahbar geben, werden als weniger mächtig angesehen. Ihre Teams haben den Eindruck, diese Chefs hätten weniger Kontrolle und seien nicht in der Lage, zu bestrafen. Es geht sogar noch weiter: Wer als sanfte Führungskraft gilt, hat weniger Aufstiegschancen. Das heißt, in großen Unternehmen kann die Machtlosigkeit ein größeres Problem darstellen als die Machtausübung, so die Forscher.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Daher ging die Studie auch der Frage nach, ob Respekt und Macht zwei einander ausschließende Führungsalternativen sind. Diverse Studien belegen, dass gravierende Änderungen in Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden , wenn sie fair ablaufen. Unternehmen profitieren also von einem fairen Führungsstil.

Positionsbezeichnungen, Statussymbole und Firmenorganigramme signalisieren Macht. Hierbei handelt es sich jedoch um eine formale Macht, die negativ besetzt ist und einschüchternd wirkt. Und so verwundert es nicht, dass viele  Führungskräfte sich offiziell nicht als mächtig bezeichnen und ihre Macht auch nicht offen ausleben. Doch ohne Macht lässt sich kein Führungsanspruch, keine Entscheidung durchsetzen.

Ein moderner Führungsstil beruht aber nicht auf Gehorsam und Befehl, Kontrolle und Strafe, sondern bietet Mitarbeitern Freiräume und ermöglicht Veränderungen. Chefs müssen ihre Macht aber nutzen, um die Richtung vorzugeben und zu stabilisieren. 

Leserkommentare
  1. Eine interessante These, an der sicherlich viel Wahres ist. Ein fairer Umgang mit Mitarbeitern ermöglicht oftmals auch tiefgreifende Veränderungen umzusetzen. Neu ist diese Idee nicht. Man muss Mitarbeiter "mitnehmen", offen sein, transparent vor allem sollte man jedoch eins sein: Empathisch. Wer sich beim besten Willen nicht in seine Angestellten hineinversetzen kann, wird vielleicht ein guter Chef, aber niemals ein hervorragender "Leader". Ich rede nicht vom "Kumpel-Typ", der sich durch offen zur Schau getragene Emotionen beeindrucken und vor allem beeinflussen lässt, sondern davon zu spüren was ein Mitarbeiter braucht: Ein Lob, eine konstruktive Kritik, einen netten Ratschlag, mehr Führung und Anleitung oder mehr Freiraum zur Entfaltung. Denn nur wenn ein Chef weiß was seine Angestellten jeweils benötigen, wird er sie fair und angemessen behandeln können.

    Leider sitzen auf Führungspositionen sehr häufig Leute, die das Gegenteil von sensibel und empathisch sind und der Typ "Prügelnder Ehemann" sind: erst die Angestellten plattmachen, dann die Schuld auf selbige schieben. Er muss halt so sein, seine Angestellten zwingen ihn dazu, so dumm wie sie sich anstellen.

  2. daß (solcherlei) Phrasen und Patentrezepte nicht viel nützen.

    • iblis
    • 13. Juli 2012 21:14 Uhr

    ... darf sie keine bloße Verhaltensweise sein, sondern muss die Konsequenz eines intakten Wertsystems sein. Dann wirkt sie Wunder, und dann ist sie auch kein "Patentrezept".

  3. Vor der Pleitewelle im sogenannten "Neuen Markt" gab es solche Artikel schon einmal. Und jede Menge Mitarbeiter dieser Firmen sagten damals zu Reportern: "Gewerkschaften brauchen wir nicht, unser Chef ist doch unser Kumpel!" Aber wie jedes Märchen war auch dieses schnell vorbei und die Mitarbeiter standen ein paar Monate später auf der Straße. Und Abfindungen gab es nicht, weil die Chef-Kumpels pleite waren, natürlich nicht auf ihren Privat-Konten. Da waren es nur die Mitarbeiter-Kumpels...

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    Ausgezeichnete Feststellung! ;)

    Was die Kumepls da wohl gedacht haben oder ist sogleich die Verdrängung in der Vordergrund gerückt, weil Selbsterkenntnis ist doch eine schwere Katarsis!

  4. Ausgezeichnete Feststellung! ;)

    Was die Kumepls da wohl gedacht haben oder ist sogleich die Verdrängung in der Vordergrund gerückt, weil Selbsterkenntnis ist doch eine schwere Katarsis!

    Antwort auf "Hatten wir schonmal..."
  5. Kleine Redensart:

    "Macht wird nicht genommen, sie wird verliehen!"

    Denkt darüber nach.

  6. " Doch ohne Macht lässt sich kein Führungsanspruch, keine Entscheidung durchsetzen. "

    Doch das geht schon, wenn man die Leute von der Sache überzeugt und miteinbezieht.

    Aber dazu sind fachliche Kentnisse nötig und die haben viel Chefs nicht.

  7. Generell zu dieser Rubrik:
    Die ZEIT Karriere- bzw. Berufsseiten sind stets geschrieben wie ein Horoskop: passt irgendwie auf alles, so ein bisschen jedenfalls. Nichtssagender geht´s kaum - die reinste Phrasendrescherei. Würde man hier Bullshit-Bingo spielen, man würde maximal 90 Sekunden benötigen. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich doch wieder reinlese.
    Eine Bitte an die Redaktion: Mehr konkrete Aussagen, und weniger Konzern-Karriere-Blabla.

    Zum Artikel:
    Dass das Empfinden von "Fairness" ein sehr subjektives ist, wird im Artikel nicht dargestellt. Was für mich als Chef "fair" erscheint, weil es evtl. allen in der Firma dient, wird vom betroffenen Mitarbeiter als höchst unfair empfunden.
    Gut finde ich, dass ein Feedback von Außen als Möglichkeit dargestellt wird. Dass dies aber mit höchster Vorsicht zu genießen ist, sollte hier zumindest Erwähnung finden. Dazu könnte ein eigener, längerer und gut recherchierter Artikel hilfreich sein.

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    Redaktion

    Hallo ngobiyane,

    danke für das Feedback. Was genau empfinden Sie denn als "horoskopisches Konzern-Blabla"? Und: Verraten Sie uns doch, was Sie stattdessen gerne Konkretes lesen würden.

    Der Punkt mit Fairness ist notiert. Nehmen wir als Thema für die Serie "Chefsache" gerne mal auf.

    beste Grüße,

    Tina Groll

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