StressMails nach Feierabend schaden nicht

Gesetzliche Regelungen sollen ständige Erreichbarkeit im Job verhindern. Unsinn, sagen Personalmanager. Mails schaden nur, wenn Chefs keine Orientierung geben. von 

Passend zur Urlaubszeit diskutieren Politik, Wirtschaft und Medien mal wieder das Thema Erreichbarkeit im Job und Stress. Arbeitet doch mittlerweile fast jeder Zweite im Urlaub ein bis zwei Stunden am Tag, wie jüngst eine Umfrage des Bürodienstleisters Regus ergab. Der Studie zufolge will sogar jeder zehnte Beschäftigte im Urlaub mehr als drei Stunden täglich arbeiten. Durch Smartphones ist eine Dauer-Erreichbarkeit auch in der Freizeit mittlerweile normal geworden. 

Mit Folgen für den Krankenstand: Dauerstress und zu hoher Arbeitsdruck sind die häufigsten Gründe für psychische Erkrankungen. Und die wiederum sind immer öfter für Fehltage verantwortlich. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) plädiert deswegen sogar für Gesetze, die eine Erreichbarkeit nach Feierabend regeln .

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Dabei ist die Sache eindeutig geregelt . Die maximale Arbeitszeit ist im Arbeitszeitgesetz festgeschrieben . Demnach darf ein Arbeitnehmer werktags in der Regel nicht länger als acht Stunden arbeiten. Überstunden müssen vom Arbeitgeber angeordnet und zumeist auch vergütet werden.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Vertragliche Klauseln, nach denen die Bezahlung von Mehrarbeit generell ausgeschlossen ist, wurden erst im Februar vom Bundesarbeitsgericht für unwirksam erklärt . Zumindest gesetzlich haben Arbeitgeber damit kaum einen Anspruch auf eine permanente Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter.

Der Personalvorstand der Deutschen Telekom, Marion Schick, macht sich jetzt für ein Umdenken stark: "Nicht die Möglichkeiten der Technik sind das Problem, sondern der Umgang damit ist es. Übertragen auf die Beziehungen zwischen Chefs und Mitarbeitern heißt das: Wo Führung versagt, fängt Burnout (leichter) an", schreibt die Personalmanagerin in einem Debattenbeitrag des Konzerns

Verbote erschweren flexibles Arbeiten

Auch der Bundesverband der Personaler (BPM) hatte sich schon im Juni gegen pauschale Verbote zur Erreichbarkeit ausgesprochen . "Das ist nicht zielführend", sagt BPM-Präsident und Airbus-Geschäftsführer Joachim Sauer . In vielen internationalen Unternehmen seien solche Vorgaben nicht durchführbar. Und viele Arbeitnehmer wollen sie auch gar nicht – schließlich liegt in der Technik erst die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten und so beispielsweise Familie und Beruf besser miteinander in Einklang zu bringen.

Führungskräfte sollten einen vernünftigen Umgang mit Mails und Telefonaten einfordern und selbst vorleben. Betriebliche Regelungen, die den Bedürfnissen der Unternehmen, Abteilungen und einzelnen Mitarbeitern Rechnung tragen, seien sinnvoller als Gesetze, argumentiert der BPM.

Leserkommentare
  1. Sie schadet nur dem, der überfordert ist. Ganz im Gegenteil, Erfolg macht zufrieden. Wer Erfolg hat, arbeitet gern und ist deshalb auch gern zu Hause erreichbar.
    Wir sollten uns hüten, die Arbeitsweisen von erfolglosen anzunehmen.

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    der 'Erfolgreichen' zu übernehmen. Was ein erfolgreiches und erfülltes Arbeitsleben ist, sollte jeder für sich entscheiden können und nicht das nachplappern und nachäffen, was in Hochglanzmagazinen und Zeitgeistpostillen als erstrebenswert vorgegeben wird.

    Wenn jemand allerdings meint, er sei verpflichtet, auch abends um 23h noch Firmenkorrespondenz zu lesen und zu bearbeiten, kann er das gerne tun. Viel ungesünder als mit einer Tüte Chips und einer Bierflasche vor dem Fernseher zu hocken ist es auch nicht.

    Der Gesetzgeber sollte sich aber bitteschön aus dem Freizeitverhalten seiner Bürger heraushalten. Gesundheitspolitisch verbrämte Feierabendschnüffelei seitens des Staates muss nicht sein.

    • Suryo
    • 12. Juli 2012 7:54 Uhr

    Jaja, solchen Unsinn faselten die burnout Opfer auch alle mal. Arbeit ist kein Spaß, sie ist erstmal einfach nur Arbeit. Und jeder ist absolut ersetzbar. Ihre Arbeit macht Sie nicht zu etwas besonderem.

    Wir sollten uns hüten, die Arbeitsweisen von Menschen zu übernehmen, die keine Hobbys und keine Familie zu haben scheinen und die demzufolge ein ziemlich eindimensionales, auf Arbeit gerichtetes Leben führen.

    Mir macht mein Job ebenfalls Spaß, ich betrachte mich sogar als ziemlich erfolgreich in meinem Job, trotzdem möchte ich zu gewissen Zeiten nichts von meinem Job wissen. Z.B. am Wochennde, nach Feierabend und im Urlaub. Und wissen sie was? Sonntag juckt es wieder und ich freue mich auf Montag.

    Nur Dienstboten müssen ständig erreichbar sein.

    • AndreD
    • 12. Juli 2012 11:18 Uhr

    Könnten Sie das bitte genauer definieren?

  2. Was hier Offenkundig als nicht dramatisch verkündet wird , ist derzeit zu einem Alptraum geworden. denn die ständige Verfügbarkeit wird mißbraucht bis zu geht nicht mehr .Mitarbeiter werden so gar noch wenn sie zusammen gebrochen sind in der Klinik durch die Arbeitgeber belästigt um auch das letzte aus ihnen heraus zu holen. Es wird unverholen darüber diskutiert was machbar ist, und wer nicht mitspielt wird es spüren,So einfach geht das. Wenn Mitarbeiter nicht mehr abschalten können, sind sie schneller kaputt und fertig und landen auf dem Müllhaufen der Gesellschaft...Hartz IV und diese radikale Abstufung macht aus den Menschen willfährige Opfer, die dann unter Herz Kreislauf, Burnout und ähnlichem Leiden ..beklatscht von denen die ihren Nutzen daraus gezogen haben......

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    • GDH
    • 12. Juli 2012 17:22 Uhr

    "willfährige Opfer, die dann unter Herz Kreislauf, Burnout und ähnlichem Leiden ..beklatscht von denen die ihren Nutzen daraus gezogen haben......"

    ... und jetzt schon wieder einen Neuen einarbeiten (und überhaupt erstmal finden und einstellen) müssen.

    Ich streite nicht ab, dass es Ausnahmen geben mag aber die Regel ist wohl, dass es sich für Arbeitgeber nicht lohnt, die Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter allzu schnell zu ruinieren.

  3. der 'Erfolgreichen' zu übernehmen. Was ein erfolgreiches und erfülltes Arbeitsleben ist, sollte jeder für sich entscheiden können und nicht das nachplappern und nachäffen, was in Hochglanzmagazinen und Zeitgeistpostillen als erstrebenswert vorgegeben wird.

    Wenn jemand allerdings meint, er sei verpflichtet, auch abends um 23h noch Firmenkorrespondenz zu lesen und zu bearbeiten, kann er das gerne tun. Viel ungesünder als mit einer Tüte Chips und einer Bierflasche vor dem Fernseher zu hocken ist es auch nicht.

    Der Gesetzgeber sollte sich aber bitteschön aus dem Freizeitverhalten seiner Bürger heraushalten. Gesundheitspolitisch verbrämte Feierabendschnüffelei seitens des Staates muss nicht sein.

    • Suryo
    • 12. Juli 2012 7:54 Uhr

    Jaja, solchen Unsinn faselten die burnout Opfer auch alle mal. Arbeit ist kein Spaß, sie ist erstmal einfach nur Arbeit. Und jeder ist absolut ersetzbar. Ihre Arbeit macht Sie nicht zu etwas besonderem.

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    Arbeit sollte auch keinen Spaß machen. Spaß kann man auf ner Party, in nem Freizeitpark, etc. haben.
    Arbeit sollte einem jedoch Freude bereiten, man sollte es gern tun.
    Freude und Spaß, zwei ähnliche Wörter und doch so ein riesengroßer Unterschied.

  4. Wir sollten uns hüten, die Arbeitsweisen von Menschen zu übernehmen, die keine Hobbys und keine Familie zu haben scheinen und die demzufolge ein ziemlich eindimensionales, auf Arbeit gerichtetes Leben führen.

    Mir macht mein Job ebenfalls Spaß, ich betrachte mich sogar als ziemlich erfolgreich in meinem Job, trotzdem möchte ich zu gewissen Zeiten nichts von meinem Job wissen. Z.B. am Wochennde, nach Feierabend und im Urlaub. Und wissen sie was? Sonntag juckt es wieder und ich freue mich auf Montag.

    Nur Dienstboten müssen ständig erreichbar sein.

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    gestaltung nicht aus, ganz im Gegenteil, sie bedingen sich gegenseitig.
    Man hüte sich jedoch vor eng eingegrenzten Arbeitszeitregeln. Sie erzeugen Stress ohne Ende. Dehnt die Arbeitszeit aus, das macht die Arbeitszeit deutlich angenehmer.

  5. ...hat mich schon bei "Hart aber fair" ziemlich genervt. Klar, dass solche Menschen eine andere Einstellung zu diesem Thema haben. Conflict of interest eben.

    Da brabbelte er was von Statussymbol (Smartphone) und das erfolgreiche Menschen halt immer erreichbar sein müssen und dies auch zeigen müssen. Wer als Manager ein Smartphone hätte, müsse eben auch zeigen, dass er ständig erreichbar ist. Würde er das nicht tun, würden die Gegenüber ihn als erfolglos betrachten. Blabbla usw. und so.

    Tja, wenn der Mann sonst keine Probleme hat, tut er mir ziemlich leid. Auch erfolgreiche Menschen können ihr Smartphone in der Tasche verschwinden lassen. Meine Kunden sehen mein Smartphone nicht, weil ich in dem Moment, wo ich mit dem Kunden ein Gespräch führe, mein Smartphone auf leise stelle und es in der Tasche verschwinden lasse. Und zwar schon, bevor ich den Kunden sehe. Der Herr sollte mal überdenken, was wichtig ist und was nicht. Ein Smartphone, was ständig sichtbar ist, ist höchstens ein Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein und Unhöflichkeit gegenüber seinem Gegenüber.

    Und mein Selbstbewusstsein sagt mir, ich habe ein Recht auf Freizeit, wie jeder andere Mensch auch. Egal ob Toppmanager oder einfacher Fließbandarbeiter. Mir ist jedenfalls noch kein Auftrag verloren gegangen, weil ich mal nicht erreichbar war. Der Wahn, man könnte was verpassen, kann behandelt werden.

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    meiner Meinung nach.
    Ich halte es genauso mit meinem Smartphone. Ich finde es peinlich, wenn in Meetings oder zu anderen Anlässen die Teile aus der Tasche gezogen und griffbereit abgelegt werden, um nicht eine Minute nicht erreichbar zu sein.
    Ich empfinde allerdings Anrufe direkt nach der Arbeit für eine Nachfrage nicht als so schlimm.
    Im Urlaub verkehrt sich das ins Gegenteil. Ich fühle mich im höchsten Maße gestört, wenn da Anrufe kommen. Da will ich abschalten und jede Erinnerung an die Arbeit vermindert bei mir den Erholungseffekt.
    Das habe ich den Kollegen klargemacht und seitdem habe ich mehr Ruhe.
    Bei den E-Mails schaue ich ganz einfach nicht rein und wenn man sich das angewöhnt hat, lebt man 1. ruhiger und 2. erwartet dann auch niemand mehr dass man reagiert.

  6. "Gute Führungskräfte greifen steuernd ein und erinnern ihre Mitarbeiter auch an die Eigenverantwortung"

    so wärs im idealfall-und der muß dann für jede argumentation herhalten.

    menschen sind keine maschinen, die perfekt nach eingabe funktionieren.
    es gibt immer welche-die das können. die mehrzahl wird aber über eine solche funktionsweise nach einiger zeit krank.
    die zahl der "arbeitsopfer" mit seelichen krankheiten wird noch höher werden.
    und zum schluß gibts demenz-damit man dieses ganze arbeitsleben wenigsten eine zeit lang vergessen kann.

  7. meiner Meinung nach.
    Ich halte es genauso mit meinem Smartphone. Ich finde es peinlich, wenn in Meetings oder zu anderen Anlässen die Teile aus der Tasche gezogen und griffbereit abgelegt werden, um nicht eine Minute nicht erreichbar zu sein.
    Ich empfinde allerdings Anrufe direkt nach der Arbeit für eine Nachfrage nicht als so schlimm.
    Im Urlaub verkehrt sich das ins Gegenteil. Ich fühle mich im höchsten Maße gestört, wenn da Anrufe kommen. Da will ich abschalten und jede Erinnerung an die Arbeit vermindert bei mir den Erholungseffekt.
    Das habe ich den Kollegen klargemacht und seitdem habe ich mehr Ruhe.
    Bei den E-Mails schaue ich ganz einfach nicht rein und wenn man sich das angewöhnt hat, lebt man 1. ruhiger und 2. erwartet dann auch niemand mehr dass man reagiert.

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