NetzwerkeKarriere dank Elite-Kontakten

Ob Thomas Gottschalk oder der Papst: Wer Mitglied in einer Studentenverbindung oder einem Elite-Club ist, braucht sich um die Karriere nicht zu sorgen. Stimmt das? von Kerstin Dämon

Theodor Heuss soll einmal gesagt haben, dass in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn das Wort "Zufall mit CV geschrieben" werde. CV, das steht für den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen . Zu diesem Akademikerverband gehören derzeit rund 4.000 Studierende. Insgesamt hat der CV 30.000 Mitglieder in mehr als 120 Verbindungen in Belgien , Deutschland, der Schweiz , Italien , Japan , Kamerun und Polen . Der CV rühmt sich selbst, "zahlreiche Fach- und Führungskräfte sowie Verantwortungsträger aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik" unter seinen Mitgliedern zu haben. Der Star unter den "Alten Herren" der Verbindung dürfte Professor Doktor Joseph Ratzinger sein: Papst Benedikt XVI .

Vorteile, die Verbindungen ihren Mitgliedern bringen, sind neben günstigen Zimmermieten, Freundschaft und Freizeitaktivitäten auch nützliche Kontakte. Die Franconia Münster beispielsweise, eine Burschenschaft, in der Bild -Chefredakteur Kai Diekmann Mitglied ist, wirbt auf ihrer Homepage ganz unbescheiden mit "Kontakten und Netzwerken mit generationenübergreifender Unterstützung z.B. beim Start ins Studien- oder Berufsleben". Das scheint den Ruf von Studentenverbindungen als Karriereseilschaften zu bestätigen. Weniger schmeichelhaft ist dagegen der Ruf, frauenfeindlich oder rechtsradikal zu sein, der manchen Studentenverbindungen und vor allem Burschenschaften anhaftet .

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Der Wahlspruch vieler Verbindungen "Ehre, Freiheit, Vaterland" beispielsweise geht auf die 1815 gegründete Urburschenschaft zurück und ist nicht unbedingt ein Beleg für braune Ideologie. Die reale Basis für den Ruf der Verbindungen als Karriereseilschaften ist deren Lebensbundprinzip. Wer einer Studentenverbindung beitritt, steht ganz am Anfang seines beruflichen Werdegangs. Doch mit dem Universitätsabschluss und dem Start ins Berufsleben ist man nicht automatisch raus aus der Verbindung. Als sogenannter Alter Herr oder Hohe Dame unterstützt das passive Mitglied die Verbindung sowohl finanziell als auch mit Rat und Tat. Hilfe unter den Bundesbrüdern ist Ehrensache. Und diese Kontakte zu den auch als Philistern bezeichneten passiven Mitgliedern können sich natürlich auch auf die spätere Karriere auswirken.

Kontakte für ein Karriereleben lang

"Es gibt Wissenschaftler, die nachzuweisen versucht haben, dass Vitamin B ein sehr gutes Karrierekriterium ist", sagt Hilmar Sturm vom Institut für Verbandsforschung und -beratung SVV. Allerdings werde kein Personaler gern zugeben, solche Kontakte bevorzugt zu behandeln. "Das wirkt unprofessionell", so Sturm.

Uneingeschränkt empfehlenswert ist es sicher nicht, nur wegen der günstigen Miete auf dem Verbindungshaus, wie es in der Korporiertensprache heißt, oder wegen des möglichen Netzwerkes, einer Verbindung beizutreten. Das Leben in einer Verbindung ist von zeitintensiven Aktivitäten geprägt und gerade die Neuzugänge, die sogenannten Füchse, müssen während ihrer Probezeit viele Aufgaben für die Verbindung übernehmen. Ein Onlinenetzwerk aufzubauen dürfte wesentlich schneller und leichter gehen. Auch ist das Leben in Studentenverbindungen mehr als eine große Wohngemeinschaft mit regelmäßigen Ausflügen.

Die Korporationen sollen auf die Persönlichkeitsbildung der Studierenden einwirken, das Leben in der Verbindung regelt der Comment, der sich seit den Gründungszeiten der Studentenverbindungen kaum verändert hat. Selbst für Feiern gibt es ein Regelwerk, den Kneip- sowie den Biercomment. Letzterer legt beispielsweise fest, wie Trinkspiele bei Festivitäten ( "auf Kneipen") abzulaufen haben. Wenn das Biergericht entscheidet, dass der Comment nicht eingehalten wurde, landet der jeweilige Sünder im "Bierverschiss". Dann ist erst mal Ende mit Party – solange, bis diverse Strafarbeiten erledigt sind. Besonders die Anfangszeit in einer Studentenverbindung entspricht nicht unbedingt dem Traum vom lockeren Studentenleben: Ein bis drei Semester lang muss ein Fuchs die Geschichte und Rituale seiner Verbindung lernen und sich beweisen, bevor er zum Burschen ernannt wird. Und das auch nur, wenn die Gemeinschaft seiner Ernennung zustimmt.

Leserkommentare
  1. hat die ihr eigenen service clubs - denn was den jusos die proletarische moral ist, das ist dem CV der comment. im wesentlichen geht es in solchen organisationen wohl darum die mitglieder gemäß geltender, seitens der fraglichen gruppe devinierter normvorstellung wie affen ab zu richten, als auch "symbolische hoffnugsträger" a la theodor guttenberg auf zu bauen und zu protegieren, um sie vom spreu zu trennen.

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    Ihr Kommentar spricht schon Bände bezüglich Ihrer Vorurteile.

    In den Verbindungen, die ich kennen lernen durfte, ist die Verteidigung der eigenen Meinung und seines Standpunktes ein höchst respektierter Wert. Die CbrCbr und BbrBbrs werden gerade auf den Conventen dazu ermutigt, und in diesem Rahmen auch die Möglichkeit gegeben, dies zu erlernen, ohne üble Konsequenzen erwarten zu müssen. Einen Lakeien schätzt in den mir bekannten Verbindungskreisen kaum einer, offene und konstruktive Kritik und Debatten zur Meinungsfindung jedoch die Meisten.

    Alleine schon mal in Vollcouleur durch die Stadt zu gehen lehrt einen einiges bezüglich Rückgrad und Standhaftigkeit. Denn das offene Einstehen zu seinen Werten und denen seines Bundes löst bei vielen "toleranten" Mitmenschen das Bedürfnis verbaler (oder je nach Stadt auch körperlicher) Aggressivität aus.

  2. Ihr Kommentar spricht schon Bände bezüglich Ihrer Vorurteile.

    In den Verbindungen, die ich kennen lernen durfte, ist die Verteidigung der eigenen Meinung und seines Standpunktes ein höchst respektierter Wert. Die CbrCbr und BbrBbrs werden gerade auf den Conventen dazu ermutigt, und in diesem Rahmen auch die Möglichkeit gegeben, dies zu erlernen, ohne üble Konsequenzen erwarten zu müssen. Einen Lakeien schätzt in den mir bekannten Verbindungskreisen kaum einer, offene und konstruktive Kritik und Debatten zur Meinungsfindung jedoch die Meisten.

    Alleine schon mal in Vollcouleur durch die Stadt zu gehen lehrt einen einiges bezüglich Rückgrad und Standhaftigkeit. Denn das offene Einstehen zu seinen Werten und denen seines Bundes löst bei vielen "toleranten" Mitmenschen das Bedürfnis verbaler (oder je nach Stadt auch körperlicher) Aggressivität aus.

  3. "Alleine schon mal in Vollcouleur durch die Stadt zu gehen lehrt einen einiges bezüglich Rückgrad und Standhaftigkeit.

    Offenbar leider nicht, dass man Rückgrat mit "t" schreibt (SCNR)

    "Denn das offene Einstehen zu seinen Werten und denen seines Bundes löst bei vielen "toleranten" Mitmenschen das Bedürfnis verbaler (oder je nach Stadt auch körperlicher) Aggressivität aus."

    Bei mir eher das Bedürfnis breit zu grinsen, so wie bei jedem anderen Karnevalsverein auch.

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    Sie haben einen Rechtschreibfehler in meinem Post gefunden. Wenn sie mir Ihre Adresse zusenden, schicke ich Ihnen gerne einen gerahmten Ausdruck für Ihre Wall of Fame.

    Und der Rest Ihrer Antwort bestätigt nur meine Aussage. Ob es nun das süffisante Lächeln der in ihren eigenen Augen moralisch überlegenen Mehrheit, leises Geflüster hinter dem Rücken oder offener Spott und Beleidigungen sind, die man in Vollcouleur ausgesetzt ist: all das zwingt einen Couleurstudenten, sich mit seiner Meinung, seinem Standpunkt und seinem Willen, diese zu verteidigen, auseinanderzusetzen. Und dementsprechend ein Rückgrat zu entwickeln.

  4. 4. Wow...

    Sie haben einen Rechtschreibfehler in meinem Post gefunden. Wenn sie mir Ihre Adresse zusenden, schicke ich Ihnen gerne einen gerahmten Ausdruck für Ihre Wall of Fame.

    Und der Rest Ihrer Antwort bestätigt nur meine Aussage. Ob es nun das süffisante Lächeln der in ihren eigenen Augen moralisch überlegenen Mehrheit, leises Geflüster hinter dem Rücken oder offener Spott und Beleidigungen sind, die man in Vollcouleur ausgesetzt ist: all das zwingt einen Couleurstudenten, sich mit seiner Meinung, seinem Standpunkt und seinem Willen, diese zu verteidigen, auseinanderzusetzen. Und dementsprechend ein Rückgrat zu entwickeln.

    Antwort auf "Wenn Sie meinen..."
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    Sie haben Recht, meine Anspielung auf Ihren Rechtschreibfehler war kleinlich, verzeihen Sie bitte.

    Wenn Sie sich ein gestärktes Rückgrat durch ein Flanieren in voller Couleur erarbeitet haben, denn man tau.

    Als Bewohner der Stadt, die Deutschlands älteste Universität beherbergt, sind mir Burschenschaftler selbstverständlich vertraut. Und, nein, es käme mir nie in den Sinn, dass diese sich Ihr Rückgrat stärken indem sie in voller Montur durch die Stadt stiefeln. Was hauptsächlich daran liegen mag, dass sie dies meistens in Gruppen von mindestens 6-8 Mann tun, vermutlich weil es mit der Courage alleine so ausstaffiert durch die Stadt zu gehen, wohl doch nicht ganz so weit her ist. Jeder Punk zeigt da mehr Mut.

    Ein für mich symptomatisches Erlebnis mit "Burschis" hatte ich einst, als ich mit einem Kumpel unsere Stammkneipe betrat. Wir kannten, da Stammkneipe, ca. jeden 2. der ungefähr 100 Gäste, setzten uns aber, da wir was in Ruhe bekakeln wollten, zu zweit an einen Tisch. Am Nebentisch saßen 6 Burschenschaftler, die uns erst verbal anpöbelten und, als wir nicht reagierten, mit diversen Gegenständen bewarfen. Da wir uns nicht einer 2 vs. 6 Prügelei stellen wollten, machten wir eine Runde durchs Lokal und baten ein paar Bekannte um Unterstützung. Als die Schärpenträger sahen, dass sie es nicht mehr mit 2, sondern mit 20 Gegnern zu tun hatten, haben sie sich ganz schnell bei uns entschuldigt.

    Courage sieht man bei denen, wie bei allen "Rechten", nur wenn sie in Überzahl sind.

  5. Ich dachte mal, Kompetenz und Begabung und jene vielen diffusen Eigenschaften, die so gerne hochgehalten werden, wären die entscheidenden Kriterien. Aber eine hatte ich damals vergessen: Berechenbarkeit. Was nutzt eine Führungskraft mit Intelligenz, die geniale Ideen hat, aber die nicht in die Gesamtstruktur passen? Das ist der funktionale Aspekt dieses Prinzips. Dazu kommt noch der sozialpsychologische Aspekt: Der Mensch bevorzugt ihm ähnliche Menschen. Es erfordert eine enorme reflexive Leistung, dies zu überwinden, und einen Anreiz dafür gibt es in der vorherrschenden Struktur eher selten. Diese Selektionsmethoden für die höheren "Kader" sind in ihrer Weise effizient, aber dennoch bedauerlich angesichts der dadurch verschwendeten Möglichkeiten.

  6. Schade eigentlich. Ich fand die Vorstellung, dass heutzutage leistungsstarke und kompetente Menschen erfolgreich sind, immer Recht angenehm. Aber wahrscheinlich muss man hier erkennen, dass es ohne die richtigen Kontakte nicht geht.
    Vielleicht kann man dennoch hoffen, dass die beschriebenen Wege nicht die Einzigen sind, auf denen man etwas werden kann, und inzwischen andere und weniger dubiose Netze ähnlich leistungsstark sind.

    • Wyrd
    • 29. Juli 2012 15:47 Uhr

    ... ein Artikel über Studentenverbidnungen in den kaum mehr als oberflächliche Recherchearbei gesteckt wurde. Ermüdend.

  7. In Kurzformel geht es schlicht um den interpretierbaren Begriff: "Bereicherung".

    Also buchstäblich um den jeweiligen materiellen oder immateriellen Nutzen aus zwangsläufigen Verbindungen, Netzwerken und Beziehungen - sprich den Umgang der lieben und bösen Mitmenschen untereinander.

    In unserer Gesellschaft rangiert die materielle "Bereicherung" ganz oben, voorrangig bei der ehemals oder noch studierenden Elite, die ihre intellektuellen Kapazitäten unverdient in den Schoß gelegt bekommen hat, diese mehrheitlich, freilich nach schönem Brauch in den diversen Seilschaften (Freundschaften) gegen- und wechselseitig mit weiteren Kenntnissen sozusagen inzestiös und gewinnbringend beträufelt, und sich noch nicht einmal dafür schämt.

    Berufsgruppen, die in Frage kommen, können Sie gern selbst benennen.
    Ich fang schon mal an:
    Finanz- Grundstücks-und Häusermakler, Anwälte, Progranmmdirektoren , auch Moderatoren bei Rundfunk- und Fernsehen, Chefredakteure, Ärzte, Manager...

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