Gleichberechtigung : Gezielte Förderung statt Quote

Frauen und Männer sind grundlegend unterschiedlich, schreibt Leserin Carmen Langhanke. An diesem Grundsatz sollte sich die Frauenförderung orientieren.

"Im Alltag ihre Frau stehen", "Netzwerken für Frauen" – E-Mails mit solchen Betreffzeilen lösche ich sofort. Wie viele meiner Kolleginnen will ich nicht als Frau, sondern als Nachwuchswissenschaftlerin gefördert werden. Natürlich ist mir klar, dass Frauen leider immer noch nicht dieselben Karrierechancen haben wie Männer. Die Frage ist, wie man diesem Problem begegnet.

Chancengerechtigkeit ist für den Erfolg eines modernen Wissenschaftssystems ein entscheidender Faktor. Wir werden aber erst dann Chancengerechtigkeit erreichen, wenn wir aufhören, alles und jeden gleich zu betrachten. Frauen und Männer sind einfach unterschiedlich, sie haben in der Regel unterschiedliche natürliche Begabungen und fachliche Neigungen. Viele Förderinitiativen verfolgen daher einen falschen Ansatz.

Der Gleichstellungsauftrag wird oft nur einseitig wahrgenommen, das heißt die meisten Angebote, wie Coachings, Mentor-Mentee-Vermittlungen und Workshops sind nur auf Frauen ausgerichtet. Zudem sollen viele Programme zur Frauenförderung den Teilnehmerinnen beibringen, sich an die männlichen Verhaltensmuster anzupassen, die in der Arbeitswelt vorherrschen. Das Ziel sollte aber sein, dass sie als Frauen, also mit allen weiblichen Eigenschaften, in Führungspositionen aufsteigen.

Carmen Langhanke

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth. Sie ist außerdem Landesvorsitzende des RCDS in Bayern e.V.

Exzellente Frauen müssen gezielt angesprochen und ermutigt werden. Die Anforderungen an ihre Betreuung sind andere, als an die ihrer männlichen Kollegen. Frauen brauchen eine Perspektive, die es ihnen erlaubt, Familie, Forschung und Beruf zu vereinen. Die Angst, zugunsten der Karriere auf eine Familie verzichten oder sie hintanstellen zu müssen, ist die größte Barriere, die es zu überwinden gilt. So müssen Plätze zur Kinderbetreuung auch noch nach 18 Uhr zur Verfügung stehen. Bessere Berufsaussichten könnten auch durch Junior Professuren mit tenure track geschaffen werden, die den Lehrkräften nach einer befristeten Bewährungszeit eine Professur auf Lebenszeit zusichern.

Eine Frauenquote aber lehne ich kategorisch ab. Wir müssen die Besten für Forschung und Lehre gewinnen, deshalb sollte die Förderung des gesamten wissenschaftlichen Nachwuchses wieder in den Fokus der Debatte rücken. Trotz aller Anstrengungen wird es uns in Fachbereichen wie den MINT-Fächern wahrscheinlich nie gelingen, die Hälfte der Lehrstühle mit Professorinnen zu besetzen.

Die Entscheidung junger Frauen, auf eine wissenschaftliche Karriere zu verzichten und einen anderen Weg einzuschlagen, müssen wir ab einem gewissen Punkt akzeptieren. Es steht weder der Politik noch der Wissenschaft zu, über die Lebensentscheidungen und Modelle dieser Frauen zu urteilen.

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Volle

Zustimmung.

Zur Zeit ist die Forderung nach Quoten fuer Frauen vor allem damit begruendet, dass vorausgesetzt wird, dass Frauen (statistisch) exakt das gleiche wollen UND die gleichen Begabungen haben.
Wahrscheinlich ist beides nicht richtig. Die Schwierigkeit ist natuerlich, herauszufinden, wo es systemimmanente, frauenspezifische Hinderungsgruende gibt - hier koennen Quoten naemlich helfen, um existierende Diskriminierungen abzubauen- und wo Frauen deshalb nicht so haeufig vertreten sind, weil sie die fraglichen Berufe entweder nicht wollen oder weil weniger Frauen die entsprechenden Begabungen haben.
Die Crux ist, dass gerade die Frage nach den unterschiedlichen Begabungen womoeglich nie ganz geloest werden kann - zu schwierig ist es, Erziehung und Geneitk auseinanderzuhalten.
Daher verstehe ich zwar die momentane Diskussion um Quoten - ich halte deren Einrichtung aber weder fuer effizient (im Sinne der Autorin; es wird nicht nur nach den Besten gesucht; noch halte ich sie fuer gesamtwirtschaftlich sinnvoll (aus den gleichen Gruenden); ich glaube auch nicht, dass sie eine gute STimmung schaffen - eher im Gegenteil; und ich glaube, dass Frauen tendentiell dazu getrieben werden, die sie primaer nicht tun wollen ).
Aus all diesen Gruenden waere mir vor allem an einer vertiefte Forschung gelegen in Richtung Unterschied Maenner/Frauen betreffs Begabung und Wuenschen (Genetik/Erziehung).
Auf Basis harter Evidenzen koennen wir dann zu radikalen Dingen wie Quoten greifen.

Argumente bitte

Mit Verlaub, auf welchen Argumenten beruht Ihre Einschaetzung denn?

Es geht im uebrigen nicht darum dass Frauen es auch 'ohne Quote' schaffen, es geht darum warum sie sich als Frauen -- und nicht als Wisschenschaftler -- denn ueberhaupt besonders behaupten muessen.

Als Quotenfrau beschimpft zu werden wuerde ich uebrigens in Kauf nehmen. Es ist immer noch besser zu hoeren: "Die hat das nur wegen der Quote geschafft." als "Ich haette die ja schon gerne eingestellt, ihre Doktorarbeit ist ja beeindruckend und ihr Profil passt auch perfekt. Aber als Frau ... ich weiss nicht, am Ende wird die mir schwanger und dann habe ich den Salat." Hat eine Freundin von mir durch eine halboffene Tuer hindurch nach ihrem Jobinterview so gehoert. Den Job hat ein Mann gekriegt. Felicitas ist jetzt in der Industrie.

Mal wieder falsch...

1. Jeden Unterschied zwischen Männern und Frauen die durch die Genderforschung untersucht wurde, hatte immer das gleiche Ergebnis, es gibt keinen. Frauen sind zum Beispiel nicht einfühlsamer als Männer und diese nicht intelligenter in Mathe oder Naturwissenschaften.
2. Die Frauenquote sagt nicht aus, dass schlechtere Frauen gegenüber besseren Männern bevorzugt werden, sondern bei gleichen (oder sogar besseren) Fähigkeiten!

Nein, absolut richtig!

Natürlich gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen die auch nicht einfach wegdiskutiert werden können! Frauen agieren in Beruf, Gesellschaft, Wissenschaft in der Regel anders wie Männer und kein Ergebnis der Gederforschung wird mich vom Gegenteil überzeugen. Frauen nun beizubringen wie Männer zu agieren und reagieren halte ich für nicht zielführend. Aber genau das passiert in vielen Förderprogrammen. Daneben arbeitet die Genderbewegung an der Abschaffung der Rollenbilder was ich teilweise auch unerträglich finde!

Genderforschung

Ja, die Genderforschung bestreitet Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Psychologie und die Biologie hingegen belegen Unterschiede. Wer hat nun Recht?
Wenn ich mir anschaue, welche Leute in der Genderforschung mit welchen Methoden arbeiten, dann tendiere ich doch zu den anderen beiden. Und das sage ich als Sozialwissenschaftler.
Aber um meine Meinung geht es ja nicht. Das Problem liegt doch darin, dass diese Disziplinen es einfach nicht schaffen, sich im Namen des Erkenntnisgewinns mal an einen interdisziplinären Tisch zu setzen. Weil sie nämlich allesamt zu verbohrt sind und - gerade die Genderforschung - viel zu eitel sind, um mal ihre Ideologien infrage zu stellen.

Natürlich stimme ich Ihnen zu, wenn Sie sagen, Frauen seien nicht per sé einfühlsamer und Männer nicht per sé begabter in Sachen Mathematik. Aber darum geht es hier doch auch gar nicht. Auch wenn Männer genau so einfühlsam sein könnten: Mir scheint, sie haben in der Regel weniger Interesse daran. So wie Frauen in der Regel weniger Interesse an Technik haben. Ich sage nicht, dass sie es nicht können. Mir fällt nur auf, dass sie sich weniger für diese und dafür mehr für andere Dinge interessieren. Ob das nun sozial konstruiert ist oder nicht, spielt im Endeffekt keine Rolle. Es ist ein Faktum. Und das lässt sich nicht mal eben so - wenn überhaupt - ändern.

Genderforschung

Nein, nicht weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sondern weil biologische Unterschiede ein zwingender Faktor sind. Es ist schwirig genau zu diffenzieren, was in der Erziehung und was genetisch bedingt ist. Mir ist es wichtig, dass Unterschiede akzeptiert werden und diese Gleichmacherei aufhört!
Ich gebe meinem Vorredner zoon politicon Recht, dass die Genderforschung sehr stark idiologisch vorbelastet ist.

Leider Nein

Zugegeben, vieles waere einfacher (und wohl auch langweiliger) wenn Sie recht haetten. Dem ist nicht so.
Ich stimme Ihnen zwar zu, dass einige (nicht alle) Genderforscher Ihrer ersten Aussage zustimmen wuerden; wichtiger aber ist, dass, wenn diese Genderforscher diesen Aussagen zustimmen, dann nur aufgrund von Studien von sehr begrenzter Aussagekraft - mit viel zu allgemeinen Schlussfolgerungen.
Leider diskreditieren solche Aussagen (zwischen Maennern und Frauen gibt es keine Unterschiede) die Genderstudien nur noch, und ich waere froh, wenn die extremen Befuerworter dieser Gleichheitstheorie etwas weniger sichtbar waeren. Diese verbergen nämlich den Blick auf das, was Genderforscher sehr wohl noch herausfinden koennen: wo genau und wie genau durch Erziehung entstandene Unterschiede existieren, die eben nicht nur durch die Biologie erklärbar sind.

"2. Die Frauenquote sagt nicht aus, dass schlechtere Frauen gegenüber besseren Männern bevorzugt werden, sondern bei gleichen (oder sogar besseren) Fähigkeiten!"

Faktisch ist das eine Verpflichtung zur Einstellung von schlechter qualifizierten Frauen. Ich weiß, die Theorie sagt etwas anderes, aber in der Praxis führt es genau dazu. Die Qualität des Frauseins übertüncht bei uns (Physik/Universität) so manchen anderen Nachteil. Und wir haben noch nicht einmal offizielle Quoten! Trotzdem werden bereits weniger passende Frauen eingestellt.

Sie haben keine Ahnung

"Nein, nicht weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sondern weil biologische Unterschiede ein zwingender Faktor sind. Es ist schwirig genau zu diffenzieren, was in der Erziehung und was genetisch bedingt ist. Mir ist es wichtig, dass Unterschiede akzeptiert werden und diese Gleichmacherei aufhört!"

Sie fühlen sich von einer ominösen Gleichmacherei bedroht? Wo denn? Und widersprechen Sie damit nicht direkt ihrer Artikelaussage, dass Frauen immer noch nicht gleich-gute Karrierechancen haben?

Biologen haben übrigens festgestellt:

"Im Durchschnitt bleibt ein Unterschied zwischen Schimpanse und Mensch von 1,5 Prozent. Der Unterschied im Erbgut von Menschenfrauen und Menschenmännern kann zwei bis vier Prozent betragen. Es gibt also Paare, bei denen der Mann einem Schimpansenmann genetisch ähnlicher ist als seiner Frau."

http://www.nationalgeogra...

Also mal ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder Mensch mit Mann gleichgesetzt wurde, finde ich derartige "wissenschaftliche Erkenntnisse" nur zum Brüllen komisch.

Aber Feministinnen/Genderforschung wird Misandrie vorgeworfen?

Hätten die "Forscher" recht, so wäre das nur ein weiterer Grund den angeblich ja Affenähnlicheren Exemplaren unserer Gattung ihre institutionalisierte Übermacht (endlich) zu entziehen...