"Im Alltag ihre Frau stehen", "Netzwerken für Frauen" – E-Mails mit solchen Betreffzeilen lösche ich sofort. Wie viele meiner Kolleginnen will ich nicht als Frau, sondern als Nachwuchswissenschaftlerin gefördert werden. Natürlich ist mir klar, dass Frauen leider immer noch nicht dieselben Karrierechancen haben wie Männer. Die Frage ist, wie man diesem Problem begegnet.

Chancengerechtigkeit ist für den Erfolg eines modernen Wissenschaftssystems ein entscheidender Faktor. Wir werden aber erst dann Chancengerechtigkeit erreichen, wenn wir aufhören, alles und jeden gleich zu betrachten. Frauen und Männer sind einfach unterschiedlich, sie haben in der Regel unterschiedliche natürliche Begabungen und fachliche Neigungen. Viele Förderinitiativen verfolgen daher einen falschen Ansatz.

Der Gleichstellungsauftrag wird oft nur einseitig wahrgenommen, das heißt die meisten Angebote, wie Coachings, Mentor-Mentee-Vermittlungen und Workshops sind nur auf Frauen ausgerichtet. Zudem sollen viele Programme zur Frauenförderung den Teilnehmerinnen beibringen, sich an die männlichen Verhaltensmuster anzupassen, die in der Arbeitswelt vorherrschen. Das Ziel sollte aber sein, dass sie als Frauen, also mit allen weiblichen Eigenschaften, in Führungspositionen aufsteigen.

Exzellente Frauen müssen gezielt angesprochen und ermutigt werden. Die Anforderungen an ihre Betreuung sind andere, als an die ihrer männlichen Kollegen. Frauen brauchen eine Perspektive, die es ihnen erlaubt, Familie, Forschung und Beruf zu vereinen. Die Angst, zugunsten der Karriere auf eine Familie verzichten oder sie hintanstellen zu müssen, ist die größte Barriere, die es zu überwinden gilt. So müssen Plätze zur Kinderbetreuung auch noch nach 18 Uhr zur Verfügung stehen. Bessere Berufsaussichten könnten auch durch Junior Professuren mit tenure track geschaffen werden, die den Lehrkräften nach einer befristeten Bewährungszeit eine Professur auf Lebenszeit zusichern.

Eine Frauenquote aber lehne ich kategorisch ab. Wir müssen die Besten für Forschung und Lehre gewinnen, deshalb sollte die Förderung des gesamten wissenschaftlichen Nachwuchses wieder in den Fokus der Debatte rücken. Trotz aller Anstrengungen wird es uns in Fachbereichen wie den MINT-Fächern wahrscheinlich nie gelingen, die Hälfte der Lehrstühle mit Professorinnen zu besetzen.

Die Entscheidung junger Frauen, auf eine wissenschaftliche Karriere zu verzichten und einen anderen Weg einzuschlagen, müssen wir ab einem gewissen Punkt akzeptieren. Es steht weder der Politik noch der Wissenschaft zu, über die Lebensentscheidungen und Modelle dieser Frauen zu urteilen.