Fremdsprachen : Manager mit Chinesisch-Kenntnissen gesucht

Weil die Sprachkenntnisse der Mitarbeiter zu schlecht sind, beklagen Unternehmen Umsatzeinbußen, stellt eine Studie fest. Neben Englisch ist vor allem Mandarin gefragt.

Fremdsprachenkenntnisse braucht man in fast jedem qualifizierten Job. Mindestens fließendes Englisch wird in so gut wie jedem Unternehmen vorausgesetzt. Immer wichtiger werden auch Chinesisch-Kenntnisse. Aus Sicht von großen internationalen Konzernen ist Mandarin mittlerweile die zweitwichtigste Fremdsprache überhaupt, noch vor Spanisch, Französisch oder Russisch. Nur ein Prozent der befragten Unternehmen nannte Deutsch als wichtige Sprache. Das stellt eine neue Studie fest , die untersucht hat, wie sich kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren auf Unternehmen auswirken. Durchgeführt hat sie der Economist und der Sprachreisenanbieter Education First (EF).

Befragt wurden 572 Führungskräfte aus internationalen Konzernen verschiedener Branchen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen macht einen Umsatz von 500 Millionen Dollar oder mehr.

Der Studie zufolge berichtete ein großer Teil der Befragten von Problemen aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen. 64 Prozent sagten, dass die Zusammenarbeit über Kontinente hinweg wegen der Sprachbarrieren oder mangelnden kulturellen Verständnisses nicht reibungslos geklappt habe. So sei der Markteintritt im Ausland erschwert worden. Mehr als die Hälfte der Manager sagten, dass es wegen falscher Übersetzungen zu Behinderungen bei internationalen Geschäftsabschlüssen gekommen sei und ihr Unternehmen dadurch hohe Verluste erlitten habe.

Besonders im Vertrieb seien Fremdsprachenkenntnisse, aber auch Wissen über die kulturellen Besonderheiten des Geschäftspartners wichtig. Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass durch bessere Fremdsprachkenntnisse der Mitarbeiter sich Umsatz, Gewinn und Produktivität steigern lassen. Bei den brasilianischen und chinesischen Führungskräften waren davon sogar rund zwei Drittel überzeugt.

Mandarin wird immer wichtiger

Für 86 Prozent der befragten chinesischen Manager sind die Englischkenntnisse ihres Personals eine Schlüsselqualifikation. Hier sind fehlende Sprachkenntnisse allerdings auch das größte Problem: Nur neun Prozent der chinesischen Führungskräfte gaben an, dass die Hälfte ihrer Mitarbeiter überhaupt eine Fremdsprache spricht.

Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Auch deutsche Unternehmen suchen immer öfter nach Mitarbeitern mit Chinesischkenntnissen. Sie berichten von Problemen, Fachkräfte für ihre Dependenzen in China zu finden. Die Nachfrage nach qualifizierten Leuten ist hoch, denn viele Unternehmen bauen ihr Geschäft in China aus. Das ist ein Trend, den auch die Studie von EF und Economist bestätigt: Ein Großteil der befragten Manager gab an, als Reaktion auf die Krise noch stärker ins Ausland expandieren zu wollen.

Darum steigt der Bedarf an Weiterbildungen. Gut die Hälfte der befragten Führungskräfte beklagen, dass ihr Unternehmen zu wenig Sprachtrainings für die Mitarbeiter anbietet. 40 Prozent würden interkulturelle Schulungen für ihre Teams befürworten.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Sehe ich genauso wie Sie

Bei einer ehemaligen Firma kam ein japanisches Unternehmen mit technischen Mitarbeitern wegen eines technischen Problems. Die hatten sogar eine Dolmetscherin mitgenommen, weil viele kein gutes Englisch konnten. Am Ende habe ich mit den Ingenieuren im Rücken der Dolmetscherin diskutiert. Wir wollten die Dolmetscherin nicht beschämen. Und fehlende englische Ausdrücke konnten durch gegenseitiges Verständnis des Problems leicht überbrückt werden.
Im Moment hab ich mehr mit Chinesen zu tun und auch da ist gegenseitiges Verständnis für die Sache viel wichtiger als ein gutes Hakka/Cantonesisch/Mandarin/Englisch.

Was für ein Unsinn !

Jeder 5. Mensch auf diesem Planeten spricht Chinesisch ! Wäre es da nicht einfacher denen Englisch beizubringen ? Abgesehen davon, wenn wir bei jedem Hype die Sprache der jeweiligen Staaten gelernt hätten, könnten wir alle auch japanisch, indonesisch und russisch sprechen !

Also immer schön ruhig bleiben !

Bin Ihrer Meinung

Es reicht doch, wenn wir alle Englisch sprechen. Wenn man in Asien zu faul ist Englisch zu lernen - obwohl das ja noch die einfachste aller westlichen Sprachen ist - kann man denen auch nicht helfen. In Japan tut man sich mit Englisch ja auch schon seit Jahrzehnten schwer, weil man sich da selbst genug ist. Deswegen haben wir Japaner ja trotzdem lieb und spenden bei Naturkatastrophen mehr als irgendwo sonst, obwohl hier keiner Japanisch kann. Da sollte man realistisch sein und nicht sofort von allen die Landessprache lernen müssen, nur weil die Billiglohnkarawane da plötzlich hingezogen ist. Wenn China sich auf Ausländer nicht einlassen will lohnt das auf Dauer eh nicht die Sprache zu lernen. Aber ich befürchte ja, dass man da um jeden Preis jedes noch so absurde Bedürfnis versucht zu erfüllen, dass man sich auch über nichts mehr wundern braucht. Das müsste einem hier mal einfallen.

Also wenn

...ich den Aussagen von Austauschstudenten in meinem persönlichen Umkreis glauben schenken darf, die für ein Praktikum oder ein Auslandssemester nach Japan gingen, hatten es diese in Japan selbst teilweise schwer ihr japanisch auf offener Straße ordentlich üben zu können. Selbst wenn man nur nach dem Weg fragte, hat ein Japaner der noch so wenig englisch konnte, versucht auf englisch zu antworten, da er ungemein Stolz war auf ein paar wenige Kenntnisse die er sich da angelernt hatte.

Natürlich ist mein Wissen hier auch nicht fundiert, aber ich habe es doch von mehreren unabhängigen Erfahrungen so gehört.

Das ist etwas mehr als ein Hype

Man erkennt am Wirtschaftswachstum, aktueller Stärke, der Bevölkerungsmasse und dem daraus folgenden Potential, sowie der Entwicklung, das sich hier auf lange Sicht die Ablösung dessen anbahnt, was einst das Britische Empire war und sich heute noch in der US-Amerikanischen Dominanz zeigt. Man lernt heute also aus den gleichen Gründen Chinesisch, aus denen man die letzten hundert Jahre Englisch gelernt hat - und wenn man sich das Land ansieht von dem man spricht, sieht man auch schnell, warum es nicht einfach nur ein "Hype" ist...

"Wäre es da nicht einfacher denen Englisch beizubringen ?"
Warum wäre das einfacher als selbst zu lernen ???
300Mio Menschen in USA sprechen Englisch - wäre es für die alle dann nicht auch einfacher Deutsch zu lernen, wenn sie mit uns Geschäfte machen wollen?

Sind sie Amerikaner?

Diese Arroganz ist mir bisher nur bei Amerikanern begegnet! Als ob es selbstverständlich wäre, dass jeder Englisch spricht, quatschen sie die Leute selbst in China auf Englisch an und wundern sich, wenn man sie nicht versteht. Fürs Protokoll: Natürlich sind nicht alle so ;-) Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Respekt und der legendäre gesunde Menschenverstand einem ganz eindeutig sagt, dass es richtig ist, die Sprache des Landes zu sprechen, in dem man sich gerade aufhält und nur im Notfall auf eine Drittsprache zurückgreifen sollte.

Nachwuchskräfte ausbilden I

Die rechtspopulistischen Anti-Europäer z.B. Thilo Sarrazin argumentieren in der Euro-krise damit, dass der deutsche Export den Euro nicht braucht. Warum ? Der Handel mit den Schwellenländer ist der Wachstumstreiber. In der derzeitigen Lage braucht Europa die Schwellenländer für ihren Export.

Der globale Handel ist nicht nachhaltig, weil die Schwellenländer Güter gegen US-Dollar in die USA liefern. Ebenso fliesst Kapital aufwärts und Ersparnisse werden für billige Konsumenten-Kredite für US-Amerikaner in der Öl-Währung US-Dollar abgeliefert. Für die Schwellenländer ist das kein gutes Geschäft, weil die Produzenten sich zu Tode arbeiten und zusätzlich um den Wert ihrer Ersparnisse zittern.

So gesehen gibt es ein natürliches Interesse an einen funktionierenden Handel mit Europa. Der globale Handel ist sehr ineffizient, weil Finanzfachleute, Marketingleute und Manager fehlen.

Die Austeritätspolitik und der Banken-Rettungsschirm sollte eine zusätzliche Motivation schaffen, den globalen Handel weiter zu diversifizieren, um sich vor Konjunkturschocks zu schützen.

Die BRICS und CIVETS Staaten sind Wachstumsmärkte. Falls die Euro-Zone für Jahre als Absatzmarkt ausfällt, weil die Austeritätspolitik die südeuropäischen Konsumenten knebelt, wird man nicht drum herum kommen über eine bessere Handelspolitik nachzudenken.

Der chinesische Brain Drain an Taiwan, Singapur, Australien, Kanada und USA ist enorm. Zwei Drittel der Absolventen kehren China den Rücken.

Ich sehe das eher pragmatisch...

...und da ist Englisch einfach die Sprache die leichter zu erlernen ist. Immerhin muss man nur 26 Buchstaben lernen anstatt (mindestens) 3000 Schriftzeichen.
Kulturell schätze ich China sehr und würde wenn ich die Zeit dazu hätte auch gerne Schrift und Sprache lernen. Wenn es aber um die internationale Kommunikation geht – also den sicheren Austausch von Informationen – halte ich die einfachere Sprache für das geeignetere Mittel – und das ist m.E. Englisch. 

Das muss man sich nicht gefallen lassen.

Wem so geschieht, kann z.B. freundlich und bescheiden erwidern, er verstehe leider kaum Englisch. Damit bedient man den Stolz, erspart sich überflüssigen Wettstreit, wer nun die größeren Fremdsprachenkenntnisse hat, und übt umso mehr Japanisch.

Es muss im Übrigen gar kein Stolz dahinter stecken. Zum Teil wird es den Menschen regelrecht beigebracht, dass fremd aussehenden Menschen gegenüber Englisch zu gebrauchen ist. Ich erinnere mich an eine Sprachlehrsendung im japanischen Fernsehen, in der ein weißer Passant in Tokyo wortlos ein Taschentuch fallen ließ. Als korrektes Verhalten wurde gelehrt, ihm das Taschentuch mit den Worten "You dropped a thing." zurückzugeben. Dass der Passant vielleicht die normale Landessprache beherrscht oder gar japanischer Staatsbürger mit Migrationshintergrund sein könnte, kommt nicht mehr in den Sinn.

Mit guten Chinesischkenntnissen stehen einem viele Türen offen

Zeit:
"Auch deutsche Unternehmen suchen immer öfter nach Mitarbeitern mit Chinesischkenntnissen. Sie berichten von Problemen, Fachkräfte für ihre Dependenzen in China zu finden".

Aus den Berichten meiner Nichte kann ich das bestätigen. Meine Nichte hatte schon mit 14 Jahren aus Interesse an der Kultur Chinas begonnen, Mandarin zu lernen. Dann verbrachte sie ein Auslandsschuljahr in China. Zwei Jahre ihres Maschinenbaustudiums absolvierte sie ebenfalls in China. Die Klausuren wurden zum Teil in englisch, zum Teil in mandarin geschrieben.

Kurz vor Beendigung ihres Studiums hat sie sich in Deutschland bei mehreren Firmen für ein Betriebspraktikum beworben. ALLE wollten sie haben, speziell wegen ihrer Sprachkenntnisse, Kulturkenntnisse und der Aufenthalte in China.

Nun arbeitet sie bei einem Autokonzern und wird demnächst wohl ein Projekt in China mitbetreuen.

wirtschaftliche Kultur

Das ist ja ein beachtlicher Werdegang und ein sehr respektabler noch dazu!

Was mich an dem China-Boom an Universitäten und wer weiß wo allerdings gewaltig stört, ist das bedingslose Hinnehmen der dortigen Zustände.

Die Universitäten bauen ihre Zusammenarbeit mit Fernost Jahr für Jahr um neue Studiengänge, Master, Summer Schools und so weiter und so fort aus. Aber passt das tatsächlich zu der Idee unsere Universitäten und wollen wir tatsächlich weitere Ideale dem wirtschaftlichen Profit opfern? Ein reflektiertes, kritisches Arbeiten in China ist nicht möglich, eine wissenschaftliche Kooperation insofern - aus meiner Sicht - eine Farce.

Ich selbst spreche neben Deutsch, Englisch, SPanisch und Französisch so, dass ich mich ohne Probleme über fast alles verständigen kann und werde nun - diese Entscheidung habe ich ganz bewusst getroffen - meine Portugiesischkenntnisse ausbauen und mit Italienisch beginnen: Europäische Diversität ist ein hohes Gut, welches nur erhalten werden kann, wenn wir auch in Europa, trotz der Nähe, interkulturelle Kompetenzen erhalten. Für mich ist Europa wichtiger, als ein menschenverachtendes, kommunistisch-sozialistisches China. Der Gewinnmaximierung wegen China hinterzurennen und eine Erwartung zu schüren, jeder müsse mandarin beherrschen ist in meinen Augen - das mag ignorant sein - ein weiterer Ausverkauf unserer eh schon zu Großteilen abhanden gekommenen wirtschaftlichen Kultur!

@tronco

Ja, ich finde das auch beachtlich, die gesamte Fachterminologie des Maschinenbaus und physikalische Prozesse in Deutsch, Mandarin und Englisch kommunizieren zu können.

Mein Bruder und meine Schwägerin waren nicht sehr begeistert, dass ihre Tochter den Arbeits- und Lebensbedingungen in China relativ unkritisch gegenüberstand. Sie aber sagte, es sei dort nicht so schlimm, wie es hier von den Medien verbreitet wird.

Aber ich bin Ihrer Meinung, man sollte möglichst viele europäische Sprachen lernen. In meiner Verwandschaft gibt es einen Spanier, Italiener, einen Kasachen, Russen, eine Iranerin, einen Senegalesen, Holländer, und alle sprechen mehrere Sprachen.

Bei Familienfeiern ist das ein buntes Gemisch aus wechselnden Sprachen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Sprachenerwerb. Übrigens ist es ziemlich einfach, Italienisch zu lernen, wenn man schon zwei oder drei romanische Sprachen beherrscht oder Latein gelernt hat.