BeförderungChefsein macht unglücklich

Wer zur Führungskraft befördert wird, ist zunächst zufriedener. Mehr Geld und Verantwortung beeinflussen das Wohlbefinden aber nur kurz. Auf Dauer hilft das nicht. von Kristin Schmidt

Beförderungen machen glücklich. Stimmt das? Zwei australische Wissenschaftler haben in der Studie Sind Beförderungen gut für uns? nach der Antwort auf genau diese Frage gesucht. Dafür analysierten sie rund 2.000 Beförderungen und die Entwicklung der Aufsteiger über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit hat die Ergebnisse jetzt veröffentlicht .

Unmittelbar nach der Beförderung überwogen bei den untersuchten Fällen die positiven Assoziationen. Die Betroffenen gaben an, fairer bezahlt zu werden und einen sichereren Arbeitsplatz zu haben als vor dem Karrieresprung. Die Zufriedenheit mit dem Job steigt mit der Beförderung spürbar an, genauso wie der soziale Status. Außerdem freuten sie sich über das neu gewonnene Mehr an Macht und die zusätzliche Verantwortung. Doch genau mit diesen neuen Aufgaben steigt auch der Stress und die Arbeitstage werden länger.

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Und auch die positiven Aspekte der Beförderung halten nicht ewig. Die ersten ein bis zwei Jahre mag das noch funktionieren, aber spätestens ab dem dritten Jahr ging es bei den Befragten gefühlt bergab. Sie hatten nicht mehr den Eindruck, gut bezahlt zu werden, obwohl die Gehälter nicht zurückgegangen waren. Sie fühlten sich ihres Jobs nicht mehr so sicher, obwohl sich auch daran nichts geändert hatte. Und auch die Jobzufriedenheit allgemein ging zurück auf das Niveau vor der Beförderung. Die zusätzlichen Belastungen blieben allerdings bestehen – mehr Stress, längere Arbeitszeiten. 

Folgen für die psychische Gesundheit

Der kurzzeitige Höhenflug verpufft also schnell im Angesicht des Alltags und die negativen Langzeitfolgen machen sich breit. Doch weder das eine noch das andere solle sich laut Studie auf die körperliche Gesundheit des Beförderten auswirken. Einzig und allein die psychische Gesundheit leidet unter dem Karrieresprung. Nach ungefähr zwei Jahren ist "die mentale Gesundheit signifikant niedriger als vor der Beförderung", heißt es in der Studie. Die Befragten nannten vor allem Nervosität als Auslöser für ihre psychischen Beschwerden.

Auf das allgemeine Wohlbefinden, das über den Beruf hinausgeht und sich auf das Privatleben erstreckt, konnten die Forscher keinerlei Auswirkungen feststellen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dem artikel zu tun?

  2. dem artikel zu tun?

    Antwort auf "[...]"
  3. 3. genau

    und würde nur schlimmer werden...

    • Mmblfrz
    • 02. Oktober 2012 9:15 Uhr

    aber ich möchte mal vermuten, dass die getroffenen Aussagen nur für das mittlere Management gelten. Die sitzen zwischen den Fronten (von unten und oben gibt's Druck) und verdienen nicht so viel, um sich nach wenigen Jahren zur Not mit einer fetten Abfindung verabschieden zu können.Andererseits : Wer befoerdert wird, kann sich dem sowieso nicht entziehen ohne seine Stellung im Unternehmen zu riskieren .
    Die niedrigeren Chargen sind übrigens auch meist nicht gluecklich.... Fazit: für die meisten ist das Arbeitsleben nunmal eine trüber Quell.

  4. mehr ausgaben. es ist gut das die negativen langzeitfolgen keine auswirkung auf die körperliche gesundheit haben 'ironie/OFF', oder findet man doch etwas toll an dem job

  5. Der Denkansatz stellt die Chefposition in einem Kontext von Machterhalt und -kaempfen. Das bedeutet auch, dass man als Chef mehr Rechte, mehr Macht, mehr Kompetenz und mehr Radikalitaet zeigen muss.
    Diese absolute Sichtweise der Machterhaltung ist aber falsch! Personen, die nur auf ihre Machtsicherung aus sind und damit keine produktive arbeit mehr leisten koennen, sollten sich nicht wundern, wenn bald auch die Mitarbieter (das sind im Uebrigen die Menschen, die um einen rum sind, wenn man sich im Buero befindet! Meist verborgen hinter dem einzigen Absperrgitter der Tuer ;-)))) verliert und seinen 'Laden' alleine schmeissen kann! Erst wer versteht, dass der Chef heutzutage nicht protzen sollte und auch mitarbeiten sollte, der hat die richtige Einstellung! Zudem sollte man/frau auch verstehen, dass Handwerker auch Fuehrungspositionen einnehmen koennen! Zudem waere es gut, wenn ein Chef den Gesamtueberblick behalten wuerde. Die Frage, die sich mir stellt, ob diese rosarote Traumblase vom Prinzessinnentraum sich nun auch schon im geschaeftlichen Bereich durchsetzt, da die Einfuehrung der Monarchie nur einen Gedankensprung entfernt ist!?!

  6. Um diese Studie in ihrem Zusammenhang zu beurteilen, sei doch noch einmal daran erinnert, dass in sehr vielen anderen Untersuchungen Erfolg (in welchem Bereich auch immer) positiv mit Zufriedenheit, Lebenserwartung etc korreliert ist.

    Der Effekt, dass mehr Geld schnell den Standard für "normal" verschiebt und nicht zu dauerhafter Zufriedenheit führt, ist dagegen wohl bekannt und oft beschrieben.

  7. Wissen diese Personen nicht, dass ab einer gewissen Ebene zumindest ein Teil des Gehaltes als Schmerzensgeld definiert ist?

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  • Schlagworte Alltag | Arbeitszeit | Aufsteiger | Gehalt | Gesundheit | Stress
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