Am 15. Januar 2009 musste ein Airbus 320 kurz nach dem Start in New York auf dem Hudson River notwassern. Alle 155 Passagiere überstanden das Unglück unversehrt. Anders als der Grund für die Notwasserung: Mehrere Kanadagänse wären in die Triebwerke des Flugzeugs geraten. Die Tiere wiegen durchschnittlich fünf Kilo.

"Wenn so ein Vogel in ein Treibwerk gelangt, hat das immer den Ausfall oder eine Notabschaltung zur Folge", sagt Ulf Muuß. Er arbeitet am Flughafen Köln-Bonn in einem ganz besonderen Job: als Bird Controller. Oder mit offizieller Bezeichnung Fachkraft für biologische Flugsicherheit genannt. Seine Aufgabe ist es, "Vogelschläge" – also der Zusammenprall von Vögeln mit Flugzeugen – zu verhindern.

"Viele denken, wir stehen mit der Schreckschusspistole an der Bahn und knallen herum, um die Vögel zu verscheuchen. Das ist nur der letzte Ausweg für uns", sagt Muuß.

Damit die Vögel gar nicht erst so weit aufs Rollfeld kommen, arbeitet der Bird Controller vor allem präventiv. Er muss das Flughafengelände für Vögel so unattraktiv wie möglich gestalten. Wobei Vogel nicht gleich Vogel ist. Gefährlich für Flugzeuge sind vor allem größere Tiere – Enten, Gänse, Kormorane oder eben Greifvögel wie Bussarde und Falken. Damit die Vögel gar nicht erst in Nähe des Flughafens kommen, wird das Gelände entsprechend gestaltet. Alles, was Nahrung darstellen könnte oder Nahrung produziert, muss vom Flughafengelände verbannt werden. Aus der Pflanzenwelt sind dies unter anderem Traubenkirschen sowie Eichen und Buchen. Stattdessen sind an Airports Birken und Hainbuchen zu finden, denn diese Bäume sind keine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel oder Tiere, die wiederum Beute für größere Vögel sind.

Um Greifvögeln das Jagen zu erschweren, wird das Gras auf dem Flughafengelände möglichst lang gehalten. Etwa 25 Zentimeter sind ideal. "Denn Kurzgrasflächen sind für viele Vogelarten sehr interessant. In hohem Gras aber können Mäusebussarde oder Turmfalken ihre Beute nicht sehen. Sie kommen also gar nicht erst auf das Gelände", erläutert der gelernte Berufsjäger .

Flughäfen sind bei bedrohten Tierarten beliebt

Kleinvögel stellen in der Regel kein Problem dar – es sei denn, sie kommen in Scharen. Stare etwa, die in Schwärmen von bis zu mehreren Hundert Tieren den Bereich rund um den Flughafen heimsuchen, sind nicht ganz ungefährlich. "Flugzeugtriebwerke haben eine hohe Saugleistung. Sie saugen die vielen kleinen Vögel an. In der Summe führt das zu erheblichen Schäden am Triebwerk."

Also sind Flughafengelände insgesamt artenarm und eher trist? Nein, im Gegenteil, erklärt der Bird Controller. Die vielen Grünflächen sind botanisch und ornithologisch sogar eher vielseitig. Neben zahlreichen Pflanzen siedeln sich auch einige bedrohte Tierarten in der Nähe von Flughäfen an. Dazu zählen Feldlerche oder Schwarzkehlchen. Und dann erst die Kaninchen. "Der Lebensraum ist für sie optimal", sagt Muuß. Allerdings sind sie Beutetiere für viele Greifvögel, die wiederum eine Gefahr für Flugzeuge sind.