FührungsstilWie Chefs mit manipulativen Mitarbeitern fertig werden

Manipulatoren agieren meist still und schaden so dem Unternehmen. Dabei muss Manipulation gar nicht schädlich sein. Sabine Hockling erklärt, wie Chefs sie nutzen können. von 

Missmatcher werden Mitarbeiter genannt, die sich nicht ins Team integrieren können oder wollen. Ein Teil von ihnen fällt aber nicht nur durch Störung auf, sondern agiert im Hintergrund als Manipulator. Dieses Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben. Oft sind diese Mitarbeiter schon lange im Betrieb und haben mehrere Umstrukturierungen miterlebt. Sie sind vielleicht gegen ihren Wunsch in eine andere Abteilung versetzt worden oder haben eine Kündigungswelle überstanden. Meist sind sie mit wesentlichen Entscheidungen für den Betriebsablauf unzufrieden und versuchen, die anderen Kollegen auf ihre Seite zu ziehen.

Missmatcher platzieren beispielsweise gezielt Fehlinformationen bei Kollegen darüber, welche angeblichen Absichten die Geschäftsleitung mit einer Umstrukturierung erreichen will. Das stört das Betriebsklima und kann die Motivation des Teams negativ beeinflussen. Teams mit Missmatchern sind meist weniger produktiv und innovativ.

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Dieses Verhalten abzuwehren, gehört für Führungskräfte mit zu den schwierigsten Aufgaben. Oft gibt es zwar den Verdacht, dass sich ein Mitarbeiter manipulativ verhält, aber meist fallen diese Arbeitnehmer nicht sonderlich auf. Sie agieren selten offensiv, sondern still im Hintergrund. Sie treten in einer Form auf, die Führungskräften vertraut ist oder haben eine unverdächtige Position innerhalb der Hierarchie. Auch täuschen sie meist gegenüber dem Vorgesetzten guten Willen vor.

Manipulatoren nutzen den Mehrheitsvorteil aus

Der amerikanische Psychologe Robert B. Cialdini beschreibt folgende typische Muster von manipulativer Einflussnahme durch Mitarbeiter: Oft tritt der Arbeitnehmer nur deshalb in Vorleistung, um zu einen späteren Zeitpunkt eine Gegenleistung einzufordern. Er versucht dann später, auf jeden Fall seine Interessen durchzusetzen. Weil es in Arbeitsteams das Prinzip der sozialen Bewährtheit gibt (Menschen orientieren sich gern an anderen, die in ähnlichen Situationen ein anerkanntes Verhalten zeigen), nutzen Manipulatoren den Mehrheitsvorteil gerne für sich aus. Einer von vielen sein, ist ein wirksames Beeinflussungsinstrument. Der Missmatcher bringt etwa andere Kollegen dazu, sich ebenfalls für seine Interessen auszusprechen. Meist setzt er dabei auf Sympathie: Er betont gegenüber den anderen gezielt Gemeinsamkeiten. Das fördert wiederum Vertrauen.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Und auf einmal ist die Führungskraft damit konfrontiert, dass viele Mitarbeiter mit einem bestimmten Umstand unzufrieden sind. Häufig versucht der Missmatcher zudem, Druck zu erzeugen, um seinen Willen durchzusetzen. Dann geht es meist um den Kampf um knappe Ressourcen (beispielsweise Zeit) sowie  um – tatsächliche oder vermeintliche – Exklusivität.

Entscheidend ist deshalb das Auftreten des Chefs. Viele Führungskräfte wollen nicht als unstetig gelten. Um nicht als wortbrüchig zu wirken, bleiben sie daher oft bei einmal getroffenen Entscheidungen bzw. Zusagen. Das nutzen Manipulatoren aus, indem sie den Chef zu einer öffentlichen Aussage provozieren oder einen Entschluss als Folge einer bereits getätigten Entscheidung erscheinen lassen.

Wie geht man mit diesen Mitarbeitern um? Auch wenn das destruktive Verhalten möglicherweise arbeitsrechtlich zu ahnden ist, sollten sich Führungskräfte über die Konsequenzen einer undurchdachten Konfrontation im Klaren sein. Denn menschliche Beeinflussungsmöglichkeiten sind nicht komplett auszuschalten. Es ist auch nicht ratsam, ein solches Klima anzustreben.

Leserkommentare
    • Mortain
    • 10. August 2012 19:01 Uhr

    zwischen schlecht informierten und vielleicht etwas labilen oder ängstlichen Mitarbeitern, und Tratschen die ungewollt Dinge anstoßen die Unruhe in den Betrieb bringen und Psychopathen. Sind Psychopathen am Werk, gibt es nur eine Möglichkeit. Die Person identifizieren, Beweise sammeln, abmahnen und rauswerfen.

    Ich schreibe das deswegen so hart, weil ich Informationen aus erster Hand habe. Meine Partnerin arbeitete in einem solchen Betrieb und ansich war das ein Traumarbeitsplatz. Die hatten allerdings drei Psychopathen in der Firma. Eine davon war Führungskraft. Diese drei haben es geschafft haben das gesamte Betriebsklima für fünzig andere Mitarbeiter zu versauen. Ergebnis: Mobbing, Kündigungen, hoher Krankenstand und dann Intervention des Vorstandes, wobei die Kosten nicht zu unterschätzen sind.

  1. "Der Missmatcher bringt etwa andere Kollegen dazu, sich ebenfalls für seine Interessen auszusprechen. Meist setzt er dabei auf Sympathie: Er betont gegenüber den anderen gezielt Gemeinsamkeiten. Das fördert wiederum Vertrauen.
    Und auf einmal ist die Führungskraft damit konfrontiert, dass viele Mitarbeiter mit einem bestimmten Umstand unzufrieden sind."

    So, so - wer also als Arbeitnehmer ein Interesse (ob berechtigt oder nicht wird hier ja nicht differenziert) artikuliert und um die diesbezügliche Unterstützung sympathisierender Kollegen (mit denen man i.d.R. eben gewisse berufsbezogene Interessen teilt) wirbt, so dass die arme, arme Führungskraft sich mit mehr als einem Untergebenen auseinandersetzen muss, der ist also schon ein "Missmatcher" oder "Manipulator".

    Immer wieder "schön" zu lesen, wie in den Chefetagen offenbar so über die Plebs gedacht wird.

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    ...ein Gewerkschaftler!

    ist keine Einbahnstrasse. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob berechtigte Anliegen, auch von einer Gruppe gestützt, vorgetragen werden oder schlicht und einfach gestänkert wird. Das gilt für Kader, gilt für "normale" Arbeitnehmer.

    • Echolot
    • 10. August 2012 20:08 Uhr

    Solcherlei "Ratgeber" liebe ich - gleich als Folgewerk wird dann ein Ratgeber veröffentlicht, wie der Chef am Besten Manipulationstechniken einsetzen sollte, damit die Teams "motivierter" - sprich: bereiter zur Selbstausbeutung - werden. Klar, Manipulation von oben ist Führungsstärke, Manipulation von unten ist dann ein "Missmatcher". Angepasste Streber sieht Chef natürlich lieber.
    .
    Liebe Frau Hockling, Mitarbeiter die zu solchen Massnahmen greifen, sehen oftmals keine andere Möglichkeit mehr, gegen Missstände im Unternehmen vorzugehen und greifen dann zu Mitteln, die ihnen die Geschäftsleitung oft genug bei erwähnten Umstrukturierungen vorgelebt hat: Manipulation, Täuschung und Vorteilsgewinnung durch das Auseinanderdividieren gewachsener Teamstrukturen. In der Regel haben die das dann bei Leuten wie Ihnen gelernt, die Mit(!)arbeiter in so tolle Schubladen wie Minderleister, Missmatcher oder Performer einteilen können. Das danach oftmals gute Leute demotiviert und destruktiv zurückbleiben, das wird dann zwar beklagt, in der Ursachenforschung will man dann aber auch nicht zu tief graben, sonst kommt noch raus, das man selbst daran nicht unbeteiligt war.
    .
    Wie so oft, trifft der alte Spruch zu: Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Wenn ich als Chef solche Mitarbeiter hätte, dann würde ich statt Abmahnungen zu verteilen mir zuerst mal überlegen, ob ich nicht selbst als schlechtes Vorbild vorangegangen bin.

  2. ...ein Gewerkschaftler!

  3. Peter Schneider, Missmatcher vom Dienst. Und stolz drauf!

    • senza1
    • 10. August 2012 23:39 Uhr

    Der Artikel ist ja ausdrücklich an Chefs gerichtet. Und, wie man anhand der nicht vorhandenen Forumsbeiträge erkennen kann, äußern sich die angesprochenen Führungskräfte nich. Haben sie keine Zeit? Oder spricht man über die Strategien nicht?

    Die hier vorgestellte Strategie:

    Feind lokalisieren Schwachstellen herausfinden → Angriff

    Geht das Militär nicht ähnlich vor? Ist das nicht die altbekannte Grundstrategie der Kriegsführung?

    Hinter den Pforten mancher Unternehmen scheinen sich regelrechte Schlachtfelder aufzutun. Vielleicht könnte man diesem Kriegstreiben mit einer Friedensbewegung begegnen.

    Und es gibt noch eine andere Seite der Medaille, die zumindest erwähnt werden 'könnte'. Auch wenn Führungskräfte das nicht gern hören: Manche der Chefs herrschen und erinnern dabei an vergessen geglaubte feudale Strukturen mit Herrscher und Untertan. So betrachtet ist jeder Mitarbeiter der sich nicht unterwirft ein Manipulator, der wahscheinlich oft nichts anderes tut, als sich der Manipulation zu wiedersetzen oder sich zu wehren.

    Kurzfristig war ich geneigt einen historischen Vergleich zu bringen, die bekannte deutsche Keule, aber ich sehe davon ab. Die Neigung ist aber durchaus da.

    Mich treibt ein wenig die Befürchtung um, dass durch derartige Ansichten (wie im Artikel) und Ratschläge, eine nicht ungefährliche Parallelwelt konstruiert wird, in der Unternehmen mit Schlachtfeldern verwechselt werden, auf denen archaische Strategien den Feind unterwerfen sollen.

    Grausig.

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    • Meykos
    • 11. August 2012 8:53 Uhr

    Sie schreiben:"Auch wenn Führungskräfte das nicht gern hören: Manche der Chefs herrschen und erinnern dabei an vergessen geglaubte feudale Strukturen mit Herrscher und Untertan. So betrachtet ist jeder Mitarbeiter der sich nicht unterwirft ein Manipulator, der wahscheinlich oft nichts anderes tut, als sich der Manipulation zu wiedersetzen oder sich zu wehren."
    Manchmal ist es sinnvoll, Sachen so lange aufzuschieben, dass Fristen nicht mehr eingehalten werden und die Dinge sich erübrigen;

    - wenn man etwas vollkommen unsinnig findet, leistet man seinen Arbeitsbeitrag nicht und unterstützt die Bemühungen anderer nicht;
    - wenn etwas von einem verlangt wird, was man nicht tun möchte, streitet man, wird mürrisch oder reizbar;
    - wenn man etwas nicht tun möchte, arbeitet man überlegt langsam oder macht die Arbeit unkonzentriert und evtl. auch schlecht;
    - man beschwert sich, wenn andere unsinnige Forderungen an einen stellen,
    - man vermeidet die Erfüllung von Pflichten, die andere einem auferlegen und vergisst sie manchmal schlicht;
    - man nimmt anderen sogenannte „nützliche Vorschläge“ zur Steigerung seiner Produktivität übel;
    man reagiert mit Kritik oder Verachtung auf einige Autoritätspersonen;
    - man glaubt seine Tätigkeiten besser auszuüben, als andere denken.

    Wenn sie sich in dieser Auflistung wiedergefunden haben, liegt bei Ihnen mutmaßlich eine negativistische Persönlichkeitsstörung vor...
    http://meykosoft.jimdo.co...

    • chrom
    • 11. August 2012 0:02 Uhr

    Geht’s nicht evtl. doch etwas differenzierter?

    Es gibt natürlich Menschen die nicht mit ihren Kollegen mitfühlen können/ wollen und ohne Rücksicht auf Verluste, durch Grüppchenbildung bewusst Inklusion und Exklusion betreiben. Die Doofen sind dann meistens die, die dem Manipulator ihr Vertrauen geschenkt haben und immer wieder von ihrem guten Freund (meist weiblich) an die „vorderste Front“ geschickt werden. Die Ausgeschlossenen und Gemobbten sind natürlich auch die Doofen.
    Hier kann es nur klare Kante geben. Und zwar nicht gegen die naiven Handlanger sondern gegen die Strippenzieher im Hintergrund.

    Ich würde jetzt schon flachen Bürotratsch, ein vertrauensvolles evtl. nahes persönliches Verhältnis zwischen verschiedenen Mitarbeitern und Gewerkschaftertum davon unterscheiden und vielleicht im Forum zu einem anderen Artikel diskutieren.

    • Snorrt
    • 11. August 2012 5:45 Uhr
    8. Lustig

    Das lustige am Artikel ist, dass er eigentlich das Phänomen beschreibt, das auftritt, wenn zwei Alphatierchen im gleichen Gehege leben ;)

    Andere überzeugen ... Kollegen auf seine Seite ziehen ... gemeinsame Zielstrebung ...

    Schon aufgefallen, dass das alles Strategien sind, die der Chef in anderen Artikeln anwenden soll, wenn es darum geht, sein Team zu leiten? Hihi ...

    Wenn dann auf einmal ein Untergebener anfängt, das Gleiche zu tun, werden eigentlich nur die Begriffe von "souverän" auf "manipulativ" gewechselt.

    Hierarchien sorgen nicht selten für den Missstand, der mit ihnen eigentlich behoben werden sollte. Ist wie mit moderner Technik: Die haben wir auch, damit wir damit Probleme lösen, die wir ohne die Technik gar nicht hätten.

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    • 2b
    • 11. August 2012 10:09 Uhr

    wäre es dann, wenn die Möglichkeiten durch die Technik, jeweils, nicht umfassender gezielten Einfluss ermöglichen, als es die ethische Entwicklung aus unserer Erkenntnisbildung empfiehlt???

    "Anleitung im 21. Jahrhundert" wäre ein anregender Gesellschaftsimpuls. In der Umschreibung hier fehlt aus meiner Sicht die verstandene Umsetzung des Gleichwertigkeitsbegriffes unserer? Gesellschaftsordnungserrungenschaften???

    ... die Folgen unserer Technikanwendung sind also nur so intelligent, wie wir selbst _ Beschwerden, Anträge, Mitteilungen???

    • Formel
    • 11. August 2012 18:56 Uhr

    >Wenn dann auf einmal ein Untergebener anfängt, das Gleiche zu tun, werden eigentlich nur die Begriffe von "souverän" auf "manipulativ" gewechselt.

    Richtig, und dies ist auch gerechtfertigt. Mit den zu besetzenden Stellen wird nicht umsonst auch die Rollenverteilung festgelegt.

    Wollen Sie, dass der Schichtarbeiter auf einmal festlegt, wann produziert wird? Und der Hausmeister, wann das Krankenhaus geöffnet ist? Dann könnten Sie auch gleich die Insolvenz anmelden.

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