Missmatcher werden Mitarbeiter genannt, die sich nicht ins Team integrieren können oder wollen. Ein Teil von ihnen fällt aber nicht nur durch Störung auf, sondern agiert im Hintergrund als Manipulator. Dieses Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben. Oft sind diese Mitarbeiter schon lange im Betrieb und haben mehrere Umstrukturierungen miterlebt. Sie sind vielleicht gegen ihren Wunsch in eine andere Abteilung versetzt worden oder haben eine Kündigungswelle überstanden. Meist sind sie mit wesentlichen Entscheidungen für den Betriebsablauf unzufrieden und versuchen, die anderen Kollegen auf ihre Seite zu ziehen.

Missmatcher platzieren beispielsweise gezielt Fehlinformationen bei Kollegen darüber, welche angeblichen Absichten die Geschäftsleitung mit einer Umstrukturierung erreichen will. Das stört das Betriebsklima und kann die Motivation des Teams negativ beeinflussen. Teams mit Missmatchern sind meist weniger produktiv und innovativ.

Dieses Verhalten abzuwehren, gehört für Führungskräfte mit zu den schwierigsten Aufgaben. Oft gibt es zwar den Verdacht, dass sich ein Mitarbeiter manipulativ verhält, aber meist fallen diese Arbeitnehmer nicht sonderlich auf. Sie agieren selten offensiv, sondern still im Hintergrund. Sie treten in einer Form auf, die Führungskräften vertraut ist oder haben eine unverdächtige Position innerhalb der Hierarchie. Auch täuschen sie meist gegenüber dem Vorgesetzten guten Willen vor.

Manipulatoren nutzen den Mehrheitsvorteil aus

Der amerikanische Psychologe Robert B. Cialdini beschreibt folgende typische Muster von manipulativer Einflussnahme durch Mitarbeiter: Oft tritt der Arbeitnehmer nur deshalb in Vorleistung, um zu einen späteren Zeitpunkt eine Gegenleistung einzufordern. Er versucht dann später, auf jeden Fall seine Interessen durchzusetzen. Weil es in Arbeitsteams das Prinzip der sozialen Bewährtheit gibt (Menschen orientieren sich gern an anderen, die in ähnlichen Situationen ein anerkanntes Verhalten zeigen), nutzen Manipulatoren den Mehrheitsvorteil gerne für sich aus. Einer von vielen sein, ist ein wirksames Beeinflussungsinstrument. Der Missmatcher bringt etwa andere Kollegen dazu, sich ebenfalls für seine Interessen auszusprechen. Meist setzt er dabei auf Sympathie: Er betont gegenüber den anderen gezielt Gemeinsamkeiten. Das fördert wiederum Vertrauen.

Und auf einmal ist die Führungskraft damit konfrontiert, dass viele Mitarbeiter mit einem bestimmten Umstand unzufrieden sind. Häufig versucht der Missmatcher zudem, Druck zu erzeugen, um seinen Willen durchzusetzen. Dann geht es meist um den Kampf um knappe Ressourcen (beispielsweise Zeit) sowie  um – tatsächliche oder vermeintliche – Exklusivität.

Entscheidend ist deshalb das Auftreten des Chefs. Viele Führungskräfte wollen nicht als unstetig gelten. Um nicht als wortbrüchig zu wirken, bleiben sie daher oft bei einmal getroffenen Entscheidungen bzw. Zusagen. Das nutzen Manipulatoren aus, indem sie den Chef zu einer öffentlichen Aussage provozieren oder einen Entschluss als Folge einer bereits getätigten Entscheidung erscheinen lassen.

Wie geht man mit diesen Mitarbeitern um? Auch wenn das destruktive Verhalten möglicherweise arbeitsrechtlich zu ahnden ist, sollten sich Führungskräfte über die Konsequenzen einer undurchdachten Konfrontation im Klaren sein. Denn menschliche Beeinflussungsmöglichkeiten sind nicht komplett auszuschalten. Es ist auch nicht ratsam, ein solches Klima anzustreben.