Ehrenamt : Mit guten Werken Karriere machen

Freiwilliges Engagement macht sich gut im Lebenslauf. Aber bringt ein Ehrenamt wirklich Vorteile bei Bewerbungen? Nicht unbedingt, denn nicht jede Tätigkeit ist gern gesehen.

Das Ehrenamt steht in Deutschland hoch im Kurs. 2011 engagierten sich 11,5 Millionen Deutsche freiwillig im Dienste der Allgemeinheit. Und auch der vor einem Jahr ins Leben gerufene Bundesfreiwilligendienst erfreut sich großer Beliebtheit. Die 35.000 Stellen, die bis Anfang Juli 2012 vergeben werden sollten, waren schon im März besetzt. Darüber hinaus absolvieren etwa 50.000 Jugendliche derzeit ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr. Eine erfreuliche Entwicklung für die Träger sozialer Einrichtungen, aber auch für die Wirtschaft. Denn junge Menschen, die sich sozial engagieren, erlangen dadurch Fähigkeiten, die ihnen im Berufsleben später zu Gute kommen können. Das glaubt Sörge Drosten, Geschäftsführer bei Kienbaum Executive Consultants International. "In den klassischen Aufgabenbereichen lernt man zum Beispiel zuzuhören, geduldig zu sein und auf Menschen einzugehen. Alles Fähigkeiten, die ein guter Chef auch braucht", sagt er.

Dass sich Teilnehmer solcher Dienste genau diesen Vorteil ausrechnen, glaubt Drosten nicht. "Das Programm dauert immerhin zwölf Monate. Da muss man schon für brennen", sagt der Kienbaum-Partner. Auch Sophia von Rundstedt, Geschäftsführende Gesellschafterin der Personalberatung Rundstedt HR Partners, glaubt nicht, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren, um damit ihre Karriere zu befördern.

Der allerdings zeichnet ein etwas anderes Bild. Je jünger die Befragten, desto eher wollen sie durch ihr freiwilliges Engagement auch beruflich vorankommen. Immerhin jeder Vierte zwischen 14 und 30 Jahren stimmte dieser Aussage voll und ganz zu.

Doch vor genau dieser Haltung warnt Sörge Drosten. Er ist überzeugt, dass "diese Heuchelei spätestens im Bewerbungsgespräch" auffliege. Denn beim persönlichen Gespräch haken die Interviewer häufig nach und wollen Details wissen. Wie lange sind Sie schon Mitglied in der Organisation XY? Was machen Sie da genau? Schildern Sie doch mal eine konkrete Situation, in der Sie bei Ihrer ehrenamtlichen Arbeit etwas für ihre berufliche Laufbahn gelernt haben?

Wichtig für Berufseinsteiger

Wer auf solche Fragen nur Floskeln parat hat oder anfängt zu stottern, ist schnell entlarvt. Wer aber zeigt, dass sein Engagement nicht nur auf dem Papier besteht und ihm nützliche Fähigkeiten vermittelt hat, steigert seine Attraktivität für den Arbeitgeber. Vor allem Berufseinsteiger können davon profitieren. Denn für denjenigen, der noch keinerlei berufliche Erfahrung hat, "ist ein Ehrenamt oftmals der entscheidende Faktor, weil der Neuling dadurch Kompetenzen erworben hat, die andere noch nicht haben – zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein", sagt Sophia von Rundstedt.

Auch erfahrenere Kollegen, bei denen grundsätzlich meist fachliche und branchenspezifische Kompetenzen im Vordergrund stehen, können mit freiwilligen Tätigkeiten punkten. "Bewerben Sie sich auf eine Führungsposition, stellt sich der Personaler umso mehr die Frage nach den persönlichen Kompetenzen, hier sind Ehrenämter wichtige Indikatoren", sagt die Beraterin.

Das kann Drosten aus eigener Erfahrung bestätigen, denn noch heute profitiert er von seinem Zivildienst in der Unfallambulanz. In diesen 20 Monaten habe er gelernt, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren. "Diese Mechanismen werden heute noch in mir freigesetzt, wenn es im Beruf mal heiß hergeht", sagt der studierte Betriebswirt.

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Kommentare

48 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Consulting-Tellerrand

Die Karriereblätter, die universitäre Mensen fluten, wie auch diese Sparte hier, haben eine ziemliche Schlagseite: Es geht immer um Consulting. Auch in diesem Artikel werden Unternehmen befragt, die sich der Beratung anderer Unternehmen widmen.

Was, wenn ich in einem dieser viel zahlreicheren anderen Unternehmen arbeite oder arbeiten möchte? Auf was legen die eigentlich wert? Was muss ich beachten, wenn ich mich bei einem Hersteller von Betonfertigelementen bewerbe? Wie kann man ein guter Consultant sein, wenn man anscheinend nicht über den Consulting-Tellerrand hinausschaut? Das widerspricht sich doch selbst.

Ich habe den Eindruck...

... dass dieser Artikel ein ganz falsches Bild vermittelt.

Die Standpunkte der Personalberater erscheinen hier völlig paradox:

Einerseits soll man doch mal konkret darlegen welche Erfahrungen man dem Ehrenamt für seinen Job entnehmen kann, andererseits soll es dem Bewerber doch bitte ernst damit sein und das Ehrenamt nicht bloß für die berufliche Perspektive vorgeschoben werden.

Diese Ansichten sind völlig diametral zueinander. Ein Ehrenamt wird begrifflich nur dann in Ehre wahrgenommen, wenn ihm nicht aus eigennützigem Kalkül nachgegangen wird.

Zuweilen frage ich mich wann wohl das Beaufsichtigen des Nachbarshundes über den dreitätigen Kurzurlaub auch als "Soft Skill" und Quantensprung in Sachen Verantwortungsfragen verkauft werden darf.

Die Mode alles was auch nur ansatzweise als hilfreich erscheint ostentativ in seinem Lebenslauf zu verwerten halte ich für eine kaum noch erträgliche Unsitte.

Zwei Seiten der Medaille

Der Ausbau der Ehrenämter ist eine weitere Karotte, mittels der man die Esel zur Gratisarbeit unter dem Vorwand der Chancenverbesserung bewegen möchte.
Dabei sind es gerade die Millionen Ehrenämter; die reguläre Arbeitsplätze vernichten bzw. diese erst gar nicht entstehen lassen.
Die Träger und andere Organisationen profitieren dabei nicht nur von der Umsonst-Arbeit, sondern lassen sich auch noch für die Bereitstellung von vorhergehender Aus/Weiterbildung subventionieren,

Jeder Mensch kann kann für die Gesellschaft arbeiten, ohne ein offizielles Ehrenamt innehaben zu müssen.

Der Hinweis eines Bewerbers darauf, er/sie habe ein Jahr umsonst gearbeitet; würde mir als Personaler sagen ich habe es mit jemanden zu tun, der sich leicht übern Tisch zu ziehen ist.

Soziale Kompetenz erwirbt man nicht mit einem Ehrenamt. Die hat man entweder schon vorher, oder bekommt sie auch nicht durch Arbeit zum Nulltarif. Eine zB. christliche Gewerkschaft oder ein sonstiger Kirchenableger wird nicht dadurch sozial, indem sich die Organiosation selbst das Schild "Sozial" aupappt.

Liebe Zeit

Das Ehrenamt wird missbraucht, um billige Arbeitskräfte zu rekrutieren.

[...]

Dabei ist dieses Bild eines modernen Lebens wahrlich nicht zeitgemäß. Viel eher stellen sich zeitaktuelle Fragen, zB ob das Ehrenamnt nicht eher ein Mittel ist, billige Arbeitskraft zu propagandieren. Und ich sage, ja so ist es.

tut mir leid, das ist die Meinung eines Lesers hier.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk